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Downhill: Radfahren rund ums Matterhorn

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Downhill: Radfahren rund ums Matterhorn

24.07.2012, 12:54 Uhr | Norbert Eisele-Hein, srt

Downhill: Radfahren rund ums Matterhorn. Radfahren mit Bergblick. (Quelle: SRT /N. Eisele-Hein )

Abfahrt mit Bergblick: Inmitten Viertausender geht es rasant downhill. (Quelle: N. Eisele-Hein /SRT )

Radfahrer in Zermatt werden um das Matterhorn nicht rumkommen. Warum auch? Der Gipfel ist der Stolz der Region und bietet Mountainbikern 1000 Höhenmeter Abfahrt, ein Downhill-Paradies mit unschlagbarem Panorama. Wo sonst kann man inmitten von 33 Viertausendern Schotterpisten und aufregende Passagen meistern? Überzeugen Sie sich selbst in unserer Foto-Show vom Radfahren am Matterhorn.

Matterhorn: Der Klassenprimus

Sechs Uhr morgens, die Temperatur liegt knapp unter dem Gefrierpunkt. Eingehüllt in alle verfügbaren Funktionsklamotten klammern wir uns an einer dampfenden Tasse Kaffee fest. Klingt schwer nach Frust. Aber nein, ganz im Gegenteil. Dies ist nur das wohl ausgeklügelte Vorspiel zu einer der wahrscheinlich schönsten Mountainbike-Abfahrten der Welt.

Endlich hält die Zahnradbahn am Gornergrat, 3105 Meter über dem Meeresspiegel. Die eisige Morgenbrise fegt jegliche Trägheit aus den Knochen. Langsam wandern die Schatten über das Gipfelmeer. Sage und schreibe 33 Viertausender erröten zusehends. Jeder einzelne wunderschön, aber ein kurzer Blick in die Runde genügt, und schon steht fest: Das 4478 Meter hohe Matterhorn ist ein Geniestreich, der Klassenprimus, der Platzhirsch unter den umliegenden Alpengipfeln.

Downhill-Radfahren zum Riffelsee

Wir folgen dem Sonnenlicht ins Tal. Der Downhill bietet eine Mischung aus rasanter Schotterpiste und technischen Passagen. Aber weder loses Geröll noch tückische Altschneefelder stellen die eigentlichen Herausforderungen dar. Das größte Problem besteht darin, sich tatsächlich auf den Trail zu konzentrieren und nicht ständig auf den Berg der Berge zu starren.

Am Riffelsee gibt die Morgendämmerung zunächst ein stechendes Blaugrün preis und zaubert alsbald eine makellose Spiegelung des Zermatter Paradezinkens auf die Wasseroberfläche. Die Sonne strahlt voll in die verschneite Ostwand des "Hörnlis", wie die Zermatter ihr Weltwunder liebevoll nennen, und wärmt uns den Rücken. Pause! Eins werden mit der Natur und sich ganz still in ein kitschiges, aber überwältigendes Postkartenmotiv einklinken.

Zermatt - Paradies für Biker, Bergsteiger und Skifahrer

Dieser Downhill ist nur einer von zahlreichen Trails, die der Zermatter Kurverein bereits Anfang der 1990er-Jahre den Bikern zuschlug. Für die Fremdenverkehrsämter im gesamten Alpenraum war Biken damals noch das Reizthema schlechthin. Schließlich wollte man die Masse der zahlungskräftigen Wanderer nicht verprellen. Andererseits forderten die jungen Zermatter, die - wie sollte es angesichts dieser Umgebung anders sein - fast ausnahmslos begeisterte Bergsteiger, Skifahrer und auch Biker sind, ihre Rechte. Seither gilt generell die Zwei-Meter-Regel, das heißt, dass Biker auf Wegen mit mindestens zwei Meter Breite fahren dürfen. Zusätzlich wurden einige Filetstücke extra für Biker vorbildlich ausgeschildert und in Zusammenarbeit mit den Bergbahnen ein Servicepaket geschnürt. Im Falle von Zermatt ist das ein rundum gelungener Spagat, der sowohl Downhiller als auch Cross Country-Fans überzeugt.

