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Florida Keys: Wandel zu umweltgerechtem Tauchen

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Achtsames Abtauchen in den Florida Keys

30.01.2012, 17:44 Uhr | Johanna Rüdiger, Raufeld

Florida Keys: Wandel zu umweltgerechtem Tauchen. Zu viel Tourismus, Tauchen und Fischkutter schadet den Florida Keys. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Florida Keys beherbergen das drittgrößte Korallenriff der Welt - ein Traumparadies für Taucher. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im maritimen Nationalpark der Florida Keys, am südlichsten Fleck der USA, liegt das drittgrößte Korallenriff der Welt - und eines der meistbesuchten. Rücksichtsloser Massentourismus, Wassersport auf und im Meer, droht die paradiesische Natur zu zerstören. Ein Umweltprogramm soll das empfindliche Ökosystem schützen. Wie schön die Florida Keys sind, sehen Sie in unserer Foto-Show.

Wassersport ohne Bewusstsein für das empfindliche Ökosystem

Die Sonne steht bereits tief am Horizont, als der Katamaran zur "Schnorchel, Rum & Reggae Sunsetcruise" im Hafen von Key West aufbricht. Etwa 50 junge Touristen drängeln sich an Bord, für die meisten ist es der erste Trip ans Riff, für viele der erste Schnorcheltrip überhaupt. "Ich möchte euch die drei Crew-Mitglieder vorstellen", ertönt die Stimme des Kapitäns schwach über die Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt.

"Die Drei sind für die nächsten Stunden eure Schnorchellehrer, Rettungsschwimmer und natürlich Bartender, alles gleichzeitig", erklärt er das Konzept der Partyfahrt. Zwar folgt eine kurze Sicherheits-Instruktion - doch dass das Riff ein Naturschutzgebiet mit einem empfindlichen Ökosystem ist, geht in der aufgeheizten Stimmung unter. "Wann kriegen wir endlich unseren ersten Drink?", grölt es aus dem Publikum. Aber den gibt es erst auf der Rückfahrt. Nach 30 Minuten ist das Riff erreicht, schon geht es über die Treppe ins Wasser, nach ein paar Flossenschlägen verschwinden die Anfänger in den Wellen.

Das bedrohte Korallenriff

Millionen von Touristen kommen jedes Jahr auf die 290 Kilometer lange Inselgruppe an der Südspitze Floridas, deren Inseln ein einziger Highway und 42 Brücken verbindet. Etwa 800.000 Urlauber buchen eine Bootstour hinaus zum Riff, um dort zu schnorcheln oder zu tauchen. Das einzige Korallenriff in den Vereinigten Staaten ist bei Tauchfans beliebt - wegen seiner unmittelbaren Nähe zur Küste und seiner Artenvielfalt. Deshalb ist es nicht nur das drittgrößte Riff der Welt, sondern auch eines der meistbesuchten.

Massentourismus zerstört empfindliche Korallen

Und es ist in Gefahr: Zwar gehört das Gebiet seit 1990 zum National Marine Sanctuary, ist also ein Naturschutzgebiet, in dem zum Beispiel nicht gefischt werden darf. Und auch die Öl-Katastrophe vom Frühjahr 2010 hat hier zum Glück keine Spuren hinterlassen, da die Position der Keys an der äußersten Spitze von Florida - überwiegend im Atlantik, nicht im Golf - das Riff geschützt hat. Doch seit 1996 sind 37 Prozent der Korallen verschwunden, meist abgestorben wegen Krankheiten und Umweltverschmutzung, aber auch, weil Taucher und Schnorchler auf Korallen treten und die empfindlichen Organismen zerstören.

Wandel zu umweltgerechtem Tauchen

"Wir glauben fest daran, dass Tauchen eine umweltneutrale Aktivität sein kann", sagt Karrie Cairn vom Key National Marine Sanctuary. Sie sitzt in ihrem Büro im Hafen von Key West, im neuen Florida Eco Discovery Center. Das Museum erklärt Besuchern das komplizierte Ökosystem Meer mithilfe interaktiver Schautafeln und einem großen Aquarium. Karries Job ist es zwar, das Riff zu beschützen, verbieten möchte sie die Tauchgänge aber nicht. Sie selbst ist leidenschaftliche Taucherin, stammt eigentlich aus Ohio und lebt nun seit ein paar Jahren hier, am südlichsten Fleck der USA. Auf einem ihrer ersten Trips zum Riff bemerkte sie, dass die Tauchlehrer die Touristen kaum darüber aufklären, dass sie tatsächlich in einem Naturschutzgebiet tauchen, und ihnen auch keine Tipps geben, wie die Korallen und Fische zu schützen seien. Karrie beschloss, das zu ändern.

Öko-Tauchen lernen

"Blue Star" heißt das neue Programm des Sanctuarys, das Tauchveranstalter schult, damit sie ihre Kenntnisse an die Besucher weitergeben können. Wer das Training erfolgreich absolviert, erhält den blauen Stern als Öko-Siegel und darf damit werben. "Unser Ziel ist es, dass quasi jeder Tauchlehrer zum Naturschützer wird und diese Leidenschaft dann an seine Schüler weitergibt", sagt Karrie. Die Tauchschulen müssen außerdem dafür sorgen, dass ihre Angestellten regelmäßig an Naturschutzaktivitäten wie der Reinigung des Riffs oder der Katalogisierung von Fischarten teilnehmen. Ein ambitioniertes Projekt, besonders in einer Branche, in der das Personal schnell wechselt und Veranstalter oft mehr Geld mit "Rum & Reggae"- Törns statt mit kleineren Öko-Touren machen können. Deshalb sind von den rund 60 Tauchschulen, die es in den Keys gibt, auch nur wenige "Blue Star"-zertifiziert.

