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Trekking in Peru: die weißen Gipfel der Cordillera Blanca

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Trekking in Peru: die weißen Gipfel der Cordillera Blanca  

Trekking auf das weiße Dach Perus

12.11.2013, 13:53 Uhr | Philipp Laage, dpa-tmn

Trekking in Peru: die weißen Gipfel der Cordillera Blanca. Alpamayo: Cordillera Blanca, Peru. (Quelle: blickwinkel)

Auch der markanten Felspyramide des Alpamayo begegnen wir auf unserer Trekking-Tour in der peruanischen Cordillera Blanca. (Quelle: blickwinkel)

Wer an Trekking in Peru denkt, hat wohl als erstes die Ruinenstadt Machu Picchu und den gleichnamigen Berg als Ziel im Kopf. Doch in der Gebirgskette Cordillera Blanca im Nationalpark Huascarán warten viele andere erhabene Gipfel mit weißer Schönheit auf: Die vergletscherten Riesen bilden das "weiße Dach Perus". Eine Trekking- Tour führt uns auf den Nevado Pisco. Der beschwerliche Aufstieg entlohnt mit Blicken auf atemraubende Gipfel, unter anderem auf den Alpamayo, oft als "schönster Berg der Welt" bezeichnet. Spüren Sie die Faszination der Nevado-Pisco-Besteigung in Peru in unserer Foto-Show.

Peru: von Huaraz aus zum Bergsteigen in die Anden

Den weißen Bergen Perus nahezukommen, ist nicht schwierig. Aber es ist ein mühsamer Weg bis zu einem Ort, an dem sich ihre Erhabenheit wirklich erschließt. Die Menschen in Huaraz können ohne Hast und Mühe in einem Straßenrestaurant sitzen und Ceviche essen, in Limettensaft marinierten Fisch, und ihr Blick wandert über mit Nadelhölzern bewaldete Hänge zu den vergletscherten Gipfeln der Cordillera Blanca im Nationalpark Huascarán. Die Berge liegen gleich neben der Stadt und wirken doch seltsam entrückt.

Huaraz ist die Stadt der Trekkingtouristen. Sie liegt auf etwa 3100 Metern in den Anden. Ein Erdbeben zerstörte 1970 fast alle Häuser, Tausende Menschen starben, heute ist alles wieder aufgebaut. In Huaraz beginnt eine Reise, die in das Innere des Gebirges führt, durch seine Falten und Verwerfungen bis hoch auf das ewig weiße Dach.

Nevado Pisco: Besteigung in drei Tagen

"Gutes Wetter für den Pisco", sagt Carlos Challupe Carrera. Der 34-Jährige steigt in den Geländewagen vor der kleinen Outdoor-Agentur nahe des Plaza del Armas. Carlos ist staatlich geprüfter Bergführer: schnittiges, jugendliches Gesicht, ruhiges Lächeln, das Shirt aus Funktionsfasern spannt über dem Oberkörper. Der Nevado Pisco ist der Berg, auf den er seinen Kunden in den kommenden drei Tagen führen wird: ein 5752 Meter hoher Firndom mitten in der Cordillera Blanca.

Der Wagen fährt das Callejón de Huaylas entlang und dann auf Schotterwegen hinauf zum Eingang des Nationalparks. Rechts der Straße ragt jetzt der Huascaran in die Höhe, kaum niedriger als der Aconcagua auf der Grenze zwischen Argentinien und Chile, der höchste Berg der Welt außerhalb Asiens. Gegen Mittag erreicht das Allradfahrzeug das Lager Cebollapampa auf 3900 Metern. Ein Fluss schlängelt sich durch das Tal, wilde Quenoal-Bäume säumen die Hänge. Es sieht ein bisschen aus wie in einem Winnetou-Film. Carlos baut sein Zelt auf, Marcus - auf dieser Tour angeheuert als Koch und Organisator - das achteckige Gemeinschaftszelt.

Akklimatisierung ist extrem wichtig beim Trekking in Peru

Das Tal ist beliebt bei Trekkingtouristen, die für einen Tag hinauf zur Laguna 69 steigen, einem kleinen Gebirgssee auf 4600 Metern Höhe. Für den ersten Tag der Pisco-Besteigung ist die Lagune ein gutes Ziel, um sich zu akklimatisieren. Carlos verrät auf dem Weg hinauf ein paar Tipps, um mit der Höhe besser klarzukommen: "Trinken, bevor du durstig bist." Oder: "Viele kleine Portionen essen, weil der Körper beim Verdauen sonst zu viel Blut in den Magen schießt, das den Muskeln fehlt." Eine junge deutsche Tagestouristin keucht am Wegrand. "Das ist das Härteste, was ich je gemacht habe", sagt sie.

