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Rafting auf dem Chattooga River

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Höllenritt durch die Bullenschleuse

08.07.2013, 12:25 Uhr | Denis Krick, Spiegel Online

Rafting auf dem Chattooga River. Rafting auf dem Chattooga River. (Quelle: Richard Conely)

Nervenkitzel mit Kentergefahr auf dem Chattooga. (Quelle: Richard Conely)

Der Film "Beim Sterben ist jeder der Erste" machte den Chattooga River berühmt. Heute ist der Fluss im Osten der USA vor allem bekannt für halsbrecherische Rafting-Touren. Manchmal werden die Stromschnellen selbst erfahrenen Bootsführern zum Verhängnis. Wie atemberaubend der Ritt über die weißschäumenden Fluten des Chattooga ist, sehen Sie in unserer Foto-Show: Rafting auf dem Chattooga River.

Rafting: Mit dem Schlauchboot durch die Stromschnellen

Auf einmal geht es sehr schnell. Wir stürzen durch die Fluten und kippen bedenklich zur Seite. Alles läuft voll Wasser. Ein unglaublicher Sog scheint uns in die Tiefe zu ziehen. Irgendjemand schreit laut: "Paddeln!" Alle gehorchen. Das Schlauchboot macht einen Satz nach vorne, dann ist die Stromschnelle gemeistert. "Das war knapp", sagt Geoff Doolittle und lacht. "Fast wären wir gekentert." Dabei sei die Bullenschleuse eigentlich eine der leichteren Aufgaben des Chattooga.

Doolittle, ganz in Lila gekleidet, ist seit über 20 Jahren Guide für Rafting-Touren auf dem Chattooga. Den Fluss, der zu großen Teilen auf der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Georgia und South Carolina verläuft, kennt der 44-jährige Lehrer ganz genau. Heute muss er allerdings nicht nur eine Gruppe Studenten aus Florida sicher durch die Fluten bringen, sondern auch noch seinen Nachwuchs-Guides die Tücken der Stromschnellen erklären.

Burt Reynolds machte den Chattooga bekannt

Erst in den siebziger Jahren wurde der Chattooga von der Rafting-Szene entdeckt. Ein Actionfilm machte die Region damals über Nacht populär. In "Beim Sterben ist jeder der Erste" kämpfen Burt Reynolds, Ned Beatty, Ronny Cox und Jon Voight als Stadtmenschen im Kanu gegen Stromschnellen und tumbe Hinterwäldler. Für reichlich Aufsehen sorgte in den Kinos eine brutale Szene, in der Beatty von einer Gruppe Hillbillys vergewaltigt wird. Die Touristen ließen sich nicht abschrecken, sie kamen trotzdem in diesen Teil Georgias.

"Love Beach" - Liebesstrand - nennt man inzwischen die Bucht am Chattooga, in der damals die kontroversen Aufnahmen entstanden. Die meisten Wildwasserszenen des Films wurden auf diesem Abschnitt des Chattooga gedreht. "Teilweise mussten die Darsteller vier- bis fünfmal immer die gleiche Stromschnelle fahren", sagt Doolittle. "Die Einstellungen wurden dann aneinander geschnitten, damit die dramatische Flussfahrt nicht immer nur ein paar Sekunden dauert."

Auch die berühmte Szene mit den duellierenden Banjos, in der sich ein Städter mit einem Landjungen einen musikalischen Zweikampf liefert, produzierte das Filmteam in der Gegend um den Chattooga. "Der Junge mit dem Banjo von damals lebt noch immer hier", sagt Doolittle. "Er packt seit Jahren im Walmart an der Kasse die Einkäufe der Kundschaft ein."

Kajak-Guides sichern die Rafting-Strecke

Auch ohne wildes Bergvolk, das Jagd auf Touristen macht, ist das Rafting auf dem Chattooga nicht zu unterschätzen. "Wir haben hier die eine oder andere Herausforderung", sagt Doolittle. "Selbst erfahrene Paddler müssen ordentlich aufpassen." An besonders schwierigen Stromschnellen übernehmen deshalb zwei Guides in Kajaks die Vorhut. Mit Seilen positionieren sie sich auf den Felsen, um im Notfall die Gekenterten aus dem Wasser zu ziehen.

Fällt jemand in die Fluten, dann droht in den meisten Fällen dank Schwimmwesten nicht das Ertrinken, sondern Knochenbrüche und tiefe Platzwunden, denn unter dem Wasser lauern scharfkantige Steine. Fast jedes Jahr gibt es Tote. Aber das seien hauptsächlich betrunkene oder unbedarfte Touristen, die in der starken Strömung ein Bad nehmen wollen, behauptet Doolittle. Allerdings lauerten auch Gefahren am Ufer. "Gerade wenn es schön warm wird, dann sonnen sich dort die Giftschlangen."

Der Chattooga bietet Stromschnellen der schwersten Kategorien

Vier bis fünf Stunden dauert die Tour auf dem Chattooga, die bereits am frühen Morgen beginnt. Dazu kommt noch die Anfahrt in einem ausgedienten Schulbus an die Ablegestelle. Mittags wird kurz Halt an einem malerischen Wasserfall gemacht. Auf einer großen Steinplatte am Uferrand gibt es belegte Brote und Softdrinks zur Stärkung. Eine Art Henkersmahlzeit, denn nach dem Snack warten die "Five Falls".

Fünf rasante Stromschnellen bilden das Finale des Rafting-Ausflugs. Sie tragen Namen wie "Kieferknochen" und "Korkenzieher". Selbst der sonst recht lockere Doolittle wirkt hier angespannt. Die Stromschnellen gehören den schwierigsten befahrbaren Kategorien an. Jeder Fehler im Schlauchboot wird sofort bestraft.

Selbst die Rafting-Guides sind vor Unfällen nicht sicher

Einer von Doolittles neuen Guides ist unvorsichtig. Er paddelt an der falschen Stelle über die Klippen. Der junge Mann fällt aus dem Boot. Ein paar Minuten später gelingt es den anderen, ihn an Land zu ziehen. Er schreit vor Schmerzen. Das rechte Knie scheint zerschmettert zu sein. "Idiot", sagt Doolittle. "Aber selber schuld. Für den ist die Saison beendet." Die Studenten aus Florida sind angesichts des Unfalls schockiert - und entspannen sich erst wieder, als die Schlauchboote in den ruhigen Lake Tugalo gleiten.

An dessen Ufer machen es sich gerade zwei Hillbillys mit nacktem Oberkörper und dreckigen Latzhosen auf Campingstühlen bequem. Neugierig schauen sie in Richtung der Touristen. "Ich höre Banjomusik", sagt einer der Guides grinsend und fügt dann aber schnell hinzu: "Keine Angst, die wollen sich nur entspannen." Die Einheimischen winken freundlich rüber. Beruhigend nach all der Aufregung.

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