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Breithorn in Zermatt: einen leichten 4000er für Anfänger besteigen

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Breithorn - mein erster 4000er: Und immer grüßt das Matterhorn

11.03.2014, 09:23 Uhr | Monika Neiheisser

Breithorn in Zermatt: einen leichten 4000er für Anfänger besteigen . Blick auf das Matterhorn (Quelle: Monika Neiheisser)

Den Toblerone-Berg immer im Blick - haben 4000er-Greenehorns bei der Besteigung des Breithorns. (Quelle: Monika Neiheisser)

Zermatt ohne Matterhorn wäre wie ein Deckel ohne Topf. Der sagenumwobene Berg mit seinen 4478 Metern hat dem Schweizer Bergdorf, das eingekeilt zwischen den Bergriesen liegt, zu Weltruhm verholfen, und dank seiner markanten Form ist er ein Wahrzeichen für die Schweiz. Doch es gibt andere lohnende Ziele rund um einen der bekanntesten Berge der Welt: So ist etwa das Breithorn ein einfacher 4000er für Anfänger ohne Kletterkenntnisse, aber mit atemberaubenden Ausblicken bis zum Mont Blanc - und natürlich kommt das Matterhorn immer wieder in Sicht. Sehen Sie Bilder vom Aufstieg auf das Breithorn in der Foto-Show.

Bergsteigen: Greenhorns auf einem Viertausender

Die erste erfolgreiche Besteigung des Matterhorns im Wallis endete mit einem Drama, als ein Teil der Seilschaft von Edward Whymper beim Abstieg verunglückte. Heute hängt das Seil, das 1865 die Lebensversicherung für sieben Bergsteiger sein sollte, im Matterhorn-Museum in Zermatt.   

Auch wir sind in einer Seilschaft unterwegs. Doch das gemeinsame korrekte Gehen fällt uns schwer. Bergführer Thomas Dünsser besteht auf gleichmäßigere Abstände: „Das Seil darf nie auf dem Boden schleifen, sonst kann die gesamte Seilschaft nicht flott reagieren, falls einer in eine Gletscherspalte rutscht“. Unsere Gruppe, acht Wanderer und Bergsteiger, sind fast alles Greenhorns jenseits der Viertausend. So lehren uns unsere Bergführer geduldig das Ein-Mal-Eins der Gletscherwanderung.

Das Matterhorn besteigen - nur für Geübte

Zum Einlaufen und Akklimatisieren steigen wir zunächst zur Hörnlihütte auf 3260 Meter auf, den Ausgangspunkt zur Normalroute auf das Matterhorn und internationaler Bergsteiger-Treffpunkt. Nach einer vierstündigen Wanderung vorbei an Blumenwiesen und Gebirgsbächen stehen wir am Fuße des berühmtesten Berges der Alpen, dessen Besteigung zu den schwierigsten Viertausendern zählt. Das vom Berg baumelnde Kletterseil verführt uns, wenigstens fünf Tritte auf den Berg der Berge zu machen, dann fehlen uns die Kletterkenntnisse, um das Matterhorn zu besteigen - wir begnügen uns mit dem Breithorn, einem leichten 4000er in dem Schweizer Kanton Zermatt. Aber auch der 4164 Meter hohe Berg ist nicht zu unterschätzen - und ohne Vorbereitung anzugehen.

Gletscherwanderung am Riffelsee - im breitbeinigen Gänsemarsch

Daher ist unsere nächste Herausforderung zunächst eine Gletscherwanderung. Die Gornergratbahn, die zweithöchste Bergbahn Europas, spuckt uns in Rotenboden auf 2815 Meter Höhe aus. Im Riffelsee steht das Matterhorn Kopf und der Gornergrat-Gletscher grüßt. Dort wollen wir unsere ersten Steigeisen-Erfahrungen machen. Bergführer Michael Schott hilft uns beim Anlegen des Klettergurtes, prüft den Sitz der Steigeisen und erklärt: "Nun müsst ihr die Füße höher nehmen und ihr dürft nicht wie Models stolzieren, sondern müsst breitbeinig stapfen". Und schon geht es im Gänsemarsch über eine hässlich graue, mit Geröll übersäte, Eisfläche. Dieser Anblick ist mindestens so gewöhnungsbedürftig wie unser Gang.

Er hat wirklich nichts mit Modeleleganz zu tun, doch unsere Steigeisen verhaken sich tatsächlich nicht ineinander und die Metallzacken krallen sich ins ewige Eis. Das gibt Vertrauen. Die Überquerung der ersten Gletscherspalte lässt meinen Respekt vor dem meterdicken tief blau schimmernden Eis wachsen und eine Mischung aus Freude und Ehrfurcht in mir aufsteigen. Wir bekommen Einblicke in die Morphologie von Gletschern, wie sie nur an wenigen Stellen in den Alpen möglich ist, und ich gewöhne mich an das Grau. Doch plötzlich sehen wir schwarz und dick Wolken über den Gletscher aufziehen - sie zwingen uns zur Umkehr. Schade, viel zu früh!

