Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Aktivurlaub >

Bergsteiger Simone Moro im Interview: Stau am Mount Everest

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Simone Moro im Interview: Stau am Mount Everest

26.04.2013, 16:43 Uhr | SP, trax.de

Bergsteiger Simone Moro im Interview: Stau am Mount Everest. Bergsteiger am Mount Everest. (Quelle: Reuters/STR New)

Der Mount Everest übt auf Bergsteiger eine enorme Faszination aus - so auch am Wochenende des 18./19. Mai 2012, als hunderte Menschen den höchsten Berg der Welt erklimmen wollten. (Quelle: STR New/Reuters)

Simone Moro ist ein italienischer Extrembergsteiger, der nicht nur mit seinen sportlichen Erfolgen Alpingeschichte geschrieben hat. Auch wenn er es selber nicht gerne hört, so steht Moro doch wie kaum ein anderer der Szene für Selbstlosigkeit am Berg. So ist der 45-Jährige für seine spektakulären Wintererstbesteigungen der 8000er berühmt – doch auch für seine alpinistischen Rettungsaktionen wurde er mehrfach, unter anderem von der UNESCO, ausgezeichnet. Immer wieder hat Moro eigene Projekte abgebrochen, um in Bergnot geratene Alpinisten zu retten. Auch im Mai 2012 musste er sein eigenes Vorhaben (die Traverse Mount Everest – Lhotse) abbrechen und flog stattdessen als Helikopterpilot unzählige Einsätze. Dieses Mal allerdings war der Abbruch bedingt durch den enormen Massenansturm auf den höchsten Berg der Welt, den ein Schönwetterfenster mit sich brachte. Die unglaublichen Bilder vom ‚Schlange-stehen’ am Mount Everest gingen um die Welt. Wir haben Moro zu diesem Erlebnis, zur Zukunft des Alpinismus und seinen Projekten befragt. Sehen Sie den Bergsteiger Simone Moro auch in der Foto-Show.

Simone, der Massen-Run auf den Mount Everest jährt sich bald. Wie sind deine Erinnerungen an diese Tage? Hättest du jemals mit einer solchen Entwicklung gerechnet? 

Ehrlich gesagt habe ich durchaus viele Leute im Everest Basecamp und auch am Berg erwartet. Aber keineswegs solche Massen. Es war verrückt und beängstigend! Sie hingen am gleichen Seil und kamen alle unglaublich langsam voran, einfach verrückt. Ich glaube, da lief bei der Koordination einiges schief ­– oder vielleicht auch Realitätsverlust?! 

Was bedeutete das Erlebnis für dich?

Für mich war es absolut keine Tragödie, dass wir unser Projekt nicht durchziehen konnten, und ich mache dafür auch niemanden verantwortlich. Wir haben unser Vorhaben abgebrochen, weil ich diese Art von Alpinismus noch nie gemacht habe. Ich will meine Form des Kletterns verfolgen und wenn man ohne Sauerstoff auf den Gipfel will, ist es viel zu gefährlich, eine solch überlaufene Route zu gehen – vor allem, weil man damit rechnen muss, dass man deutlich langsamer vorankommt. 

Was denkst du, motiviert diese Menschen mit Sauerstoffflaschen im Stau zu stehen? Ist das eine Form des Alpinismus? Oder ist es Tourismus? Heute Monaco, morgen Mount Everest, übermorgen der Mond? 

Es ist schwierig, ein Urteil zu fällen. Man klingt schnell arrogant. Aber wenn ich ehrlich bin und meine Meinung sagen darf: Viel zu viele dieser Menschen sind viel zu schlecht vorbereitet. Sie sind keine Bergexperten und können die Umstände schlecht einschätzen. Das macht ihre Unternehmungen so gefährlich und vor allem sind sie nicht auf die Notsituationen eingestellt. Schon ein Sturm kann tragisch enden. Oder was machen sie, wenn sie ohne Fixseil klettern müssen... Ich denke, viele sind eher hochalpine Touristen und keine Bergsportler. Auf der anderen Seite profitiert Nepal stark von diesem Tourismuszweig. Für mich persönlich gibt es dennoch noch ausreichend Abenteuer – ich muss nur eine andere Route oder einen anderen Berg wählen.  

Wie wird das denn deiner Meinung nach weitergehen? 

Dieser Markt wird sicher nicht verschwinden. Immerhin spielt hier Geld eine sehr große Rolle. Und es sieht so aus, als wäre auch in dieser Saison wieder sehr viel los am Everest. Ich werde auch vor Ort sein – aber auf einer anderen, wilderen Route, und dort werden wir mehr oder weniger alleine unterwegs sein... 

Welche Herausforderungen bleiben dir noch? Wirst du dich weiter auf Winterbesteigungen konzentrieren? 

