Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Aktivurlaub >

Milford Track in Neuseeland: Wandern seit 125 Jahren

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Milford Track: Die Steigerung von Grün

04.03.2014, 17:45 Uhr | Hanna Engler, trax.de

Milford Track in Neuseeland: Wandern seit 125 Jahren. Milford Track, Neuseeland. (Quelle: trax.de/Hanna Engler)

Der schönste Wanderweg der Welt? Wir haben den Milford Track unter die Schuhsohlen genommen. (Quelle: Hanna Engler/trax.de)

Ich finde, es sollte neue, größere Wörter für die Farbe Grün geben. Wie soll ich sonst die Welt um den Milford Track herum auch nur annähernd realitätsgetreu beschreiben? Ich bin zum Wandern im Nationalpark Fiordland, ganz im Süden der Südinsel Neuseelands. Hier führt durch den Milford Sound eine Route, die oft als "schönster Wanderweg der Welt" gepriesen wird. Davon will ich mich selbst überzeugen. Ich finde die perfekte Fusion aus urwüchsigem, üppig-grünem Wald, Bergen und Wasser. Doch - ist der Milford Track der schönste Wanderweg der Welt? Sehen Sie selbst nach in der Foto-Show.

Neuseelands Herr-der-Ringe-Landschaft

Nach Neuseeland kommt man nicht eben einfach so. Nein, auf dem langen Weg dorthin hat man Zeit, Flughäfen und Städte dieser Welt kennenzulernen. Zum Beispiel Los Angeles, das beim nächtlichen Landeanflug aussieht wie ein überdimensional großer Weihnachtsbaum; Auckland, das wie eine Spielzeugeisenbahn erscheint; oder Queenstown, das an nichts erinnert, was ich kenne - mitten in den gezuckerten Bergen liegt der Flughafen, spektakulär allein der Anflug.

Zudem hat man in den rund 30 Stunden Zeit nachzudenken: Wird Neuseeland wirklich so aussehen wie das Herr-der-Ringe-Land? Queenstown von oben stimmt mich optimistisch, die Straße nach Te Anau lässt Zweifel verblassen. Die Traumküstenstraße durch den Fjordland-Nationalpark führt in etwa zwei Stunden L-förmig um die Berge herum, immer entlang des gleichnamigen Sees.

Milford Track: 125 Jahre "schönster Wanderweg der Welt"

Ich komme in das jüngste Land unserer Erde, um einen der neun Great Walks of New Zealand zu laufen. Nicht irgendeinen, sondern den, der als einfachster unter ihnen gilt. Und dazu als "finest walk in the world", also der "schönste Wanderweg der Welt" gehandelt wird, seit es so von der Dichterin Blanche Baughan festgehalten wurde. Im letzten Jahr ist er 125 Jahre alt geworden, der Milford Track. Eine lange Zeit für eine so junge Geschichte. 1888 wurde Quintin MacKinnon dazu beauftragt, eine Route durch das Fjordland zu finden, die es mehr Touristen ermöglichen sollte, zum Milford Sound zu gelangen - in der Meeresenge befand sich damals der größte den Europäern bekannte Wasserfall.

Auch heute noch ist der 53,5 Kilometer lange Weg nur von einer Seite aus begehbar: In der Hauptsaison sorgt das für mehr Ruhe auf dem Milford Track, einem der populärsten Wanderwege Neuseelands. In vier Etappen geht es durch den Nationalpark. Es gibt Freedom- beziehungsweise DOC-Huts (betreut vom DOC = Department of Conservation) für selbstständige Wanderer mit kompletter Ausrüstung und die Guided Huts für Teilnehmer der geführten Touren, die ohne Schlafsack und Verpflegung wandern. Die Hütten stehen in einigen Kilometern Entfernung voneinander, sodass sich Etappen-Anfang und -Ende für unabhängige und geführte Wanderer leicht verschieben: Man begegnet sich, läuft sich aber nicht auf die Füße.

Erster Tag: eine "Etappe" fast ohne Wandern

Nach stundenlangem Sitzen in Flugzeugen, Booten und vierädrigen Transportmitteln aller Art will ich endlich meine Wanderschuhe schnüren und losgehen! Doch mein Enthusiasmus wird schnell gebremst. Zunächst werden wir von unserem Reiseveranstalter mit dem Bus zur Fähre kutschiert. In etwa einer Stunde bringt sie uns über den Lake Te Anau zum Startpunkt des Milford Tracks. Ich kann mich kaum sattsehen an der Bergkulisse, die sich an den nahen Ufern um mich herum ausbreitet. Nach dem Anlegen folgt ein zwanzigminütiger Spaziergang - die erste "Etappe" ist geschafft.

