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Kavango Zambezi Transfrontier Park: Afrikas größtes Naturschutzgebiet

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Afrikas größtes Naturschutzgebiet

01.11.2011, 14:22 Uhr | Christian Selz, dpa, dpa-tmn

Kavango Zambezi Transfrontier Park: Afrikas größtes Naturschutzgebiet. Der Safari-Tourismus soll Aufschwung in die afrikanischen Regionen bringen (Quelle: dpa/WWF/Thomas Macholz)

Der Safari-Tourismus soll Aufschwung in die afrikanischen Regionen bringen (Quelle: WWF/Thomas Macholz/dpa)

Antilopen grasen auf Ruinen von Armee-Camps, junge Löwen erobern neue Reviere: Auf 300.000 Quadratkilometern haben fünf Staaten den Kavango Zambezi Transfrontier Park ausgerufen, der fast so groß ist wie das Land Italien und somit das zweitgrößte Schutzgebiet der Erde. Der Park ist Afrikas jüngstes Naturschutzgebiet - und Hoffnung für eine ganze Region, denn der Safari-Tourismus soll Geld und Arbeitsplätze bringen. Sehen Sie das Gebiet auch in unserer Foto-Show.

300.000 Quadratkilometer Naturschutzgebiet

Die Morgensonne spiegelt sich über dem Sambesi. Bäume, Büsche, Schilf, alles ist jetzt doppelt zu sehen. Nur die Strömungskanten des mehrere hundert Meter breiten Stroms nehmen den Konturen des Kunstwerks die Schärfe. Seit wenigen Monaten ist dieses Kunstwerk nun endlich geschützt. Denn im August haben Angola, Sambia, Simbabwe, Botsuana und Namibia nach jahrelangen Vorbereitungen gemeinsam die Kavango-Zambezi-Transfrontier Conservation Area ausgerufen, kurz KaZa. Mit fast 300.000 Quadratkilometern ist es das größte Naturschutzgebiet Afrikas. Die Touristen kommen wegen des Großwilds, das langsam, aber sicher zurückkehrt - und wegen der Ruhe und Einsamkeit.

Safari durch die Wildnis

Es ist windstill auf der winzigen Insel im Sambesi, der ziemlich genau durch die Mitte des neuen Parks fließt. Der feine, von der Nacht noch kühle Sand quietscht unter den nackten Füßen. Woher die Geräusche kommen, wisse er nicht, sagt Francois Haasbroek. Sonst kann der gebürtige Südafrikaner aber so ziemlich alles erklären, was mit dem Ökosystem im östlichsten Zipfel Namibias zu tun hat. Die Regierungen der fünf Anrainer-Länder des weit verzweigten Flusssystems versprechen für die Zukunft grenzenlose Safaris durch die Wildnis.

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Marketing-Idee und Ansporn zugleich

Am Ufer des Chobe, der Namibia von Botsuana trennt, drängeln sich die Elefanten am Nachmittag. Ein paar Minuten flussaufwärts ist ein Rudel Löwen zum Trinken an der Lebensader eingekehrt. Büffel weiden auf den Überschwemmungswiesen, Flusspferde kühlen sich im Wasser, riesige Krokodile wärmen sich an Land. 36 Nationalparks und Reservate bestehen schon jetzt zu ihrem Schutz in den fünf KaZa-Ländern. Zusammengelegt haben sie nahezu die Größe Italiens. Die Vision ist ein gemeinsames Park-Visum für Touristen in allen fünf Staaten. Bis dahin wird freilich noch viel Wasser die mächtigen Victoria Fälle herunterstürzen, noch ist KaZa trotz des offiziellen Beschlusses vor allem eine Marketing-Idee - und ein Ansporn für die einheimischen Gemeinschaften.

Die ersten Schritte waren hart

Russell Taylor und Chris Weaver vom World Wildlife Fund (WWF) haben die Entstehung des Parks von den ersten Schritten an begleitet. "Als Chris 1993 die ersten Dörfer im Caprivi besucht hat, da haben sie ihn davon gejagt", erinnert sich Taylor, Planungsberater für die zwischenstaatlichen Parkprojekte. "Nimm dein Wild und hau ab, wir wollen es nicht!", bekam Weaver damals zu hören. Heute lacht der Direktor von WWF-Namibia darüber. Der US-Amerikaner setzt auf die Verantwortung der Menschen vor Ort. "Wenn Wildschutzgebiete effizient geführt werden sollen, dann muss das durch die Leute geschehen, die mit den Tieren leben", sagt er.

Wenig Interesse von Seiten der einheimischen Dörfer

In Namibia ist das lange nicht passiert. Das Wild war Besitz des Staates, der Lizenzen für Jagd und Safaris vergab. Die traditionellen Dorfgemeinschaften waren außen vor und hatten entsprechend wenig Interesse, Elefanten zu schützen, die ihre Felder verwüsten. Es störte sie nicht, wenn Wilderer die Tiere töteten, die sie nur als Schädlinge sahen. Mitunter haben sie sogar bei der Jagd geholfen, für den eigenen Kochtopf geschossen oder für windige Geschäftemacher, die mit Elfenbein und Häuten Vermögen ergaunerten.