Wer ohne ein paar Nächte in Huaraz gleich zur Lagune aufbricht, merkt die mangelnde Höhenanpassung: Schwindel, Kopfschmerzen, Erschöpfung. Bis etwa 5500 Meter kann sich der Körper dauerhaft an die Höhe gewöhnen. Noch weiter oben ist das nicht mehr möglich: "Der Mensch kann ein paar Tage dort bleiben, aber nicht Wochen", sagt Carlos. Ab etwa 7500 Metern beginnt die Todeszone, in der sich Bergsteiger nur ein paar Stunden aufhalten können. Der Luftdruck ist dort so gering, dass die Lunge nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen kann. Der Mensch baut auch in vollkommener Ruhe kontinuierlich ab.

Bergsteigen in den wilden Zeiten

Die Wanderer an der Laguna 69 atmen erst mal tief durch. Der See strahlt so blau wie die Blüten der Vergissmeinnicht, dahinter fällt die fast senkrechte, vereiste Südwand des Chacraraju in zerfurchten Hängegletschern zu dem kleinen Gewässer hin ab. Das Eis scheint hier zu Fuß nur zehn Minuten entfernt zu sein. Die Luft ist kalt und klar. Die Lagune ist ein Ort, von dem man am Tag kaum den Blick abwenden kann, an dem man aber nicht ungeschützt auf die Dunkelheit warten möchte - deshalb Abstieg zurück ins Lager unten im Tal.

Abends in Cebollapampa: Maultiere grasen am Fluss, Marcus hat Wasser geholt und kocht auf einem Gasherd Lomos al Tado: Rindfleisch mit Kartoffeln, Zwiebeln, Sojasoße und Reis - eine peruanische Spezialität. Carlos erzählt von der wilden Zeit damals in der Bergführerschule, von den ersten Expeditionen, von Kundinnen, die mehr in ihm sahen als einen kundigen Teamleiter. Heute ist Carlos verheiratet, er hat eine Tochter, die gerade eingeschult wurde. In den Bergen verbringt er immer noch fast die Hälfte des Jahres.

Aufstieg zum Basislager: nur qualifizierte Bergschulen garantieren Erfolg

Später im Zelt versucht der Tourist, es sich halbwegs komfortabel einzurichten. Erst die Isomatte ausrollen, dann die Luftmatratze, zum Schluss in den Schlafsack kriechen. Rechts liegt der Rucksack, links die Stirnlampe, am Fußende stehen die Schuhe. Die erste Nacht im Zelt ist mild, der Puls beruhigt sich, tiefer Schlaf.

Der nächste Tag ist sonnig: Aufstieg zum Basislager auf 4600 Metern. Vier Amerikaner steigen auf dem gleichen Weg ab. Hängende Mundwinkel, resignierte Gesichter. Noch vor dem Gletscher ist die Gruppe umgekehrt. Schon in der Nacht vor dem Aufstieg hatten sie alle marternde Kopfschmerzen. "Richtig schlimm", sagt Beth. Den Bergführer kümmerte das wenig. "Der hat auch kaum mit uns gesprochen." Die vier waren erst knapp eine Woche in Peru, als sie die Tour in Huaraz buchten. Der Bergführer hätte wissen müssen, dass ein Aufstieg auf über 5500 Meter damit kaum zu schaffen war.

Es ist nicht ganz leicht, eine gute Agentur in Huaraz zu finden. Manche haben schlechte Ausrüstung und wenig qualifizierte Führer. "Er hat mich gefragt, ob er meinen Schlafsack kaufen kann", erzählt Beth. Wer auf einen Fünftausender steigen will, sollte sich einen staatlichen geprüften Guide suchen. Die besseren Agenturen stellen meist auch das gesamte Bergsteiger-Equipment: Steigeisen, Eispickel, Seil, Karabiner und Helm, aber auch dicke Handschuhe, Gamaschen und sogar Hartschalen-Expeditionsschuhe, die besser gegen die Kälte isolieren als gewöhnliche Wanderschuhe und -stiefel.

Macht das Wetter Perus einen Strich durch die Rechnung?

