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Einfach weg - Polizei sucht manchmal viele Jahre nach Mördern

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Kriminalität

Einfach weg - Polizei sucht manchmal viele Jahre nach Mördern

01.09.2013, 13:17 Uhr | dpa

Sex-Mord an 13-Jährigem - neue Hinweise nach 18 Jahren

Sex-Mord an 13-Jährigem - neue Hinweise nach 18 Jahren

Sie verschwinden - und tauchen entweder gar nicht mehr oder tot auf. Jahr für Jahr gibt es Dutzende ungeklärte Tötungsverbrechen in Deutschland. Manchmal wird noch nicht einmal eine Leiche gefunden. In Berlin ist jetzt ein 18 Jahre alter Mordfall in den Schlagzeilen.

Stefans Spur verliert sich auf einer zweieinhalb Kilometer langen Strecke. Der 13-Jährige verschwindet am 2. August 1995 in Berlin-Pankow. Dort hat der Junge aus Kiel in den Ferien seinen Vater besucht. Sechs Tage nach Stefans Verschwinden taucht seine Leiche auf - auf einer Mülldeponie im brandenburgischen Schöneiche am östlichen Berliner Stadtrand.

Es stellt sich heraus, dass er Opfer eines Sexualverbrechens geworden ist. Die Kriminalpolizei hat in all den Jahren Stefan Lamprechts Akte nicht zugeklappt: Die Ermittler sind kürzlich in Berlin an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie auch nach 18 Jahren noch auf Hinweise hoffen, die Licht ins Dunkle bringen.

Dutzende Todesfälle ungeklärt

Bundesweit gibt es mehrere Dutzend Fälle von Mord- und Totschlag, die ungeklärt sind. Laut Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden waren es im vergangenen Jahr 2126 Mord- und Totschlagsdelikte, darunter auch 1588 Versuche. Insgesamt 2038 aller Fälle wurden gelöst. Das heißt, dass 88 dieser Verbrechen rätselhaft blieben - beziehungsweise Tötungsversuche - da wird in der BKA-Statistik nicht unterschieden.

In Berlin konnte die Polizei seit den 1970er Jahren bis heute mehr als 200 Tötungsdelikte nicht aufklären. Unter den Opfern sind sieben Kinder und Jugendliche, auch Stefan Lamprecht. Das BKA weist darauf hin, dass die bundesweiten Angaben nicht direkt mit denen in den Ländern vergleichbar seien. Es gebe unterschiedliche Zählweisen.

Keine Zeugen für Stefans Verschwinden

Keine Spuren, keine Zeugen, keine Beziehung zwischen Täter und Opfer - es gibt viele Gründe, warum die Ermittler in manchen Fällen nicht weiter kommen, wie der stellvertretende Sprecher der Berliner Polizei, Thomas Neuendorf, sagt. Hin und wieder ergäben sich aber neue Ansätze. "Es müssen Tatsachen, Hinweise oder Ermittlungsanhalte vorliegen, die es sinnvoll erscheinen lassen, die Öffentlichkeit nunmehr erneut zur Mithilfe aufzurufen", erklärt Neuendorf.

Auch für das Verschwinden von Stefan Lamprecht gibt es bisher keine Zeugen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter sein Opfer zufällig traf, irgendwo zwischen Prenzlauer Berg und Pankow. Der Junge wollte seine Badesachen bei einem Freund abholen - und kehrte nicht wieder.

Georgine ist seit sieben Jahren verschwunden

Nach dem Verschwinden mancher Menschen tauchen noch nicht einmal Leichen auf. Angehörige und Freunde müssen mit der quälenden Ungewissheit leben. Wie bei Georgine Krüger aus Berlin-Moabit. Sie ist seit September 2006 weg. Die Polizei hat den Verdacht, dass die damals 14-Jährige einer Straftat zum Opfer gefallen ist. Rund 120 Menschen gelten in der Hauptstadt als langzeitvermisst. Bundesweit listet das BKA mehrere tausend vermisste Menschen auf.

Knapp eine Woche nach dem Aufruf im Fall des 13-jährigen Stefan sind laut Polizei bis Freitag neun Hinweise eingegangen. Sie geht davon aus, dass beim Täter eine "sadistische Tendenz" vorliegt. Sein Opfer hatte mehrere Messer-Verletzungen - und blaue Müllsäcke wie eine Art Kleidung am Körper. Außerdem seien Braunkohlereste an dem Toten entdeckt worden. Möglicherweise habe der Täter die Leiche zeitweise in einem Keller versteckt, heißt es bei der Polizei.

Die Ermittler setzen vor allem auf Hinweise aus Berlin und Kiel. "Über das Kieler Umfeld von Stefan Lamprecht gibt es insgesamt nur wenige Informationen." Mittlerweile sei aber bekannt, dass ein pädophil veranlagter Mann in der norddeutschen Stadt Kontakt zu dem Jungen gesucht habe. "Darüber wissen die Ermittler wenig."

01.09.2013, 13:17 Uhr | dpa

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