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La Gomera: Mountainbike-Urlaub auf dem Sahnehäubchen der Kanaren

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La Gomera: Mountainbike-Sahnehäubchen der Kanaren

29.05.2013, 14:21 Uhr | Norbert Eisele-Hein, srt

La Gomera: Mountainbike-Urlaub auf dem Sahnehäubchen der Kanaren. Mountainbiker auf La Gomera. (Quelle: SRT /N. Eisele-Hein )

Wilde Pfade locken Mountainbiker auf die Kanarische Insel, die touristisch noch nicht so überlaufen ist. (Quelle: N. Eisele-Hein /SRT )

La Gomera ist nicht nur die zweitkleinste und eine der am wenigsten überlaufenen Kanarischen Inseln, sie ist auch das Mountainbike-Sahnehäubchen der Kanaren. Wilde Pfade durch tiefe Schluchten und nur zum Teil ausgebaute Pisten an den Klippen mit weiten Meeresblicken; lenkerbreite Trails durch den dichten Lorbeerwald auf dem Garajonay - dem höchsten Berg auf La Gomera - werden abgerundet durch traumhafte Badebuchten, an denen die Mountainbike-Touren immer wieder enden. Sehen Sie pure Fahrfreude beim Mountainbike-Urlaub auf La Gomera in der Foto-Show.

La Gomera - zweitkleinste der Kanarischen Inseln

Eine Kokosmakrone, genau das ist es. La Gomera gleicht einer überdimensionalen Kokosmakrone. Wie alle Kanarischen Inseln ist auch La Gomera vulkanischen Ursprungs. Doch die mit nur 25 Kilometern Durchmesser zweitkleinste der sieben kanarischen Geschwister hat anscheinend einen dauerhaften Friedensvertrag mit der Erdkruste. Die letzte vulkanische Aktivität liegt mehr als zwei Millionen Jahre zurück. Zeit genug für Wind und Wetter, die Kegelflanken La Gomeras ordentlich zu zerfurchen.

La Gomera: Mountainbike-Urlaub unter besten Bedingungen

Das Ergebnis lässt keine Wünsche offen: Vom höchsten Gipfel der Insel, dem 1497 Meter hohen Garajonay, fräsen sich mehr als 50 sogenannte "barrancos", das sind bis zu 800 Meter tiefe Schluchten, ihre Bahn zu den Stränden und Klippen am Atlantik. Somit bietet La Gomera, gewissermaßen das Sahnehäubchen der Kanaren, Mountainbikern ganzjährig beste Bedingungen. Aber aufgepasst: Meist gibt das Terrain nur zwei Optionen her, steil bergauf oder steil bergab. Flache Abschnitte zum gemütlichen Einrollen sucht man auf La Gomera vergeblich.

Die Grate, Flanken und Taleinschnitte der barrancos sind gespickt mit gewundenen Bergpfaden, nur zum Teil ausgebauten Pisten und "caminos reales". Das heißt frei übersetzt "königliche Straßen". Doch diese alten Verbindungswege zwischen den Gemeinden haben wenig mit asphaltierten Prachtalleen zu tun. Häufig sind es gerade mal lenkerbreite Trails - ein Fest für Mountainbiker.

Valle Gran Rey: Ritt auf einem wildgewordenen Stier

Ein Paradebeispiel schlängelt sich hinunter ins Valle Gran Rey. Die Wegbefestigung aus groben Gesteinsbrocken lässt die Federgabel zappeln. Bis zu 25 Prozent Gefälle erfordern volle Konzentration. Der Ausblick auf das wie durch einen Axthieb eingekerbte Tal macht die Sache nicht leichter. Durch ein Meer von Palmen funkelt der tiefblaue Ozean. Die weißgekalkten Kuben der Häuser klammern sich förmlich an den Steilhängen fest, liefern dem Gemälde noch die krönenden Farbtupfer. Das Panorama lullt ein, aber die Abfahrt gleicht dem Ritt auf einem wildgewordenen Stier. Offen verlegte Wasserleitungen sorgen für zusätzliche Stolperfallen. Hohe Steinstufen erfordern eine technische Grundausbildung am Bike.

Nach dem Mountainbiken eine Abkühlung im Meer

Nach diesem Adrenalinfeuerwerk hilft nur ein Sprung in die Fluten. Danach einen Cafe con Leche in der Hafenkneipe schlürfen. Den bunten Fischerbooten beim rhythmischen Schaukeln im Hafenbecken zusehen. Den Fang begutachten und den melancholischen Gitarrenklängen der Gomeros lauschen. Ein Tagesablauf, an den man sich allzu schnell gewöhnen könnte. Nicht wenige Deutsche haben den Gedanken in die Tat umgesetzt und das Tal zu ihrer Heimat erkoren. Und weil nichts die Fremde so unerträglich macht wie ständig Weißbrot zu essen, gibt es sogar eine deutsche Bäckerei im Valle. Dort trifft sich die Gemeinde der Wahlgomeros zum Frühstück mit Roggenbrötchen und kernigem Schwarzbrot.

La Gomera: Die ruhige unter den Kanarischen Inseln...

Dabei galt La Gomera lange als touristisches Stiefkind der Kanaren. Selbst als in den 70er Jahren die Hippie-Welle über das Valle Gran Rey schwappte, blieb der große Nachfolgeboom aus. Jene, die das Eiland zu ihrer dauerhaften Heimat gemacht haben, befürchteten schon das Schlimmste, als zur Jahrtausendwende in der Nähe der Playa Santiago ein Flughafen gebaut wurde. Aber das Streitobjekt wurde zur Provinzposse: Der Flughafen ist da, aber die Landebahn zu kurz für Düsenjets. So bleibt es bei der Anreise über Teneriffa und weiter per Schiff. Und La Gomera bleibt von touristischen Auswüchsen verschont.

