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Wels: ein Riesenfisch, dessen Lebensraum sich enorm ausweitet

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Wels: der Riesenfisch breitet sich aus

18.02.2013, 13:33 Uhr | Kurt de Swaaf

Wels: ein Riesenfisch, dessen Lebensraum sich enorm ausweitet. Der Wels: der größte Fisch in Europa. (Quelle: imago)

Der Wels - ein mächtiger Fisch. In den letzten Jahren hat seine Verbreitung stark zugenommen. (Quelle: imago)

Welse - auch Waller genannt - erobern immer mehr europäische Gewässer und lösen damit kontroverse Debatten aus, sowohl unter Wissenschaftlern wie auch unter Anglern. Mittlerweile finden sich große Fisch- bestände vom Rio Ebro über den Rhein mit seinen Nebenflüssen bis in die Niederlande; in Anglerkreisen und Medien häufen sich Meldungen von Riesenfängen - warum der Lebensraum des Wels sich so enorm ausgebreitet hat, ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Welsangler haben wohl auch ihren Anteil daran. Dass Welse wirklich riesige Fische sind, zeigt unsere Foto-Show: Welse am Ebro-Stausee.

Wels-Invasion: der größte Süßwasserfisch Europas breitet sich aus

Das Geräusch fällt nicht besonders auf: eine Art Schmatzen, oft begleitet von einem kurzen Plätschern. Man hört es nachts an Flüssen wie dem Neckar, sogar mitten in der Heidelberger Altstadt, unter der weltberühmten Sandsteinbrücke, und vor allem an lauen Sommerabenden. Dann steigen die dunklen Schatten aus der Tiefe auf. Welse auf der Jagd. Die Raubfische schleichen sich dicht unter der Wasseroberfläche an ahnungslose Schuppenträger heran und saugen sie schlagartig in ihre riesigen Mäulern ein. Daher das Geräusch.

Trotz ihrer meist versteckten Lebensweise stehen die Tiere zunehmend im Rampenlicht. Der Wels oder Waller, zoologisch Silurus glanis genannt, ist die größte und die geheimnisvollste Süßwasserfischart unseres Kontinents. Mit bis zu drei Metern Länge und Gewichten jenseits der 100-Kilo-Marke beflügeln die Giganten seit jeher die menschliche Fantasie. Hunde sollen sie fressen, oder sogar kleine Kinder. Schauermärchen natürlich, denn die angeblichen Monster haben noch nicht mal richtige Zähne. Was jedoch sicher ist: Die Welse sind auf dem Vormarsch. Seit gut zwei Jahrzehnten erobern sie immer mehr Binnengewässer. Die Populationen wachsen, und niemand weiß genau, warum. "Den Spekulationen sind Tür und Tor geöffnet", sagt Jörg Freyhof, Fischereibiologe am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin.

Welsangeln von Ebro bis Rhein

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Großfische umfasst im Wesentlichen Ost- und Mitteleuropa sowie Teile Asiens. Inzwischen jedoch sind verschiedene französische Flüsse wie die Rhône, der Ebro in Spanien, der Rhein mitsamt Nebengewässern und der Po in Norditalien von einer wahren Wels-Schwemme betroffen. Zum Verdruss vieler Experten. "Der Wels ist eine der schlimmsten invasiven Fischarten Europas", schimpft Freyhof. Gerade im Süden vernichten die Riesen ganze Fischbestände, so der Forscher. "Ein Desaster." Es drohe ein Artensterben. Die meisten mediterranen Süßwasser-Fischspezies haben sich in Gewässern entwickelt, in denen nie große Raubfische vorkamen. Sie sind den Welsen praktisch schutzlos ausgeliefert.

In Frankreich, Italien und Spanien sind Angler die Initiatoren des Welsbooms. Sie setzten junge Exemplare illegal aus. Die Verschleppten fanden offenbar beste Bedingungen vor und vermehren sich seitdem fleißig. Die Petrijünger freuen sich, in einigen Regionen ist ein regelrechter Waller-Tourismus entstanden.

Ist der Vielfraß Gefahr oder Segen für andere Fischbestände?

Hierzulande ist man nicht ganz so begeistert. So mancher Angelverein oder Gewässerpächter fürchtet um seine Fischbestände. Die Welse sind zu gefräßig, meinen sie. Andererseits haben die schwimmenden Großräuber auch das Potential, regulierend einzugreifen. Im Unteren Neckar zum Beispiel gab es lange Zeit eine überhöhte Population von Döbeln (Leuciscus cephalus) – bis zu 60 Zentimeter lange Allesfresser mit einem ebenfalls gehörigen Appetit. Ihre Zahl hat sich derweil normalisiert, und erfreulicherweise gibt es nun auch wieder mehr Barsche (Perca fluviatilis). Vielleicht den Welsen sei Dank, auch wenn sich das nicht mehr nachweisen lässt.

