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Radtouren in Deutschland: Radfahren auf dem Fünf-Flüsse-Radweg

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Fünf-Flüsse-Radweg: Radtour an Bayerns Ufern

19.02.2014, 10:18 Uhr | Katrin Schreiter, srt

Radtouren in Deutschland: Radfahren auf dem Fünf-Flüsse-Radweg. Radtour im Altmühltal. (Quelle: SRT /Jens Schulze )

Auf dem Fünf-Seen-Radweg fahren die Radwanderer fast durchgängig auf ebenen Radwegen am Fluss entlang. (Quelle: Jens Schulze /SRT )

Radtouren in Deutschland sind zahlreich, aber im Sommer sind Radwege am Fluss besonders schön: Mit wenig Steigung und erfrischendem Nass machen sie jede Radtour zum Genuss. Der Fünf-Flüsse-Radweg durch Bayern wartet gleich mit mehreren auf: Radfahrend geht es auf 294 Kilometern entlang Donau, Altmühl, Pegnitz, Vils und Naab. Geübte Fahrradtouren-Liebhaber schaffen den Radweg in vier bis fünf Tagen; wer es gemütlicher will, nimmt sich aber für Radtour und die Sehenswürdigkeiten am Rand mehr Zeit. Diese können Sie auch hier in unserer Foto-Show: Fünf-Flüsse-Radweg - Radfahren an Bayerns Ufern sehen.

Fahrradtour startet und endet in Regensburg

Aller Anfang ist bekanntlich schwer - auch der unserer Radtour. Schuld daran ist Regensburg. Hier soll unsere Reise beginnen, aber wir wollen eigentlich so schnell nicht wieder weg aus dieser Stadt, in der es so viel zu entdecken gibt. Regensburg, seit 2006 Weltkulturerbe, zeigt sich lebendig und überraschend bunt, verwinkelt und turbulent, aber auch offen und weit. Wir schieben unsere Räder über die fast 900 Jahre alte Steinerne Brücke. Unser Blick schweift über den mächtigen Dom, über Bürgertürme und Tore, über Kaimauern und zahlreiche Dächer. Was für ein Panorama! Und was für ein Duft: Am Donauufer riecht es nach Kräutern, Speck und Holzkohle - auf den Rosten der "Wurstkuchl" werden bereits zum Frühstück die typischen "Sechs auf Kraut" gebrutzelt.

Ein paar Schritte weiter drängen sich in der Altstadt die Menschen durch das enge Gassengewirr, vorbei am alten Rathaus, in dem große Geschichte geschrieben wurde: Nach dem Dreißigjährigen Krieg residierte hier der Immerwährende Reichstag. Gesandte aus ganz Europa entschieden am "grünen Tisch" über Europas Schicksal, manchmal verschoben sie Entscheidungen allerdings auf die "lange Bank". Dieses oft zitierte Möbelstück steht noch heute im Reichssaal.

Fünf-Flüsse-Radweg: Radtour an Deutschlands Ufern

Wir aber schieben schließlich doch nichts auf die lange Bank. Auf geht's und in den Sattel! 294 Kilometer misst die Strecke, die wir in den nächsten acht Tagen zurücklegen wollen - Radfahren an den Ufern von fünf Flüssen: Wir werden die Altmühl begleiten, am König-Ludwig-Kanal bis nach Nürnberg fahren, der Pegnitz, der Vils und der Naab folgen - bis wir wieder an die Donau gelangen und zurück nach Regensburg kommen. Seit dem letzten Hochwasser im Juni ist die Strecke mittlerweile wieder gut befahrbar.

Die erste Etappe führt uns ins Altmühltal. Schon weit vor den alten Toren der Stadt kündigt sich Kelheim an. Oben auf dem Michelsberg thront die Befreiungshalle - ein gewaltiges, steinernes Manifest, dessen 150-Jahre-Jubiläum 2013 gefeiert wird. Der Blick von dort oben ist traumhaft. Abends schauen wir beim Volksfest vorbei. An den Fressständen grillen wohlgenährte Frauen Stockfisch, und im Festzelt wuchten Männer in zünftigen Lederhosen das Bier in großen Gläsern auf unseren Tisch. Ein Prosit der Gemütlichkeit!

