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Wandern auf der Zugspitze: bewusst wandern in Bayern

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Bewusst Wandern auf der Zugspitze

22.04.2013, 09:22 Uhr | Verena Wolff, dpa-tmn

Wandern auf der Zugspitze: bewusst wandern in Bayern. Spuren im Schnee auf der Zugspitze (Quelle: dpa)

Bewusst wahrnehmen: Frische Bergluft und weite Landschaften erwarten Wanderer beim Weg auf die Zugspitze. (Quelle: dpa)

Beim Wandern in Bayern darf die Zugspitze nicht fehlen. Wer aber denkt, der höchste Berg Deutschlands sei zu viel für die eigene Fitness, der irrt: Eine geführte Tour legt besonderen Wert auf die gesundheitlichen Aspekte des Wanderns; bei der reinen Luft um den Kurort Garmisch-Partenkirchen ist das nicht verwunderlich. Wandern wird hier nicht sportlich gesehen, es geht vielmehr um die bewusste Wahrnehmung des Körpers bei einer Wanderung für jeden. Und man muss ja nicht alle Höhenmeter bis zum Gipfel erklimmen. Schauen Sie sich die Winterlandschaft von Garmisch-Partenkirchen über die Partnachklamm die Zugspitze hinauf in unserer Foto-Show an.

Kein schlechtes Wetter in Garmisch-Partenkirchen

Es ist nicht besonders schön an diesem Wintertag in Garmisch. Die Berge sind in dicke Wolken gehüllt, in der Nacht hat es geschneit. Doch jetzt fällt Regen. Es ist grau, es ist nass und kalt. Ein Wetter, um sich ins Bett zu kuscheln oder den Tag in der Sauna zu verbringen. Doch auch im bayerischen Oberland gilt: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Also: Bergschuhe und Pulsuhr an, Walkingstöcke rausholen, Funktionskleidung in Lagen - "aber nicht zu viel, denn wir kommen ordentlich ins Schwitzen", sagt Christine Söllner.

Blutdruck, Puls und Thermoregulation

Sie schaut in die Runde, an jedem Wanderer bleibt ihr Blick kurz hängen. "Wie geht es euch denn?", fragt sie - und meint das ganz ernst. Von jedem will die Klimatherapeutin und Wanderführerin wissen, ob er Leiden oder Wehwehchen hat - und wie die Tagesform ist. "Nur so kann ich eine Wanderung leiten, die allen Spaß macht", sagt sie. Denn ihre Gruppe geht nicht einfach nur wandern in den Bergen um Garmisch und Partenkirchen. Christine Söllner leitet eine heilklimatische Wanderung - eine Tour mit Mehrwert, wie es beim Fremdenverkehrsamt so schön heißt.

Puls- und Blutdruckmessen, Atemtechniken und das sogenannte Thermoregulationstraining - das alles gehört dazu, wenn Söllner mit ihren Gruppen loszieht. Sommers wie winters, bei Sonnenschein, Regen und Schnee. "Es gibt eigentlich kein Wetter, bei dem wir nicht gehen", sagt sie. Nur bei Gewitter und Glatteis macht sie eine Ausnahme: Beides ist schlichtweg zu gefährlich. Für alle anderen Witterungen gibt es angemessene Kleidung. Und ab und zu schadet es dem Körper auch nicht, die Jackenärmel trotz Kälte mal hochzuschieben - Thermoregulation eben.

Schon leichtes Bergsteigen beansprucht Herz- und Kreislauf

Schöllers Gruppe blickt an diesem Morgen noch etwas skeptisch drein: Alle Teilnehmer haben sich aufgerafft und stehen nun vor dem Skistadion, dem Ausgangspunkt für die Tour. Und sie alle wollen los, denn es wird nicht wärmer, wenn man Gipfel und Sprungschanzen anschaut. Doch zunächst weist die Bergführerin die Wanderer ein: Passen die Stöcke? Wie ist der Ruhepuls, wie der Blutdruck?

