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Hamburg: Der Aufstieg des SM-Club Catonium

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Respekt statt Gewalt

11.01.2013, 12:08 Uhr | dapd

Hamburg: Der Aufstieg des SM-Club Catonium.

Zärtlich, aber bestimmt umfasst seine Hand den Löwenkopf am Ende der Armlehne. Andreas R. sitzt in einem schweren Holzstuhl in der Romanischen Halle, der einem Thron gleicht: "Als wir das Catonium im April 2007 eröffneten, hatten wir nicht geplant, die größte SM-Location der Welt zu schaffen." Der 57-Jährige ist der Betreiber, arbeitet aber auch in anderen Berufen, weshalb er nicht seinen vollen Namen nennen möchte. Das Catonium im Hamburger Stadtteil Stellingen bietet auf 1.600 Quadratmetern verschiedene Veranstaltungen und einen Treffpunkt für Sadomasochisten.

Das sind Leute, die nicht zwangsläufig auf Schmerzen und Demütigung stehen. Vielmehr ist Sadomasochismus (SM) ein Rollenspiel, bei dem einer den devoten, der andere den dominanten Part mimt. Das Spiel findet immer im gegenseitigen Einvernehmen statt.

Die BDSM-Jugend (SMJG) - ein gemeinnütziger Verein, der Aufklärungsarbeit für Jugendliche mit sexuell von der Norm abweichenden Neigungen betreibt - erklärt auf ihrer Internetseite, dass BDSM eine "Spielart zwischen Menschen ist, die nichts mit Gewalt zu tun hat, sondern vielmehr Selbstachtung, Respekt und gemeinsamer Kommunikation verpflichtet ist". BDSM wird meist als Oberbegriff für Sadomasochismus gehandelt und steht für die englischen Bezeichnungen Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism und Masochism.

2.000 Gäste im Monat

Nach fast sechs Jahren hat sich das Catonium, eine von deutschlandweit etwa 50 SM-Locations, international einen Namen gemacht. "Nur etwa jeder dritte Gast stammt aus Hamburg", sagt Andreas R. Seiner Einschätzung nach wächst die Szene ständig. Im Monat besuchen etwa 2.000 Gäste seine Location. Dort werden auch sogenannte Playpartys angeboten, bei denen SM im Vordergrund steht und frei "gespielt" werden darf. Das heißt, alle Spielräume - auch die Romanische Halle - stehen dem sexuellen Spiel zur Verfügung und nur das ist an diesen Abenden wichtig.

Mit etwa 80 bis 150 Gästen seien diese Veranstaltungen gut ausgelastet, sagt Andreas R. und fügt hinzu: "Früher hat es nur solche Partys gegeben, aber jetzt wollen die Leute eine Mischung aus Tanzen und Spielen, aber auch speziellere Playpartys." Die hedonistischen Tanzpartys etwa, wie der Betreiber sie nennt, locken bis zu 1.500 Gäste an. "Da muss die Tanzfläche voll sein, das erwarten die Besucher", weiß der 57-Jährige. Je nach Motto wird Tanzmusik von Gothic bis Techno gespielt.

Aber auch spezielle Playpartys kommen beim Publikum an. So gibt es etwa die "Femdom", bei der alle Frauen dominant sind und über die Männer regieren. Bei einer anderen Party läuft es genau andersherum. Insbesondere die speziellen Playpartys kommen "gerade auch bei jungen Menschen zwischen 18 und 25 Jahren gut an, die sich unter das Volk mischen", sagt Andreas R. Ins Catonium darf man erst ab 18.

Erste SM-Fantasien zwischen 10 und 14 Jahren

Bei vielen entwickeln sich SM-Neigungen jedoch bereits in der Pubertät. Bei einer Online-Umfrage 2009 mit mehr als 600 Teilnehmern fand der Soziologe Oliver Bernasconi heraus, dass über ein Drittel der Befragten erste SM-Fantasien zwischen 10 und 14 Jahren erlebten. Diesen Anstieg registriert auch der Verein SMJG: "Bei uns gibt es kein Mindestalter, aber Interessenten über 27 müssen wir an die Erwachsenen-Stammtische und Vereine verweisen", sagt ein Vereinssprecher. Mittlerweile gebe es bundesweit 33 Jugendstammtische mit insgesamt etwa 900 Teilnehmern pro Monat - Tendenz steigend.

Die Stammtische dienen dem Austausch über die eigenen Neigungen, aber auch, um Gleichgesinnte zu treffen. In Hamburg finden mittlerweile zwischen 15 und 20 Stammtische regelmäßig zu den verschiedensten Themen statt - die meisten davon im Catonium. Die Spannbreite reicht von Bondage, der Fesselkunst, über Uniformfetisch bis hin zu Pokerabenden, bei denen man sich selbst als Preis ausschreiben kann.

Auch Matthias Grimme, Pressesprecher der Bundesvereinigung Sadomasochismus, ist aufgefallen, dass traditionelle SM-Partys eher abnehmen. Er sieht aber einen anderen Grund dafür: "Meiner Meinung nach geht die Szene mehr zurück ins Private, sowohl online als auch unter Freunden." Durch die Medien habe es in den vergangenen zehn Jahren zwar einen Boom an Clubs gegeben, aber die Leute zögen die Privatheit vor. Er selbst hat 22 Jahre Partyerfahrung als Mitorganisator und freut sich, dass das Catonium so gut läuft.

"Die große Masse möchte ja auch nur ein bisschen SM ausleben und dafür eignen sich die Mischpartys ganz gut", erklärt Catonium-Betreiber Andreas R. Die Szene entwickele sich auch in die andere Richtung weiter. Für 2013 sei ein Kerker-Event mit Übernachtung geplant, bei dem Interessierte den Devoten einsperren können: "Es gibt immer Leute, die ihre Fantasien breiter ausleben wollen und denen wollen wir natürlich gerecht werden", sagt Andreas R. und lehnt sich in seinem Holzthron zurück.

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