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Südtiroler Waalwege: Wandern rund um Meran in Vinschgau und Etschtal

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Südtiroler Waalwege: Wandern rund um Meran

01.10.2013, 13:36 Uhr | Dietmar Denger, srt

Südtiroler Waalwege: Wandern rund um Meran in Vinschgau und Etschtal. Marlinger Waalweg in Südtirol. (Quelle: Alex Filz)

Waalwege sind ein Traum für jeden gemütlichen Wanderer - in Südtirol locken die flachen Wanderwege mit mediterranem Flair. (Quelle: Alex Filz)

Südtirol - italienisches Flair, Alpenkulisse und ein Bewässerungssystem, das sich zum Wandern perfekt eignet: Herz eines Wanderurlaubers, was begehrst du mehr? Vor Urzeiten wurden die Waale im Vinschgau und im Etschtal angelegt, die Bächlein dienten - und dienen zum Teil heute noch - der Bewässerung. Sie werden aber auch instand gehalten, weil an ihnen entlang beliebte Wanderwege führen: Aufgrund der geringen Steigung wandern hier Urlauber, die Südtirol mit allen Sinnen, auch den kulinarischen, genießen wollen. Sehen Sie sich Südtirols Waalwege rund um Meran auch in der Foto-Show an.

Südtirol: Wandern auf dem Marlinger Waalweg

Wenn es der Natur in Südtirol langweilig wird, greift sie bereits im Spätsommer schon mal ganz tief in die Farbtöpfe. In den vergangenen Nächten war ihr nach Orange, Rot und leuchtendem Gelb. Auf dem Marlinger Waalweg duftet es nach frischem Laub. Wie Spotlights beleuchten Sonnenstrahlen den Waldboden. Die erste warme Brise des Tages raschelt in den Bäumen, und es regnen bunte Blätter herab. Im kleinen Bachlauf, der mich seit einer Stunde begleitet, werden einige der Flugobjekte zu Schiffchen, schaukeln durch einen märchenhaften Farnhain, fallen mit dem Wasser eine kleine Stufe hinab und verschwinden im Tunnel unter einem Felsen, den ein Landschaftsarchitekt nicht passender hätte platzieren können.

Waalwege in Meran und im Vinschgau

Für meine Schiffchen im Waal hat Walter Pilcher allerdings nicht viel übrig. Mit seiner breiten Forke fischt er sie einfach heraus. Ein Waal ist schließlich kein Spielplatz, sondern sorgt dafür, dass Apfelbäume und Weinreben an ihr Wasser kommen. Und Pilcher, Waaler vom Dienst am Marlinger Waal, sorgt dafür, dass das so bleibt. "300 Sonnentage im Jahr freuen Urlauber, aber nicht immer die Bauern", klärt Pilcher mich auf. Seit dem 13. Jahrhundert gibt es deshalb Waale in Südtirol. Von Bergbächen oder gar von Gletschern aus leiten sie das Wasser bis zu 15 Kilometer weit. Rund um Meran wurden sie gegraben, oben im Vinschgau teils in den Fels gemeißelt, in ausgehöhlten Baumstämmen durch senkrechte Wände geführt. "Stell Dir mal vor, was das für eine Arbeit war." Ich glaube, ich kann mir das gar nicht vorstellen.

Entlang der Waale mit minimaler Steigung

Heute gibt es überall Beregnungsanlagen. Von der ursprünglichen Gesamtlänge der Südtiroler Waale sind nur 200 Kilometer oder ein Fünftel geblieben. Doch das wird sorgsam gepflegt - nicht zuletzt für die Besucher. Denn auf Waalwegen wandert es sich bestens. Minimal ist das Gefälle oder die Steigung, je nachdem, welche Richtung man bevorzugt. Fast unmöglich, beim Wandern aus der Puste zu kommen. Wenn die Füße doch mal heiß laufen, geht man einfach ein paar Meter durchs herrlich kalte Wasser. Dabei sieht man aus wie Pfarrer Kneipp, fühlt sich hinterher aber ganz leicht.