Hüter des Ozeans

Cece Roycrofts Tauchshop "Dive Key West" ist eines der Unternehmen und das erste in Key West, das diese Auszeichnung erhalten hat. Cece steht gerade in ihrem Laden und muss die vier Touristen, mit denen sie heute Nachmittag zum Riff hinausfahren wollte, nach Hause schicken. Der Blick aus ihrem Fenster auf den Golf von Mexiko zeigt zwar eine glatte See und strahlende Sonne, doch auf der anderen Inselseite tobt über dem Atlantik der Wind. "25 Knoten, nichts zu machen", sagt Cece und schüttelt den Kopf. Zu starker Wellengang für ihr kleines Boot. Denn Massenabfertigung und Tauchlehrer, die gleichzeitig als Bartender fungieren, findet man bei ihr an Bord nicht. "Ich sehe mich und meine Leute eher als Hüter des Ozeans", sagt sie.

Öl-Bohrungen fürs Erste vom Tisch

Seit fast vierzig Jahren betreibt Cece nun schon ihren Tauchshop. In den 80ern reiste sie zusammen mit Naturschützern nach Washington, um vor dem Kongress dafür zu werben, dass das Riff ein Naturschutzgebiet wird. Da hatte die damalige Bush-Regierung gerade erwogen, weniger als 20 Meilen vor der Küste - und damit ganz in Riff-Nähe - nach Öl zu bohren. "Dank des Öl-Unfalls im April sind zumindest diese Pläne jetzt vom Tisch - vorerst", sagt Cece und lächelt resigniert wie jemand, der weiß, wie schnell Politiker ihre Versprechen vergessen können.

In der Turtle Ambulance

Wer trotzdem noch an den schrecklichen Folgen zweifelt, die das eigene unbedachte Verhalten bei den Meerestieren auslösen kann, den schickt Cece Roycroft nach Marathon, einem kleinen Ort in der Mitte der Inselkette. Vor einem flachen, türkisfarbenen Gebäude steht ein Rettungswagen. "Turtle Ambulance", Schildkrötenrettungswagen, verkündet der Schriftzug an der Seite. Denn in dem ehemaligen Motel befindet sich das weltweit einzige lizenzierte Krankenhaus für Meeresschildkröten.

Schildkröten auf dem OP-Tisch

Die Tiere, die zu Ryan Butts und seinen Kollegen kommen, sind meist von Menschen verletzt worden: Ihre Flossen haben sich in Angelleinen verheddert, eine Schiffsschraube hat ihren Panzer aufgeschlitzt oder sie haben Müll wie Plastiktüten und Plastikflaschen verschluckt. Ryan verlässt gerade den OP, er hat bei einer Endoskopie assistiert. Eine 80 Kilo schwere Loggerhead-Schildkröte musste operiert werden. Sein Patient liegt noch benommen in einem großen Behälter, durch einen Infusionsbeutel tropft langsam Flüssigkeit.

Finanzierung durch Touristen

Plötzlich ertönt ein warnender Piepston, Ryan unterbricht das Gespräch, springt auf, presst ein Beatmungsgerät an den Kopf der Schildkröte und pumpt. "Sie wacht gerade aus der Narkose auf, alle drei Minuten müssen wir sie beatmen", erklärt er. Ryan ist einer der wenigen festangestellten Mitarbeiter des Krankenhauses, viele andere, wie etwa der zuständige Chirurg, arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit bei der gemeinnützigen Organisation. Nahrung und Medikamente für die Patienten finanzieren zum größten Teil die Touristen mit ihrem Eintrittsgeld: 15 Dollar kostet die zweistündige Tour durch das Turtle Hospital.

Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht

Die Insel-Schulklassen, die zu Besuch kommen, brauchen dagegen nichts zu bezahlen, um zu lernen, dass die Meeresschildkröten vom Aussterben bedroht sind. "Wir müssen die Kinder, die diese Gewässer einmal erben werden, rechtzeitig aufklären", sagt Ryan. Schließlich lebten die Fischer hier bis in die 70er-Jahre noch vom Fang der Schildkröten, die Keys waren sozusagen die Schildkrötensuppenhauptstadt der Welt.

Einsammeln und freilassen

Das Umdenken in der Region begann langsam. Immer mehr Fischer bemerkten schließlich selbst, dass sie bei ihren Touren kaum noch Schildkröten zu Gesicht bekamen. Heute sind die Fischer die wichtigsten Verbündeten des Krankenhauses. "Sie rufen uns an, wenn sie ein verletztes Tier finden, dann fahren wir sofort los", sagt Ryan. Ziel ist es, die Schildkröten so zu behandeln, dass sie so bald wie möglich in die Freiheit entlassen werden und dort - dank der Aufklärungsarbeit der zahlreichen Tier- und Umweltschützer in den Keys - wieder ungehindert die Weiten des Ozeans genießen können.

Weitere Informationen
Informationsmaterial über die Florida Keys & Key West kann beim Fremdenverkehrsamt in Köln kostenlos angefordert werden: Tel. 0221/23 36 451; www.fla-keys.de
Das Turtle-Hospital: 2396 Overseas Highway, Marathon, Florida; www.turtlehospital.org
Für Taucher: Dive Key West: Tauch- und Schnorcheltouren mit Cece Roycraft, ab 35 Euro für einen Trip zum Riff. www.divekeywest.com
Übernachten auf den Keys: Hawks Cay Resort auf Duck Key, hier übernachtete schon US-Präsident Harry S. Truman. DZ ab 110 Euro. www.hawkscay.com

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