Radfahrend zum Kloster Plankstetten

Am nächsten Tag fragt uns in Dietfurt der Bräu-Toni, woher wir gerade kommen. Aus Kelheim? "Doas loaf i eich an oanem Voarmidag." Jaja Toni, auch wir sind gut zu Fuß - aber nicht, nachdem wir am Abend zuvor intensiv das Maßstemmen beim Volksfest beobachtet haben. Und überhaupt: Was soll die Eile? Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, versteckte Picknickplätze verführen uns immer wieder zu einer Rast am Ufer. Eine Entenmutter treibt ihre Kinder schnatternd ins Wasser, gelbe Seerosen schwingen mit den Wellen auf und ab, Wallfahrer ziehen singend an unserer Bank vorbei: "Ave Maria, ave Maria." Sie sind auf dem Weg zum Kloster Plankstetten, wo auch wir schon erwartet werden.

Pater Benedikt empfängt uns mit einem herzlichen "Grüß Gott". Der rüstige 91-Jährige zeigt uns die romanische Kirche mit ihrer ausgemalten Krypta, spricht von Ewigkeit und Psalmen. Mit ihm leben insgesamt 18 Mönche im Kloster. "Hier gibt's kein weichgespültes Tralala, sondern Glaube mit Tiefgang", referiert er temperamentvoll. Siebenmal am Tag beten - wir sollen es auch probieren und ihn in zehn Jahren noch einmal besuchen. In zehn Jahren? "Klar", sagt Pater Benedikt und lacht so laut, dass es noch eine Weile in der Kirche widerhallt. "Mein neuer Herzschrittmacher ist für 14 Jahre eingestellt."

Erste Steigung auf der ebenen Radtour am Main-Donau-Kanal

Gewitzt waren die Menschen in dieser Gegend wohl schon immer. Auch wenn den Bewohnern von Berching, drei Kilometer vom Kloster entfernt, etwas anderes nachgesagt wird. So soll ein Bürger dort einst nach einem Hochwasser einen Hecht auf einer Wiese gefunden haben. Da keiner im Ort bisher solch ein Tier gesehen hatte, entschieden die Stadtväter, dass es sich um einen Vogel handeln muss. Der Fisch wurde kurzerhand in einen Vogelkäfig gesperrt und ausgestellt. Viel Volk versammelte sich, und als das Tier seinen Rachen aufriss, um seine Seele auszuhauchen, hörte man in freudiger Erwartung: "Jetzt wird er glei singa!"

Heute können auch die Berchinger über diese Geschichte lachen. Der Brunnen vor dem Rathaus macht die Story augenzwinkernd zum Thema. Sonst ist kein weiterer tierischer Unsinn in Sicht: Berching punktet stattdessen mit mittelalterlichem Charme. 13 Türme, vier mächtige Tore und die Wehrmauer aus dem 15. Jahrhundert bestimmen das Bild der mehr als 1100 Jahre alten Stadt, die direkt am neuen Main-Donau-Kanal liegt.
Wir steigen wieder aufs Rad, fahren eine Weile schnurgerade am Ufer entlang. Dann entfernen wir uns vom Kanal, es gibt eine kleine Steigung - eine der wenigen, die auf dieser Tour zu überwinden sind. Insgesamt verläuft die Strecke im ebenen Gelände, weitgehend asphaltiert, nur ab und zu geht es über Kies oder Waldboden.

Einer der schönsten Abschnitte auf dem Radweg

Oder über Kopfsteinpflaster, wie auf dem lang gestreckten Marktplatz in Neumarkt. Langsam holpern wir in das hübsch herausgeputzte Städtchen ein, setzen uns in ein Café und beobachten das bunte Treiben. Die Sonne lugt aus dem wolkenverhangenen Himmel. Neben uns teilen sich zwei ältere Frauen kichernd ein dickes Stück Torte. Ein Liebespaar schlendert eng umschlungen an unserem Tisch vorbei. Das Leben kann so schön sein!