Im Etschtal eine der besten Küchen Südtirols schmecken

An der Reschenpassstraße wechsle ich vom Marlinger auf den Algunder Waalweg. Durch Wein- und Apfelgärten quere ich das enge Etschtal bis zu den steilen Flanken der Texelgruppe. An deren Fuß versteckt der Gasthof "Leiter am Waal" sich inmitten der Weinreben. Eines von vielen Gasthäusern am Weg, doch wer vorbeiläuft, verpasst eine der besten Küchen Südtirols. Jede Woche wechselt die Karte, je nachdem, welches Kraut, Obst oder Gemüse gerade seiner Ernte harrt. Fragt man Chef und Haubenkoch Philipp Hafner nach seiner Küchenphilosophie, so könnte die Antwort auch stellvertretend für die gesamte Region stehen: "Traditionell mit mediterranen Impulsen". Der Südtiroler Spätsommer kommt an diesem Tag als Apfel-Risotto, Rehrücken mit Kastanienkruste und Kastanieneis auf den Tisch, dazu ein frischer Weißburgunder. Übrigens, und auch das ist typisch Südtirol: Selbst für ganz große Küche zahlt man Preise, die man daheim vom Standard-Italiener um die Ecke gewohnt ist.

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Über Waalwege in das Gartenparadies Meran wandern

Wie ein kitschiger Bilderrahmen fassen Weinpergolen über dem Wanderweg den Blick auf Schloss Tirol ein. Apropos mediterrane Impulse - die steigern sich zur Überdosis für alle Sinne, als ich kurze Zeit später den Algunder Waalweg verlasse und den Tappeiner Weg nach Meran absteige. Wenn hoch über der Stadt der Schnee die ersten Gipfel pudert, und die Murmeltiere sich noch schnell den fehlenden Winterspeck hamstern, taucht man hier beim Wandern am Küchelberg noch im September ein in ein aufregend duftendes Blütenmeer. Herbst- und Sommerblüher leuchten um die Wette, dazwischen Oleander, Zypressen, Pinien, Palmen, exotische Stauden aller Art, selbst Kakteen, zwischen denen kleine Eidechsen ein Sonnenbad auf warmen Steinen nehmen.

Ein einziger großer Garten ist Meran. Überall blüht es zwischen gigantischen Zedern, exotischen Bambushainen und verblüffend großen Palmen. Jeder Meraner, so scheint es, muss passionierter Gärtner sein. Dieser Flora-Flash ist die eigentliche Hauptattraktion der Stadt. Würden sich als Hintergrund nicht die hohen Berge abzeichnen, könnte man schnell vergessen, dass das Städtchen mitten in den Alpen liegt.

Meran: Kurort mit Sissi-Romantik und Indiana-Jones-Kulisse

Und überall warten Zeitreisen. Spätmittelalterlich ist man beispielweise von der Pfarrkiche hinab durch die Laubengasse unterwegs, wenn man sich nur Gore-Tex-Jacken und Gucci-Brillen in den Schaufenstern wegdenkt. Nur hundert Meter entfernt würde man sich an der Sommerpromenade der Passer nicht wundern, wenn plötzlich Frauen mit Sonnenschirm und weißen Kleidern wie auf impressionistischen Gemälden zwischen den Blumenrabatten umherhuschten. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte die vornehme Gesellschaft Meran als Kurort. Neben einer strengen Etikette entstanden verspielte Parkanlagen, die bis heute liebevoll gepflegt werden. Am Nordufer der Passer ist Meran vor ein paar Jahren wie mit einem Paukenschlag im Jetzt angekommen: Mit Stahl und Glas hebt der Riesen-Würfel der Therme Meran sich gegen die Berge ab.

Auf dem Maiser Waalweg zur Gondel von Saltaus

Etwas weiter mündet die Sommerpromenade in einen schmalen Weg, der geradewegs in die enge Gilfschlucht führt. Sissi-Romantik trifft auf Indiana-Jones-Kulisse und das mitten in der Stadt. Von hier ist es nur kurzer Anstieg bis Obermais, wo der nächste Waalweg lockt. Durch die Obstgärten von Schenna führt der wundervolle Maiser Waalweg oberhalb der wilden Passer in einen kühlen Wald, wo er nach einigen Kilometern an der Seilbahn von Saltaus endet. Von der Talstation, wo ebenfalls Palmen wachsen, entschweben die Gondeln bis auf fast 2000 Meter Höhe, ins Südtirol der Hochalmen, Bergsteiger und Steinböcke. Ganz schön steil sieht es aus dort oben. Ach, morgen gönne ich mir erst noch einmal einen Waalweg.

Weitere Informationen:

Marketinggesellschaft Meraner Land, Tel. 0039/0473/200443, www.meranerland.com;
Wirtshaus Leiter am Waal, Mitterplars 26, Algund, Tel. 0039/0473/448716, www.leiteramwaal.it

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