25.12.2012, 12:07 Uhr | dapd
Deutschland muss kinderfreundlicher werden: Bayerische Bischöfe haben die Bedeutung von Kindern für die Gesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Weihnachtspredigten gerückt. Kardinal Reinhard Marx beklagte die seit Jahrzehnten sinkenden Geburtenraten. "Ohne das intensive Ja-Wort zu Kindern kann keine wirklich nachhaltige Zivilisation bestehen", sagte der Erzbischof von München und Freising laut Redemanuskript.
"Wir brauchen eine Wende in den Herzen und Köpfen aller, um neu die Lust auf Leben zu entdecken und die Freude, Leben weiterzugeben", erklärte Marx. Das sei aber nicht einfach durch Maßnahmen der Familienpolitik zu schaffen - so wichtig und notwendig diese auch seien. Vielmehr sei die "grundsätzliche Bereitschaft" nötig, dem neuen Leben eine wirkliche Priorität einzuräumen.
Zu mehr Kinderfreundlichkeit in Deutschland und der Welt rief Bambergs Erzbischof Ludwig Schick in seiner Weihnachtspredigt auf. Das Kind in der Krippe sei ein "Aufschrei gegen Kinderarmut", sagte Schick bei der Christmette im Bamberger Dom. Das Weihnachtsfest weise auf die Würde und Rechte der Kinder hin.
Das Kind in der Weihnachtskrippe, auf Gemälden und in Liedern verbiete jedes Drängen von Kindern an den Rand der Gesellschaft. Es sei ein Aufschrei gegen das Abschieben von Kindern vor den Fernseher oder den Computer, "weil die Eltern oder andere Erwachsene keine Zeit für ihre Kinder haben", betonte Schick. Der Erzbischof fügte hinzu: "Kinder sind nur dann unsere Zukunft, wenn wir ihnen Zukunft ermöglichen."
Auf das Massaker an einer Grundschule im US-amerikanischen Newton, wo ein Mann 20 Kinder und sechs Erwachsene erschossen hatte, kam der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zu sprechen. Gott sei bei den Kindern gewesen, die gestorben sind, und er habe sie "in sein Reich geleitet, das kein Leid mehr kennt und in dem alle Tränen abgewischt sind". Gott könne nicht mit ansehen, wie die Menschen seine Gebote missachten - er wolle bei den Leidenden sein.
Auch der Passauer Bischof Wilhelm Schraml und der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sprachen den Gläubigen Mut zu. Das Leben sei kein auswegloses Labyrinth aus Hass, Ungerechtigkeit, Missbrauch der Wahrheit, Grausamkeit und Entehrung des Menschen, sagte Schraml. In allen Zweifeln und Ängsten dürften die Menschen wissen: "Gott ist da. Wir sind nicht mehr allein".
Hofmann sagte bei der Christmette im Würzburger Kiliansdom: "Das Kind in der Krippe, in menschlicher Armut und Kleinheit uns Menschen ausgeliefert, erlebt unsere Ängste und Nöte, unsere Anfechtungen und unser Leid." Für die Menschen sei es der Retter "aus dem ansonsten unüberwindbaren Elend unseres Daseins".
Quelle: dapd
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