Dann geht es los, zunächst entlang einer leicht ansteigenden, geteerten Straße. Söllner gibt einen sehr gemäßigten Schritt vor - doch auch die leichte Steigung ist nicht zu unterschätzen: "Viele Gäste sind die Luft und die Höhe hier nicht gewohnt", sagt sie. Und da sich niemand bei der Wanderung verausgaben soll, geht es erst einmal recht langsam voran. Doch während sich noch zu Beginn der Tour Verwunderung darüber breitmacht, versteht bald jeder Wanderer den Sinn: Denn Herz und Kreislauf werden beansprucht, langsam und gleichmäßig. Dazu muss es nicht mit voller Ausrüstung in hochalpine Regionen gehen.

Wandern rund um und auf der Zugspitze

Garmisch-Partenkirchen ist einer von nur 15 heilklimatischen Kurorten der Premium-Class in Deutschland. Das bedeutet, dass der Ort am Fuß der Zugspitze nicht nur Reizklima hat, sondern auch besonders gesunde und allergenarme Luft. Dazu mehr als 300 Kilometer markierter Wanderwege und mehr als 100 Kilometer spezieller Winterwanderwege, die auch bei Schnee geräumt werden und begehbar sind.

Und eben die speziell ausgebildeten Klimatherapeuten, die die Gruppen begleiten und anleiten. Im Rahmen einer Klimakur oder ganz einfach bei einer heilklimatischen Halbtages-Wanderung lernen die Gäste, sich bewusst und ihrem Gesundheitszustand entsprechend zu bewegen, sagt Söllner. Kein Wandern für Spezialisten also, sondern Touren für alle.

Partnachklamm: Wanderung durch eine bizarre Winterwelt

Am Eingang der Partnachklamm die erste Pause: Ein paar Euro Eintritt sind fällig, und schon steht man drin im finsteren, schmalen Tunnel. Immer wieder ist der Blick zwischen den einzelnen Abschnitten frei auf die Felsen, über die die Partnach hier rauschen muss und wilde Stromschnellen formt. Rechts und links an den Felsen haben sich schon die ersten Eiszapfen gebildet, die über den Winter noch anwachsen werden und teils bizarre Formen bekommen.

Hinter den Tunneln, dort, wo die Partnach wieder ein zahmer Gebirgsbach ist, ruft Christine Söllner ihre Wanderer zusammen. Puls fühlen und Blutdruck messen, dazu Eindrücke teilen. Und wieder die Frage: "Wie geht es euch?". Alle sind beeindruckt von dem Naturschauspiel, das sie eben durchwandert haben - und alle haben Werte, die in Ordnung sind. Also geht es zum anstrengendsten Teil des Weges: unzählige, hölzerne Treppenstufen, die die Steigung im Waldboden leichter machen sollen - allerdings durch Schnee und Nässe viel Konzentration erfordern.

Mit der ältesten Kleinkabinenbahn der Welt zurück ins Tal

Doch auch dieser Weg ist bald geschafft, allerdings sieht man nun deutlich mehr Atemwolken in dem immer noch trüben Himmel: "Wir sind dieses Bergauf einfach nicht gewohnt", sagt ein Wanderer aus dem Ruhrgebiet und muss einen Moment Luft holen. Belohnt werden die Gäste mit endlosem, unberührten Schnee und einem etwas aufreißenden Himmel. Das Ziel ist schon zu sehen: das Forsthaus Graseck auf 903 Metern Höhe, ebenfalls idyllisch eingeschneit.

Ein Schmankerl hat Söllner noch in petto, davon weiß ihre Gruppe noch nichts: Niemand muss mehr durch das wenig einladende Wetter zurück ins Tal. Hinter dem Haus fährt die Graseckbahn ab, die älteste Kleinkabinenbahn der Welt. Und dann wird es Zeit, sich schön warm ins Ferienquartier zu kuscheln oder schwimmen zu gehen - denn die Ansage der Wanderführerin war richtig: Sie hat ihre Gäste ins Schwitzen gebracht.

Weitere Informationen

Jeden Donnerstag starten die heilklimatischen Wanderungen in Garmisch-Partenkirchen. Treffpunkt zu den vier- bis fünfstündigen Wanderungen ist immer um 10.00 Uhr an der Tourist Information. In den Sommermonaten, von Mai bis September, finden jeden Dienstag zusätzlich längere klimatherapeutische Wanderungen statt. Die Tourist Information bittet um Anmeldung zu den Wanderungen (Tel.: 08821/18 07 00). Die Tour kostet 12 Euro (mit Kurkarte 10 Euro).

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