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Gran Canaria: Klettern und Wandern auf der Vulkaninsel

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Gran Canaria ist mehr als Sonne und Strand

16.11.2012, 16:33 Uhr | Julia Macher, Raufeld

Gran Canaria: Klettern und Wandern auf der Vulkaninsel. Die Schlucht von Mogán. (Quelle: Grancanarianatural)

Die Schlucht von Mogán. (Quelle: Grancanarianatural)

Am Fels abseilen, auf Berge klettern und zur Tomatenernte an den Krater: Gran Canaria entdeckt seine natürliche Seite. Die Trauminsel hat weitaus mehr zu bieten als endlose Sandstrände und die üblichen Touristenhighlights. Gerade für Aktivurlauber bietet Gran Canaria eine Vielzahl an attraktiven Erlebnismöglichkeiten. Verschaffen Sie sich einen Eindruck von einem Besuch abseits der Strände und erleben Sie Gran Canaria in unserer Foto-Show.

Wie es um unseren Blutdruck bestellt ist, will Raúl wissen. Wir stehen in Neoprenanzüge gequetscht auf einem Parkplatz im Südwesten Gran Canarias, nahe des Dorfes Mogán. Der Blick reicht weit über gezackte, rotbraune Felsen, am Horizont lässt sich das Blau des Atlantiks erahnen. Um unsere Hüften klappern an einem Sicherheitsgurt Karabiner und Haken. "In Extremsituationen kann der Körper ungewohnt reagieren", erklärt Raúl, während sein Chef Juan Rivera prüft, ob die Helme richtig sitzen. "Barranquismo", Canyoning, heißt die Extremsituation. Wir werden uns in eine der unzähligen Canyons abseilen, die die Erosion in die Vulkaninsel gegraben hat, durch Bäche waten und über Felsen klettern. Erfahrung hat keiner. Nervös? Ein wenig. Wir vertrauen trotzdem Raúls 15-jähriger Erfahrung als Kletter- und Wanderführer und laufen hinter ihm den Pfad zum Stausee El Mulato her.

Frei schwebend über dem Abgrund

Ein sanfter Wind fährt durch eine Gruppe Kiefern, weiße Correguela-Winden klammern sich an ein Steinmäuerchen. Es könnte ein idyllischer Spaziergang sein, endete der Weg nicht abrupt vor einer Felsspalte. Die Wand fällt senkrecht ab. Unten, in 23 Metern Tiefe, glitzert Wasser. Da sollen wir runter. "Ihr müsst euch mit dem Rücken zuerst über den Abgrund hängen, im 90-Grad-Winkel", erklärt Juan, während er die Seile durch eine in den Felsen gehauene Öse zieht. "Und Beine auseinander, damit ihr einen sicheren Stand habt." Das ist leichter gesagt als getan. An der moosbewachsenen Felswand rutschen die Schuhe leicht ab - und sich frei schwebend über einem Abgrund zu wissen, verursacht ein dumpfes Ziehen im Bauch. Anfänger wie wir lassen das Seil ganz langsam, Zentimeter für Zentimeter durch die rechte Hand gleiten, die linke sichert ab. Nach endlosen Minuten ertasten die Zehen einen Felsvorsprung. Von dort ein Sprung in den schlickigen Tümpel - und ein Frosch gratuliert quakend zur ersten bestandenen Mutprobe. Geschafft. So viel Überwindung wird uns danach kein Hindernis mehr kosten.

Am Ende der dreistündigen Tour lassen wir uns einhändig ab; beim Aufstieg suchen die Finger routiniert nach kleinen Felsrissen zum Festkrallen. Bei besonders schwierigen Stellen darf die Schulter des Guides als Trittbrett benutzt werden. "Barranquismo ist nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern stärkt auch das Vertrauen - in sich und andere", sagt Juan, als wir erschöpft, aber stolz den Parkplatz erreichen. Und so lernt man ganz nebenbei die Insel von einer anderen Seite kennen. "Gran Canaria ist viel mehr als Sonne und Strand", schwärmt der Kletterführer. "Wo sonst gibt es auf so engem Raum so viele unterschiedliche Landschaften?"

