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Wandern extrem - Die "24 Stunden von Bayern"

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Wandern extrem - Die "24 Stunden von Bayern"

18.06.2012, 11:08 Uhr | Lars Becker, dapd

Wandern extrem - Die "24 Stunden von Bayern". Wandern: Vierte Auflage der "24 Stunden von Bayern". (Quelle: dapd)

Bei der vierten Auflage der "24 Stunden von Bayern" waren 444 Teilnehmer ausgeloste Teilnehmer dabei. (Quelle: dapd)

Eine Strecke von 70 Kilometern in 24 Stunden zu Fuß zurücklegen - extremer kann Wandern kaum sein. Im oberbayerischen Inzell haben sich 444 ausgeloste Teilnehmer den Strapazen eines solchen Gewaltmarsches gestellt. Die "24 Stunden von Bayern" haben sich in der nunmehr vierten Auflage zu einer Kultveranstaltung für Extremwanderer gemausert. Dieses Mal ging es in die Alpen. Die vom Berchtesgadener Land und dem Chiemgau gemeinsam ausgetragene Wanderveranstaltung war dabei anspruchsvoll wie noch nie. Weitere Bilder und Eindrücke finden Sie in unserer Foto-Show: Die 24 Stunden von Bayern.

24 Stunden zwischen Hölle und Himmel

Als die letzten müden Wanderer am frühen Sonntagmorgen nach 24 Stunden ins Ziel wankten, dröhnte der Song "Highway to Hell" aus den Lautsprechern vor der Eislaufarena im oberbayerischen Inzell. Für viele war es tatsächlich ein Trip zwischen Hölle und Himmel gewesen, aber allen stand nach den "24 Stunden von Bayern" auch ein Stück Stolz ins Gesicht geschrieben. Und die Genugtuung, die gut 70 Kilometer Dauerwandern an einem sonnigen Tag und in der kühlen Nacht mit Stirnlampe bewältigt zu haben.

"Keine Frage - es war eine Erfahrung. Und ich habe mich überwunden", sagte Wolfgang aus Schwäbisch Hall mit tiefen Ringen unter den Augen: "Allerdings weiß ich noch nicht, ob ich das noch mal brauche." So dachten wohl viele, die es ins Ziel geschafft hatten, und teils mit großen Blasen an den Füßen und einem Weißbier vor sich auf den langen Bänken im Ziel saßen. "Morgen werde ich wahrscheinlich begreifen, was ich da geschafft habe, aber jetzt bin ich einfach nur müde. Zwischen vier und fünf morgens bin ich beim Laufen fast eingeschlafen", berichtete Sabrina aus der Nähe von Bad Steben.

Kultveranstaltung für Extremwanderer

Dort im kleinen Örtchen im Frankenwald hatte im vergangenen Jahr die Kultveranstaltung für Extremwanderer aus Deutschland und ganz Europa stattgefunden. Die junge Frau hatte damals nicht teilnehmen können, weil die Teilnahmekarten binnen sechs Minuten im Internet vergriffen waren. Diesmal, für die vierte Auflage der "24 Stunden von Bayern", waren aus etwa 1500 Anmeldungen 444 Teilnehmer gelost worden. "Ich habe bei Facebook gesehen, dass es schon über 1000 Voranmeldungen gibt und dachte, dass ich sowieso wieder nicht dabei bin", erzählte Sabrina: "Und dann war ich doch dabei." Und mit ihr William, ein Freund mit Vollbart aus England, der nach der Wanderung vor Erschöpfung kaum mehr reden mochte.

Die Strecken waren nämlich bei der ersten Austragung in den Alpen so anspruchsvoll wie noch nie. Als der dreimalige Rodel-Olympiasieger Georg Hackl die bunt gemischte Schar am Samstagmorgen mit den Worten "Das ist ein Tag zum Helden zeugen" auf den Weg schickte, waren die Mienen noch fröhlich. Wie an der Perlenschnur aufgereiht, folgten die Wanderer aus Deutschland und ganz Europa der Musikkapelle von Inzell. Später auf dem schmalen Aufstieg auf die Kohleralm glich das Ganze eher einem Almauftrieb.

Maultiere der Bundeswehr als Krankenwagen

"Das ist ja kein Wandern, das ist Bergsteigen. Ich bin ja schon über 60", schnaufte Jochen aus München im Stau der Wanderer. Doch der grandiose Ausblick nach einem Aufstieg von fast 800 Höhenmetern entschädigte für alles. Eine grüne Almwiese mit Kühen, darüber der strahlend blaue Himmel und im Hintergrund der schneegekrönte Gipfel des Watzmann. Beste Werbung für das Berchtesgadener Land und den Chiemgau-Tourismus, der in diesem Jahr sein 100-Jähriges Bestehen feiert. An der Kohleralm war auch eine von insgesamt 30 Raststationen auf dem langen Weg ins Ziel, bei denen von einer deftigen Brotzeit mit Holunderblütenschorle über Musik bis zum Melken alles geboten wurde.

Selbst die Bundeswehr half bei dem glänzend organisierten Wanderevent mit. Sei es mit der Feldküche für die Nudeln zum Mittag oder mit Maultieren, um einen verletzten Teilnehmer mit Bänderriss ins Tal zu bringen. Nach zehn Stunden hatten fast alle die 30 Kilometer lange Etappe bewältigt. Es ging auf die zweite Tour über 15 Kilometer in der Dämmerung ins Moor. Die Sonne ging rot über den Gipfeln unter, die Flammen knisterten am Sonnenwendfeuer. Die Kraft ließ nach, doch vor Mitternacht nahmen die meisten noch die Nachtstrecke über 24 Kilometer in Angriff - noch einmal mit stolzen 900 Höhenmetern.

"24 Stunden von Bayern" nächstes Jahr in Füssen

"Das war noch mal richtig hart", berichteten Dieter und Christine aus Nürnberg: "Wir waren einige der wenigen, die noch gelaufen sind. Die meisten sind humpelnd, torkelnd und stolpernd ins Ziel gekommen." Die Muskeln und Knien schmerzten bei vielen genauso wie der übermüdete Kopf. Offiziell wurden 25 Blessuren gezählt, zwei Teilnehmern musste von der Bergwacht geholfen werden. Als aber im Ziel mit Füssen der Austragungsort für die fünften "24 Stunden von Bayern" im Jahr 2013 verkündet wurden, gab es donnernden Beifall. Viele werden auch 2013 beim Trip zwischen Himmel und Hölle wieder dabei sein.

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