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Erschütternde Bilder vom Verfall der Greifswalder Altstadt

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Erschütternde Bilder vom Verfall der Greifswalder Altstadt

27.09.2012, 15:52 Uhr | dapd

Erschütternde Bilder vom Verfall der Greifswalder Altstadt.

Im offiziellen DDR-Jargon galt Greifswald als blühende Stadt der Kernenergie, der Elektronik und der Wissenschaften. Doch die Wirklichkeit sah anders aus, wie eine ab Sonntag (30.9.) im Pommerschen Landesmuseum präsentierte Fotoausstellung zeigt. Die etwa 140 Aufnahmen von Robert Conrad, der im letzten Jahrzehnt der DDR - von der Stasi misstrauisch beobachtet - mit Kleinbildkamera und kritischem Blick durch die Altstadtgassen seiner verfallenden Heimatstadt wanderte, zeichnen ein düsteres Bild von einer völlig verfehlten Baupolitik.

Selbst alteingesessene Greifswalder dürften aus heutiger Sicht beim Anblick der Aufnahmen erschüttert sein über das damalige Ausmaß des flächendeckenden Verfalls, sagt Museumsdirektor Uwe Schröder. Auf den größtenteils in Schwarz-Weiß gehaltenen Großabzügen sind windschiefe schmutzige Fassaden, schadhafte Dächer, von Schutt überzogene Straßen und Hinterhöfe, Abrissbirnen und Litfaßsäulen mit Losungen vom sozialistischen Aufbau zu sehen.

"Es war das Schlachten einer historischen Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg dank der kampflosen Übergabe unzerstört geblieben war", sagt Conrad, der sich zu DDR-Zeiten mit seinen alternativen Ansichten zum industriellen Plattenbau vergebens um ein Architekturstudium in Weimar beworben hatte.

Der vorpommersche Historiker Norbert Buske sah das ähnlich: "Wer heute nach Greifswald kommt, der muss meinen, auch über Greifswald sei damals die Kriegswalze gefahren und hätte die Stadt in Schutt und Asche gelegt", schrieb er 1991.

Greifswald galt in den 1980er Jahren ebenso wie Gotha und Bernau als Pilotstadt für den Stadtumbau. Es habe an Material, aber auch an Fachkräften gefehlt, die Dachstühle sanieren oder Schwammbefall ausmerzen konnten, sagt Kurator Kai Kornow, der mit der Wende eine Bürgerinitiative zur Altstadtrettung gegründet hatte. Die Baustadtplaner hätten in den letzten Jahren der DDR erkannt, dass mit den verfügbaren Mitteln sowieso kaum noch etwas zu retten gewesen sei. Deshalb wurden ganze, verfallene Stadtquartiere abgerissen und durch eine modifizierte Plattenbebauung ersetzt.

Conrad, inzwischen international anerkannter Architekturfotograf, betont, dass es ihm mit seinen Bildern nicht um eine pauschale Anklage gehe. "Ich kann der damaligen, sozial ausgerichteten Wohnungsbaupolitik nicht völlig meinen Respekt verweigern", sagt der 50-Jährige. Stadtplaner wie Frank Mohr, der als Vater des innerstädtischen Plattenbaus galt, hätten zumindest die historische Stadtstruktur erhalten wollen.

Dass es auch andere Pläne gab, mit gänzlich neuen Hochhaus-Straßenzügen auf einer plattgewalzten Altstadt, zeigen Unterlagen und beängstigende Architekturkonzepte in einer kleinen ergänzenden Ausstellung. Zugleich dokumentieren Veröffentlichungen wie in der Zeitschrift "Neue Heimat", dass das Abriss- und Neubaugeschehen in Greifswald im Westen nicht nur auf Kritik, sondern durchaus auch auf Interesse gestoßen war. Man dürfe nicht ausblenden, dass der Wert der Altbausubstanz damals auch in der BRD oder zum Beispiel in Schweden weit weniger geschätzt worden sei als heutzutage, sagt Conrad.

Für den Amateurfotografen Conrad war der Verfall seiner Heimatstadt ein Albtraum. Regelrecht traumatisiert sei er durch Straßen und über Hinterhöfe gezogen, sagt er. Eingaben an Erich Honecker blieben unbeantwortet. Stattdessen habe die Stasi seine "Kriminalisierung" und Inhaftierung vorbereitet, wie seine Stasi-Akte belege. Enttäuscht zog Conrad 1986 nach Berlin um, wo er heimlich Mauer-Fotos anfertigte.

Den Honecker-Besuch zur Wiedereinweihung des Greifswalder Doms im 1989, als für den Stadtrundgang Fassaden von Ruinen getüncht worden waren, habe er nur aus der Ferne erlebt. Heute mache es ihm Spaß, wieder nach Greifswald zurückzukehren, sagt er. "In der Altstadt ist baulich so viel passiert seit der Wende."

Die Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum ist bis Ende Januar geöffnet. Informationen: http://url.dapd.de/xcTp8W

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