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Frankreich-Urlaub: Am Meer auf Vogelbeobachtung

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In einer der schönsten Buchten der Welt

16.10.2012, 11:35 Uhr | Sabine Glaubitz, dpa

Frankreich-Urlaub: Am Meer auf Vogelbeobachtung. In Frankreich an einer der schönsten Buchten der Welt: Baie de la Somme. (Quelle: dpa)

In einer polynesischen Piroge geht es durch einer der schönsten Buchten der Welt: Baie de la Somme. (Quelle: dpa)

Im Norden Frankreichs, nur eine Autostunde von Paris entfernt liegt ein Stück Landschaft, in der nichts von der Großstadthektik der französischen Hauptstadt übriggeblieben ist: Ruhe liegt über den Baumwipfeln des Waldes am Schloss Pierrefonds, und mit ebenso ruhiger See wartet eine der schönsten Buchten der Welt am Rand des Ärmelkanals auf Naturfreunde, die vom Boot aus Kormorane, Seehunde und sogar Schafe mitten im Meer sehen wollen. Entdecken Sie die Schönheit der unbekannten Picardie - auch in unserer Foto-Show!

Fernsehreif: Bei den drei Musketieren und Merlin zu Besuch

Um jeden Turm ranken sich Geschichten. Mindestens zehn sind es bei der Schlossburg Pierrefonds, rechnet man die Ziertürmchen innerhalb der dicken Mauer hinzu. Viele sind wahr. Die des jungen D'Artagnan, der Kardinal Mazarin, den mächtigen Berater des Sonnenkönigs Ludwig XIV., auf das Schloss entführte, stammt allerdings aus der Feder von Alexandre Dumas. In seinem Roman "Die drei Musketiere" kam der junge Draufgänger D'Artagnan mit seinem Pferd nach Pierrefonds. Heute führt die Autobahn A1 in knapp einer Stunde von Paris nach Compiègne, wo nach rund zehn Kilometern Landstraße die Zinnen des Schlosses auftauchen, die unwirklich und dramatisch in den Himmel ragen.

Schloss Pierrefonds ist Ausgangspunkt zu einer Reise durch Frankreichs unbekannte Picardie und gehört zu den schönsten Schlössern der Region. Stolz blickt es aus einem Blätterdach aus 14.000 Hektar Eichen und Buchen hervor.

Geprägt werden die Mauern von Märchenschloss im Allgäu, Neuschwanstein. Die Verantwortung dafür trägt Louis-Napoléon Bonaparte, der sich 1850 in das in Mitleidenschaft gezogene Schloss verliebte und die Ruinen nach seinen Vorstellungen wieder aufbauen ließ. Doch bevor der Kaiser der Franzosen in seine zukünftige Privatresidenz einziehen konnte, wurde er gestürzt. Das denkmalgeschützte Schloss steht heute leer und lockt neben Touristen ganz besondere Besucher an: König Artus und die Ritter der Tafelrunde. Gespenster sind es nicht. Pierrefonds dient mit seinen Wehrerkern, Spitzdächern und Wendeltreppen dem britischen Fernsehsender BBC als Drehort seiner Serie "Merlin".

Übernachten in luftiger Höhe

Auch ohne Merlins Zauberstab verspricht die weitere Reise spannend zu werden, denn übernachtet wird in Baumhütten, nur knapp acht Kilometer weiter im Wald versteckt. Allein der Weg dorthin ist ein Abenteuer. Von Pierrefonds in Richtung Vieux Moulin auf der D547 und dann irgendwann rechts in einen Waldweg ab. Nur wo? Noch vor dem Ortseingang, sagt die Stimme am anderen Ende. Das war der letzte Anruf vor ein paar Tagen. Handyempfang gibt es hier nicht.

"Bisher ist noch niemand im Wald verschwunden", empfängt uns Agathe Vuillemenot. Die 47-Jährige hat ihr Baumnest, "Nid dans l'arbre", vor rund vier Jahren zusammen mit Christophe, ihrem einstigen Klassenkameraden, eröffnet. Mittlerweile besteht ihr Bettenpark im Grünen aus elf Hütten. Dabei findet in fünf bis acht Metern Höhe jeder sein Glück: Auf Verliebte wartet das "Ti amo", pro Nacht 170 Euro einschließlich einer Flasche Champagner; auf Familien das "Ensemble, c'est tout", eine Baumsuite aus zwei Häusern mit gemeinsamer Frühstücksterrasse.