Antilopen grasen im ehemaligen Armee-Camp

"Diese Einstellung hat sich geändert, das Wild wird inzwischen viel mehr als gemeinschaftlicher Wert gesehen", beschreibt Taylor den Wandel in den Köpfen. Die Menschen vor Ort profitieren über Lodge-Beteiligungen, Arbeitsplätze, Lizenzen und eigene Campingplatz-Projekte inzwischen spürbar vom Tourismus - und ohne wilde Tiere kommen keine Safari-Touristen. Die ersten Erfolge der neuen Strategie sind längst sichtbar: Große Elefantenherden wandern wieder entlang des Kwando quer durch Namibia bis nach Angola und Sambia. Wo noch vor 20 Jahren Armee-Basen im Busch standen, grasen heute Antilopen über den Ruinen. Junge Löwen erobern neue Reviere, Flusspferde grunzen im dichten Schilf, und überall trampeln Elefanten.

Die Elefanten brauchen mehr Platz

133.000 Dickhäuter hat die African Elephant Database 2007 im heutigen KaZa-Gebiet gezählt - die aktuellen Schätzungen von WWF und KaZa-Verwaltung sind sogar doppelt so hoch. Im Chobe National Park in Nord-Botsuana ist die Population derart stark gewachsen, dass die Vegetation bereits deutlich sichtbaren Schaden genommen hat. Das Problem ist offensichtlich: Die Elefanten brauchen mehr Platz. Leicht zu finden ist der allerdings nicht, denn das Gebiet ist besiedelt und wird durch die neuen Einnahmequellen aus dem Tourismus sogar noch attraktiver. Die vielen kleinen Rundhütten-Dörfer schrecken die Tiere ab. Das größte Problem sind Feldwirtschaft und Viehhaltung: "Elefanten und Büffel mögen keine Rinder", sagt Haasbroek.

Wilderer auf Jagd nach Antilopen und Wasserböcken

Die Zäune sind zwar abmontiert, doch die Tiere trauen sich nur nachts durch den Fluss und schwimmen morgens zurück - zur Freude der vielen Krokodile, die sich tagsüber vollgefressen auf den Sandbänken sonnen. Ansonsten sind die Riesenechsen dort aber relativ allein. "Früher waren diese Überschwemmungsebenen voll mit Moorantilopen und Wasserböcken", erzählt Haasbroek. Dann begann die Wilderei: "1988 hat die alte Regierung den Bewohnern des Caprivi-Zipfels Gewehre gegeben." Noch heute habe jedes Dorf ein Gewehr. Heute gebe es zwar nicht mehr viele Wilderer, aber verschwunden seien sie nicht.

Tourismus und Gemeinschaften müssen Hand in Hand gehen

Manchmal sieht man hier Trophäenjäger, die das Fleisch der erlegten Tiere an die Menschen vor Ort abgeben müssen. Noch sind auch im KaZa-Park Jagdzonen vorgesehen, der Fokus liegt allerdings eindeutig auf Safari-Tourismus. Doch dafür braucht es mehr Fläche und weniger Siedlungen. KaZa ist ein hoffnungsvolles Projekt für eine relativ unfruchtbare Region. Es kann allerdings nur funktionieren, wenn die Tourismusbranche und die lokalen Gemeinschaften nachhaltig zusammenfinden.

Weitere Informationen:

Anreise: Air Namibia fliegt von Frankfurt direkt nach Windhuk und von dort weiter nach Mpacha, dem Flugplatz von Katima Mulilo. Die 1225 Kilometer lange Busreise ist nur etwas für Abenteurer mit viel Zeit. Für Rundreisende bietet sich ab Windhuk ein - möglichst geländegängiger - Mietwagen an.
Reisezeit: Die beste Reisezeit für den KaZa-Park ist zwischen Mai und Januar, also außerhalb der Flut-Zeiten.
Unterkunft: Die Preise schwanken je nach Entfernung zu den etablierten Nationalparks und Standard erheblich. Gute Doppelzimmer sind ab 100 Euro zu haben. Eine viertägige Hausboot-Tour kostet für zwei Personen 360 Euro pro Person, wird jedoch aufgrund der hohen Treibstoffkosten bei vier oder sechs Reisenden wesentlich günstiger.
Währung: 1 Euro entspricht derzeit rund 11 namibischen Dollar. Die Währung ist an den südafrikanischen Rand gekoppelt, der in Namibia ebenfalls akzeptiert wird.
Namibia Tourism Board: Schillerstraße 42 - 44, 60313 Frankfurt am Main, Tel.: 069 / 13 37 36 0, E-Mail: info@namibia-tourism.com, http://www.namibia-tourism.com
Kavango Zambezi Transfrontier Conservation Area: http://www.kavangozambezi.org

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