Das Glade House ist die erste Hütte für die Guided Walks, daran führt kein Weg vorbei - außer der Nature Walk, den unser Head Guide Shaun am Nachmittag mit uns in die Umgebung unternimmt. Wenigstens noch eineinhalb Stunden Bewegung, lehrreich und am Ende mit toller Aussicht: Durch den Wald gelangen wir auf eine Anhöhe, von der aus ein Fluss in die Ebene hinunterfließt. Ich blicke auf das Glade House, den Clinton River und all die fast senkrecht abfallenden Berge um mich herum. Lange denke ich darüber nach, ob es etwas Schöneres gibt als die Kombination aus Bergen und Wasser. Mir fällt nichts ein.

Zurück in der Hütte - mit sauberen Toiletten in gemischten Badezimmern und Stromversorgung eher Hotel als Wanderhütte - haben die fünf Guides schon Tische für uns 38 Wanderer geschmückt wie in einem Sterne-Restaurant: Die Sonne scheint durch das geräumige Ess-/Wohnzimmer, eine Glasfront eröffnet den Blick nach draußen. Wir bekommen ein von Köchen zubereitetes Drei-Gänge-Menü serviert. Das ist Wandern auf höchstem Niveau.

Zweite Etappe: Wir folgen dem Fluss durch die Berge

Jetzt aber: Endlich erweisen sich Wanderschuhe, Funktionsbekleidung und Trekking-Rucksack als sinnvoll - auf 16 Kilometern führt uns die erste richtige Etappe vom Glade House zur Pompolona Lodge. Ich bin gespannt, ob der "finest walk in the world" wirklich so "fine" ist.

Die ersten Kilometer sind gemütlich und führen immer auf der linken Uferseite entlang des Clinton Rivers - vom Weg abzukommen ist damit ziemlich unwahrscheinlich. Zu Beginn legen wir einen kurzen Toilettenstopp an der Freedom Hut der Independent Walker ein. Der Unterschied zu unserer Luxus-Hütte ist augenscheinlich. Für alle, die ab jetzt der Drang plagt, finden sich entlang des gesamten Wanderwegs in wenigen Kilometern Abstand einfache Klohäuschen. Wir folgen dem steinig-sandigen Pfad nach oben, mit fast durchgehend leichter Steigung führt er wellenförmig hinauf.

Auf einer Lichtung halte ich inne: Um mich herum sind schroffe Berge, im saftig-grünen Tal wandern wir durch sie hindurch. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich wirklich in Neuseeland stehe. Auf dem letzten Viertel komme ich dann gar nicht mehr aus dem Staunen heraus: Der schmale Pfad schlängelt sich ein Stück oberhalb des kristallklaren, türkisfarbenen Flusses entlang, die Sonne bricht durch urwüchsige Bäume und Büsche, die vor Moos nur so triefen. Ich kann einfach nicht aufhören zu fotografieren. So eine irre Landschaft habe ich noch nie gesehen.

Nach etwa fünf Stunden haben wir das Schlafquartier erreicht, ein "easy starting day", der abends in gemütlicher Plauderrunde mit einem Maori-Nachfahren endet. Die Einblicke in die Kultur der Ureinwohner werden mich auf dem Wanderweg begleiten: all die Geschichten über die Götter, die jeder Landschaft einen speziellen Namen gaben. So wie der Hauptgott Tuterakiwhanoa, der den Mackinnon-Pass erschuf (auf Maori: omanui, was soviel bedeutet wie "der Pass, den man möglichst schnell durchqueren sollte ohne zurückzuschauen"), indem er das Bergland mit einer Axt entzwei schlug, sodass Vogel, Tier und Mensch sich an dessen Schönheit erfreuen könnten.

