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Wandern entlang des Stacheldrahts in Südkorea

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Wandern entlang des Stacheldrahts in Südkorea

26.11.2012, 10:06 Uhr | AFP

Wandern entlang des Stacheldrahts in Südkorea . Wandern am Stacheldraht in Südkorea. (Quelle: AFP)

Wandern am Stacheldraht in Südkorea. (Quelle: AFP)

Südkorea ist nicht gerade das Reiseland Nummer Eins - erst recht nicht wenn man ans Wandern denkt. Das soll sich nun ändern, Südkoreas entmilitarisierte Zone soll künftig Öko-Touristen locken. Einst patroullierte das Militär auf den Wanderrouten, die voraussichtlich ab 2013 Touristen offen stehen. Sehen Sie sich die Wanderrouten Südkoreas in unserer Foto-Show an. Würden Sie in Südkorea wandern? Stimmen Sie oben rechts ab.

Öko-Touristen für Südkorea

Bewaffnete südkoreanische Soldaten patrouillieren an Grenzposten mit Blick auf Nordkorea, das hinter einem Stacheldrahtzaun beginnt. Hunderte rote Fähnchen, auf denen ein Totenschädel prangt, warnen vor Minen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton nannte das Grenzgebiet zwischen Nord- und Südkorea einst den "furchteinflößendsten Ort auf Erden". Ausgerechnet diese Region will Südkorea nun in eine Öko-Tourismus-Attraktion verwandeln. Seit rund sechs Jahrzehnten, seit dem 1953 nur mit einem Waffenstillstand beendeten Koreakrieg, stehen sich Südkorea und der kommunistische Norden unversöhnlich gegenüber. Entlang der 248 Kilometer langen Demarkationslinie erstreckt sich zur Nord- wie zur Südseite eine je zwei Kilometer breite entmilitarisierte Zone.

Wandern entlang des Stacheldrahts

Bereits 2013 sollen im südkoreanischen Osten die ersten sieben bis neun Kilometer langen Wanderwege freigegeben werden, die in sechs bis acht Stunden erwandert werden können. Seoul will bei der UN-Kulturorganisation UNESCO zudem beantragen, dass die entmilitarisierte Zone zu einem der weltweit rund 500 Biosphären-Reservate ernannt wird. Künftige Wanderer "werden entlang des Stacheldrahts laufen, von Hügeln aus auf nordkoreanisches Gebiet schauen und Schlachtfeld-Überbleibsel sehen können, die seit Jahrzehnten unverändert sind", sagt Park Mee Ja vom südkoreanischen Umweltministerium. Schon jetzt gibt es in Südkorea vereinzelt Möglichkeiten zur Naturbeobachtung in der Nähe der entmilitarisierten Zone. Park zufolge sind die neuen Wanderwege aber die längsten überhaupt im Süden der Zone.

Soldaten als Wanderführer

Die neuen Wanderrouten wurden vor Jahren vom Militär entwickelt, um dort patrouillieren zu können. Das Militär wird auch allgegenwärtig bleiben, wenn künftig Wandergruppen das Gebiet südlich der entmilitarisierten Zone erobern. Denn nach der Eröffnung der Trekking-Wege sollen Soldaten Wandergruppen begleiten, damit diese nicht vom Weg abkommen und in vermintes Gebiet geraten.

Wandern mit Blick auf Nordkorea

Während die letzte Grenze des Kalten Krieges die beiden Koreas trennt, hat sich das menschenleere Grenzgebiet zur friedlichen Zuflucht für diverse Tierarten entwickelt, für die die dichte Besiedlung andernorts zum Problem geworden ist. Dieses Phänomen will die südkoreanische Regierung in Seoul nun nutzen, um der Grenzregion ein positiveres Image zu geben: Künftig soll der hohe ökologische Wert des Gebiets beworben werden, Wanderrouten sollen Touristen nicht nur Zugang zu Naturschönheiten ermöglichen, sondern auch einen Blick auf den hermetisch von der Außenwelt abgeriegelten Norden ermöglichen.

Einmalige Tierwelt

"Die entmilitarisierte Zone war jahrzehntelang Niemandsland, weshalb sich die dortige unberührte Natur perfekt für Öko-Tourismus eignet", schwärmt Park: "Es gibt hier so viel mehr als nur traurige Geschichte und den Krieg." Die entmilitarisierte Zone und die angrenzenden Gebiete beheimaten nach Angaben der Regierung in Seoul rund 3000 Tier- und Pflanzenarten, darunter Otter, Bergschafe und Moschushirsche, die anderswo in Südkorea fast ausgestorben sind.

Minenfreie Wanderwege

Derzeit dürfen Touristen nur das sogenannte Waffenstillstandsdorf Panmunjom in der entmilitarisierten Zone besuchen, der Rest ist Sperrgebiet. Die südkoreanische Armee schränkt auch den Zugang von Besuchern zum direkt an die Zone angrenzenden Gebiet stark ein. Auch künftig wird es für Besucher zwar keinen erweiterten Zugang zur entmilitarisierten Zone geben. Doch nach langem Überlegen erklärte sich die südkoreanische Armee bereit, wenigstens das an diese Zone angrenzende Gebiet zugänglich zu machen - und dabei zu helfen, minenfreie Wanderwege zu planen.

Weitere Inforationen

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes zu Reisen nach Südkorea.

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