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Angler und die Frauen - zu blöd zum Mammutjagen?

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Sind Angler zu blöd zum Mammutjagen?

06.07.2012, 17:02 Uhr | Horst Köder, Spiegel Online

Angler und die Frauen - zu blöd zum Mammutjagen?. Angeln: Warten, dass ein Fisch anbeißt. (Quelle: dpa)

Die Welt der Angler erscheint Außenstehenden oft seltsam. (Quelle: dpa)

Angler und die Frauen - das ist eine Geschichte voller Missverständnisse und mit ungewissem Ausgang. Wer einen dicken Fang machen will, muss schweigen, lügen und vor unbarmherzigen Jurys bestehen. Ein kleiner Leitfaden für erfolgreiche Techtelmechtel.

"Schatz, ich bin mal eben angeln"

Statistisch gesehen werden über 80 Prozent der Beziehungen mit nur zwei Sätzen beendet. Der eine lautet: "Schatz, ich geh mal eben Zigaretten holen." Ausgesprochen von Männern irgendwo zwischen 30 und 50, denen die Mehrfachbelastung aus Job, Frau, Kindern, Hypotheken, Globalisierung, Abstieg des Lieblingsclubs und Haarausfall irgendwann zuviel wird. Sie gehen zur Tür raus und tauchen nie wieder auf, höchstens Jahre später in irgendwelchen Aussteiger-Dokus wie "Goodbye, Deutschland", in denen manch Sitzengelassene ihren ehemaligen Partner als Trapper in Alaska oder Medizinmann in Kenia wieder erkennt. Auch wenn er nun Vollglatze hat und einen Rauschebart trägt.

Der andere letzte Satz einer Beziehung lautet "Schatz, ich bin mal eben angeln." Männer aller Alters- und Einkommensklassen sagen ihn tagein, tagaus, voller Hoffnung auf eine strahlende Zukunft am Wasser und im Bett, immer mit einem schönen Abschiedsschmatzer für die Liebste. Und keine Panik: Diese Kerle kommen zurück, auch wenn es mehrere Stunden oder manchmal gar Tage (Karpfenangler!) dauert. Das Dumme nur: Die Frau ist dann weg. Ohne letzte Worte oder einen Kuss. Und wenn er sie jemals wiedersieht, dann als verzweifelte Kandidatin bei "Bauer sucht Frau". Könnte die Schmach größer sein?

Glibberige Forellen statt mächtiger Mammuts

Angler haben es bei der Suche nach einer Partnerin traditionell schwer. Das bringt schon die Evolution mit sich. Männer sehen in Anglern immer noch die Abenteurer und Jäger der früheren Tage, die nach langen Wegen in unerforschter Wildnis die Natur mit einfachsten Mitteln überlisten und so das Überleben der Familie und der ganzen Art sichern. Frauen denken durchaus auch evolutionär, allerdings sehen sie in einem Angler einen Schwächling, der zu dumm war, das Mammut zu erlegen und sich deshalb an ein paar glibberigen Forellen schadlos halten musste. Nicht mal ein schickes Säbelzahntigerfell hat er mitgebracht. Sprich: Es gibt durchaus bessere Familienernährer da draußen.

Das muss der Angler bei der Partnersuche von vornherein bedenken. Vorbei sind die Zeiten der Nachkriegsgeneration, als es reichte, nicht allzu streng zu riechen und sich die Haare halbwegs gescheit zu kämmen, um mit zwanzig schon die Frau fürs Leben zu heiraten. Heutzutage regieren die Alpha-Mädchen, die spätestens mit 25 Jahren mit einem Doktortitel und einem halben Dutzend Jobangebote aus Übersee aufwarten. Wer da nicht mindestens zwei Nobelpreise sein Eigen nennt, hat schlechte Karten, auch wenn er mit Trickwürfen am Wasser brilliert.

Lügen geschickt platzieren

Überhaupt: Das Lieblingshobby sollte man zunächst möglichst verschweigen, wenn man eine Frau ins Visier genommen hat. Wobei das "zunächst" in diesem Fall nicht zeitlich begrenzt ist. In der Hitliste der Freizeitbeschäftigungen, die Frauen abtörnend finden, rangiert Angeln sicherlich noch vor Modelleisenbahn fahren lassen oder chronischem Nasehochziehen. Sport dagegen kommt immer gut, allerdings muss ihm ein Hauch von Exotik anhaften, zu anstrengend darf er auch nicht klingen. Lügen Sie also einfach und erzählen Sie ihrer Auserwählten, Sie betreiben Shinson Hapkido. Auf ihre staunende Nachfrage berichten Sie groß von ihren Taten in diesem koreanischen Mix aus Selbstverteidigung und Gesundheitstraining. Dann landen Sie bei der Dame vielleicht auch ohne Nobelpreis.

Nun, Sie haben die ersten Dates erfolgreich hinter sich gebracht, sind schon ein Paar, nennen sich gegenseitig "Schatz", es läuft alles prima und auch sie meinte doch letztens, es gebe "keine Geheimnisse mehr zwischen uns"? Und jetzt wollen Sie endlich so ganz nebenbei sagen, dass Sie Angler sind? Vorsicht! Es sind schon oft Mäuse im Überschwang der Gefühle zu früh aus ihrem Versteck gekrochen, obwohl der Bussard noch kreiste. Oder wie es in Anglerkreisen auch heißt: Ärgere den Alligator nicht, bevor du den Fluss durchquert hast!

Die Jury ist knallhart

Denn es mag durchaus sein, dass die Dame frisch verknallt ist in sie, ihren gewellten Scheitel so toll findet und das kleine Grübchen am Kinn sowieso. Möglicherweise nimmt sie das Angel-Geständnis mit einem Schulterzucken und einem hübschen Lächeln hin, doch seien Sie gewarnt: Später wird sie schwer schlucken. Sich Gedanken machen. Dann kriechen die evolutionären Zweifel in ihr hoch. Und sie wendet sich an die Alligatoren, besser gesagt: ihre Freundinnen.

Das muss man uns Kerlen lassen: In der Bewertung neuer Partner unserer Freunde sind wir so herrlich gleichgültig-oberflächlich. Natürlich wird die Neue ausgiebig unter die Lupe genommen, aber nach ein paar direkten Kommentaren ("hübsches Gebiss", "Die geht aber komisch") wird das Thema zu den Akten gelegt. Bei Frauen gibt es keine Beziehungsautonomie. Dort sind die Freundinnen so was wie die Jury bei "Deutschland sucht den Superstar". Sie entscheiden, ob der Kerl zum Recall kommen darf, auch wenn er schon ein paar Mal gesungen hat. Und Angeln wirkt bei der Bewertung wie eine Krächzstimme. Damit kommt man bei Dieter Bohlen nicht weit.

Aber nur die Hoffnung nicht aufgeben. Auch für Angler gibt es die perfekte Frau.

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