Mit Karabinerhaken zum Schlafen

Die Idylle ist über eine einziehbare Treppe oder eine Seilbrücke zu erreichen. "Sportlich und schwindelfrei sollte man dabei schon sein", warnte Agathe, bevor sie uns Hüftgurt, Karabinerhaken und Stirnlampe in die Hand drückt - die Grundausstattung für die Übernachtung in "Lucie de la Follie" und "Hissé Haut". Über den Seilzug haben wir das Gepäck nach oben gezogen. Nach Merlins Zauberschloss und einer kurzen Irrfahrt durch das Unterholz ist es Zeit für ein lokales Dinner. In den Wipfeln bleibt die Küche kalt. Es gibt Pastete und Blutwurst von Maurice Bigot, einem der besten Metzger der Region.

Ruhe in den Gipfeln? Vor dem Lärm der Zivilisation schon. Doch mehr als sieben Meter über dem Boden tobt das Leben. Überall knarrt und stöhnt es im Gebälk, Eicheln fallen auf das Holzdach, Unterholz knackt. Waren das nicht Schritte vor der Tür? Als eingefleischter Stadtmensch und der Natur entfremdet beginnt man kurz vor Mitternacht an die Stunde der Geister zu glauben - bis das sanfte Rauschen in den Blättern einen in den Schlaf wiegt.

Das Aufwachen ist herrlich. Noch stecken Wald und Feld im Morgendunst, doch bereits eine halbe Stunde später blinzelt die Sonne am Horizont hervor. Mit Blick auf Hüftgurt und Karabinerhaken fällt die Entscheidung gegen eine Dusche in den Sanitärräumen nicht schwer. Stattdessen gibt es eine Katzenwäsche aus der 10-Liter-Wasserflasche. Um 8.00 Uhr wird das Frühstück am Seil hochgezogen. In dem Korb, der am Ende baumelt: Milchkaffee, Orangensaft, Marmelade, Baguette und Croissants.

Eine der schönsten Buchten der Welt

Unser nächstes Ziel ist die Baie de la Somme, die 2001 zur Lagune von Venedig in die Weltliga der schönsten Buchten aufgerückt ist. Am Rand des Ärmelkanals, nur eine Stunde von der Pariser Großstadthektik entfernt, glaubt man sich im Norden Schwedens - wären da nicht die Pirogen, die schmalen, langen Boote aus Polynesien. Schnell und grazil bewegen sie sich zwischen den Sandbänken und den Meeresvögeln hindurch. "Sie sind ideal für dieses flache Gewässer", erklärt Yann Joly vom Kajakclub in Saint-Valery-sur-Somme, einem malerischen Fischerdorf.

Die Somme-Bucht kennt starke Gezeiten. Bei Ebbe kann man bis nach Le Crotoy spazieren, das zwölf Kilometer weiter auf der gegenüberliegenden Seite liegt. Doch noch etwas anderes macht die Bucht, in der die Somme in den Atlantik mündet, so besonders: Süß- und Salzwasser treffen aufeinander und lassen einen einzigartigen Lebensraum entstehen.

Mit dem Boot auf Vogelbeobachtung

"Hier gibt es mehr als 300 Vogelarten", schwärmt Yann und zeigt auf einen Kormoran. Langsam gleiten wir tiefer in die Bucht. Lachmöwen ziehen vorüber und einige der berühmten Salzwiesenschafe sind zu sehen. Sie sind nicht rechtzeitig mit der Herde zurückgekehrt und stehen verloren auf ihren kleinen Salzwieseninseln. Mindestens 100 Tage weiden sie in der Bucht, erst dann hat ihr Fleisch den besonders zarten und würzigen Geschmack, den ihr Ruf ausmacht. Von den Seehunden, die hier seit Mitte der 1980er Jahre wieder leben, haben wir heute keinen gesehen. Normalerweise schwimmen sie bei Flut bis in den Flusslauf der Somme.

In dem Vogelparadies Parc du Marquenterre in der Bucht der Somme geht unsere Reise zu Ende, mit Ferngläsern und in einem der Beobachtungsposten. Ist das nicht ein Weißstorch? "Die kommen erst wieder im Frühjahr", klärt Vogelkundler Philippe Carruette auf. Ein Grund mehr, dann in die Picardie zurückzukehren.

Weitere Informationen zur Picardie

Anreise: Mit dem Flugzeug bis Paris-Charles de Gaulle, weiter mit dem Mietwagen. Zug: Mit ICE und/oder TGV nach Paris. Weiter ab Paris Nord nach Compiègne.

Besondere Unterkünfte: Baumhäuser "Le Nid dans l'arbre", ab 80 Euro pro Nacht (www.leniddanslarbre.fr), Planwagen "Les Roulottes de l'Omignon", ab 95 Euro pro Nacht (www.roulottes-omignon.com).

Informationen: Atout France, Postfach 100128, 60001 Frankfurt, info.de@rendezvousenfrance.com, www.franceguide.com

Picardie: www.picardietourisme.com

Kajak in Baie de la Somme: www.kayak-somme.com

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