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Mit dem Wohnmobil durch Australien

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Completely lost in Australia

06.06.2014, 13:20 Uhr | Hanna Engler, trax.de

Mit dem Wohnmobil durch Australien. Wohnmobil in Queensland. (Quelle: Uschi von Grudzinski)

Einfach anhalten, wo es einem gefällt - das ist das Tolle an einer Wohnmobil-Tour durch Australien. (Quelle: Uschi von Grudzinski)

"Excuse me: We are lost." "Yes, you are completely lost!" Auch das kann einem passieren, wenn man mit dem Wohnmobil durch Australien fährt. Es zeigt uns aber nur zweierlei: Australier sind hilfsbereit und humorvoll. Und man braucht zwar länger, um an sein Ziel zu kommen, wenn man immer auf sein Navi hört, erlebt dafür aber unvergessliche Momente. Ich kann Down Under einfach nicht vergessen, es bleibt für mich rot - blau - grün: Rot wie das Outback, blau wie das Reef und grün wie der Regenwald. Sehen Sie selbst in der Foto-Show: Mit dem Wohnmobil durch Australiens Sunshine State Queensland.

Ankunft in Cairns: Tor zum Great Barrier Reef 

Die Küstenstadt an der Ostküste Australiens ist einer der Hauptorte für Schnorcheltrips zum Great Barrier Reef. Siebzehn Stunden reine Flugzeit (mit Zwischenstopp in Hong Kong) trennen Deutschland von Down Under - so schnell kommt man auf keinem anderen Weg in den Sunshine State Queensland, in dem es auch im australischen Winter angenehme 25 Grad hat. So gerädert man sich nach dem Flug fühlt, die traumhafte Promenade mit Blick aufs Meer weckt neue Lebensgeister: Hier joggt gefühlt die ganze Stadt, vereinzelt lassen Mann und Frau ihre Muskeln an den Outdoor-Fitness-Geräten spielen, Skateanlage, künstliche Bade-Lagune, öffentliche Wasserspender und Barbecues runden das sportlich-entspannte Küstenfeeling ab. Und das schon morgens um sieben Uhr bei T-Shirt-Wetter.

Die grüne Macht des Daintree Rainforest

Sonntags hat die Autovermietung nicht geöffnet, aber bei dem Standort, den Cairns genießt, macht das nichts: Direkt vor der Küste liegt mit dem Great Barrier Reef das größte Korallenriff der Welt, 15 Minuten Fahrt ins Landesinnere und man trifft auf den Regenwald, nur ein paar Stunden weiter beginnt das Outback, das wir in den nächsten Tagen erkunden wollen. Doch heute geht es zum im Barron-Gorge-Nationalpark gelegenen Daintree Rainforest, über den die längste Gondelbahn der Welt führt.

Auf 7,5 Kilometern geht es über ein weites Baumkronenmeer, etwa zwanzig Minuten dauert der erste Abschnitt mit dem Skyrail, etwa fünfzehn der zweite. Oben schweben wir nun, und erst jetzt werden mir die Dimensionen bewusst: Schaut man zurück, Richtung Küste, funkelt das blaue Meer, blickt man nach vorne und zur Seite, grüne Baumkronen - weiter als man blicken kann, weiter als man denken kann. Die Ausmaße des geschützten Regenwalds sind eigentlich unvorstellbar. Es ist keine dezente, schüchterne grüne Macht, die von dem tropischen Regenwald unterschwellig ausgeht, es ist eine sich mir unwiderstehlich aufdrängende, gewaltige Schönheit.

Es gondelt, es kreucht, es fleucht

Die Pflanzen, die Riesenbäume, sie sind nicht zu vergleichen mit den einheimischen Wäldern. Trotz tropischer Breitengrade ist es trocken, es ist Dry Season in Australien, und Regenwald braucht vor allem viel Sonne (im Gegenteil zur üblichen Meinung, er müsse immer feucht sein). Deshalb gibt es hier auch kaum Insekten; die Bäume holen sich das Wasser über ihre Wurzeln, die tief in den Boden gehen. Das und viel mehr erklärt uns ein Ranger, der die Führung von der Mittelstation aus macht. Ein Holzsteg führt in die Baumarmee und eröffnet einem nach dem Blick von oben den Blick von innen. Auch wenn man Kreuch und Fleuch nicht sieht, man hört sie – und die Insektengeräusche bilden die perfekte Begleitmusik zur Regenwaldkulisse, die auf mich riesengroß wirkt. Ich genieße die Fahrt über den Regenwald zur Goldgräberstadt Kuranda und zurück, lasse meine Gedanken schweifen und freue mich jetzt schon auf den nächsten Tag, an dem wir unsere Camper abholen werden.

Mein Wohnmobil und ich: Camper-Glück hallo!

Und die Vorfreude war nicht umsonst: Da steht er und blitzt in der Sonne, mein Britz-Camper, etwa sechs Meter lang. Gut, ich bin beeindruckt: Ich bin noch nie ein Wohnmobil und auch noch nie links gefahren. Doch was soll schon schief gehen? Australien ist bekannt für breite, lange Straßen, die durch wenige Städte führen, die Infrastruktur ist "Western Style" - natürlich nur bis man tief ins Outback kommt. Genügend Proviant und Wasser dabei zu haben, ist daher nicht verkehrt. Wir wollen innerhalb einer Woche etwa 1000 Kilometer zurücklegen, eine Rundtour, die uns durch alle Landschaften Australiens tragen soll: Regenwald, Outback, Reef.

Und wir sind beileibe nicht die einzigen, die den Vorzug von Wohnmobilen in Australien zu schätzen wissen: In der Vermietung gibt ein deutsches Pärchen in den Zwanzigern ihren kleinen Camper ab und zwei ausländische Ehepaare über 60 schauen sich die Sicherheitsvideos ihrer Wohnmobil-Typen an, die kriegt jeder Abenteurer vor Fahrtbeginn aufs Auge gedrückt. Ein bisschen Zeit ist mitzubringen: Die Fahrzeuge werden überprüft, Mängel aufgeschrieben, und dann geht es das erste Mal auf die Straße.

Auf Australiens Straßen: recht, rechts, weiter rechts!!!

Ich bin zufrieden: Die erste Fahrt verläuft besser als befürchtet! Erleichterung bringt die Automatik-Schaltung, so dass ich mich voll und ganz auf Straßenverkehr und Dimensionen konzentrieren darf. Wir fahren nach Navigationsgerät (nächster Halt: Tully), auch das trägt zum Sicherheitsgefühl bei, obwohl die Ausschilderung ohnehin eins A ist und wir eigentlich fast nur gerade ausfahren. Der Camper fährt sich easy, man sitzt bequem und hat eine tolle Übersicht, auf einem Bildschirm überträgt eine Kamera am Heck des Fahrzeugs Bilder aus dem Rücken.

Auch das Linksfahren ist kein Hexenwerk: Da sich nun mal ganz gesittet alle Fahrer daran halten, die Straßenführung es so vorgibt und man ja dank rechtsseitigem Lenkrad trotzdem in der Mitte der Straße fährt wie daheim, ist es kaum möglich, komplett falsch zu fahren. Betonung auf komplett... Trotzdem werden die Kilometer am ersten Tag vom Drang beherrscht, weiter links in der Spur zu fahren, vor allem wenn einem LKWs auf der Gegenspur entgegenkommen. So wird die Fahrerkabine des Campers meist damit ausgefüllt, dass meine getreue Mitfahrerin Cathrin mich an die 30 Mal liebevoll darauf hinweist, doch bitte etwas weiter rechts zu fahren statt weiter auf den unbefestigten Standstreifen hinauf...

Triumph und ein Hauch von Aborigine

Nachdem ich alle "ersten Male" hinter mir habe - das erste Mal anfahren, die erste Ampel, der erste Kreisel, das erste Mal rechts abbiegen und parken - habe ich mich soweit an das Linksfahren gewöhnt, dass ich das Lenkrad schon weniger verkrampft anpacke, den Blick aus dem rechten Seitenspiegel nehmen und die Landschaft um mich herum auf mich wirken lassen kann: Relativ zügig gelangen wir aus Cairns und anderen kleinen Städten hinaus, der Highway Richtung Mission Beach ist umsäumt ist von viel grünem Regenwald, erst spät tauchen ein paar kleine Hügel am Horizont auf (der höchste Berg in Queensland ist 1620 Meter hoch...).

