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Trekking-Tour im Dunkeln: Klettern in einer Höhle in der Schweiz

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Höhlen-Klettern: Trekking-Tour im Dunklen

07.08.2013, 14:48 Uhr | Monika Neiheisser

Trekking-Tour im Dunkeln: Klettern in einer Höhle in der Schweiz. Höhlen-Klettern: Abstieg ins Hölloch. (Quelle: Monika Neiheisser)

Abstieg ins Hölloch: Die Höhlen-Kletterei ist nichts für Couch-Potatos und Angsthasen. (Quelle: Monika Neiheisser)

Klettern und Bergsteigen sind beliebte Outdoor-Sportarten, doch dass man mindestens genauso sportlich unter der Erde sein kann, zeigt eine zweitägige Trekking-Tour im Hölloch in Muotathal, einem Höhlensystem unweit des Vierwaldstätter Sees bei Luzern, von dem knapp 200 Kilometer erforscht sind. Eine Nacht wird dabei im Biwak verbracht - 400 Meter unter der Erde! Schauen Sie sich die faszinierende Kletter-Tour in der Schweizer Höhle in unserer Foto-Show an.

Höhlen-Klettern in der Schweiz

Der Alpkäse köchelt leise blubbernd im Fondue-Topf, während wir abwechselnd unsere Brotbrocken in die würzige Käsemasse tauchen. Wir sind gekraxelt, geklettert und mit schwerem Rucksack gewandert, haben Bachläufe überquert und im Klettersteigset gesichert hohe Leitern erklommen. Und nun spüren wir unsere Körper wie nach einer anstrengenden Bergtour. Doch die Sonne sehen wir nicht, denn wir sind in der viertgrößten Karsthöhle der Welt unterwegs.

Am Morgen haben wir uns mit einem letzten Blick auf die Kiefern vom Tageslicht und dem Alltag verabschiedet und sind zu einer Entdeckungsreise in eine neue geheimnisvolle Welt aufgebrochen. Eine Welt in Dunkelheit und Feuchtigkeit mit permanenten sechs Grad und fast 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, die vor Million Jahren vom Wasser geschaffen wurde.

Trekkingtour im Hölloch: "Unter der Erde sind wir ein Team"

Wir legen die Uhren ab und lassen das Handy im Auto zurück. Dafür bekommen wir Käse, Müsli, Milch, Brot, Weißwein und so manches für Abendessen und Frühstück ausgeteilt, das wir in die Rucksäcke stecken. Wir sind zwölf Abenteurer zwischen 13 und 56 Jahren. Bayrisch, Schwäbisch und Hochdeutsch mischen sich mit Schwitzerdütsch. Als wir unter die Erde kriechen sind wir nicht nur optisch ein Team in roten Overalls, schwarzen Gummistiefeln, Rucksack, Sturzhelm und Stirnlampe. Denn unsere Höhlenführer Martin und Michael fordern: "Jeder darf nur so weit vorausgehen, dass er das Licht des Hintermanns noch sieht. Unter der Erde sind wir ein Team."

Klettern in der "Bösen Wand" und "Alligatorenschlucht"

Und schon tauchen wir ab auf einem breiten zementierten Weg, der mit brach liegenden Stromleitungshalterungen noch heute Zeuge eines Versuchs ist, die Höhle zur attraktiven Touristenhöhle Anfang des 20. Jahrhunderts auszubauen. Nach wenigen hundert Metern ist die Bequemlichkeit vorbei. Wir seilen uns ab, die Gummistiefel schön im 90 Grad Winkel an den Felsen gestützt, um das Abrutschen am glitschigen Stein zu vermeiden. Auf dem Hosenboden gleiten wir wenig später jubelnd die Sandhalde hinab, kraxeln auf allen Vieren vorwärts und klettern an Seilen wieder hinauf.

Es geht hinauf und hinunter, das Wasser hat den Weg im Erdinneren geformt hat. Ich wünschte, ich könnte fließen und mühelos fallen so wie das Wasser - das wäre nur halb so anstrengend! Markante Stellen in der Höhle sind mit Namen versehen, die nicht gerade nach Spaziergang klingen: "Böse Wand", "Alligatorenschlucht", "Labyrinth" oder "Tauchstrecke". Aber es gibt auch die, die neugierig machen: "Himmelsleiter", "Nirwana", "Polyp" oder "Hoffnungsgang".

Mit dem Klettersteigset zum unterirdischen Wasserfall

Mit einem Klettersteigset gesichert, erklimmen wir mehrere Leitern und durchqueren dabei drei gesteinsgeschichtliche Ebenen, die zum Teil über 100 Millionen Jahre alt sind. Staunend nähern wir uns mit aufsteigenden Dampfschwaden aus unseren Mündern dem tosenden Geräusch in der Höhle und stehen plötzlich vor einem Wasserfall wie in einem Märchen. Wo kommt er her, wo fließt er hin? Die Höhle wirft Fragen rund um die Erdgeschichte auf. Ablenkungen haben wir an der Erdoberfläche gelassen.

