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Schlafen im UNESCO-Welterbe

27.06.2013, 15:21 Uhr | Fabian von Poser, srt

Schlafen im UNESCO-Welterbe. Dieser Ausblick mit dem ersten Augenblinzeln weckt sofort die Lebensgeister: das Namib Rand Reservat. (Quelle: SRT /Wolwedans Collection)

Dieser Ausblick mit dem ersten Augenblinzeln weckt sofort die Lebensgeister: das Namib Rand Reservat. (Quelle: Wolwedans Collection/SRT )

Die UNESCO hat das Dünenmeer der Namib zum Welterbe ernannt - nirgendwo sonst lässt sich die einmalige Landschaft so intensiv erleben wie im Namib Rand Reservat. Hier in Namibia schlafen Besucher mitten in der Wüste - unter dem Sternenhimmel und in vollkommener Ruhe. Kein Wunder, denn das Privatreservat ist fast so groß wie ein deutsches Bundesland und zudem kommen hier auf ein Gästebett 1000 Hektar. Sehen Sie Bilder des unvergesslichen Erlebnisses auch in unserer Foto-Show.

Bett in der Mitte der Wüste

Was für ein Anblick! Keine Aussicht kann diese übertreffen. Das Bett steht am Rande der Wüste - oder besser gesagt mittendrin. Die Zeltwände sind hochgeklappt, die Nase ist noch feucht vom Morgentau. Die Zehenspitzen bewegen sich nach links und nach rechts, um den Blick freizugeben. Honiggelb mit einem Schuss rosa leuchten die Dünen an diesem Morgen. Schicht für Schicht krabbeln die ersten Sonnenstrahlen die Sandberge hinauf. Die Bediensteten haben Kaffee und Tee gebracht. Im Morgengrauen haben sie das Tablett vor die Tür des Wohnzelts gestellt. Jetzt steigt der Dampf aus der Thermoskanne wie ein Rauchsignal: bitte aufstehen. Doch ich lasse mich zurück in die Daunendecke sinken und genieße den Ausblick.

Strahlender Sonnenschein um sieben Uhr morgens

Es ist sieben Uhr morgens und die Sonne hängt wie eine Goldmünze am Himmel. Auf diesen Augenblick hat die Namib nur gewartet, um ihren Malkasten auszupacken: Wie ein zarter Schleier aus Seide umschmeicheln die ersten Lichtstrahlen die Sandberge. Regungslos steht eine Oryx-Antilope auf einer Düne und lässt sich die wärmenden Strahlen auf das Fell scheinen. Zu dieser wundersamen Stunde, da das erste Licht des Tages die Wüste nicht aus der Senkrechte, sondern aus der Waagrechte beleuchtet, in diesen zauberhaften Momenten, wenn die Sonne ihre Fühler erst schüchtern, später immer kräftiger über die Dünen legt, teilt sie die Sandberge in zwei: in eine goldgelbe Hälfte und in eine schwarze. Wie eine Schere zerschneidet sie die Kämme.

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Ein Privatreservat fast so groß wie das Saarland

Der Name "Wolwedans" zergeht Kennern auf der Zunge. Mitten in der Unermesslichkeit der Namib hat ein cleverer Deutsch-Namibier das geschaffen, was man als Tourist einen Traum nennt: ein Privatreservat fast so groß wie das Saarland, mit so geschickt angelegten Unterkünften, dass man als Gast die Weite der Wüste quasi für sich alleine hat. Mit 172.000 Hektar ist es eines der größten privaten Naturschutzgebiete Afrikas. Seine Geschichte begann 1984. Damals kaufte der Windhoeker Geschäftsmann Albrecht Brückner erste Farmen auf, 1998 erreichte das Namib Rand Reservat durch den Zukauf weiterer Grundstücke seine heutige Größe. Doch Brückner kaufte die Farmen nicht zum Selbstzweck, sondern um etwas bis dahin in Namibia nicht Dagewesenes zu schaffen: Er wollte den Schutz der Natur ausschließlich aus den Einnahmen des Tourismus finanzieren. Brückner hatte erkannt, dass die Farmerei unter den unwirtlichen Bedingungen der Namib ein ökologisch und auch ökonomisch fragwürdiges Unterfangen war.

Ein Gästebett pro 1000 Hektar

In den 1980er-Jahren ließ Brückner tausende Kilometer Weidezäune niederreißen, siedelte einheimisches Wild an und ließ dem Land Zeit, sich von der Überweidung durch Schafe zu erholen. Die Arbeit finanzierte er durch Errichtung exklusiver Unterkünfte. Heute hat sich die auf vier Camps angewachsene "Wolwedans Collection" eine strenge Satzung auferlegt: Die Regulierungen sehen höchstens ein Gästebett pro 1000 Hektar Reservatsfläche vor und maximal 20 Betten pro Beherbergungseinheit. Ein Großteil des Energiebedarfs wird mit Solar- und Photovoltaik-Anlagen generiert. Damit die Dünen ungehindert wandern können, wurden sämtliche Unterkünfte auf Holzplattformen errichtet. "Alle Camps können sofort abgebaut werden, so dass man nichts mehr von ihnen sieht", sagt Stephan Brückner, Sohn des Firmengründers.