Zermatt: Brunnen von Ulrich Inderbinen, dem König der Alpen

Am Abend bummeln wir durch die enge Hauptstraße des autofreien Zermatt. Prominenz, die ohne Medienrummel Urlaub machen will, Sommerskifahrer, die für die nächsten WM-Läufe trainieren, und Bergsteiger, die ihre Rucksäcke noch nicht abgesetzt haben, beleben die Gassen. Im historischen Ortskern des knapp 6000-Seelendorfs am Ende des Mattertals entdecken wir viel Bergsteigergeschichte. So erinnert ein Brunnen an Ulrich Inderbinen, den König der Alpen: 371 Mal hat er das Matterhorn bestiegen, das letzte Mal mit 89 Jahren zum 125. Jubiläum der Erstbesteigung. Als ältester Bergführer der Welt quittierte er seinen Wanderschuhen erst sieben Jahre später den Dienst. Wer von seinem Brunnen trinkt, wird mindestens 100 Jahre alt, heißt es. Inderbinen wurde noch vier Jahre älter. Ich schlürfe das erfrischende Element gierig aus der Hand, und hoffe auf die Wirkung des geweihten Wassers.

Breithorn-Besteigung: der leichteste 4000er der Alpen

Für den nächsten Tag bekommen wir Winterkleidung im Zwiebelprinzip empfohlen. Steigeisen, Klettergurt und Seil sind selbstverständlich. Fühlt sich an wie eine Expedition, ist aber die Besteigung des Breithorns (4164 Meter), dem einfachsten Viertausender der Alpen.

Wir schweben mit der Luftseilbahn auf 3883 Meter Höhe zum kleinen Matterhorn. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wandern wir im Sommer über ein riesiges Gletscherplateau, den Breithornsattel. Er ist herrlich weiß. Plötzlich stoppt uns ein buntes Schild: "ACHTUNG Piste nicht verlassen, Gletscherspalten!". Wir schnallen für die letzten 300 Meter wieder unsere Steigeisen an und zurren die Klettergurte fest. Zu zwei Vierer-Seilschaften verbunden, stapfen wir unserem Ziel, dem Breithorn, entgegen. Von nun an sind wir alle füreinander verantwortlich.

Höhenangst hat hier keinen Platz

Bergführer Michael und Thomas sind am Anfang der Seile. Für sie ist die Schneedecke gar nicht nur weiß. Sie scannen den Schnee mit den Augen, denn jegliche Graunuance heißt für sie höchste Gefahr, weil darunter der Schnee schmilzt, und sich an der Stelle eine Spalte verbergen könnte. Es geht steil bergauf - nur noch so breitbeinig wie nötig und so schmal wie möglich. Vom Osten her steigen wir über einen Grat, kaum zwei Fuß breit, zum 4164 Meter hohen Westgipfel hinauf. Links und rechts der Abgrund. Höhenangst hat hier keinen Platz.

Der Lohn: Blick vom Breithorn auf Matterhorn & Co.

Mein Blick weicht nicht von dem schmalen Trampelpfad im trittfesten Firn. Die Eisen krallen sich in den Schnee und unsere Seilabstände sind fast akribisch gleichmäßig. Ein Fehltritt würde die gesamte Seilschaft mitreißen und nur der Bergführer könnte uns vor dem Absturz retten. Im gleichmäßigen Rhythmus "ein Atemzug, ein Schritt" erreichen wir gemeinsam den Gipfel. Der Sturm scheint uns bei gefühlten Minus 12 °C fast davon zu  blasen, doch das Panorama der 38 umliegenden schneebedeckten Viertausender der Schweiz, Italiens und Frankreichs entbehrt jeglicher Worte und entschuldigt einfach alles. Noch immer hängen wir in der Seilschaft zusammen, und während wir eigentlich nur Blicke für das grandiose Panorama haben, müssen wir jeden Schritt des Seilnachbars beobachten und ausgleichen.

Als ich tot müde ins historische Hotel Monte Rosa zurückkehre, blicke ich mit anderen Augen auf das Messing-Schild neben der Eingangstüre, das Edward Whymper gewidmet ist. Von dem damals einzigen Hotel in Zermatt startete er zu seiner Erstbesteigung des Toblerone-Berges. Ich bin fast sichtbar ein Stückchen gewachsen, denn auch mir ist eine Erstbesteigung geglückt: Die meines ersten Viertausenders.

Weitere Informationen

Veranstalter: www.hauser-exkursionen.de, nächster Termin 06.07. – 12.07.2014
Preis: 740 Euro, zuzüglich Unterkunft auf Hütten (circa 45 Euro/Nacht), Verpflegung und Transporte mit Seilbahnen.

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