Doch bald stellt uns das Wasser vor die weniger philosophische Frage: "Wie kommen wir weiter?" Der Hauptgang ist überraschend überschwemmt und nicht begehbar. Lediglich im Beugegang am Rande des Höhlenganges ist ein Vorwärtskommen ohne Rucksack auf dem Rücken möglich. So müssen wir die etwa zehn Kilo schweren Kaliber von Hand zu Hand reichen wie die Dachdecker die Ziegel.

Biwakieren 400 Meter unter der Erde

Eng wird es auch im Dolinengang, den wir kriechend erreichen und plötzlich in unserem Biwak auf 835 Meter Meereshöhe, 400 Meter unter der Erde stehen. Zwei Jahre hat es gedauert bis Trekking Team-Leiter Peter Draganits und seine Crew einen Platz geschaffen hat, an dem Feldbetten zum Schlafen bereit stehen, eine Küche mit fließend Wasser eingerichtet und eine ökologische Toilette geschaffen ist.

Wir genießen es unsere schweren Rucksäcke abzulegen und aus der verschwitzten Kleidung zu schlüpfen, auch wenn sie keine Chance auf Trocknung hat. Weiter geht es mit kleinem Tagesgepäck im Domgang. Hier werden wir von oben, von unten, von links und von rechts vom Kalkstein eingezwängt und die Breite der Hüfte entscheidet über das Vorwärtskommen. Doch es soll noch besser kommen. Wir legen den Rucksack ab und robben uns in einem Tunnel vorwärts, durch den unser Körper gerade so passt. 800 Meter ist er lang und bald spüre ich jeden Knochen, die Muskeln schmerzen und Gedanken, ob das Jahr Millionen alte Gestein auch noch die nächsten Stunden hält, verbanne ich ganz schnell aus meinem Kopf.

Höhle Galeria 800: Stalagtiten und Stalagmiten

Und plötzlich sind wir überwältigt von der Schönheit der Galeria 800, in die der Gang mündet. Martin beleuchtet mit seiner LED-Lampe die Stalagtiten, die wie filigrane Fäden von der Decke hängen, und die Stalagmiten, die sich wie Pilze aus dem Boden recken. Unzählige Formen, die zur Fantasie anregen, hat die Natur in mühsamer Tropfarbeit hervorgebracht. Ganze vier Zentimeter wächst ein Tropfstein in hundert Jahren. Ein rötlicher Stalagtit ist der Star unter den weißen und grauen Gebilden. Wir gucken, staunen und reden kein Wort.

Käsefondue unter der Erde

Überhaupt hat die Höhle Ruhe in uns gebracht. Auch als wir nach dem Klettern am Abend gemeinsam um den Fondue-Topf sitzen, genießen wir in Stille und jeder trägt seine Erlebnisse ohne großen Mitteilungsdrang in sich. Erst beim gemeinsamen Abwasch des Geschirrs wird unsere Runde lebhafter bis die Höhle wieder schweigt, als jeder in seinen Schlafsack gekrochen ist und sich auf dem Feldbett ausgestreckt hat. Martin hat noch einen Tipp: "Steckt eure feuchte Kleidung mit in den Schlafsack, dann ist sie bis morgen früh trocken gedampft von eurer eigenen Körperwärme". Als der Letzte seine Stirnlampe ausgeknipst hat und das Geraschel und Gekruschtel im Rucksack ein Ende genommen hat, wirkt die Stille, gebündelt mit der tief schwarzen Dunkelheit fast gespenstisch. Augen auf, Augen zu - es ist die gleiche Schwärze. Doch schnell übermannt uns der Schlaf.

Croissant-Service an das Höhlen-Biwak

Nicht die Morgensonne weckt uns, sondern die Schritte von Martins Freund, der uns zum Sonntagmorgen frische Croissants ins Biwak bringt. Unsere Kleidung ist getrocknet und als wir uns am Vormittag die Sandhalde bei jedem Schritt mehr rückwärts rutschend als vorwärts gehend hoch arbeiten und dem Tageslicht näher rücken, überkommt mich das Gefühl von einer langen Reise zurückzukehren. Doch die Uhr misst gerade mal 30 Stunden, die vergangen sind. Und Martin hatte recht als er ankündigte: "Ihr werdet sowieso Muskelkater bekommen."

Weitere Informationen zum Hölloch

Das Hölloch wurde 1875 zufällig vom Bergbauer Alois Bauer entdeckt. Aktive Forschungsarbeiten führten dazu, dass heute 190 Kilometer des weit verzweigten Höhlensystems, das zu einem der größten der Welt gehört, erforscht sind. Der Versuch, die Höhle ganzjährig touristisch zu nutzen schlug fehl, da von April bis Oktober Wasser in der Höhle steht. Kurze Exkursionen sind ganzjährig jedoch möglich.

Das Höhlenbiwak findet von November bis März statt. Schwindelfreiheit, gute Kondition und Gesundheit sind Voraussetzungen für die Teilnahme am Biwak. Höhlenausrüstung bestehend aus Overall und Gummistiefeln kann geliehen werden, Stirnlampe und Sturzhelm gehören zur Höhlenausrüstung. 

Preise: 2-Tages-Biwak 395 CHF (328 Euro), Hölloch Parcours 3,5 Stunden 105 CHF (87 Euro). 

Informationen und Buchung: Trekking Team AG, Tel.: 0041/41/390 40 40, www.trekkingteam.ch

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