Welse und ihr Lebensraum 

Über die ursprünglichen Verbreitungsgrenzen von Silurus glanis herrscht unter Fachleuten allerdings keine Einigkeit. Donau und Elbe gehören zu den anerkannten Stammgebieten, doch als die Art Anfang der Neunziger im deutschen Rhein-Einzugsgebiet vermehrt auftrat, schlugen Fischereibehörden Alarm. Die Tiere seien unerwünschte Einwanderer, die nicht in dieses Ökosystem hineinpassen, hieß es.

Ein Irrtum, meint der Zoologe Ragnar Kinzelbach von der Universität Rostock. "Der Wels ist im südlichen Abschnitt des Rheins, vom Bodensee bis Strasbourg, durchaus heimisch." Der Wissenschaftler verweist auf Berichte des Naturforschers Leonhard Baldner aus dem 17. Jahrhundert, wonach die Tiere im Elsass im Nebenfluss Ill gefangen wurden. Weiter stromabwärts fehlen jedoch historische Belege. "Im Mittelrhein waren die Lebensräume wohl weniger geeignet", sagt Kinzelbach. Merkwürdig, denn jetzt wird auch dieser wenig regulierte Bereich zwischen Bingen und Bonn von den bärtigen Riesen bewohnt.

Vorkommen in den Niederlanden gibt Rätsel auf

Weitere Fragen wirft ein seit Jahrhunderten bekanntes Welsvorkommen in den Niederlanden südwestlich von Amsterdam auf. Dort lebten die Fische im längst trockengelegten Haarlemmermeer und einigen kleineren Seen, in denen sie sich auch heute noch tummeln. Woher stammen diese Tiere? Sind es Nachkommen einiger weniger Exemplare, die vor langer Zeit den Rhein stromabwärts geschwommen sind und sich mehr oder weniger per Zufall in seinem Mündungsgebiet halten konnten?

Wohl nicht. Archäologische Funde haben gezeigt, dass Silurus glanis einst auch in anderen nordwesteuropäischen Flüssen wie der Schelde und der Maas vorkam. Der jüngste unter den bis zu 4000 Jahre alten Funden wird auf das 15. Jahrhundert datiert. Danach finden sich allerdings keine Spuren mehr. Belgische Wissenschaftler vermuten deshalb, der Wels könnte im Nordwesten Europas infolge der so genannten Kleinen Eiszeit zwischen 1430 und 1850 ausgestorben sein. Die Tiere brauchen im Sommer recht warmes Wasser, 20- bis 22°C, um sich erfolgreich fortpflanzen zu können. Diese Theorie erklärt gleichwohl nicht, weshalb die Welspopulation in Holland überlebte.

Welsboom im Rheingebiet

Es bleibt also bei Spekulationen, wie Jörg Freyhof immer wieder betont. Vieles sei denkbar. "Vielleicht hat Überfischung eine Rolle gespielt, die war im Mittelalter und in den Jahrhunderten danach brutal", meint der Fachmann in Bezug auf das Verschwinden des Welses aus großen Teilen Nordwesteuropas. Der enorme Fischereidruck machte schließlich schon damals die Aufstellung strikter Fischereiregularien notwendig. Der heutige Welsboom im Rheingebiet dagegen könnte durch radikale Eingriffe in das Fluss-Ökosystem ausgelöst worden sein. Die allgegenwärtigen Steinpackungen zum Beispiel, die der Uferbefestigung dienen, bieten dem fingerlangen, einjährigen Welsnachwuchs erstklassigen Schutz gegen andere Raubfische und kannibalische Artgenossen. "Der junge Wels ist durchaus eine schöne Beute", meint Freyhof.

Womöglich werden dementsprechend die wachsenden Welspopulationen auch vom Schwinden der Aalbestände begünstigt. Doch auch das sind nur Vermutungen, genauso wie die These, importierte osteuropäische Silurus glanis seien aufgrund ihrer genetischen Ausstattung anpassungsfähiger als ihre westlichen Artgenossen und könnten sich deshalb so rasch ausbreiten. Jörg Freyhof bezweifelt sogar, dass man die Hintergründe der Bevölkerungsexplosion jemals wirklich klären kann. "Haken wir das mal unter den Wundern der Natur ab", meint der Biologe gelassen.

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