Im Basislager des Pisco kontrolliert Carlos am Nachmittag noch einmal die Ausrüstung, die von den Maultieren hinaufgetragen wurde. Marcus winkt ins Gemeinschaftszelt. Auf dem kleinen Campingtisch stehen Kakao-, Kaffee- und Milchpulver, Teebeutel und eine Dose Zucker. Draußen zieht sich der Himmel zu, es fängt zu hageln an. Der Blick wandert nach draußen, die Stirn legt sich in Falten. Eiskörner sammeln sich auf der Wiese, dichte Wolken ziehen von den Gletschern hinab. Was, wenn es morgen schneit und stürmt? Der Gipfel scheint hier schon ganz nahe, aber bei schlechter Sicht und Schneetreiben ist eine Besteigung zu gefährlich.

Als sich um 1.00 Uhr in der Nacht der Reißverschluss des Zelts öffnet, zerstreuen sich alle Sorgen. Sterne leuchten am Himmel, und die vereisten Wände der umliegenden Sechstausender strahlen im Licht des Vollmonds vor dem nachtschwarzen Himmel so deutlich und scharf gestochen, dass jede Bruchlinie im Eis sichtbar ist. Es ist fast hell genug, um ohne Stirnlampe aufzubrechen.

Vom Gletscher zum Gipfel: die Erschöpfung kommt immer häufiger

Nach etwa zwei Stunden Aufstieg ist der Gletscher erreicht. Erst die Steigeisen und Gamaschen anlegen, dann anseilen. Die Finger werden durch die Kälte taub. Carlos rät: "Hände und Füße hin- und herschwingen, um die Blutzirkulation anzuregen." Er manövriert seinen Kunden jetzt durch die zerklüftete nächtliche Eislandschaft, die von bis zu 60 Meter tiefen Spalten durchzogen ist: schwarze Abgründe im weißen Schnee. Der Weg steigt zuerst auf zu einer Scharte im Kamm, um sich dem Gipfel des Pisco dann über den Gratrücken zu nähern. Die Route des geringsten Widerstands.

Kurz vor Morgengrauen scheint der Gipfel nur noch einen Steinwurf entfernt, aber das täuscht. Die Erschöpfung kommt immer häufiger, nach zehn Schritten, nach fünf, aber das ist normal. "Wenn es einem Kunden wirklich schlecht geht, dann sehe ich das", sagt Carlos. Dann lässt er ihm erst selbst die Wahl abzusteigen. "Aber wenn er keine Entscheidung findet, mache ich das." Bisher sei das nie ein Problem gewesen.

Aussicht bis zum "schönsten Berg der Erde"

Die Bergflanke des 6395 hohen Huandoy leuchtet orange in der Morgensonne. Im Norden haftet noch der Mond am Dunkelblau des Himmels, während sich ein rosa Streifen über die weißen Berge legt. Weiter östlich verpassen die ersten Lichtstrahlen den schneebedeckten Eisriesen einen blassen Anstrich in Apricot. Da ragt der Artesonraju in den Himmel, Vorbild für das Logo der US-Produktionsfirma Paramount Pictures, und der Alpamayo, der wegen seiner trapezförmigen Gipfelpyramide oft der "schönste Berg der Erde" genannt wird.

Der Gipfel des Pisco gibt den Blick frei über die aufgezogenen Wolken, die aussehen wie ein Meer aus Watte und nur von den Gipfeln der Cordillera Blanca durchstochen sind. Es sieht so aus, als schaue man aus der Kabine eines Flugzeug, aber der Wind und die Sonne, das glitzernde Eis unter den Füßen und der Dampf der Atemluft sind Beweis dafür, dass es an diesem Ort keine Grenze gibt zwischen dem Menschen und der einsamen Natur, in der er sich befindet.

Weitere Informationen: Trekking in Peru - Nationalpark Huascarán

Anreise: Mehrere Airlines fliegen Lima mit einem Zwischenstopp an. Von dort dauert es rund acht Stunden per Reisebus nach Huaraz. Der Park ist in zwei Stunden mit einem Geländewagen zu erreichen.

Unterkunft: In Huaraz gibt es Hotels und Hostels unterschiedlicher Preisklassen. Im Nationalpark wird in Zelten geschlafen.

Voraussetzungen: Für eine Gipfeltour braucht man Hochtouren-Erfahrung in den Alpen, Kondition und ausreichende Akklimatisierung (etwa in Cusco oder am Titicacasee in der Altiplano-Hochebene).

Geld: 1 Euro entsprechen etwa 3,75 Nuevos Soles (Stand: November 2013).

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