Winterbesteigungen sind meine Spezialität, ich mag sie sehr und ich bin auch besonders stolz auf sie. Aber es gibt auch viele andere spannende Projekte. Bei den 8000ern gibt es noch so viele Routen, die darauf warten, erstbestiegen zu werden. Außerdem warten da noch zahlreiche 7000er, die noch nicht bestiegen wurden – und Tausende von jungfräulichen, wilden 6000ern. Ich muss mir keine Sorgen darüber machen, dass mir die Projekte auf meiner Entdeckungsreise ausgehen könnten. 

Du bist Extrembergsteiger und setzt dich selbst hohen Risiken aus. Wie rechtfertigst du das gegenüber deiner Familie?

Ich habe bei meinen extremen Klettereien Mut bewiesen – aber ich habe auch häufig Mut bewiesen, in dem ich Touren abgebrochen habe. Auch wenn ich dem Gipfel schon ganz nahe war. Ich habe bisher so um die 50 Expeditionen unternommen. Und ich bin noch am Leben, weil ich Glück hatte. Doch vor allem auch, weil ich mein Hirn eingeschaltet habe und meinem Gefühl gefolgt bin. Das weiß auch meine Familie. Sie wissen, dass ich kein Kamikaze bin. So unterstützen sie mich bei der Erfüllung meiner Träume, weil ihnen klar ist, dass ich nicht bereit bin, dafür zu sterben.  

Wo fühlst du dich zu Hause?

Überall, wo man mich nicht festhält und zwingt zu bleiben. 

In der Bergsteigerwelt herrscht häufig ein recht egoistisches Verhalten. Du trittst immer wieder den Gegenbeweis an, gibst eigene Ziele auf, um andere Menschen zu suchen und zu retten – und riskierst dafür natürlich auch dein Leben. Haderst du in solchen Momenten oder sind das ganz klare Entscheidungen? 

Auf 8000 Metern bist du der gleiche Mensch wie auf Seehöhe. Ob du egoistisch oder großzügig bist hängt nicht von der Höhe ab. Ich verfolge meine Ziele durchaus sehr ehrgeizig, aber ich kann meine Augen niemals vor der Not anderer verschließen. Und der Mensch hat immer Vorrang vor den sportlichen Zielen.  

Nun bist du auch mit Herz und Seele Hubschrauberpilot – wiederum primär um Rettungseinsätze zu fliegen. Wird diese Leidenschaft deine alpinen Ambitionen irgendwann ablösen?

Das ist tatsächlich eine große Liebe von mir und wird sozusagen mein Zweitleben werden. Ich werde immer ein Bergsteiger bleiben. Aber ich werde auch immer Pilot bleiben. Vielleicht wird das Fliegen noch zunehmen, aber hauptsächlich im Himalaya und in erster Linie zur Rettung von Alpinisten, Trekkern und Einheimischen. Ich kenne das Gebiet wahnsinnig gut und so habe ich einen großen Vorteil bei der Suche nach Verletzten und Kranken. Ich möchte auch an die Grenzen gehen, wenn es um Bergrettung in extremer Höhe geht.

Gerade aktuell, während ich schreibe, erwarte ich meine ‚Heli-Lieferung’: Mein eigener Hubschrauber ist aus Italien nach Kathmandu unterwegs. Ich habe auch ein neues Projekt gestartet und ein Rettungsteam aufgestellt, das auf Extremeinsätze spezialisiert ist. Das kostet mich ein Vermögen und ich werde wohl mein ganzes Leben damit verbringen, die Schulden abzubezahlen. Aber das war mein großer Traum. Und ich hoffe, ich finde noch Sponsoren, die mich unterstützen. 

Das Fliegen in diesen Höhen und die Herausforderungen sind für uns wohl kaum nachvollziehbar. Wie hoch kann man denn gehen und wo liegen hier die Gefahren?

Als offizielles Limit gibt der Hersteller 7000 Meter an. Aber wir sind schon höher geflogen. Wir arbeiten an der Entwicklung eines neuen Helis mit der italienischen Marke Agusta, mit dem wir dann ‚höher hinaus’ können. 

Und wie sehen deine Projekte in nächster Zukunft aus?

Ich werde mit Ueli Steck zusammen eine andere Everest-Route unternehmen. Und für den nächsten Winter werde ich mich erneut an eine Besteigung des Nanga Parbats wagen.

Mehr Informationen: www.simonemoro.com, www.thenorthface.com/simone-moro

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Gezielter Schlag 
Hit im Netz: Mit seinem Hund darf sich niemand anlegen

Känguru hält den Vierbeiner im Schwitzkasten, das Herrchen schreitet ein. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
38 % sparen: Boxspringbett inkl. Topper für nur 499,- €

Traumhaft und erholsam schlafen auf 180x200 cm - jetzt zum reduzierten Preis bei ROLLER.de.

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Reisethemen von A bis Z

Anzeige
shopping-portal