Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Aktivurlaub >

Frauen wandern anders: Wandertouren in Reit im Winkl

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Frauen wandern anders

06.03.2013, 11:25 Uhr | Norbert Eisele-Hein, srt

Frauen wandern anders: Wandertouren in Reit im Winkl. Reit im Winkl: Wandern nur für Frauen  (Quelle: SRT /Norbert Eisele-Hein)

Wenn Frauen wandern, geht es kaum weniger sportlich zu als bei den Männern. (Quelle: Norbert Eisele-Hein/SRT )

Wandertouren nur für Frauen: Reit im Winkl setzt auf ein ungewöhnliches Konzept. Fast wie eine Verschwörung klingt es. Dabei ist in Bayerns südöstlichstem Zipfel schlicht die Erkenntnis gereift, dass Frauen andere Maßstäbe an das Wandern stellen als Männer. Der Leistungsgedanke steht weniger im Vordergrund, obwohl es auf den Touren durchaus sportlich zugeht. Natur und Bergwelt aktiv genießen ist das vorrangige Ziel beim Wandern der Damenwelt. Bekommen Sie in unserer Foto-Show einen ersten Eindruck vom Frauen-Wandern. Glauben Sie, dass Frauen anders wandern als Männer? Stimmen Sie oben rechts ab!

Frau bleibt gerne mal unter sich

"Nein, wir reiten nicht auf Besen", erklärt Annette Heigenhauser scherzhaft. "Wir tanzen auch nicht ums Lagerfeuer, schauen Fliegenpilze nur an und kochen daraus keine Flugsalbe, um damit Männer zu vergiften", fügt sie lachend hinzu. "Unser 'Frauen wandern anders'-Programm sollte auf keinen Fall als überzogener Emanzipierungsversuch aufgefasst werden. Es geht vielmehr darum, eine wunderschöne Wanderung rings um die Bergwelt Reit im Winkl's mit Frauen-spezifischen Themen anzureichern. Und da bleibt Frau einfach mal gerne unter sich."

Nur die Hundedame prescht vor

Tautropfen blinken im Gras, Sonnenstrahlen brechen sich tausendfach im Astgewirr des Zauberwalds. Von der Hindenburghütte, knapp 1250 Meter über dem Meeresspiegel, marschieren wir mit flottem Tempo hinauf zur "Höhe". Auffällig und angenehm, die Damen drängeln nicht. Wir Männer hätten schon längst wieder die Ellbogen ausgefahren. Einen Blick auf die Pulsuhr geworfen. Versucht Erster zu sein. Dabei stellt sich die Frage heute ohnehin nicht. Denn allen voran prescht die Hundedame Paula. Die Vierbeinerin begleitet Annette auf fast allen Touren, kennt die verwunschenen Steiglein schon von zahlreichen Recherchetouren.

Mit dem Großvater auf Geheimpfaden unterwegs

"Als kleines Mädel durfte ich oft mit meinem Großvater mit. Er war Holzknecht und fast immer fern der Hauptwanderwege unterwegs. Er hat mir diese Geheimpfade gezeigt", erklärt Annette. Auf der Höhe reicht der Blick über das Achental bis hinunter zum Chiemsee. Wie ein Saphir leuchtet das "Bayerische Meer" in der Ferne. Ein schön geschwungener Wanderweg führt uns zur Hemmersuppenalm. Annette erklärt die illustre Namensgebung. "'Ja, so eine Hemmersuppe', entfuhr es den Bauern aus dem Tal früher spöttisch beim Anblick der weitläufigen Alm. Der Hemmer oder auch Weißer Germer genannt ist ein arges Unkraut. Grün, knapp kniehoch und selbst für einen geduldigen Kuhmagen ungenießbar. Nach starken Regenfällen bilden sich in den vielen Mulden noch dazu große Pfützen. Bei uns in Bayern kommt dann meist gleich der Ausspruch: 'A so a Supp'n'. Damals gestattete die tägliche Mühsal den Sennerinen nur selten einen schwärmerischen Blick in die paradiesische Landschaft. Der Spott wurde zum Namensstifter."

