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Tasmanien: Reisetipps zum Wandern auf der australischen Insel

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Tasmanien: Leichte Wanderungen statt Wildnis-Tour

15.10.2013, 12:43 Uhr | Christian Röwekamp, dpa-tmn

Tasmanien: Reisetipps zum Wandern auf der australischen Insel. Wandern auf Maria Island in Tasmanien. (Quelle: dpa/The Maria Island Walk)

Maria Island, eine kleine Insel vor Tasmanien, hält leichte Wanderungen bereit, die zum und entlang des Wassers führen. (Quelle: The Maria Island Walk/dpa)

In Tasmanien stellt der Overland Track auf der größten Insel Australiens, die dem Bundesstaat ihren Namen gibt, eine der beliebtesten Entdeckungsreisen dar. Sechs Tage führt der Wanderweg abenteuerlustige Urlauber durch die Wildnis - mit Gepäck. Doch wandern in Tasmanien geht auch einfacher: Auf Maria Island führen leichte Wanderungen zu beeindruckenden Naturschätzen und in der abgeschiedenen Regenwaldregion Tarkine dient ein Camp als Basis für Tagestouren. Sehen Sie die außergewöhnliche Landschaft Tasmaniens in unserer Foto-Show.

Maria Island: Gipfel-Tour auf Tasmaniens kleiner Insel

Adam Kilvert hat starke Nerven, und er hat Mut. Der Manager aus Brisbane liegt bäuchlings auf der Spitze von Bishop and Clerk, einem Gipfel auf Maria Island, und er robbt immer weiter an die Abbruchkante heran. Dann schiebt er seinen Kopf über den Rand des Doleritgesteins - und blickt gut 600 Meter fast senkrecht in die Tiefe. "Sei vorsichtig", ruft seine Freundin Margie, während Adam die Arme ausstreckt und mit seiner Kamera einzufangen versucht, wie dort unten die Wellen des Südpazifiks gegen die Felsen klatschen.

Mehrtägige Wanderung im Nationalpark

Maria Island ist eine kleine Insel vor der Ostküste Tasmaniens, ein Außenposten Australiens und zugleich ein Nationalpark. Die Wandertour hinauf zu Bishop and Clerk gehört zu den beliebtesten Aktivitäten hier. Vier bis fünf Stunden hin und zurück sind es von Darlington aus, dem einzigen Ort auf Maria Island. Erst führt der Weg durch eine hügelige Graslandschaft und lichten Eukalyptuswald, später in Serpentinen rund 150 Höhenmeter über ein breites Geröllfeld. Am Ende sind einige größere Brocken zu erklimmen, dann reicht der Blick weit: über den Ozean und zur tasmanischen Hauptinsel, nur 30 Fährminuten entfernt.

Adam Kilvert und Margie Hayler sind hier oben fast am Ende ihres Wanderurlaubs angekommen. Nach dem Abstieg folgt noch eine Nacht in Darlington, dann heißt es Abschied nehmen. Das Paar hätte sich den Nationalpark leicht durch eine mehrtägige Wanderung auf eigene Faust erschließen können, doch lieber hat es sich in die Obhut von The Maria Island Walk begeben. 2250 australische Dollar (rund 1560 Euro) haben Adam und Margie pro Person bezahlt, um in einer kleinen Gruppe und mit zwei Führern die Insel zu erkunden. Die Transfers von und nach Hobart, zwei Nächte in einem Camp, eine in einem historischen Gebäude, die Mahlzeiten und australischen Weine: alles inklusive.

Great Walks of Tasmania: Leichte Wanderungen am Ozean

Wandern war schon immer ein großes Thema für Tasmanien-Reisende, doch seit einigen Jahren ist es zunehmend auch ein durch und durch organisiertes Geschäft geworden. Sechs Tourenanbieter haben sich zum Verbund Great Walks of Tasmania zusammengetan, zur Auswahl stellen sie sieben Routen in verschiedenen Inselregionen. Die Bandbreite reicht von viertägigen, eher leichten Wanderungen am Ozean entlang wie auf Maria Island oder weiter nördlich im Freycinet Nationalpark bis hin zum neuntägigen, ziemlich herausfordernden South Coast Track.

Wanderer, die ohne Unterstützung eines Touranbieters ihre Stiefel schnüren, sind aber weiterhin in der Mehrheit. Wer keine Ausrüstung mitbringt, kann sich Zelte, Schlafsäcke und Kochgeschirr auch in Tasmanien leihen und losmarschieren, zum Beispiel in Freycinet. Dort ist Coles Bay als Ausgangspunkt vieler Routen verhältnismäßig leicht erreichbar, was nicht für alle Wandertouren gilt. Ohne gute Planung stoßen die Individualwanderer manchmal rasch an ihre Grenzen.

Auf dem Overland Track wandern: Voranmeldung notwendig!

In Freycinet zum Beispiel werden für beliebte Campsites die Übernachtungsplätze in der Hochsaison lange im Voraus verlost. Und auf den Overland Track, der im Zentrum Tasmaniens über 65 Kilometer von Cradle Mountain zum Lake St. Clair führt, dürfen täglich nur maximal 34 Wanderer starten. Auch sie müssen sich lange vorab anmelden und in den Monaten November bis April eine Gebühr zahlen.

"2012 ist diese Gebühr auf 200 Dollar pro Person angehoben worden, um den großen Andrang auf den Overland Track stärker zu regulieren", erklärt Annabelle Sweetman, Wander-Expertin bei Tourism Tasmania. Wer beim Anbieter Cradle Mountain Huts gebucht hat, muss sich dagegen um die Anmeldung keine Sorgen machen - und übernachtet nicht im Zelt, sondern komfortabler in Hütten, die das Unternehmen am Overland Track gebaut hat. Dafür zahlt der Gast dann allerdings den deutlich höheren Preis.

Painted Cliffs: Höhepunkt für Wanderer

Auf dem Gipfel von Bishop and Clerk hat Adam Kilvert inzwischen die Kamera wieder eingesteckt. Vor dem Abstieg schweift sein Blick noch einmal über Maria Island. Nicht zu sehen sind von hier die Painted Cliffs, eine in vielen Braun-, Ocker- und Gelbtönen schimmernde Sandsteinklippe, die bei Ebbe gut zugänglich ist und von fast allen Wanderern auf Maria Island besucht wird. Auch Darlington versteckt sich größtenteils hinter hohen Bäumen. Im 19. Jahrhundert war der Ort insgesamt 15 Jahre lang ein Gefängnis für Sträflinge, die die Briten nach Australien gebracht hatten. Einige Gebäude aus jener Zeit stehen noch, darunter der gut erhaltene Commissariat Store von 1825.

Maria Island: Schutzgebiet für Tasmanische Teufel

Später bemühte sich der Italiener Diego Bernacchi, aus Maria Island einen reichen Wirtschaftsstandort zu machen: Er ließ Seide produzieren und Wein anbauen, gleich zweimal stieg er hier ins Zementgeschäft ein. Doch von seinen Ambitionen blieben nur Ruinen. Die vier hohen, 1922 gebauten Zementsilos am Hafen fallen bei der Ankunft sofort ins Auge. Von den Häusern der Weinbergarbeiter stehen dagegen nur noch wenige Reste der Ziegelsteinmauern. Mittendrin grasen in der Dämmerung die hier einheimischen Forester-Kängurus. Das Wortspiel mit den "Kängu-Ruinen" findet Adam Kilvert auf dem Weg nach Darlington so lustig, dass er noch lange darüber lacht.

Maria Island ist heute auch ein Schutzgebiet für den Tasmanischen Teufel. Dieses kleine, aggressive Beuteltier ist auf der Hauptinsel durch eine Infektionskrankheit bedroht, die Gesichtstumore auslöst. Im November 2012 wurden die ersten 15 Tasmanian Devils ausgewildert. Das Programm soll dazu beitragen, dass die Art nicht ausstirbt. Dazu werden die gesunden Tiere auf Maria Island von den kranken Artgenossen isoliert. Wanderer bekommen die Teufelchen in der Regel nicht zu sehen.

Versteckte Wanderwege in der Regenwaldregion Tarkine

Ein Teil Tasmaniens, der von der todbringenden Tumorkrankheit bisher verschont blieb, ist die Regenwaldregion Tarkine im Nordwesten. Auch sie ist ein exzellentes Wandergebiet, im Vergleich zu Maria Island oder zum Freycinet Nationalpark weist sie aber einen großen Unterschied auf: Die markierten Pfade sind im Grunde nur für Eingeweihte zu finden, weil die Ausgangspunkte versteckt in einem einsamen Waldgebiet liegen, das fast so groß ist wie das Saarland.

Irgendwo westlich von Waratah biegt Rob Fairlie vom Highway ab. Über holprige Schotterpisten lenkt der 43-Jährige sein Allradfahrzeug fast eine Stunde lang bergauf, bis er den Wagen am Wegesrand parkt. Nun geht es zu Fuß weiter, immer tiefer hinein in eine Landschaft, die ebenso ursprünglich und menschenleer wie rohstoffreich und bedroht ist. Robs Ziel ist ein Camp, das sein Unternehmen Tarkine Trails im Regenwald gebaut hat, mit einem Langhaus und einigen Zelten. In denen warten schmale Pritschen auf Gäste, die abseits aller Handy-Netze ein paar Tage von allem weit entfernt sein wollen.