Angekommen, nimmt uns Caroline in ihrem Bus zu einer flotten, staubigen Fahrt durch Bananen- und Zuckerrohrplantagen bis zum Tully River mit. Wir folgen der Aborigini und unserem Aufpasser Douglas mit seiner Machete in den erfrischend kühlen Fluss. Caroline ist hier am Fluss aufgewachsen, während des River Walks erzählt sie mit einer Stimme, die einen ganz eintauchen lässt in die Geschichte und Kultur der Aborigines, alles über die traditionellen Jagdmethoden ihres Stammes. So geht die Tour fast zu schnell vorbei, doch wir wollen vor Sonnenaufgang auf dem Campingplatz in Mission Beach sein.

Von blinden Hühnern und rangierten Nächten

Betonung auf "wollen", denn gewisse Umstände verhindern den wohlgedachten Plan. Gewisse Umstände sind in dem Fall vor allem das blinde Vertrauen in das Navi, das unseren Camper schnurstracks vom Highway runter auf kleine süße, aber schmale Nebensträßchen leitet, die uns durch wunderschöne Plantagenlandschaften mit vereinzelten Wohnhäusern führen - aber eben nicht auf dem schnellsten Weg zu unserem Ziel. Zunächst sind Cathrin und ich noch ganz angetan von der anderen Gegend, doch als die Fahrbahnmarkierungen irgendwann ganz aufhören, werden wir doch langsam stutzig. Als uns die nette elektronische Stimme schließlich sagt: "Hier bitte rechts abbiegen!", und wir auf einen kleinen sandigen Weg blicken, auf dem ein Mini kaum Platz genug hätte, sind wir uns sicher: Hier stimmt was nicht.

Die australische Gelassenheit hat uns schon angesteckt und statt zu bangen, im Dunkeln auf dem Campingplatz rangieren zu müssen, finden wir es ziemlich komisch, uns am ersten Tag verfahren zu haben. Nach ein paar weiteren Kreuzungen im Hinterland stoßen wir auf eine kleine Menschengruppe, Cathrin erkundigt sich nach dem Weg. Ich sehe die Gruppe lachen, meine Beifahrerin lacht auch, und wieder eingestiegen erzählt sie, dass hier wohl kaum ein Tourist gesehen wird: Als sie freundlich mit "Sorry, we are lost" begann, antwortete ihr Gegenüber lachend: "Yes, you are completely lost!" Gut, so schlimm war es gar nicht, schon bald sind wir zurück auf dem Highway und kurz darauf im Beach Village. Hier bringe ich dann doch im Dunkeln das "erste Mal" Einparken in einer Parzelle famos hinter mich, es folgt ein gemütlicher Abend mit bestem Barbecue direkt am Strand und eine mindestens so gemütliche Nacht im Alkoven.

Queenslands Wunder in drei Stunden

Wissen Sie, was das Schönste ist, an einer Nacht im Alkoven? Das Aufwachen. Um sechs Uhr früh drehe ich den Kopf Richtung Fenster, schiebe den Vorhang leicht zur Seite, und blicke auf den rötlich gefärbten Horizont über dem Meer. Nach einer Laufrunde am fast menschenleeren Strand (ein Kajak, ein Mountainbiker und ein Angler teilen sich mit uns die "frühe Vogel"-Zeit) gibt es einen Kaffee am Grillplatz. Und das erste Wunder des Tages passiert: Ein kleiner Wal taucht in Küstennähe und zeigt uns kurz seine Flanke. Das zweite Wunder folgt nur Minuten nach Verlassen des Beachresorts: Am Straßenrand steht ein Cassowary (Kasuar), ein schräger, faszinierender, wenn auch gefährlicher Laufvogel. Es ist kaum neun Uhr durch. Unser heutiges Ziel heißt Undara Volcanic National Park - Outback, wir kommen!

Cassowary: Laufvogel in Australien. (Quelle: Hanna Engler)Schräger Vogel, der Cassowary.Straßenrand in Queensland. (Quelle: trax.de/Hanna Engler)Roter Sand, wenig Bäume: Straßenrand in Queensland.Camping in Australien. (Quelle: Uschi von Grudzinski)Gemütlichkeit pur: Frühstück vor dem Wohnmobil.

Angekommen in Australien

Das Fahrgefühl ist bereits am zweiten Tag so viel besser, trotz der schmalen und unebener werdenden Straßen - oder gerade deshalb. Von Bruce aus geht es auf den Palmeston Highway, zwischen den von tropischen Bäumen grüngemalten Hügeln blitzt immer mehr rote Erde auf, der Blick wird weit, bis wir den Nationalpark erreichen. Hier verdichten sich Regenwald links und rechts von uns, kleine Flüsschen ergänzen die Idylle. Nach einem Tankstopp in Ravenshoe wird die Landschaft immer mehr zur Savanne: die typischen roten Termitenhügel ziehen an uns vorbei, der Highway ist endlos, keine Stadt, keine Farm, die die Geradeausfahrt unterbricht. Das ist Australien für mich, ich bin angekommen.

So klein im Undara Volcanic National Park

Angekommen sind wir auch auf dem Outback Camp Ground. Mehrere Kängurus und ihre Kleinen springen inmitten des im Busch gelegenen Campingplatzes frei und heimelig herum. Wir beenden den gemütlichen Tag mit einer Sunset-Tour: In einem Bus geht es durch den Nationalpark und über orangefarbene Sandstraßen hinweg bis zu einer Fledermaushöhle. Ich genieße einfach, draußen zu sein, und freue mich auf die Nacht im Camper. Diese endet früh, es gibt ein Bush-Frühstück mit Toast, den man über dem Feuer grillt. Ei, Bacon und Würstchen werden auf einem heißen Stein zubereitet, der Kaffee über dem offenen Feuer gebrüht - die Atmosphäre ist entspannt, die Morgensonne weckt meine Lebensgeister.

Hellwach geht es daher zum Lava-Höhlensystem, dem absoluten Highlight im Undara Nationalpark. Und mehr Zeit wert als die, die ich habe. Aber auch die rund zweieinhalb Stunden, die uns Guide Ivor durch zwei der insgesamt 68 Lava Tubes führt (acht davon begehbar), überwältigen mich. Schon der Eingang, ein riesiger Torbogen aus erkaltetem Lavastrom gebietet Ehrfurcht - man ist so klein, wenn die Natur einem wieder einmal ihre Größe zeigt.

Die Aura der Lavahöhle atmen

Von dem sonnendurchflutenden Naturwunder aus tauchen wir in die größte der zugänglichen Lava Tubes ein - die Felsdecke hängt bis zu 12 Meter hoch über unseren Köpfen. Nur die Taschenlampen-Strahlen spenden Licht, und doch sieht man alles: Mit den Augen erahnt man die unterschiedlichsten Felsstrukturen und -farben, mit den Ohren hört man die leise tuschelnden Stimmen, die von den kalten Steinwänden widerhallen, und mit der Nase riecht man die jahrhundertalte Lava. Ja, man hat gar das Gefühl, die Aura der Höhle zu atmen. Das Gefühl bleibt erhalten, solange man im ersten, im zweiten Tunnel steht, und es klingt nach, selbst als man unwirklich wieder in der australischen Sonne steht. Lava-Touren gehen bis zu vier Stunden, ich träume jetzt noch davon, einmal eine Tagestour mit Kletter- und Kriechpassagen zu machen, durch schmale Felstunnel und an hohen Lavawänden hoch...

"Looks like Australia"

Doch wir müssen weiter, Australien ist groß, und unser Camperherz verlangt fast schon nach einer weiteren Fahrt im liebevoll "Brizzie" getauften Wohnmobil. Die nächste Strecke hält, was wir von ihr erwarten - der Highway gen Atherton Tablelands "looks like Australia": Hinter meiner Sonnenbrille blicke ich auf eine schnurgerade Straße, die sich bis in den Horizont hinein steil nach oben und wieder nach unten wellt, rechts und links ein paar Bäume, in der Ferne sind die Regenwälder zu erahnen, sonst nix. Der Wind greift die vereinzelt auftauchenden Camper an, wir steuern dagegen an, kein Problem. Dann, umso näher wir dem Ziel in den Tablelands kommen, verändert sich die weite offene Landschaft, die Palmen des dichten tropischen Regenwaldes kommen zurück, bis wir mittendrin sind. Eine kurvige Straße muss am Ende gemeistert werden. 80, zum Teil 100 km/h sind erlaubt, ich belasse es bei vorsichtigen 60 km/h. Trotz Nieselregen ein Heidenspaß, das Monstrum unter Kontrolle zu haben.