Aktiv fühlen, riechen, sehen

Weiter geht's mit schnellem Tempo zur Sankt Anna-Kapelle. Die heilige Anna, die Mutter Marias, gilt als Schutzpatronin für Fruchtbarkeit und Kindersegen. Das schmucke Kirchlein wurde 1902 auf gewachsenem Stein errichtet. "Dies ist ein wahrer Kraftplatz. Eine todkranke Frau wollte hier einen letzten schönen Sommer verbringen. Sie trank täglich aus der nahen Quelle und galt schon bald als geheilt", erzählt uns Annette. Wir genießen die Stille in dem gepflegten Kleinod. Füllen unsere Wasserflaschen natürlich auch an der Heilquelle. "Das Wasser verhilft auch zu faltenloser, schöner Haut", verheißt Annette. Kurz vor der Pflegereck-Hütte ziehen wir die Schuhe aus - ein Barfußpfad führt uns über Stock und Stein, butterweiche Moose und feuchtes, piksendes Gras. Der Wald verströmt wohltuende Hustenbonbon-Luft, Baumwipfel wiegen sich in der leichten Brise, Vogelgezwitscher aus allen Himmelsrichtungen. Zugegeben, ich als Mann wäre wohl achtlos durch gestapft. Aber Annette fordert uns auf, aktiv zu fühlen, riechen, sehen. Sie legt auch stets ein besonderes Augenmerk auf die heimische Flora und Fauna. Zeigt uns Frauenschuh-Orchideen, deutet wie ein Indianer-Scout auf Spuren von Rotwild. Trotz alledem halten die Damen ein stattliches Tempo. Schon macht sich mein Magen lautstark bemerkbar.

Der feine Unterschied

Annette kann scheinbar Gedanken lesen oder hat sie das Knurren am Ende gehört? Jedenfalls packt sie gleich darauf an der Pflegereck-Alm einen frischen Laib Brot, Wurst, Käse und Radieschen aus. Die Speisen landen wohlarrangiert auf einem Spitzendeckchen. Oh ja, da ist er wieder, der feine Unterschied. Ich behalte es für mich, dass ich mir wahrscheinlich nur schnell einen Müsliriegel in "die untere Gesichtshälfte zentriert hätte" (wie das bei meinen Wanderkollegen häufig etwas flapsig formuliert wird). Weiter geht es unterhalb einer Felswand auf einem hüftbreiten, teilweise exponierten Steiglein. "Nehmt Euch einen Handschmeichler mit. Einen formschönen Stein, ein kleines Stück Wurzelholz oder Rinde. Macht euch Gedanken über eure Wünsche, Ziele, Hoffnungen."

Offener, intensiver, esoterischer - nicht langsamer

Wie aus dem Nichts taucht mitten im Felsbalkon eine kleine Grotte mit einer Madonnenstatue auf. "Berührt den Fels. Den Handschmeichler mit all euren Gedanken könnt ihr an diesem Kraftort ablegen", empfiehlt Annette. Die Teilnehmerinnen wirken nachdenklich, bewegt. Aber schon nach einer kurzen Weile sorgt eine hyperaktive Murmeltierkolonie, die sich ausgiebig auf einer zauberhaften Waldlichtung balgt, für ausgelassene Stimmung. Fünf Stunden und 400 Höhenmeter später gelangen wir wieder zur Hindenburghütte. Fazit aus männlicher Sicht: Frauen wandern tatsächlich anders. Offener, intensiver, esoterischer - aber kein bisschen langsamer. Wie gut, dass die Hüttenwirtin Sissy Dirnhofer berühmt ist für ihre grandiosen Braten und hausgemachten Strudel.

Weitere Informationen

Treff für "Frauen wandern anders" immer mittwochs um zehn Uhr an der Tourist-Info, Teilnahme gratis; weitere Wandertermine auch für Männer: www.reitimwinkl.de, www.hindenburghuette.de

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal