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Dresdner Friedenspreis geht nach Italien

12.02.2017, 14:18 Uhr | dpa

Dresdner Friedenspreis geht nach Italien. Domenico Lucano

Domenico Lucano erhält durch Kolatha Asres aus Eritrea den "Dresdner Friedenspreis". Foto: Arno Burgi (Quelle: dpa)

Standing Ovations für drei Menschen aus dem Volk: Die Verleihung des Dresdner Friedenspreises ist am Sonntag zu einem bewegenden Plädoyer für die Menschlichkeit geworden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis ging an Domenico Lucano, Bürgermeister des italienischen Dorfes Riace in Kalabrien. Er nahm in den vergangenen Jahren viele Flüchtlinge auf und integrierte sie ins Dorfleben. Inzwischen hat ein Drittel der Einwohner ausländische Wurzeln. Amalia und Giuseppe Gelardi erhielten einen Sonderpreis (2000 Euro). Sie hatten ein 17 Jahre altes Mädchen aus Eritrea, das auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken war, in ihrer Familiengrabstätte auf einem Friedhof in Agrigento (Sizilien) beigesetzt.

Zur Emotionalität der Feierstunde trug schon ihr Auftakt bei. Zu Beginn wurden Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm "Seefeuer" von Gianfranco Rosi gezeigt. Er schildert in beklemmenden Aufnahmen den Alltag von Flüchtligen auf der Insel Lampedusa südlich von Sizilien und die Arbeit der italienischen Küstenwache, die ertrunkene Flüchtlinge aus dem Mittelmehr bergen muss. Der Streifen war auf der Berlinale 2016 mit dem "Goldenen Bären" ausgezeichnet worden. Danach gab es eine musikalische Uraufführung. Die sizilianische Liedermacherin Etta Scollo sang ihr Lied "Sconsciuto" ("Unbekannter"), das den toten Flüchtlingen gewidmet ist.

Ex-Innenminister Gerhart Baum, der als Ehrenmitglied des Veranstalters "Friends of Dresden" durch das Programm führte, sprach vom "richtigen Thema zur richtigen Zeit. Europa sei "flüchtlingsmüde" geworden. Man habe Angst vor populistischen Strömungen und nehme daher keine Leute mehr auf. In Nordafrika würden 300 000 bis 350 000 Flüchtlinge auf den Frühling warten, um dann die risikoreiche Fahrt über das Mittelmeer zu wagen. "Der einzige Ausweg ist Solidarität. Die Krisen der Welt sind bei uns angekommen", sagte Baum. Man sei mit einer Wirklichkeit konfrontiert, vor der man sich nicht wegducken dürfe. Mit der Verleihung des Friedenspreises wolle man in diesem Jahr bewusst ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen.

Der frühere Dresdner Kunstsammlungschef Martin Roth hielt die Laudatio auf Preisträger Domenico Lucano. Er nannte Riace ein "politisches Zukunftsmodell" und wünschte viele Nachahmer: "Wir brauchen Menschen, die Haltung zeigen." Riace sei kein Wunder, sondern "eher ein Beispiel harter Arbeit, Toleranz, Nächstensliebe, Redlichkeit und vor allem Menschlichkeit." Ebenso wie für das Ehepaar Gelardi erhob sich das Publikum zum Applaus für Lucano.

Er habe durch die Flüchtlinge eine neue Welt kennengelernt und es auch für das Dorf getan, sagte Lucano. Denn Riace sei wegen starker Abwanderung schon todgeweiht gewesen.

Auf dem Theaterplatz besuchten parallel zum Festakt Hunderte Dresdner und Touristen das Kunstprojekt "Lampedusa 361" - einen imaginären Friedhof. Er ist Teil der Gedenkfeiern zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg an diesem Montag. Auf 90 großformatigen Fotos sind Gräber von Flüchtlingen zu sehen, die im Mittelmeer umkamen. Auf vielen Foto-Gräbern liegen inzwischen Blumen oder stehen Kerzen.

Am 3. Oktober 2013 war vor Lampedusa ein Flüchtlingsboot mit hunderten Menschen gesunken. 361 Tote konnte man bergen. Kiflay Megahta aus Eritrea erhielt die Registriernummer 47 und liegt heute im Grab von Familie Gelardi. Das Ehepaar konnte unterdessen Angehörige der Toten in Norwegen ausfindig machen und freundete sich mit ihnen an. Die Friends of Dresden wollen derweil den Kontakt nach Riace halten und dort ein Dresden-Haus entstehen lassen.

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