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Die Murgleiter im Schwarzwald: Wandern auf der Etappe 4 und 5

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Die Murgleiter: Wandern auf der Etappe 4 und 5

10.06.2013, 11:28 Uhr | Hanna Engler, trax.de

Die Murgleiter im Schwarzwald: Wandern auf der Etappe 4 und 5. Wandern auf der Murgleiter, Etappe 4. (Quelle: trax.de/Kerstin Schmid)

Ein Höhepunkt auf den letzten beiden Etappen der Murgleiter: ein unschein- barer Pfad durch naturbelassenen Wald. (Quelle: Kerstin Schmid/trax.de)

Die ersten drei Etappen der Murgleiter (hier der Erfahrungsbericht) sind geschafft: Ein paar kleine Blasen gelaufen, einige Anstiege auf dem Premium-Wanderweg im Nord- schwarzwald bewältigt und über 65 schöne Kilometer von Gaggenau bis Schönmünzach zurückgelegt. Bei unserer ersten Etappen-Wanderung stehen uns - uns, das sind trax-Redakteurin Hanna und Wander-Kumpanin Kerstin - noch 45 weitere bevor. Wir zittern vor der vierten Etappe, die mit 25 Kilometern in 6 bis 7 Stunden bewältigt werden soll... Wir sind gespannt. Sehen Sie die Highlights auf den Murgleiter-Etappen 4 und 5 in der Foto-Show.

4. Etappe: Schönmünzach - Baiersbronn; 25 km; 8 1/2 h mit Pausen

Um viertel vor zehn verlassen wir am Bahnhof von Schönmünzach das schöne Städtchen links hoch in den Wald. Über Wiesenwege geht es vorbei am Panoramastüble und durch ein Waldstück raus nach Schwarzenberg, einer kleinen Hüttenansiedlung, der man trotz Dauerregen ansieht, wie idyllisch es mit dem weiten Blick ins Tal liegt. An dem Dorf vorbei führt uns ein Asphaltweg durch die Wiesen, aber wir müssen nicht lang warten, da geht es auch schon wieder rechts hinunter in den Wald: Wunderschön und genau so, wie wir Murgleiter-Wanderinnen es in den letzten Tagen lieben gelernt haben. Nur vorsichtig müssen wir jetzt sein, der andauernde Regen hat den mit Blättern und Tannenzapfen bedeckten Boden glitschig gemacht. 

Hinab geht’s bis zur S-Bahn, nur um gleich wieder den Berg rechts hochzusteigen; ein steiles Kraxel-Stück, an dessen Ende wir uns erst mal unterstellen, um eine Schicht unter der Regenjacke auszuziehen… Große Freude, als wir das Schild entdecken: „nur“ noch 3,5 Kilometer bis zum Huzenbacher See, an dessen Hütte wir eine Rast eingeplant hatten. Leider ziehen diese sich dann doch noch über einen – und ewig grüßt das Murmeltier – langgezogenen bis steilen Waldweg, für den wir über eine halbe Stunde brauchen, mit einem Gefühl wie Kaugummi unter den Fußsohlen. 

Am Karsee geht es steil bergauf - mit unserer Laune!

Um 12.30 Uhr machen wir an dem leider vernebelten Karsee eine kurze Riegel-Pause, dann nehmen wir das Stück in Angriff, das in der Tourenbeschreibung extra als „ca. 1 km"-Anstieg gekennzeichnet ist - ob uns das Angst machen sollte? Falsch gelegen, wir lieben ihn! Am See geht es rechts hoch (Achtung, nicht verpassen: sehr unscheinbar, einfach nicht am See vorbei gehen, sobald er in Sicht kommt), direkt zwischen die Bäume auf einen Pfad aus Wurzeln und Steinen, der uns eine kleine Kraxelpartie beschert, einfach genial! Mit großer Freude klettern wir über Baumstümpfe, waten durch Pfützen, suchen die richtigen Steine für den nächsten Tritt – und so gehen die 20 Minuten viel zu schnell und fast unbemerkt vorbei. Oben angekommen, trinken wir auf den Dauerregen und den bewältigten Anstieg einen Baiersbronner Schnaps, der uns im Hause Klumpp in Schönmünzach als Begrüßungsgeschenk gereicht worden war. 

Matsch und Moor - mehr brauchen wir nicht

So gestärkt, wandern wir etwa eine Stunde lang weiter bis zum Aussichtspunkt Seeblick: Wie der Name verrät, bekommt man einen schönen Blick über den tiefgelegenen Karsee geboten. Auch im Regen hat die Aussicht einfach was… Nach einer weiteren Stunde knicken wir vom breiten Kiesweg rechts in den Wald ab und – erleben unseren nächsten Lieblingsabschnitt: Eine Matschschlacht, die ihresgleichen sucht! Das Hochmoor macht seinen Namen alle Ehre, und wenn wir anfangs noch versuchen, auf die versprenkelten Grasflächen zwischen den Schlamm-Seen zu treten, um nicht komplett dreckig zu werden, ist es nach dem zweiten Fehltritt auch schon egal.

Wir genießen es, über schmale Ränder die Pfützen und Schlammlöcher zu umgehen (und dabei halb im Gebüsch beziehungsweise Wald zu hängen), über und unter Baumstämme zu kraxeln und manchmal einfach mitten durch den Matsch zu waten, weil nichts anderes möglich ist. Am Ende sind wir durchnässt und vermatscht, doch man vergisst alles andere: Die Kilometer in den Beinen, das Gewicht des Rucksacks, die Nässe, die Sorgen von daheim – alles weg… 

Mein Rat: mehr Essen, mehr Rast

Um viertel nach zwei legen wir eine kurze Trocknungspause in der Stumpengrub-Hütte ein. Noch 4,5 Kilometer fehlen bis Tonbach (zehn bis Baiersbronn), wo wir eine Rast in trockener, warmer Gaststube planen, die schon längst überfällig ist. Wir folgen ab dem Unterstand – der Regen hat aufgehört und die Sonne kommt durch – einem schönen Waldpfad hinunter ins Tal, bei dem aufgrund der Nässe Vorsicht geboten ist: Die Tannenzapfen, Blätter und Wurzeln fordern Trittsicherheit, außerdem geht es links etwas steiler runter. Vorbei geht es an einem Wildgehege, unsere erste Tierbegegnung auf der Murgleiter, und erst nach halb vier stolpern wir mit letzter Kraft nach Tonbach hinein, wo wir uns in der Köhlerstube im Hotel Traube Tonbach "Veschper" und Torte wieder aufpäppeln lassen. Später sagt Kerstin zu mir: „Da bin ich das erste Mal an meine Grenzen gekommen.“ Daher – mein Rat für diese Etappe: Mehr zu Essen für unterwegs mitnehmen (lange keine Einkehrmöglichkeit) und mehr Pausen einlegen. 

Warum einfach, wenn es auch schöner geht?

Wir haben uns sehr verausgabt (20 Kilometer und sechs Stunden fast am Stück), sind aber wieder quietschfidel, als wir nach Speis und Trank um 16.45 Uhr die verbliebenen fünf Kilometer in Angriff nehmen: zunächst über einen Wiesenhügel, auf dem es rechts hoch in den Wald geht, wo uns schöne kleine Trampelpfade mit Wurzeltreppen erwarten. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein legen wir die Strecke bis zum Etappenende am Portal in Baiersbronn bis 18 Uhr zurück – herrlich leicht geht dieses Stück wieder, auch weil wir einen Pfad nehmen, der kaum als solcher zu erkennen ist. Ich stehe mitten in einem Hang voller umgestürzter Bäume und Wurzeln (Zeichen eines großen Sturms) und lächle, als Kerstin hinter mir sagt: „Man könnte auch einfach den breiteren Weg dort unten nehmen…“ 

Vom Portal aus – kurz stehen bleiben und die Aussicht auf das links liegende Baiersbronn und den Schliffkopf (letztes Etappenziel und quasi die Krone der Murgleiter) genießen – geht es einen echt fies steilen Weg hinunter in den Ort. Das Anstrengende ist nicht nur der Abstieg, man weiß genau: Das muss man am nächsten Tag wieder alles hinauf! Unsere Füße sind im Eimer, der Körper platt, der Rücken vom Rucksacktragen angeschlagen. Daher gönnen wir uns im Hotel, 8 1/2 Stunden nach dem Start und 25 Kilometer weiter nördlich, auch eine 40-minütige Kräuterstempelmassage. Die Mischung aus regionalen Wildkräutern in den selbstgemachten Stempeln und das Mandelöl riechen großartig. Ich entspanne, Haut und Muskeln werden weich, und siehe da: Am nächsten Tag tragen die Füße den Körper und der Rücken den Rucksack wieder! 