...aber mit der ältesten Bikestation der Kanaren

Umso verwunderlicher scheint es, dass sich ausgerechnet hier die älteste Bikestation der Kanaren behauptet hat. Seit 22 Jahren stellt sich Detlef Goth in den Dienst der Stollenfraktion unter den Radfahrern. Keine Route, die er nicht kennt. Seiner beständigen Trailrecherche ist es zu verdanken, dass dem widerspenstigen Relief La Gomeras erstklassige Rundkurse abgerungen wurden. Denn ohne Karte und Roadbook - oder ohne die beste Variante: einen ortskundigen Bikeguide - scheitern Biker schnell.

Mountainbike-Touren durch ganz La Gomera

Viele von Detlefs Touren durchqueren sämtliche Vegetationszonen Gomeras. Eine Paradetour reicht hoch hinauf zum König der Insel, dem 1497 Meter hohen Garajonay. Schweißtreibend steil führt sie durch den dichten Nebelwald des Inselzentrums. Der immergrüne Mischwald aus Lorbeerbäumen, meterhohen Farnen und schillernd grünen Flechten wurde schon Anfang der 80er Jahre zum Nationalpark erklärt. Mittlerweile trägt er als "Erbe der Menschheit" das Gütesiegel der Unesco.

Meist stößt man erst knapp unterhalb des Gipfels durch die Wolkendecke - ein erhabenes Gefühl. Der gesamte Kanaren-Archipel wirkt dann wie in Watte gepackt. Häufig schwebt dann nur noch der Teide, mit 3715 Metern der höchste Berg der Nachbarinsel Teneriffa, wie ein Raumschiff über dem Dunstmeer. An klaren Tagen reicht der Blick sogar bis nach Gran Canaria.

Wie der Garajonay zu seinem Namen kam

Der Gipfel des Garajonay ist auch Schauplatz einer herzzerreißenden Sage. Gegen den Willen der Eltern verliebten sich Gara, der Königssohn Teneriffas, und Jonay, die Königstochter von Gomera, ineinander. Nur von der Liebe und einem aufgeblasenen Schweinedarm getragen, schwamm Gara die knapp 35 Kilometer zu seiner Geliebten. Bald schon entdeckt, flüchteten sie auf den Gipfel. Von allen Seiten bedrängt, fanden sie keinen anderen Ausweg mehr, als einen Ast von beiden Seiten anzuspitzen. Diesen spannten sie zwischen ihre Körper, umarmten sich ein letztes Mal und wurden somit zu den traurigen Taufpaten des Garajonays.

Sackgasse Valle Hermoso

An ihrem letzten Ferientag erkundet eine kleine Bikergruppe das Valle Hermoso. Achtlos cruist sie durch die Gegend, vergisst im Übereifer den Blick auf die Karte. Volldampf schreddert sie mehrere hundert Höhenmeter hinunter ins konditionelle Verderben - eine Sackgasse. Bergab war der Trail sensationell, aber bergauf ist er eine Nummer zu steil. Anfangs hört man noch leises Fluchen beim Hochschleppen, später tragen die unachtsamen Biker ihr Schicksal ohne Kommentar. Die Moral von der Geschichte: La Gomera gleicht zwar einer Kokosmakrone, aber das macht die Insel noch lange nicht zum Pausensnack.

Weitere Informationen:

Spanisches Fremdenverkehrsamt Turespaña, Consejería de Turismo, Embajada de España, Lietzenburger Str. 99, 10707 Berlin, Tel. 030/88265-43, infoberlin@tourspain.es, www.spain.info, mit Filialen in Düsseldorf, Frankfurt, München, Wien, Zürich.

Inselwebseiten: www.gomera.de, www.insel-gomera.de, www.gomeralive.de

Anreise: Charterflüge nach Teneriffa Süd (Flugzeit 4,5 Stunden) ab allen deutschen Flughäfen, in der Nebensaison schon ab 250 Euro (Bikes vorher anmelden). Alle großen Reiseveranstalter bieten ganzjährig günstige Pauschalarrangements, häufig auch inklusive Mietwagen. Mit dem Taxi oder Bus zum Fährhafen von Los Cristianos und neuerdings direkt mit kleineren Fährschiffen zum Hafen vom Valle Gran Rey.

Übernachtung: Einfache Pensionen, viele Appartementanlagen, schicke Hotels - Gomera bietet Möglichkeiten für jeden Geldbeutel. Empfehlenswert: Hotel Gran Rey, La Puntilla, Valle Gran Rey, Tel. 0034/922/805859, www.hotel-granrey.com, info@hotel-granrey.es. Gute Infos über deutschsprachiges Reisebüro La Paloma im Valle Gran Rey, Tel. 0922-80 60 43.

Literatur/Karten: Michael Leibl "Mountainbiken auf den Kanaren" - enthält 7 Touren zu La Gomera, mit herausnehmbaren Roadbooks, nützliche Infos zu Land und Leuten, Delius Klasing Verlag, 14,90 Euro, für Individualisten unentbehrlich;
E. Schmitt-Burk, Cyklos "Teneriffa und Gomera per Rad", Verlag W. Kettler, 12,80 Euro;
Karten: Timah, 1: 48000, wird in der Bikestation und einigen Läden verkauft. Kompass-Karte Nr. 231 "La Gomera", auch zu Hause erhältlich.

Tourenveranstalter/Leihbikes: Bike Station Gomera, www.bike-station-gomera.com, info@bike-station-gomera.com, geführte Touren auch mit Wochenprogrammen, Leihbikes (Fullies und Hardtails), Shuttledienste.

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