Dritte Etappe: im Zickzack zum Höhepunkt

Für den Milford Track gibt es ebenfalls einen Maori-Namen: Te Ara Ki Piopiotahi - the path to milford. Auf der dritten Etappe erwartet uns hier der Höhepunkt in zweierlei Hinsicht. Erstens der ganz reale, der Mackinnon-Pass auf 1154 Meter Höhe. Höher hinaus kommt man auf dem gesamten Wanderweg nicht. Zweitens ist der Zickzack-Weg hinauf auch der wandertechnische Höhepunkt: Fordernder ist sonst kein Abschnitt auf dem Milford Track, und genau deshalb ist das Ankommen am Mackinnon Memorial auf dem Gipfel das absolute Highlight.

Doch zwischen uns und dem Höhepunkt warten insgesamt sechs langgestreckte Zickzacks (und zusätzliche kleine Kehren), die mit leichter, später steiler werdender Steigung nach oben führen. 700 Höhenmeter auf knapp neun Kilometern nach oben und 900 Höhenmeter auf rund sechs Kilometern hinab sind zu bewältigen. Eigentlich. Wir sind die erste Gruppe der Saison, der Winter hat sich gerade erst ins Bett gelegt, der Frühling ist erwacht: Intensiver Sonne und Regen lösen starken Schneefall ab, das erhöht die Lawinengefahr am Pass. Doch statt dass der Weg gesperrt wird und man irgendwie drum herum laufen muss (so wäre es wohl in den Alpen der Fall gewesen), bekommt man auf dem Milford Track einen Helikopter-Transport - im Preis für die geführte Wanderung beziehungsweise den Independent Walk inbegriffen...

Der kleine Heli bringt uns zu einer Stelle kurz unterhalb der Zickzacks. Auch wenn der Flug aufregend ist, so finde ich es doch schade, nicht den ganzen Wanderweg laufen zu können. Nicht verzagen, denke ich, und nehme die erste Kehre in Angriff. Bald schon laufe ich für mich allein und trotz Nieselregen im T-Shirt. Ich komme ganz schön ins Schwitzen, schaffe dafür aber die erste Hälfte der Zickzacks in gut 40 Minuten. Erhitzt und vom Adrenalin gepusht, reiße ich die zweite Hälfte genau so schnell runter, ignoriere den Schnee, der irgendwann in die Wanderschuhe dringt, und komme glücklich oben an. Sofort ziehe ich meine zwei Jacken, Weste, Handschuhe und Mütze an - ein starker Wind pustet jede Hitze aus dem Körper.

Zum höchsten Wasserfall Neuseelands - ohne Helikopter

Bei Keksen und warmem Tee, den die Guides bereithalten, beruhigt sich mein Puls. Ich genieße zusammen mit den anderen die mystische Landschaft: Nebel hüllt den Mackinnon-Pass ein und lässt den starken Kontrast zwischen dem in der Mitte ruhenden See, den dunklen Bergen und dem weißen Schnee verschwimmen. Nach kurzem Verweilen geht es weiter zum Unterschlupf, wo wir im Warmen Sandwiches aus dem Rucksack genießen und - da wir unter den ersten sind - fast eineinhalb Stunden auf den Helikopter warten, der uns aufgrund der Wettersituation auch ein Stück den Pass hinabfliegt.

Es folgt ein netter Pfad vorbei an kleinen Wasserfällen und Flüssen, oft führen Holzbohlen durch die grüne Landschaft. Etwas glitschig sind Bretter, Steine und Brücken, Vorsicht beim Wandern ist angebracht. Wem es nicht zu viele Zickzacks waren und wer zeitig an der Quintin Lodge ankommt, der sollte die etwa eineinhalb Stunden dauernde Wandertour zu den Sutherland Falls, dem fünfthöchsten Wasserfall der Erde und dem höchsten Neuseelands, nicht missen - ein matschiger, gerade neu angelegter Pfad führt zum 580 Meter tief fallenden Wasserungetüm.

Vierte Etappe: Wandern till the end

Die letzte Etappe weist kaum mehr Höhenmeter auf, im Gegenteil: Auf den ersten drei Kilometern bringt man die meisten abwärts hinter sich, danach geht es überwiegend auf einer Höhe weiter. Doch es sind immerhin 21 Kilometer bis zum Sandfly Point, dem Endziel des Milford Tracks. Deshalb starten wir wieder früh, anfangs im Regen, der aber bald vergeht. Überhaupt habe ich mir das Wetter hier schlimmer vorgestellt, von Dauerregen keine Spur und wenn es mal regnet, stört es mich kaum - die Wasserfälle und Rinnsale an den Bergen ringsum füllen sich und der Nebel macht alles nur geheimnisvoller.