Am nächsten Morgen hat uns der Radweg wieder. Wir folgen dem alten Ludwig-Donau-Main-Kanal auf alten Treidelpfaden, auf denen früher Pferde die Lastkähne gezogen haben. Es ist einer der schönsten Abschnitte: Apfelbäume auf der einen, dichtes Schilf auf der anderen Seite, dahinter spiegelt sich die Sonne im ruhigen Wasser. Plötzlich ziehen Wolken auf, es beginnt zu regnen, erst wenig, dann heftiger. Unsere Regenjacken kleben an der Haut, im aufgeweichten Boden ziehen die Reifen tiefe Spuren, der Wind bläst uns dicke Tropfen unter die Schirmmütze. Mit schnellem Tritt rollen wir in Nürnberg ein, suchen uns eine Bleibe und ziehen uns trockene Sachen an.

Zum Glück klart es schnell auf, und wir machen uns auf, die fränkische Stadt mit dem Hang zur Verkleinerung zu erkunden. Vorbei an zahlreichen Gässlein, Erkerlein und Plätzlein, drei Rathäusern und dem Dürer-Haus steigen wir zur Kaiserburg hinauf. Ex-Fußballtrainer Hans Meyer, der uns entgegenkommt, grüßt uns lässig. "Hallo!" Oben blicken wir auf spitze Schindeldächer und noch spitzere Kirchendächer, auf Stadtmauern und auf das frühere Reichsparteitagsgelände.

Vom Wörther See nach Amberg

Auf dem Uferweg entlang des Wörther Sees verlassen wir am nächsten Tag Nürnberg in Richtung Osten. Unser Ziel ist Sulzbach-Rosenberg, wo uns Stadtführerin Elke Dütsch in historischer Tracht erwartet. "Sogar mit Spitzenhöschen", freut sie sich und lüftet ein wenig den Rock. "Wenn ich Japaner zu Gast habe, geht die halbe Führung für Fotos mit mir drauf." Auch für uns muss Frau Dütsch posieren. Vor dem gotischen Rathaus und dem alten Pflasterzollhaus.

Die nächsten Kilometer sind schnell bewältigt, auch wenn zuerst ein wenig Steigung zu überwinden ist. Dann rollen wir über den Marktplatz von Amberg, fahren durch schmale Gassen, deren Namen die Geschichte dieser Stadt erzählen. Dem Eisenerz und dem Handel über die Vils verdankt die Stadt ihren Reichtum: Schiffgasse, Salzgasse, Paulanergasse, Proviantamtsgässchen.

Bahntrassen-Radweg über Kallmünz zurück nach Regensburg

Radfahrend geht es auf einer stillgelegten Bahntrasse und durch Wald- und Wiesenpassagen entlang der Vils auf dem Radweg nach Kallmünz. In diesem Ort, über dem eine Burgruine thront, verliebten sich einst die beiden Künstler Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. Und noch heute lockt die kleine Gemeinde Maler und Bildhauer aus allen Teilen des Landes an. Es gibt zahlreiche Galerien, Statuen stehen am Straßenrand. Und hier mündet die Vils in die Naab.

Gemütlich gehen wir die letzten Kilometer an. Libellen surren übers Wasser, Fische schnappen nach Mücken, ab und zu begleiten uns ein paar Paddler auf dem Weg nach Regensburg. Ach ja: Regensburg. Das muss schon eine Ewigkeit her sein, dass wir dort aufgebrochen sind.

Weitere Informationen

Fünf-Flüsse-Tour: Der 294 Kilometer lange Radrundwanderweg entlang der Flüsse Donau, Altmühl, Pegnitz, Vils und Naab führt über Wald- und Wirtschaftswege. Der Belag des deutschen Radwegs ist fast durchgehend asphaltiert oder gekiest, die Strecke zumeist autofrei und ohne wesentliche Steigungen. Deswegen eignet sie sich hervorragend für alle Altersgruppen.

Bahnanreise: Regensburg, Kelheim, Neumarkt, Nürnberg, Amberg.

Literaturtipp: "Fünf-Flüsse-Radweg", bikeline, 12,90 Euro.

Tourismusverband Ostbayern, Im Gewerbepark D 04, 93059 Regensburg, Tel. 0941/585390, www.ostbayern-tourismus.de.
Tourismusverband Franken, Wilhelminenstraße 6, 90461 Nürnberg, Tel. 0911/941510, www.frankentourismus.de.

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