Einladung an Wanderer und Mountainbiker

Mit bizarren rot und gelb schimmernden Felsen in der Inselmitte, lichten Kiefernwäldern und fruchtbaren grünen Tälern, die sich bis an die Küste ziehen, ist die drittgrößte Kanareninsel vielfältig genug, um die Zeit nicht lang werden zu lassen. Nach Jahrzehnten mit Pauschaltourismus hat Gran Canaria gelernt, auch seine Naturschönheiten zu vermarkten, und setzt immer mehr auf Aktivurlauber. Die alten Handelspfade werden ausgebaut. Daraus werden schöne Wanderwege. Mountainbiker quälen sich die steilen Serpentinenstraßen zum Bergdorf Artenara hoch und bitten in der in den roten Fels gehauenen Kapelle die Höhlenjungfrau "Virgen de la Cuevita" um Schutz. Wer lieber die Monumente vorchristlicher Mystik erkundet, wandert um den Roque Nuble. Der "Wolkenfelsen" in der Inselmitte markiert eine mystische Opferstätte der Altkanarier. Mit etwas Fantasie erkennt man in ihm ein menschliches Antlitz - und in den Felsen daneben einen Frosch, einen betenden Mönch und einen hohlen Zahn. Dutzende Insulaner klettern samstags und sonntags durch die Felslandschaft. Gekrönt wird der Wochenendausflug von einer üppigen Paella an einem der vielen öffentlichen Grillplätze des Zentralmassivs. Am Straßenrand bieten fliegende Händler Tomaten, Kartoffeln, Papayas und "Bienmesabe" an, eine Honig-Mandel-Creme mit dem hübschen Namen "Schmeckt mir gut".

Felder am Grunde des Kraters

Die Canarios mögen ihre Agrar-Vergangenheit längst hinter sich gelassen haben - nur noch sieben Prozent leben von der Landwirtschaft - die Freude am Ursprünglichen und den Stolz aufs selbst angebaute Produkt haben sie sich erhalten. Don Agustín etwa könnte es sich eigentlich auch am Tresen der Bar Tropical bequem machen, das Lokal gehört seiner Schwester. Aber nein, jeden Tag steigt der Achtzigjährige auf den Grund des kreisrunden Kraters Caldera de Bandama, um zu gucken, ob die Kartoffeln gedeihen und die Sonne seine Tomaten schon hat erröten lassen. Einst lebten zwischen den steilen, von Agaven, Feigenkakteen und Eukalyptusbäumen bewachsenen Hängen sieben Familien; ein Dreschplatz und eine Handvoll verfallener Gehöfte künden von dieser Zeit. Heute ist Agustín Hernández Torres der Einzige, der die schwer zugänglichen, aber fruchtbaren Felder bewirtschaftet. Und er verhält sich genau so, wie es sich für einen kauzigen Einsiedler gehört: Mal grüßt er, mal grantelt er. Darüber ist Don Agustin zu einer Berühmtheit geworden, die in keinem Reiseführer mehr fehlt. Aus Dank dafür gestattet die Inselregierung ihm, die Felder ein Leben lang zu bewirtschaften. Danach soll auf dem Kratergrund ein botanischer Garten entstehen.

Gran Canaria: Urlaub auch ohne Blasen an den Füßen

Dass auf Gran Canaria ein Leben mitten in der Natur auch ohne tägliche lange Märsche zu haben ist, erfahren wir bei Magüi Carratalá. Sie kehrte Ende der Neunzigerjahre der Inselhauptstadt Las Palmas den Rücken und verwandelte im Bergdorf Vega de San Mateo ein Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert in eine charmante Pension. Die Hälfte der Bergregion Las Cumbres mit dem inselhöchsten Berg Pico de las Nieves - er ist knapp zweitausend Meter hoch - steht unter Naturschutz, und so beherbergt Magüi vor allem Wanderfreunde mit Kunstsinn. Ihre beiden Schnauzer hören auf die Namen Frida und Kahlo. Den abgestorbenen Mandarinenbaum im Garten hat die Hausherrin mit Glasschmuck und Schmetterlingen behängt, in der Wohnküche isst man unter von ihr selbst gemalten Ölbildern. Das größte Kunstwerk aber ist das Schauspiel, das an besonders schönen Tagen vor ihrer Haustür stattfindet. Dann reißt die Wolkendecke auf und die Morgensonne taucht den Pico del Teide auf der Nachbarinsel Teneriffa in goldenes Licht. "Im Vergleich dazu ist es an der Playa del Inglés doch langweilig", sagt Magüi. Und da hat sie eigentlich recht.

Weitere Informationen:

Gran Canaria natürlich - Aktivitäten und zahlreiche Landhotels aller Kategorien unter: www.grancanaria.com/natural
Wohnen im Herrenhaus von Magüi Carratalá: Hotel Rural Las Calas, Preise auf Anfrage, mindestens fünf Nächte. www.hotelrurallascalas.com

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