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Enkeltrick boomt in Rheinland-Pfalz: "Rate mal, wer dran ist, Opa"

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"Rate mal, wer dran ist, Opa"

27.12.2012, 09:20 Uhr | dapd

Der Anrufer gibt sich als Enkel oder Neffe aus und bittet wegen Geldnot um eine Finanzspritze. Das Geld bleibt ja in der Verwandtschaft, denkt sich die 76 Jahre alte Dame am anderen Ende des Hörers und händigt später einer scheinbar vertrauenswürdigen Mitarbeiterin eines Notars 45.000 Euro in Bargeld aus. Doch der angebliche Angehörige ist ein Betrüger und das Ersparte der Seniorin futsch - sie ist auf den sogenannten Enkeltrick hereingefallen.

Fälle wie der in Saarbrücken sind im Saarland und in Rheinland-Pfalz keine Seltenheit. Besonders zwischen den Jahren sollten sich Rentner in Acht nehmen. Gerade nach den Festtagen könnten sich Betrüger etwas vom Weihnachtskuchen abschneiden wollen, weil dann der Geldbeutel gewöhnlich etwas lockerer sitze, spekuliert das saarländische Landespolizeipräsidium. Dort wurden in diesem Jahr bis Dezember 27 Fälle gezählt.

Laut der Polizei in Mainz könne vor allem dann ein vermeintlicher Enkel erfolgreich sein, wenn das potenzielle Opfer an Weihnachten allein geblieben sei. Dass diese Warnung nicht unbegründet ist, bestätigt auch das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz. Zwar verzeichneten die Reviere seit Jahren relativ konstante Zahlen, seit 2011 habe sich die Schadenssumme jedoch mehr als verdoppelt, berichtet ein Sprecher. Im vergangenen Jahr seien 219 Trickbetrügereien mit einem Gesamtschaden von knapp 334.000 Euro registriert worden. Dagegen seien 2012 bei 259 gemeldeten Fällen schon rund 789.000 Euro erbeutet worden.

Vermutlich hohe Dunkelziffer

Die Betrüger suchten gezielt nach möglichst altersschwachen oder dementen Opfern, erläutert die Mainzer Polizeisprecherin, Heidi Nägel. Die Täter erspähten in Geschäften zerbrechlich wirkende Rentner oder suchten in Telefonbüchern nach altbacken klingenden Namen. Dann meldeten sie sich am Telefon mit "Rate mal, wer dran ist" und duzten die potenziellen Opfer. Das schaffe Vertrauen. "Das sind richtig strategische Kommunikationsgenies", warnt Nägel. "Und Enkeltricks sind ja nur eins. Nun kommen auch Neffen, Arbeitskollegen oder Freunde daher. Die sind da ganz flexibel."

So auch bei einem 86 Jahre alten Opfer aus Mainz: Der Senior erhielt einen Anruf eines angeblichen Neffen mit Geldproblemen. Daraufhin hob der Mann einen fünfstelligen Betrag bei der Bank ab. Als eine fremde Frau das Geld abholen wollte, wurde er misstrauisch. Kurz darauf erhielt der Mann jedoch einen weiteren Anruf von einer vermeintlichen Kripobeamtin, die die Täter mit dem Geld auf frischer Tat ertappen wollte. Also händigte der Senior sein Vermögen aus, wartete allerdings vergeblich auf den Zugriff der Polizei.

In Trier treten die Betrugsfälle meist wellenförmig auf, wie Polizeisprecher Karl-Peter Jochem sagt. Dank der verstärkten Sensibilisierung bleibe es aber oft nur beim Betrugsversuch. Möglich machte dies eine Großoffensive der Reviere. In Supermärkten, Arztpraxen und Apotheken liegt Info-Material für Senioren aus. Zudem schulen die Landeskriminalämter Bankangestellte, damit sie bei größeren Barabhebungen nachhaken.

Sicherheitsbeamte sollen Senioren aufklären

Allerdings sei die Dunkelziffer wohl deutlich höher als die registrierten Fälle, schätzt Jochem. Viele geprellte Senioren meldeten sich nicht, weil sie den Betrug erst gar nicht merkten oder sich schämten. Daher empfiehlt die Polizei, dass Betroffene sich bei ihren Verwandten rückversichern, falls ein Anrufer finanzielle Hilfe fordert. Und vor allem sollten sie Fremden niemals Geld übergeben.

Der Vorsitzende der Landesseniorenvertretung Rheinland-Pfalz, Herman-Hartmut Weyel, erzählt, verunsicherte Senioren fänden bei sogenannten Sicherheitsbeauftragten Unterstützung. Dabei handele es sich um Senioren, die von der Polizei geschult würden und dann andere Rentner in den Gemeinden informierten. Allein in der Region Trier gebe es 120 solcher ehrenamtlichen Berater. "Es fallen ja nur die rein, die noch nichts von dem Enkeltrick gehört haben und denken, der Enkel ist wirklich dran", meint Weyel.

Quelle: dapd

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