Camp als Basis für Tageswanderungen

Links und rechts des Pfades bilden Lorbeerbäume, Myrtengewächse und Eukalyptusbäume die Kulisse. Im gemäßigten Regenwald ergänzen sich diese Bäume sehr gut. Manche Eukalypten werden bis zu 70 Meter hoch und ragen aus dem Blätterdach heraus. "Wenn die mal umfallen, dann wollen die brennen, das gehört zu ihrem Lebenszyklus", erklärt Rob. "Ganz anders die Myrtengewächse: Wenn die umkippen, saugen sie sich voll mit Wasser und bleiben bestehen, wenn ein Feuer kommt. So ist das hier ein ständiger Kampf um das Werden und das Vergehen."

Das Camp auf der Tiger Ridge dient als Basis für Tageswanderungen. Eine führt zum Huskisson River, der träge über zahllose, glatt geschliffene Steine hinweg plätschert. "50 Kilometer sind es von hier nach Westen bis zum Meer. Die nächsten Straßen liegen 40 Kilometer im Norden und jeweils 20 Kilometer im Süden und Osten", sagt Rob. Obwohl er das Camp nur für wenige Stunden verlassen hat, trägt er im Rucksack einen Schlafsack für den Notfall bei sich: "Falls sich hier einer das Bein bricht, dann muss er sich warmhalten, im Zweifel auch über Nacht. Denn wenn jemand von hier aufbricht um Hilfe zu holen, kann es bis zu 24 Stunden dauern, bis der Verletzte geborgen wird."

Tasmanien streitet um zwei außergewöhnliche Naturschätze

Zum Glück geht es ohne gebrochene Gliedmaßen zurück ins Camp, wo Rob Fairlie Lachs mit Nudeln, Tomaten und Zwiebeln in einer Sahnesoße zubereitet, alles in der Kühlbox mitgebracht. Der Wald sorgt derweil für eine besondere Geräuschkulisse. Die Eukalypten rauschen wie ein Wasserfall, der künstlich reguliert wird: Erst ist es nur ein leises Geraschel, das lauter wird, wieder nachlässt und nochmals anschwillt. Dann geht das Rauschen erneut zurück und wird für einen Moment zur perfekten Stille, bis ein paar Fliegen diese surrend durchbrechen.

Um die Tarkine-Region wird in Tasmanien heftig gestritten, denn sie ist reich an Bodenschätzen. Die Mine Mount Bischoff bei Waratah galt einst als größtes Zinnvorkommen der Südhalbkugel, auch Eisenerz und Silber könnten hier gefördert werden. Naturschützer dagegen träumen von einem Tarkine Nationalpark, der übergeht in den Cradle Mountain Lake St. Clair Nationalpark, durch den der Overland Track verläuft. Zwei außergewöhnliche Naturschätze wären dann verbunden.

Weitere Informationen: Wandern in Tasmanien

Anreise und Formalitäten: Flugreisen von Europa nach Tasmanien dauern mehr als 24 Stunden und haben mindestens zwei Stopps: einen am Persischen Golf oder in Asien, den zweiten auf dem australischen Festland. Mehrere Airlines verbinden Melbourne und Sydney mit Hobart und Launceston, Langstreckenpassagiere der Qantas können außerdem von Melbourne aus nach Devonport an Tasmaniens Nordküste weiterfliegen. Touristen aus der EU müssen sich bei Australiens Behörden online anmelden unter www.immi.gov.au/visitors/tourist/evisitor/. Die Mail mit der Einreiseerlaubnis erhalten sie meist binnen weniger Minuten.

Klima und Reisezeit: Tasmaniens Sommer (Mitte November bis Anfang März) ist mit Tageshöchstwerten meist um 25 Grad eher mild. Im Winter (Ende Mai bis August) liegen die Tiefstwerte wenig unter Null. Die Ostküste bekommt mehr Sonnenstunden als der regenreiche Westen, immer und überall muss aber mit Wetterwechseln gerechnet werden. Die beste Reisezeit ist von Oktober bis kurz vor Weihnachten. Danach folgt bis Ende Januar die Hochsaison mit höheren Preisen und größerem Andrang.

Geld: Ein Euro entspricht etwa 1,44 australischen Dollar (Stand: September 2013). Das Bezahlen mit Kreditkarten ist weit verbreitet.

Zeitverschiebung: Wegen der unterschiedlichen Termine für den Wechsel von Sommer- und Winterzeit ist Tasmanien je nach Jahreszeit den Ländern in Mitteleuropa um acht, neun oder zehn Stunden voraus.

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