Die 5. Etappe: Baiersbronn - Schliffkopf; 19,9 km; 6 h mit Pausen

Und auch die Sonne lacht und begleitet uns den gesamten letzten Tag im Schwarzwald - entlang des ersten, bereits befürchteten Anstiegs zum Portal. Danach sind wir wenigstens warm und starten um 10 Uhr auf dem Hang über Baiersbronn. Etwa eine Stunde wandern wir auf einem gemütlichen Weg mit wenig Steigung bis zum Damwildgehege, wo uns Bernadette, wie wir die Hirschdame spontan benennen, am Zaun begrüßt. Unsere zweite tierische Begegnung auf dem Premium-Wanderweg. Kurz danach verlassen wir den breiten Waldweg und biegen links auf einen Trampelpfad mit kleinen Holzbrücken in einen lichten Wald ein.

In weniger als zwei Stunden erreichen wir den Baiersbronner Teilort Mitteltal, in dem eine Umleitung ausgeschildert ist – leider schlecht ausgeschildert. Das ist das erste Mal, dass wir auf der Murgleiter eine nicht so eindeutige Beschilderung erleben, aber gut: Eine Umleitung ist nun mal eine Umleitung und nicht der eigentliche Wanderweg, und mithilfe der Karte und einmal Nachfragen finden wir zurück an die Murg: Erst mal Mittag machen, passenderweise um zwölf und mitten in strahlender Sonne.

Über Umwege zum Ziel - Forelle und Radler

Noch zwölf Kilometer bis auf den Schliffkopf – die ersten davon führen auf einem Asphaltweg ebenerdig an der Murg entlang. Die Umleitung von Mittel- bis Obertal gefällt uns am wenigsten: Der Asphalt tut in den Füßen und Beinen weh und ist für Kopf und Körper zermürbend. Aus Obertal hinaus (dort gibt es gute Einkehrmöglichkeiten) bringt uns ein kurzer, aber steiler Anstieg  - mit dem Namen Kraftenbuckel, wie wahr! – zurück auf den ersehnten Waldweg, der mit Blick ins Tal am Hang entlang führt. Wir laufen durch bis zum Fischerstüble (13,9 Kilometer in etwas über drei Stunden Laufzeit) und machen an unserem letzten Tag im Schwarzwald eine schön lange, gemütliche Pause bei extrem leckerer geräucherter Forelle auf Salat beziehungsweise fangfrischer ganzer Forelle – und einem wohlverdienten Radler.

Ende in Aussicht? Schwarzwald ohne Kirschtorte

Um halb drei heißt es Endspurt auf den Schliffkopf: Sechs Kilometer to go, es erwartet uns nur Anstieg! Anfangs schlendern wir fast auf einem friedlichen Weg durch grüne Wiese, der Anstieg ist nur leicht, die Murg begleitet uns linksseitig fast durchgehend auf dem Weg nach oben. Kurz nach dem Fischerstüble wird der Weg dann breiter und steiniger; bis zur Murgquelle kurz unterhalb des Gipfels führt der stetige bis steile Anstieg auf etwas zu viel Asphalt für unseren Geschmack, und die Schilder sind nicht ganz eindeutig. Doch auch wir „Orientierungsgenies“ schaffen es ohne Verlaufen zum Endpunkt der Murgleiter, sie ist also definitiv sorglos für jeden Wanderer und jede Wanderin zu schaffen…

Ab der Quelle der Murg sind es noch 1,6 Kilometer, die durch den Wald auf einem süßen Trampelpfad treppen- und serpentinenartig hinauf verlaufen: Wir genießen die letzten 20 Minuten in vollen Zügen und springen – trotz der Strapazen der letzten fünf Tage – fast schon dem Gipfel entgegen. Um vier erreichen wir den Aussichtspunkt am Steinmäuerle und dank des Wetters werden wir mit einem großartigen Panorama über gefühlt den ganzen Schwarzwald belohnt!