Apropos Wasserfall: Zwei richtig schöne gibt es auf der Etappe zu bestaunen, zwar keiner so groß wie die Sutherlands, aber wunderschön eingebettet in diese dicht bewachsene, grüne Landschaft, für die mein amerikanischer Mitwanderer das Wort "lush" verwendet, was so viel wie üppig, saftig oder auch einfach "abgefahren" heißt - was ich am treffendsten finde. Die letzten Kilometer ziehen sich etwas in die Länge, wie es wohl bei jedem Wanderweg ist, der zu Ende geht. Ich schaue auf das Schild am Sandfly Point, hinter dem der Milford Sound ausgebreitet vor meinen mitgenommenen Füßen liegt. Leider kann ich den erhebenden Anblick nicht lange genießen - Sandfliegen haben dem Platz nicht umsonst zu seinem Namen verholfen.

Fazit: Milford Track - der schönste Wanderweg der Welt?

Eine Fähre bringt uns in einer kurzen Überfahrt zurück in die "Zivilisation": Die Mitre Teak Lodge ist die Endstation aller Milford-Track-Wanderer, von hier aus führt die einzige Straße aus dem Milford Sound zurück nach Te Anau. Während mir der Wind um die Nase weht, verinnerliche ich die Schönheit der Meerenge und weiß nicht recht, was ich denken soll...

Wie ich am Ende der zweiten und dritten Etappe kaum mit Fotografieren aufhören konnte. Wie unwirklich ich mich inmitten dieser saftig-grünen Baumwelt gefühlt habe. Wie surreal mir alles vorkam, beim Blick ins Tal und über die Berge. Das klingt doch nach dem "finest walk in the world". Doch: Das tief sitzende Wow-Gefühl bleibt noch aus. Warum? Kann ich nicht sagen. Die Landschaft mit dem vielen Moos, den verwinkelten Bäumen, Farnen und Gewächsen in allen Grüntönen ist unglaublich.

Es fühlt sich an wie Mittelerde, als würde man durch eine verzauberte, verwunschene Welt wandern. Die Luft ist frisch und trocken, die Vögel hören nicht auf, ihr Lied zu schmettern, der Pfad ist nie breiter als zwei Meter und schlängelt sich durch Bäume und Berge, führt direkt an Fluss und See entlang. Man läuft auf Sand- und Waldboden, mal auf Fels, mal auf Schnee. Erst wenn man aus dem Wald auf offene Lichtungen oder an Wasserfälle kommt, wird einem bewusst, dass man mitten zwischen den steilen Fjordland-Bergen läuft - wo sonst keine Straße ist, kein Mensch, keine Stadt.

Ist es das Wissen um die Faszination der gigantischen, atemberaubenden Alpen, die mir den letzten Zacken bis zur absoluten Krönung des Wanderwegs nimmt? Vielleicht. Aber das macht nichts, denn ich würde sofort unterzeichnen: Der Milford Track ist zumindest "one of the finest walks in the world" - mit drei fetten Ausrufezeichen.

Weitere Informationen zum Milford Track in Neuseeland

Wandern: Den Milford Track kann man in der Hauptsaison von November bis April wandern. Da er einer der beliebtesten Wanderwege ist, sollte man Hüttenplätze möglichst früh buchen.

Ultimate Hikes: Der exklusive Tourenanbieter für den Milford Track bietet maximal 50 Schlafplätze; ab 1930 NZD (rund 1173 Euro, Stand: März 2014); www.ultimatehikes.co.nz.

Hüttenplätze Freedom Walker (maximal 40): Department of Conservation (DOC), 54 NZD pro Nacht/Erwachsenem (rund 33 Euro, Stand: März 2014), Kinder unter 17 Jahren kostenlos, aber auch mit Anmeldung unter www.greatwalks.co.nz/milford-track oder www.doc.govt.nz/parks-and-recreation.

Anreise: Verschiedene Airlines fliegen aus allen großen Städten Deutschlands mit Zwischenstopps nach Auckland, der Hauptstadt Neuseelands. Preisbeispiel: Mit Air New Zealand ab 1328 Euro pro Person in der Economy Class hin und zurück (www.airnewzealand.de). Von dort aus Weiterflug nach Queenstown, Transport durch Ultimate Hikes bis Te Anau.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal