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Scharfe Kritik an Öffnung von Weihnachtsmärkten vor Totensonntag

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Scharfe Kritik an Öffnung von Weihnachtsmärkten vor Totensonntag

23.11.2012, 18:21 Uhr | dapd

Scharfe Kritik an Öffnung von Weihnachtsmärkten vor Totensonntag.

 

Die Eröffnung von Weihnachtsmärkten noch vor Totensonntag wird von der evangelischen Kirche scharf kritisiert. Der Advent beginne erst nach dem Ewigkeitssonntag, mahnte der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, in einem Gastbeitrag für die "Potsdamer Neuesten Nachrichten". Der Respekt gegenüber den Trauernden gebiete es, die Lichter des Advents erst nach dem Totensonntag anzuschalten.

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe, einst Konsistorialpräsident der evangelischen Kirche, rief in der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" (Freitagausgabe) sogar zum Boykott des Potsdamer Weihnachtsmarktes auf, der bereits am Donnerstag seine Pforten öffnete.

"Ich finde es geschmacklos und bin ein bisschen erschüttert, dass das Kommerzdenken sich über alle Anstandsregeln hinwegsetzt", monierte Stolpe und forderte die Potsdamer auf, die voreiligen Händler auf dem Weihnachtsmarkt bis zum 26. November durch Nichterscheinen abzustrafen.

Besinnen auf die Endlichkeit des Lebens

Die Potsdamer Stadtverwaltung hat bei der Genehmigung des Weihnachtsmarktes nach Ansicht von Stolpe "den Argumenten des Profits nicht standhalten können". "Für mich ist das ein Signal für die Richtung, in die sich die Gesellschaft in unserer Stadt bewegt: dass es zu einer Vergötzung des Geldes kommt, ohne Rücksicht auf die Gefühle der Menschen", schrieb der ehemalige Regierungschef, der seit vielen Jahren in Potsdam lebt. Der Ewigkeitssonntag sei ein Tag des Innehaltens, mahnte der 76-Jährige.

Dröge schrieb in seinem Beitrag, wirtschaftliche Interesse seien zwar keine Sünde. Wenn aber kulturelle Traditionen übergangen würden, verkehre sich der finanzielle Nutzen in gesellschaftlichen Schaden. "Der Rhythmus des Jahres gibt Menschen Orientierung und lässt auch die Bedeutung der Festzeiten intensiver erleben. Dieses Erleben wird beschädigt, wenn die Weihnachtsmärkte zur Unzeit ihre Stände öffnen."

Der Respekt gegenüber den Toten gebiete es, Weihnachtsmärkte erst nach Totensonntag zu öffnen, fügte der Bischof hinzu. Das Licht der Kerzen und die Beleuchtung der Märkte seien Ausdruck der Vorfreude auf eine helle Zeit und die Geburt Jesu. Der November hingegen sei mit Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag ein stiller Monat.

Nach Angaben der Stadt wurde der Potsdamer Weihnachtsmarkt zwar schon vor Totensonntag eröffnet, bleibt jedoch am Totensonntag selbst geschlossen.

 
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