Es bleibt nicht mehr viel, wir wandern bis zum Ende beziehungsweise Start der Murgleiter am Stein auf dem Schliffkopf, machen das obligatorische Zielfoto und laufen voller Vorfreude zum Restaurant am Schliffkopf, wo wir uns selbst mit der ersten Schwarzwälder Kirschtorte auf diesem Trip belohnen wollen. Nur: Es gibt keine mehr. Dann halt Maultaschen… 

Mein Fazit: Die Murgleiter - sportlich und mit Genuss

Ja, oft haben meine Wander-Kumpanin oder ich beim Ausblick auf die nächste Steigung, die man schon um die Ecke blitzen sah, ausgerufen: „Hoffentlich müssen wir da vorne nicht rechts!“ Was wir natürlich mussten… Die Murgleiter ist auch durchaus sportlich, mit teilweise anstrengenden bis sehr anstrengenden Abschnitten. Doch wir haben es mit geringer Vorbereitung geschafft (wobei gute Fitness hilft). Auch eine zehnköpfige Gruppe sowie zwei ältere Frauen mit Stöcken und kompletten Gepäck sind uns begegnet, und haben den Wanderweg ebenfalls gemeistert. Angst braucht also keiner zu haben, notfalls hilft die Anbindung an die S-Bahn-Stationen. Und wer lieber mit Genuss statt sportlich wandert, der lässt sich für die Etappen mehr Zeit, legt mehr und/oder längere Pausen ein, läuft nur einzelne Etappen oder nimmt sich einen Ruhetag. Dazu gibt es noch den Wandern-ohne-Gepäck-Service. 

Die Murgleiter? Ausgezeichnet!

Wir auf jeden Fall wissen jetzt, warum man einen ausgezeichneten Premium-Wanderweg läuft. Es ist die Abwechslung der Landschaft, die keinen Gedanken an monotones Laufen zulässt; die kleinen, aber feinen und vereinzelt eingestreuten Highlights wie der Matschpfad oder der treppenartige Anstieg; die saubere Ausschilderung, die dafür sorgt, dass man die Karte kaum braucht und so keine Zeit beim Stehenbleiben und Rumkramen vergeudet; und es ist das Gefühl, das entsteht, wenn man einfach nur wandert, den ganzen Tag. Am Ende sitzen wir selbstzufrieden in der Sonne, oben auf dem Schliffkopf, 110 Kilometer hinter uns, 4700 Höhenmeter in den Knochen, und ich frage meine Begleitung: „Und wie steht’s?“ „Ich hätte gerne ein Finisher-T-Shirt“, antwortet Kerstin... 

Weitere Informationen:

Baiersbronn: Hotel Falken, vom Portal aus (Ende der Etappe 3) sind es noch fast 30 Minuten quer durch den Ort mit steilen Hängen, dafür richtig schönes Schwarzwald-Gasthaus, sehr leckeres Essen, direkt nebenan das "Schaukelpferd" für einen urigen Absacker; Kräuterstempelmassage: 40 Minuten, 36 Euro; Hotel Falken, Oberdorfstraße 95, 72270 Baiersbronn, Telefon 0 74 42 / 8 40 70, Telefax 0 74 42 / 5 05 25, info@hotel-falken.de, www.hotel-falken.de

Schliffkopf: Hotel und Restaurant Schliffkopff, Schwarzwaldhochstraße 1, 72270 Schliffkopf (Baiersbronn), 07449 9200, www.schliffkopf.de

Informationen, Pauschalen und Wandern-ohne-Gepäck-Service:

Homepage: www.murgleiter.de

Wander-Informationszentrum der Baiersbronn Touristik: Freudenstädter Straße 40, 72270 Baiersbronn, Tel.: 07442 1800-80, Fax: 07442 1800-88, wandern@baiersbronn.de, www.baiersbronn.de

Zweckverband Im Tal der Murg, August-Schneider-Str. 20, 76571 Gaggenau, Tel.: 07225 - 982 160, Fax: 07225 - 982 161, info@murgtal.org, www.murgtal.org

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