Luft holen in der Lumholtz Lodge

Schon stehen wir in der Lumholtz Lodge bei der 63-jährigen Margit - und ihren Baumkängurus und Wallabies, den kleineren Arten der hüpfenden Bewohner. Und wir haben Glück, ein Mordsglück: Geoffrey, das neun Jahre alte, behäbig aussehende Lumholtz-Baumkänguru, kommt nur ab und zu noch zu Besuch in die Pflegestation, in der es aufgewachsen ist. Verletzt, angeschlagen, alleine - Margit päppelt die in Bäumen kletternden und hüpfenden Kängurus liebevoll auf, bringt ihnen alle zum Überleben in der Natur wichtigen Fähigkeiten bei und entlässt sie wieder in ihren natürlichen Lebensraum.

In ihrem Haus zu wohnen, in der nur drei Zimmer großen Lodge, da fühlt man sich irgendwie erlesen - wie in einer anderen Welt, für die man die Erlaubnis ergattern konnte, um eine Weile einzutreten. Es ist, als würde das Haus durch Margits Persönlichkeit und den umwerfenden Charme des schwerfälligen Kletterers Geoffrey, durch die kleine, erst fünf Monate alte April (ein Rotfußfilander, das ständig zwischen den Füßen rumhüpft), durch das Regenwald-Possum Leroy im Außengehege und und und, eine eigene Aura tragen, die sich wabernd über die Gemüter legt wie ein rosa Wattebausch. Man möchte kaum weg aus dem Glücksbärchi-Wolkenschloss, sich weiter von der Gastgeberin indisch bekochen lassen und Geoffrey beim Spaghetti essen zugucken...

Lavahöhlen im Undara Nationalpark. (Quelle: trax.de/Hanna Engler)Kleiner Mensch, große Natur: Lavahöhlen in Undara. (Quelle: trax.de/Hanna Engler)

Outback-Feling pur "in the middle of nowhere"

Doch nach einer unvergesslichen Nacht fahren wir weiter zum Granite Gorge Nature Park. Outback-Feeling pur! Ein australischer Traum aus rotem Sand und Termitenhügeln begleitet uns die letzten Minuten von der Straße zum Campingplatz "in the middle of nowhere": Das passt wie das Känguru zu Down Under - der Sandweg ist mit leichten Wellen und Dips versehen, schneller als 25 km/h würde an Gewalt am Camper grenzen. Ich drehe die Musik voll auf und habe den Spaß meines Lebens. Angekommen - wie fast immer zwischen 17 und 18 Uhr, so dass man in den australischen Sonnenuntergang hineinfährt - hört das wahrgewordene Outback nicht auf: Der Campingplatz liegt an Clancys Lagoon, berühmt und geliebt wegen seiner Rock Wallabies, den kleinen, süßen Felskängurus.

Diese versüßen mir den nächsten Morgen, wohl so etwas, was man den perfekten Start in den Tag nennt: Früh geht es zur Erfrischung der im Bett liegengebliebenen Lebensgeister in die Naturbecken zwischen den Felsen hinter dem Campingplatz. Die Sonne glitzert auf dem eisigen Wasser, die "Rockaballies" springen durch die Felsen, lassen sich streicheln und füttern, sie sind an Menschen gewöhnt - was ihnen nichts an Charme nimmt, man ist stets kurz davor, eines einfach an sich zu drücken und zu fliehen. Das mache ich natürlich nicht, sondern gehe zu Kaffee und Frühstück zwischen unseren Campern. Ein Truthahn schaut vorbei und sagt Hallo...

Serpentinen, Rauch und Gänsehaut

...beziehungsweise Tschüss, denn weiter geht die wilde Fahrt zum Mossman Gorge Center – ein weiteres Gänsehaut-Erlebnis mit der australischen Natur und Kultur, die mit meiner Nummer-Eins-Strecke beginnt: Einem kurvigen Bergabweg, der mich an die Serpentinen in Skigebieten erinnert und bei dem sich Brizzi wie ein Rennwagen in jede Kurve legt. Am Rand verändert sich die Landschaft von Savanne zu Regenwald, immer wieder mal erhascht man einen weiten Blick bis hin zum Meer am Horizont.

