Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Aktivurlaub >

Ines Papert: Erstbesteigung des Likhu Chuli I (Pig Pherago Shar)

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ines Papert: Erstbesteigung des Likhu Chuli I (6719 Meter)

29.11.2013, 13:21 Uhr | Johanna Stöckl, trax.de

Ines Papert: Erstbesteigung des Likhu Chuli I (Pig Pherago Shar). Ines Papert klettert am Likhu Chuli I im Himalaya. (Quelle: Thomas Senf)

Solo unterwegs: Ines Papert schafft die Erstbesteigung des Likhu Chuli I (6719 Meter) im Himalaya. Jetzt ist es auch amtlich. (Quelle: Thomas Senf)

Ines Papert aus Bayerisch Gmain stand am 13. November 2013 als erster Mensch auf dem Gipfel des Likhu Chuli I in Nepal. Sie erreichte den Gipfel über die 1800 Meter hohe Nordwand, die sie gemeinsam mit Thomas Senf durchstieg. Die Erstbesteigung des 6000ers bereitete schon bald ernsthafte Probleme: Senf musste mit Anzeichen von Erfrierungen kurz vor dem Gipfel abbrechen, Ines Papert nahm die letzten Höhenmeter alleine in Angriff. Damit nicht genug, wurde die Erstbesteigung zunächst angezweifelt. Sehen Sie in der Foto-Show Bilder der Erstbesteigung des Likhu Chuli l durch Ines Papert.

Himalaya-Expedition in der Reha immer vor Augen

Aufgrund einer Schulterverletzung nach einem Sturz bei einer Erstbegehung in Marokko musste sich Ines Papert im Frühjahr einer Operation unterziehen und drei Monate pausieren. Die Aussicht auf eine Himalaya-Expedition im Herbst motivierten die 39-jährige Profialpinistin jedoch in der Reha- und Trainingsphase.

Ende Oktober reiste Ines Papert in Begleitung von Thomas Senf (Alpinfotograf und Bergsteiger aus Interlaken, Schweiz) und Hans Hornberger (Kameramann aus Bayerisch Gmain, Deutschland) ins Khumbu-Valley mit dem Plan, den 6487 Meter hohen Tengkangpoche auf einer neuen Route durch die Nordwand zu besteigen. Die favorisierte Linie versprach jedoch wegen geringem Eis wenig Erfolg. Ein Ausweichen auf eine andere Linie an diesem Berg kam wegen massiver Hängeséracs (Anm. d. Red.: Eis-/Schnneewechten, die abzubrechen drohen) im Gipfelbereich und dem damit verbundenem hohen Risiko nicht in Frage.

Während einer Besteigung des 6178 Meter hohen Pharchamo Peak zu Akklimatisationszwecken musste die Idee, diesen Berg mit dem Gleitschirm zu verlassen, aufgrund hoher Windgeschwindigkeiten aufgegeben werden. Einige Tage später konnten die Alpinisten jedoch ihren ersten Himalaya-Flug von einem weniger hohen Gipfel realisieren.

Besteigung des Likhu Chuli I beginnt mit großem Problem

Bald entstand die neue Idee, den Likhu Chuli I über seine Nordwand anzugehen. Laut Mingma Sherpa, welche die Pharchamo View Lodge am Fuße des Tengkangpoche betreibt, galt dieser Gipfel noch als unbestiegen. Weitere Datenbank-Recherchen im Internet bestätigten diese Aussage vorerst. Als schließlich auch Meterologe Charly Gabl aus Innsbruck für die Tage zwischen 11. und 14. November keine Niederschläge und relativ günstige Windbedingungen voraussagte, wurde der Plan konkret.

Am 11. November gelang es Ines Papert und Thomas Senf, bei sehr guten Bedingungen etwa 1800 Höhenmeter zu klettern, davon die Hälfte seilfrei. Der Ausstieg aus der Nordwand gestaltete sich jedoch aufgrund einer schier unüberwindbaren Gipfelwechte äußerst schwierig. Meterhoher Pulverschnee und die beginnende Dunkelheit waren der Grund dafür. Nur wenige Meter unterhalb des Ausstiegs mussten Papert und Senf biwakieren. Es folgte eine bitterkalte, überaus unbequeme Nacht auf einem winzigen Schneeband in der ansonsten 70 Grad steilen Wand.