Tausende Quadratkilometer Einsamkeit

So schön der Ausblick am Morgen auch ist, es wäre viel zu schade, den ganzen Tag in seinem Bett liegen zu bleiben. Als die Sonne am Horizont höher steigt, verlassen wir unser Zelt deshalb und schaukeln mit Guide Vinte im offenen Jeep durch die leicht gewellte Landschaft des Namib Rand-Reservats. Wir rollen über Dünenkämme und durch Täler. Um uns herum tausende Quadratkilometer Einsamkeit, unter unseren Rädern nichts als Sand. Dann macht Vinte Halt. Kaum ist das Knattern des Motors in den Sandbergen verhallt, präsentiert er uns eines der Phänomene der Namib: In Windeseile huscht ein schwarzer Käfer über den Wüstensand. Mit flinken Handgriffen fängt er ihn ein. "Nebeltrinkerkäfer nennen wir ihn. Sein Bauch ist voller Wasser." Früh am Morgen stellen diese Tiere sich am Kamm einer Düne auf die Vorderbeine, um sich mit dem auf seinem Körper kondensierenden Küstennebel volllaufen zu lassen. Manchmal sieht man sie auch, wie sie in aller Herrgottsfrühe Nebelgräben anlegen. Die Seitenwände des Sandbaus werden so geschickt ausgerichtet, dass sich die Wassertropfen an ihm absetzen. "Der Käfer muss dann nur noch an der Mauer entlang laufen und das Wasser im Vorbeigehen trinken."

300 Stundenkilometer schnelle Spinne

Dass Tiere in der Namib überhaupt überleben können, verdanken sie dem Wind. Fast jede Nacht treibt er die Nebelbänke, die sich über dem Benguela-Strom weit draußen auf dem Atlantik bilden, über die Dünen ins Landesinnere. Sie sind es, die der Wüste das Leben schenken. 20 Säugetierarten und 150 Vogelarten zählt alleine das Namib Rand-Reservat, dazu ungezählte Insekten- und Reptilienarten - ein Wunder der Natur. Das gilt auch für den Palmato-Gecko mit seiner fast durchsichtigen Haut, der tagsüber meist unter dem Sand lebt und nur nachts auf Beutejagd nach Fliegen und Käfern geht. Oder für die Radspinne. Bei Gefahr stürzt sie sich zusammengekauert von jedem auch noch so hohen Dünenkamm mit der Rotationsgeschwindigkeit der Reifen eines Ferraris bei 300 Stundenkilometern hangabwärts und kommt oft erst nach 100 Metern am Fuß der Düne zum Stehen. Eine gewiefte Taktik, die selbst den schnellsten Angreifer zur Verzweiflung bringt.

Schlafen in vollkommener Stille

Nach einem Tag in der Namib ist man verwöhnt von großartigen Erlebnissen und von Bildern in Zinnober, Bernstein und Rostrot. Doch die schönste Zeit ist die des Abends, wenn man nach dem Abendessen auf der Freiluftterrasse des Restaurants zurück in sein Zelt kommt. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen, nichts ist zu hören. Die Stille ist vollkommen. Irgendwann schiebt sich fast unbemerkt der Sichelmond ans Firmament, so als gehöre er zum Inventar. Wie Strass-Steinchen kleben die Sterne am Himmel. Nichts, aber auch gar nichts geht darüber, wenn man sich um diese Zeit in seine Bettdecke rollt, bis es wieder Morgen wird, und allein ist mit den Sternen und dem Sand.

Weitere Informationen:

Anreise: Mit Air Namibia (www.airnamibia.com) in 9,5 Stunden nach Windhoek. South African Airways (www.flysaa.com) fliegt die namibische Hauptstadt über Johannesburg an. Hin- und Rückflugtickets kosten ab 700 Euro.
Einreise: Deutsche, Österreicher und Schweizer benötigen kein Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate gültig sein.
Beste Reisezeit: Namibia ist ein Ganzjahresziel. Die beste Reisezeit ist die Trockenzeit zwischen April und Oktober. Die Tagestemperaturen in der Namib liegen dann zwischen 20 und 25 Grad, nachts kühlt es auf zehn Grad ab.
Übernachtung: Die vier Camps der Wolwedans Collection liegen im Namib Rand Nature Reserve, etwa sechs Autostunden von Windhoek entfernt. Übernachtung z.B. im "Wolwedans Dune Camp" ab 315 Euro/Person inklusive Vollpension und allen Aktivitäten. Buchung: Namib Rand Safaris, Tel. 00264/61/230616, www.wolwedans.com.
Weitere Auskünfte: Namibia Tourism Board, Schillerstraße 42-44, 60313 Frankfurt, Tel. 069/133736-0, www.namibia-tourism.com.

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(Erstmals veröffentlicht am 21.052013)

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