Roy führt uns auf Trampelpfaden durch ein kleines Teilstück des Daintree-Regenwaldes, das mittlerweile wieder seinem Stamm, den Kuku Yalanji gehört. Er beeindruckt vom ersten Moment, in dem wir durch den Rauch tanzen, während er seine Begrüßungsformel in einer ganz eigenen Sprache spricht. Wir werden in seinem Land willkommen geheißen. Auf dem Walk erfahren wir viel über die Traditionen seines Stammes. Wie sie Fische fangen, welche Pflanzen hochgefährlich und welche heilend sind, wie man sich selbst Farben und Shampoo herstellt oder wie die Heiratsprinzipien der Aborigines gestaltet sind. Und das alles in der grün, grün, grünen Landschaft, die einem nie wieder aus dem Kopf geht.

Schnorcheln in Australiens Great Barrier Reef

Meine Camping-Reise durch Australiens Sunshine State neigt sich dem Ende zu, lange werde ich meinen Alkoven nicht mehr genießen können. Wir nähern uns dem Ausgangspunkt und fahren zurück Richtung Küste. Bevor die Tage vorbei sind, wartet aber noch das Highlight für alle Queensland-Urlauber auf uns: das Great Barrier Reef.

Unseren Snorkling-Trip starten wir von Port Douglas aus. Um halb neun entern wir die Silverstar. 80 Leute auf einer riesigen Yacht – klingt nicht nach einem einzigartigen Schnorchel-Erlebnis. Dachte ich jedenfalls, doch der Tag sollte mich eines Besseren belehren: Die Schiffsdimensionen ließen jegliches Gefühl von Überfüllung im Keim ersticken, die professionelle Crew verschaffte einem ein rundum sicheres Gefühl auf dem Boot und im Wasser. Wahrscheinlich nicht zu vergleichen mit einem kleinen Schnorchel-Trip mit 15 Leuten, doch für die Größe - Hut ab, ich fühle mich trotzdem wohl.

Dass das Great Barrier Reef wohl unbestritten an der Spitze der weltweiten Top-Tauchspots liegt, muss ich keinem erzählen. Wie ungewöhnlich und abwechslungsreich das Korallenriff ist, muss man aber selbst erlebt haben. Inmitten von Fischschwärmen zu schwimmen, immer wieder neue Arten, neue Korallen zu entdecken, die Ruhe des Meeres, die einen einhüllt. Ich treffe einen Riffhai und eine Schildkröte - es ist eines der größten Euphorie-Gefühle, die man beim Schnorcheln erleben kann.

Great Tropical Drive - mein persönliches "See you"

So vergehen die letzten Stunden, und werden nur noch gekrönt durch die letzte Fahrt mit dem Camper entlang des Great Tropical Drive von Port Douglas zurück nach Cairns: Etwa 30 Kilometer schönste Kurvenstraßen immer entlang der Küste, auf der Einiges los ist. Wer will, kann an Stränden Badestopps einlegen, wir halten an verschieden Aussichtspunkten, um den Meerblick zu genießen, Fotos zu machen, Abschied zu nehmen. Denn am Ende bleibt die Gewissheit, seinen lieb gewonnenen Camper wieder abgeben zu müssen - selbst diejenigen unter uns unterdrücken eine kleine Träne, die ohne jegliche Camping-Erfahrung in diesen Trip gegangen sind und so manche Campingplatz-Dusche gar nicht zum Lachen fanden. Der Blick geht wehmütig zurück, und auf der Wiese stehen hunderte von Kängurus und sagen uns Auf Wiedersehen...

Weitere Informationen zum Wohnmobil fahren in Queensland

Allgemeine Informationen: Tourism Queensland, c/o Global Spot, Oberbrunner Str. 4, 81475 München, Tel. 0 89 / 7 59 69 88 69, E-Mail: germany@queensland.com; www.Queensland-Australia.eu/de.

Anreise: Von den deutschen Großstädten aus gibt es täglich Flüge nach Queensland, zum Beispiel von Cathay Pacific, Quantas, Emirates, Singapore Airlines etc. Dabei ist Cathay Pacific die einzige Airline mit nur einem Stopp nach Cairns. Preisbeispiel: Cathay Pacific ab Frankfurt via Hongkong nach Cairns ab 1115 Euro (Economy Class) beziehungsweise 2215 Euro (Premium Economy Class) inkl. Steuern, Gebühren, Rail + Fly Zubringer und 30kg Freigepäck (www.cathaypacific.com).