Extreme Kälte, starker Wind und Anzeichen für Erfrierungen

An einen Rückzug wollten die Bergsteiger an dieser Stelle nicht mehr denken. Immerhin war das Duo "leicht", also im Alpinstil unterwegs, und somit wäre ein Rückzug mangels Material äußerst schwierig geworden. Im Tageslicht fanden die beiden mit Hilfe der Anweisungen von Hans Hornberger, welcher die Begehung vom Wandfuß aus filmisch dokumentierte, einen machbaren Weg durch die Wechte. Wenig später standen sie auf dem 6660 Meter hohen Vorgipfel des Pig Pherago Shar.

Unterhalb des abschließenden Gipfelgrates fanden Papert und Senf schließlich einen geeigneten Zeltplatz für eine zweite Nacht am Berg. Am nächsten Morgen erwies sich der Grat bei näherer Betrachtung allerdings als nicht kletterbar. Zu viel Neuschnee! Stattdessen traversierten sie durch die Nordwand zur Westflanke. Bei extremer Kälte und starkem Wind musste das Duo erneut für ein paar Stunden Schutz im Zelt suchen. Bei Thomas Senf zeichneten sich bereits erste Erfrierungserscheinungen an den Zehen ab, weshalb der Schweizer beschloss, auf den Gipfel zu verzichten, obwohl dieser schon zum Greifen nah war.

Thomas Senf: "Wäre ich an dieser Stelle weiter geklettert, hätte ich schwere Erfrierungen riskiert. Umso mehr freute ich mich über Ines Entschluss, alleine zum Gipfel aufzubrechen. Hätte sie mir zuliebe verzichtet, wäre das sehr schade gewesen."

Euphorie will am Gipfel nicht aufkommen

Gegen Mittag machte sich Ines Papert bei weiterhin heftigem Wind auf den Weg. Der Bergschrund war auch im Alleingang zu überwinden, die Kletterei über die 50 bis 70 Grad steile Westflanke relativ problemlos seilfrei zu bewältigen. Gegen 14 Uhr erreichte Papert schließlich den Gipfel: "Ein überwältigender Moment, als erster Mensch seinen Fuß auf einen Himalaya-Gipfel zu setzen. Aber ganz große Freude wollte nicht aufkommen. Ich hätte mir so gewünscht, diesen Moment mit Thomas teilen zu können. Außerdem setzten mir die Kälte und Höhe zunehmend zu."

Abstieg und Abbruch der Himalaya-Expedition

Nach einer weiteren Nacht im Zelt traten Papert und Senf den Abstieg über die Westschulter des Berges an und erreichen am 14. November 2013 gegen 14 Uhr das ABC (Advanced Base Camp). Beide Bergsteiger erlitten Erfrierungen 2. Grades, weshalb die Expedition vorzeitig beendet wurde.

Ines Papert dazu: "Nie hätte ich geglaubt, dass sich Erfrierungen so schleichend abzeichnen können. Wir haben zwar während unserer Begehung gefroren wie noch nie, aber auch erste Anzeichen sehr ernst genommen. Die Heilung von Fingern und Zehen wird jetzt einige Zeit in Anspruch nehmen."

Verwirrung um Gültigkeit als Erstbesteigung

Der aufwändigen Recherchearbeit von Billi Bierling, welche für die Himalaya-Chronisten Elizabeth Hawley in Kathmandu tätig ist, ist es zu verdanken, dass Paperts Erstbesteigung am Likhu Chuli I nun auch amtlich ist. Ein französisches Team unter der Leitung von Robert Sandoz hatte zwar am 21. Oktober 1960 einen Erfolg am Likhu Chuli I vermeldet. Jedoch konnte über Bildmaterial und vorliegende Routenbeschreibungen eindeutig bewiesen werden, dass das französische Team auf dem Likhu Chuli II stand.

Daten zur Erstbesteigung des Likhu Chuli I (Pig Pherago Shar):

Base Camp02/114300 m; Tengpo, Parchamo View Lodge
ABC07/114850 m; Omizo Lake
Camp 110/116580 m
Camp 211/116620 m
Camp 312/116580 m
Gipfel13/116719 m; Ines Papert, 14 Uhr

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal