24.12.2012, 13:13 Uhr | dapd
Weihnachten am Sorgentelefon: Wenn andere besinnlich mit der Familie feiern, stehen bei der Telefonseelsorge zwischen Weihnachten und Neujahr die Telefone nicht still. Gerade um die Feiertage herum gebe es viele Menschen, die sich einsam fühlten oder schwere Krisen hätten, sagte der Leiter der evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart, Krischan Johannsen, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Heiligabend sei kein Problemtag. Aber ab dem 25. Dezember werde es "richtig heftig".
Hauptsorge der Frauen und Männer sei die Furcht vor Familienkrisen, sagte Johannsen. In vielen Familien zeigten sich an diesen Tagen die Risse "besonders deutlich und schmerzhaft" und es helfe auch keine erzwungene Harmonie über den Streit hinweg. Dabei gehe es beispielsweise darum, dass der Pflichtbesuch bei ungeliebten Schwiegereltern anstehe oder die Kinder nicht zum Weihnachtsfest kommen.
Anrufer mit psychischen Erkrankungen fürchteten sich vor allem vor der Zeit zwischen den Jahren, weil es dann keine Angebote für sie gebe. Hilfe bei der Telefonseelsorge suchten auch Menschen, bei denen es beruflich oder geschäftlich schlecht laufe, die etwa zum Jahreswechsel ihren Job verlieren. Manche glaubten, sie würden es im nächsten Jahr nicht schaffen. Diese Sorge könne bis hin zu Suizidabsichten gehen.
Täglich zwischen 40 und 60 Gespräche werden bei der evangelischen Telefonseelsorge Stuttgart geführt. Die Anzahl nehme um Weihnachten herum nicht zu, weil die beiden Leitungen ohnehin immer ausgelastet seien, sagt Johannsen. Allerdings hätten die Gespräche zwischen den Jahren mehr Brisanz, weil es dann viel weniger andere Hilfsangebote gebe als sonst.
Seit fünf Jahren geht die evangelische Telefonseelsorge Stuttgart auch neue Wege und berät zusätzlich über Mail und Chat. Von Anfang an sei bei diesem Medium viel häufiger Gewalt oder Missbrauch thematisiert worden als am Telefon, erläuterte der Telefonseelsorger. Dies liege vermutlich an der niedrigeren Hemmschnelle durch die Anonymität des Internets.
"Dieser Bereich bereitet mir Sorgen", sagte der 58 Jährige. So werde am Telefon jährlich in etwa 2.500 Anrufen das Thema Suizid direkt angesprochen, das seien etwa 10 Prozent der Gespräche. Bei Beratungen im Internetchat liege der Anteil bei 20 Prozent.
( Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr zu erreichen unter 0800/111 01 11 (evangelisch) und 0800/111 02 22 (katholisch). Die evangelische Stelle bietet daneben eine Mail- und Chatberatung an unter http://www.telefonseelsorge.de )
Quelle: dapd
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