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Wolfgang Thierse bekommt für Schwaben-Lästerei viel Gegenwind

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Wolfgang Thierse bekommt für Schwaben-Lästerei viel Gegenwind

01.01.2013, 13:50 Uhr | dapd

Wolfgang Thierse bekommt für Schwaben-Lästerei viel Gegenwind.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat zum Jahreswechsel kräftig über anpassungsunwillige Schwaben in seiner Heimatstadt Berlin abgelästert - und muss nun viel Gegenwind aushalten. Politiker aller Parteien, vorrangig baden-württembergischer Herkunft, nahmen die Zugezogenen aus dem Ländle in Schutz.

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) ging Thierse persönlich an. "Die Schwaben in Berlin passen zum modernen Deutschland weitaus besser als mancher pietistische Zickenbart", erklärte Niebel, der Spitzenkandidat der baden-württembergischen FDP ist.

EU-Energiekommissar und Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU), konterte in der "Bild"-Zeitung: "Ohne die Schwaben wäre die Lebensqualität in Berlin nur schwer möglich. Denn wir zahlen da ja jedes Jahr viel Geld über den Länderfinanzausgleich ein." Auch Grünen-Chef Cem Özdemir, der sich selbst "anatolischer Schwabe" nennt, meldete sich zu Wort. Er gab in der "Bild" zu bedenken, dass viele Schwaben schließlich zum Arbeiten in die Hauptstadt kommen. "Die Berliner sollen uns Schwaben dankbar sein und nicht über uns lästern wie Herr Thierse."

Thierse hatte der "Berliner Morgenpost" gesagt, er wohne seit 40 Jahren ununterbrochen im Stadtteil Prenzlauer Berg, wo aber inzwischen 90 Prozent seiner Nachbarn Zugezogene seien. "Ich sage ironisch: Ich muss als einer der letzten Eingeborenen dort wohl allmählich unter Artenschutz gestellt werden."

"In Berlin sagt man Schrippen"

Er ärgere sich, wenn ihm beim Bäcker gesagt werde, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken. "Da sage ich: In Berlin sagt man Schrippen, daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen. Genau das gleiche mit Pflaumendatschi. Was soll das? In Berlin heißt es Pflaumenkuchen."

Er wünsche sich, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind, und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche. "Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause. Das passt nicht zusammen."

Die Schwaben, womit oft pauschal alle Zugezogenen gemeint sind, sind in Berlin ein beliebtes Lästerobjekt. Ihnen wird unterstellt, mit ihrem Geld die Mieten hochzutreiben und zur "Verspießerung" ehemaliger Szene-Kieze wie Prenzlauer Berg und Mitte beizutragen.

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