Trailarena in der Höhe

Direkt vom Dorf schweben Gondeln auf das 3103 Meter hohe Rothorn und zum 2582 Meter hoch gelegenen Schwarzsee. Oder man nimmt die urgemütliche Zahnradbahn zum Gornergrat. Zwar reißen die Tageskarten eine klaffende Wunde in den Geldbeutel, aber für einen Bikepark dieser Dimension ist jedes Fränkli gut investiert. Sämtliche Routen sind kombinierbar und natürlich auch mit eigener Muskelkraft zu erstrampeln. Cross Country-Fans brauchen nur die eigens für Biker geschaffene Karte des Kurvereins. Für 1,60 Franken verschafft sie den vollen Überblick in der Trailarena von Zermatt. Aber Vorsicht, so ganz gemütliche Auffahrten kennt man im 1620 Meter hoch gelegenen Zermatt nicht. Sämtliche Routen enden rings um die 3000-Meter-Marke, da herrscht dünne Luft.

Radfahren, Bergsteigen - und Tradition

Unten in Zermatt werden derweil die Videokameras heftig geschwenkt. Blitzlichter erhellen die Bahnhofstraße. Touristen applaudieren. Ein traditionell herausgeputzter Ziegenhirte treibt seine Herde durch das Dorf. In gebührendem Abstand folgt die Kehrmaschine und saugt die Ziegenköttel ein. Eine perfekte Symbiose aus Schweizer Alpenidylle und Ordnungsliebe. Zwischen den Scharen überwiegend asiatischer Touristen tummeln sich auch wild entschlossene Bergsteiger aus aller Herren Länder. So wie das Matterhorn für die einen neben dem Eiffelturm und dem Münchner Hofbräuhaus Pflichtstation ihrer "Europe in ten days"-Reise ist, verspüren Alpinisten weltweit das Verlangen, einmal auf dessen formvollendeten Gipfel zu stehen.

Die Gefahr vor Augen gehalten

Für die einen ist Zermatt ein wenig wie Hollywood - eine perfekt inszenierte Show im Cinemascope-Format der Alpenriesen. In den noblen Läden von Rolex und Cartier bleibt bestenfalls die Kreditkarte auf der Strecke. Für die anderen bilden die steilen Grate, Flanken und Eiswände der Viertausender eine Art Kolosseum, wo sie selbst unter Einsatz ihres Lebens die Gladiatoren mimen. Stummer Zeitzeuge zahlloser Bergdramen ist der Bergsteigerfriedhof mitten im Dorf. An vielen Grabsteinen hängen noch die Eispickel der Abgestürzten. Pathosbeladene Inschriften schmücken die Endstation der häufig blutjung verunglückten Bergsteiger aus New York City, Prag und Berlin. Der Anblick treibt einem Tränen in die Augen.

Von Strampeln bis Strudel

Mit dem nötigen Respekt strampeln wir über Tuftern auf einem steilen Forstweg Richtung Rothorn und dann weiter bis zur Fluhalpe auf 2616 Meter hoch. Dort investieren wir unser Erspartes in eine stramme Portion leckerer Schweizer Rösti. Und weil das Mini-Nickerchen auf der Terrasse gar so entspannend war, gibt es noch einen üppigen Nussstrudel. Das Schweizer Kreuz flattert im Wind. Der Haifischzahn Matterhorn strahlt uns an. Vor uns liegen 1000 Höhenmeter Abfahrt. Zermatt ist wirklich der Gipfel für Biker.

Weitere Informationen:

Zermatt Tourismus, Bahnhofplatz, Postfach 247, CH-3920 Zermatt, Tel. 0041/27/9668100, www.zermatt.ch, www.myswitzerland.com.

Zermatt ist ein autofreier Kurort, das heißt die Autos bleiben in Täsch, circa fünf Kilometer vor dem Ortsbeginn Zermatts. Von dort heißt es entweder mit Gepäck aufs Bike zu steigen, in den Zug einzusteigen (fährt mehrmals stündlich) oder ein Taxi zu nehmen.

Hoteltipp für den schmalen Geldbeutel: IYH, International Youth Hostel, mit Frühstücksbuffet und Viergangabendessen ab 40,90 Euro im Mehrbettzimmer, Winkelmatten, 3920 Zermatt, Tel. 0041/27/9672320, www.youthhostel.ch;
Camping Matterhorn, direkt am Ortseingang, klein und schnuckelig, 9 SFr pro Nase, eine Flasche Bier 0,66 Liter kostet 3 SFr. Tel. 0041/27/9673921 oder mobil 079/4569358.

Beste Tourenzeit: Je nach Schneelage ab Ende Mai bis Mitte Oktober.

Essen und Trinken:

The Pipe, Surfers Cantina, starke Cocktails, gute Snacks, Reggae-Music, Internet, herrlich abgefahrener Schuppen, www.gozermatt.com;
Grampi's, Ristorante, Pizzeria, gute Küche, Terrasse, Bergsteiger-Treff, www.grampis.ch.

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