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Anheuern auf dem Segelschiff "Sedov"

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"Sedov": Einmal Matrose spielen als Segel-Trainee

05.04.2012, 18:35 Uhr | Marlis Heinz, srt

Anheuern auf dem Segelschiff "Sedov". Schiff Ahoi: Als Trainee auf der Sedov mitsegeln. (Quelle: Reuters)

Schiff Ahoi: Als Matrose auf Zeit kann man auf dem größten noch fahrenden Traditions-Segelschiff, der "Sedov", mitsegeln. (Quelle: Reuters)

Als Matrose auf dem größten noch fahrenden traditionellen Segelschiff, der "Sedov", mitsegeln - hört sich erst einmal traumhaft an. Als Seemann auf Zeit heißt das aber auch harte Arbeit. Wer als Lehrling nur für ein paar Tage an Bord ist, muss schnell lernen, was die wichtigsten Handgriffe auf dem Großsegler - auch Windjammer genannt - sind. Unsere Autorin hat es ausprobiert - überzeugen Sich sich selbst in unserer Foto-Show über das Segelschiff "Sedov".

Mulmige Gefühle bei den Teilzeit-Matrosen

Manch einer der Mitreisenden - so gestehen sie einander später - ist mit mulmigen Gefühlen die Gangway heraufgeklettert. Was, wenn ein Sturm aufzieht? Und dann auch noch ein historisches Segelschiff? Die 90-jährige "Sedov", der heute zur Technischen Universität Murmansk gehörende Viermaster, ist mit fast 120 Metern Länge zwar das größte noch fahrende traditionelle Segelschiff der Welt, aber eben doch kein schaukelfreier Kreuzfahrtriese. Außerdem ist es kein Schiff gewordenes Grandhotel, sondern eine schwimmende Jugendherberge. Die "Sedov" läuft aus. Mit tuckerndem Diesel und noch ohne Segel, aber trotzdem irgendwie feierlich. Die anderen Schiffe im Kieler Hafen grüßen tutend. Über die Lautsprecher erklingt dann "Conquest of Paradise". Als fernes Paradies fungiert diesmal das nahe Kopenhagen. Die Passagiere schleichen neugierig umher, schauen in alle Luken, Türen und Klappen, legen den Kopf in den Nacken, um den Ausguck zu entdecken, bewundern das Steuerrad, versuchen die Funktionsweise der Geräte zu ergründen - und einander kennen zu lernen. Man ist von vornherein - unter Seeleuten selbstverständlich - per Du.

Auf der "Sedov" darf ein Lehrling auch mal Tourist sein

Am nächsten Morgen der erste Segelalarm. Der Lautsprecher krächzt ein paar energische Sätze auf Russisch. Die meisten von uns Gästen brauchen länger, um das zu interpretieren, sich aus den Kojen zu hieven, ins Bad zu huschen, sich wetterfest anzuziehen und an Deck zu klettern. Dort hat allerdings keiner auf das Erscheinen der verschlafenen Landratten gewartet. Die Segel blähen sich schon im Wind; die Matrosen und Kadetten sind mit den letzten Handgriffen beschäftigt. Nur eine ehrgeizige Handvoll Trainees hatte mit angepackt. Womit wir bei der Hierarchie an Bord wären. Es gibt den Kapitän und die Offiziere, die Matrosen der Stammbesatzung, eine alle paar Monate wechselnde Truppe Kadetten und die Trainees. Trainees - das sind wir, die Lehrlinge für ein paar Tage. Aber so verbissen sieht das keiner. Während die Stamm-Mannschaft auf kleineren Segelschiffen nur aus einem halben Dutzend Profis besteht und der Törn nicht funktionieren würde, wenn nicht auch die Gäste mit zupacken, darf der Trainee auf der "Sedov" auch mal den Passagier raushängen lassen. In die Takelage muss keiner, der das nicht unbedingt will. Wer aber Lust hat kann sich für Jobs wie Ruderwache, Küchendienst, Rost-Klopfen oder Streichen beim morgendlichen Verlesen der anstehenden Arbeiten durch den Trainee-Offizier melden. Handwerker sind besonders beim Tischler oder in der Segelmacherei gern begrüßte Helfer. Vorausgesetzt wird nur, dass man sein Bett selber bezieht, in der Messe sein Geschirr abräumt und ansonsten nichts herumstehen lässt, was bei Seegang umherpoltern könnte.