Wohnmobil-Preise: Die Camper von Britz und Maui sind über alle Reiseveranstalter buchbar (zum Beispiel FTI und Dertour). Ein Maui "Platinum Beach" mit vier Betten kostet in der günstigen Reisezeit (1. Mai bis 30. Juni: die perfekte Reisezeit für Queensland) inklusive unbegrenzter Kilometer, Basisversicherung und kompletter Ausstattung sowie Campingausrüstung:

- ab 125 Euro (bei mindestens 21 Miettagen).

- ab 136 Euro (bei 5 bis 20 Miettagen).

Britz-Wohnmobile kosten in der Regel etwas weniger. Der Preis hängt aber erheblich von der Flex-Rate ab: Je früher man bucht, desto günstiger wird der Camper (empfohlene Flex-Buchung zwischen August und November).

Übernachten / Campingplätze: Campingplätze kosten mit Strom- und Wasseranschluss in etwa 20 bis 25 Euro pro Stellplatz. Die Ankunft sollte bis spätestens 18 Uhr erfolgen, danach schließen viele Campingplätze, außerdem wird es schnell dunkel. Die luxuriösesten unter den Camp Grounds in Australien sind die "Big 4"-Plätze, die sich überall im Land finden. Sie bieten neben den üblichen Facilities wie Duschen, Küche und Grillplätzen auch meistens einen Pool, freies WLan und einen Mini-Supermarkt sowie einen Spielplatz (www.qld.big4.com.au).

Self Drive-Tour / mit dem Wohnmobil durch Australien: In Australien herrscht Linksverkehr, die Straßen sind in gutem Zustand und die Beschilderung sehr gut. Auch gibt es entlang der australischen Ostküste und im tropischen Norden Queenslands eine gute Infrastruktur: zahlreiche Campingplätze, Tankstellen und Supermärkte machen das Camping-Leben einfach. Wer dagegen tief ins Outback reisen will, sollte sich vorab über die Entfernungen und Infrastruktur informieren. Die nächste Tankstelle befindet sich im Outback oft 300 Kilometer entfernt! Ein Liter Diesel kostet 1,57 AUD (1,10 Euro; Stand Oktober 2013). 

Reise-Tipps in Queensland

Skyrail Rainforest Cableway im Barron Gorge Nationalpark: Die Gondelfahrt ist nicht günstig, ein Erwachsener bezahlt 71 AUD (Einzelfahrt 49 AUD), reduzierte Kinder- und Familienpreise; im Preis sind die Führungen an der Mittelstation inbegriffen (www.skyrail.com.au).

River-Walks in Tully: Ingan Tours, 85 AUD für Erwachsene, reduzierte Kinder- und Familienpreise (www.ingan.com.au).

Lava-Touren im Undara Volcanic National Park: Die 60 AUD für die Sunset-Tour sind meines Erachtens überteuert, die 52 AUD für die Lava Tubes-Begehung dagegen perfekt angelegt. Eine Nacht im Outback Caravan Park and Camp Ground kostet rund 50 AUD - was für australische Verhältnisse und den exklusiven Standort absolut angemessen ist (www.undara.com.au).

Übernachtung in der Lumholtz Lodge (www.lumholtzlodge.com.au): Nicht verpassen! Eine Nacht im Zimmer nur 90 AUD (mit Frühstück; All-In 120 AUD). Eine ganz andere Erfahrung ist der Besuch beim nahe gelegenen Fledermaus-Krankenhaus - nach anfänglicher Voreingenommenheit reißen mich die urkomischen und ziemlich süßen Tierchen in den Bann (tolgabathospital.org).

Granite Gorge Nature Park Camping: Hier hätte ich länger mit meinem Wohnmobil stehen können, das Outback genießen, wandern, in den Felsen mit den Rockaballies rumklettern, im Naturbecken baden (www.granitegorge.com.au).

Mossman Gorge Center: Führungen 1,5- oder 2,5-Stunden (50 AUD / 70 AUD; reduzierte Kinder- und Familienpreise; Eco Shuttle-Bus inklusive; www.mossmangorge.com.au).

Port Douglas: Hier starten viele verschiedene kleine und große Boote zum Great Barrier Reef. Eine Eintages-Tour mit der Silverstar von Quicksilver kostet 140 AUD. Ein Probe-Tauchgang 45 AUD.

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