Der Windjammer: Zwischen Souvenirladen und Sicherheitseinweisung

Nicht schwänzen darf selbst der bequemste Trainee die Sicherheitseinweisung. Die macht Gregor, "the best man on bord", wie er sich vorstellt. Kompliziertester Teil der Erklärungen: Das Anlegen eines Rettungsoveralls, eines orangen Ganzkörperschutzes mit zahllosen Reiß- und Klettverschlüssen und einer Haube gegen die Angriffe gieriger Seevögel. Was wäre wenn...? Nicht dran denken. Aber doch lieber den Treffpunkt einprägen: gegenüber dem Souvenirladen. Ja, so was Normal-Touristisches hat die "Sedov". Und auch ein Museum, in dem man studieren kann, wo überall das Schiff im Laufe seines langen Lebens herumgekommen ist. Die Alte, die im Bauch noch einen Leninsaal und auf der Brücke schon eine Ikone hat, kann Geschichten erzählen. Bald haben sich alle eingelebt. Man weiß, an welche Stelle der klemmenden Toilettentür man schwungvoll treten muss, um sie aufzubekommen. Man weiß, wo man den Matrosen und Kadetten mehr im Wege steht und wo weniger. Man weiß, wo man auf den steilen Treppen den Kopf einziehen oder rückwärts steigen muss. Auch einen gewissen Argwohn gegenüber perfekt glänzenden Flächen hat man sich antrainiert; es gibt halt kein Schild, das warnt, wenn etwas frisch gestrichen wurde. Auch seinen Lieblings-Sitzplatz an Deck hat jeder gefunden: auf Tau-Rollen oder Kisten, irgendwelchen Decksaufbauten oder schlichtweg auf den Planken. Liegestühle? Für die ist kein Platz, wenn es in jedem Moment sein kann, dass bei Segelalarm Dutzende Matrosen und Kadetten umher rennen und in langen Reihen an den Tauen zerren.

Abschied von der "Sedov": Überlegenes Gefühl

Heimreise. Endlich liegt das Schiff mal im Wind. Der Horizont ist links unter und rechts über der eigentlich waagerechten Reling zu sehen. Wer es nicht glaubt, dass wir schief liegen, bekommt das spätestens beim Mittagessen zu spüren: Die Suppe droht über den Tellerrand zu fließen - sofern man sie nicht schon beim torkelnden Rückweg von der Essensausgabe verschüttet hat. Große Wellen, geschweige denn einen richtigen Sturm hat es auf der Ostsee nicht gegeben. Und einige der anfangs Kleinlauten fordern den jetzt kühn ein. In den späten Abendstunden nähern wir uns wieder der Kieler Bucht. Ohne Lampen, so dass wir die Sterne sehen können. Aber wir sind nicht mehr allein auf dem Meer. Auf Sichtweite fahren mehrere hell beleuchtete Kreuzfahrtschiffe. "Dort legen sie jetzt gerade die Krawatte für das Dinner an", sagt einer. Das klingt mitleidig. Und auch ein bisschen Überlegenheit schwingt mit. Wir sind gesegelt wie die Altvorderen, wie Columbus.

Weitere Informationen:

Als Trainee an Bord gehen kann man auch auf anderen Segelschiffen, so unter anderem der Antigua (NL), der Christian Radich (N), der Kruzenshtern (RUS) der Roald Amundsen (D), der Statsraad Lehmkuhl (N), Sörlandet (N) und der Thor Heyerdahl (D). Kontakte zu einigen Schiffen oder deren Fördervereinen vermittelt beispielsweise der Tall-Ship Friends Deutschland e.V., www.tallshipfriends.de; verein@tallshipfriends.de; Tel. 040/94790418.

Die Mitfahrt auf allen Traditionsschiffen, z.B. Sedov, Kruzenshtern, MIR, Dar Mlodziezy, Thalassa, Flying Dutchman und Tolkin ist u.a. bei Matthias Wagner, SeaComm GmbH , Käthe-Kollwitz-Straße 115 , 04109 Leipzig, Tel. 0341/2618113, buero@seacomm.de, www.seacomm.de, buchbar.

Der Standard sieht auf jedem der zahlreichen Segelschiffe, die Trainees mitnehmen, anders aus: von Doppelkabinen mit Dusche/WC über Sechs- bis Zehnmannkabinen mit Etagenkojen wie auf der Sedov bis hin zum Saal, in dem man allabendlich Hängematten spannt und mit seinem eigenen Schlafsack ausrüstet.

Mitreisen auf der Sedov kostet (inklusive Verpflegung) pro Tag rund 100 Euro, für Langzeit-Trainees gibt es Rabatte (z.B. ein halbes Jahr für rund 2000 Euro)

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