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Ines Papert: Die Entwicklung des Alpinismus

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Ines Papert: Extrem(itäten) - Erstbesteigung und Erfrierungen 

03.12.2013, 07:54 Uhr | SP

Ines Papert: Die Entwicklung des Alpinismus. Ines Paper: eine von Deutschlands erfolgreichsten Kletterinnen. (Quelle: Thomas Senf)

Ines Papert, eine von Deutschlands erfolgreichsten Kletterinnen, ist soeben von ihrer Erstbesteigung aus Nepal zurückgekehrt. (Quelle: Thomas Senf)

Die deutsche Alpinistin Ines Papert ist soeben aus Nepal zurück. Mit im Gepäck: Die Erstbesteigung des Likhu Chuli I (6719 Meter) – aber auch Erfrierungen an Fingern und Zehen. Die 39jährige stand am 13. November nach einem extrem harten Aufstieg alleine auf dem Gipfel im Himalaya. Auf die Erleichterung nach dem erfolgreichen Abstieg folgten zunächst Diskussionen um die Erstbesteigung, mittlerweile kam aber die amtliche Bestätigung. Wir haben mit Ines Papert - hier in der Foto-Show - über ihr letztes Projekt und die Entwicklungen der Bergsteiger-Szene gesprochen.

Ines, erst einmal Glückwunsch zur Erstbesteigung des Likhu Chuli I – es war nicht wirklich ein leichtes Unterfangen bei extremer Kälte und einer harten Nacht in der 70° Grad steilen Wand unterhalb des Gipfels.

Ines Papert: Danke, ich freue mich immer noch riesig. Als erster Mensch den Fuß auf einen Gipfel im Himalaya setzen zu dürfen, ist schon ein großartiges Geschenk.

Das Biwak die Nacht zuvor war tatsächlich recht ungemütlich – und auch ungeplant. Wir wollten oben aus der Wand steigen und dann unser Zelt aufstellen. Es war grundsätzlich ein mutiger Plan, 1800 Klettermeter an einem Tag zu bewältigen. Aber da wir meist seilfrei klettern konnten, haben wir schnell an Höhe gewonnen. Doch die Tage sind kurz und gegen 17 Uhr war es stockfinster. Nur drei Meter unter dem Ausstieg, im losem, senkrechten Pulverschnee, konnten Thomas Senf und ich im Schein der Stirnlampen keinen machbaren Ausweg finden.

Es wurde bitterkalt und so entschlossen wir uns, in der fast senkrechten Wand zu biwakieren. Wir haben mit den Eisgeräten eine Mini-Plattform aus dem Eis gehakt, auf der wir nur sitzen konnten. Mitten in der Nacht rutschte dann das Biwak um ein, zwei Meter ab und wir hingen plötzlich in der Selbstsicherung. Ein riesiger Schreck! Wir hatten Mühe uns in die alte Position zurück zu holen. Ich zog schnell meine Daunenhandschuhe aus, um uns mit den Händen an der Schlinge hochzuziehen. Das dauerte einige Zeit und vermutlich habe ich mir da die Finger angefroren. Bemerkt habe ich es dort noch nicht. Thomas klagte bereits über taube Zehen... Aber als das erste Tageslicht hereinbrach, konnten wir den Ausstieg finden.

Ihr musstet wiederholt eure geplante Route ändern – und schließlich und endlich bist du ohne deinen Partner Thomas Senf alleine zum Gipfel weiter...

Wir haben schnell erkannt, dass der Südostgrat des Likhu Chuli I aufgrund der großen Neuschneemengen kaum möglich sein sollte. Wir haben auch enorm unter der ersten Biwak-Nacht gelitten. Unsere Körper haben nicht mehr aufgehört zu schlottern. Wir wollten keine Erfrierungen riskieren und haben deshalb den schnelleren Weg gewählt. Das war perfekte Teamarbeit. Mit Thomas habe ich nie Meinungsverschiedenheiten oder nutzlose Diskussionen. Harmonie, aber auch eine gewisse Entscheidungskompetenz ist für mich da oben ganz wichtig. Da musst du wissen, was du willst oder eben nicht willst. Umso schöner, wenn beide die gleiche Entscheidung treffen. 

Es gab plötzlich einige Querelen, ob euch tatsächlich die Erstbesteigung gelungen war. Um was ging es hier?

Kurz nach unserer Rückkehr erhielt ich einen Anruf von Johanna Stöckl, einer befreundeten Journalistin. Sie erwähnte, dass es möglicherweise schon im Jahr 1960 eine Begehung gab. Wir wollten der Sache auf den Grund gehen. Mit Hilfe der Expertin Billi Bierling konnte aber dann herausgefunden werden, dass die Franzosen 1960 auf dem Likhu Chuli 2 standen, der immerhin 2,15 Kilometer Luftlinie entfernt liegt... 

Du bist seit Jahrzehnten eine der weltbesten Kletterinnen – hat sich das Klima in der Szene verändert?

Es gab Vorfälle (wie Christian Stangl), bei denen nicht die Wahrheit gesagt wurde, und seitdem wird alles kritischer betrachtet. Nun werden verständlicherweise absolute High-End-Begehungen sogar angezweifelt, solange es keine Beweise gibt. Das finde ich einerseits natürlich schade – andererseits ist Kritik nicht immer negativ zu bewerten. So bin ich durchaus froh, dass es auch bei unserer Erstbesteigung Zweifler gab. Es gibt in der Medienwelt Profis wie Nicholas Hobley von planetmountain, die auf wahrheitsgemäße Berichterstattung achten, genau recherchieren und professionell die richtigen und wichtigen Fragen stellen. In der Szene selbst sieht es so aus, dass man sich mit Informationen gegenseitig unterstützt und sogar gemeinsam klettert, wenn die Chemie stimmt. Aber auch hier wird kritisch nachgefragt. 

Wie groß ist der Druck durch das gewachsene Interesse der Medien?

Ich kann mich sehr gut von Erwartungshaltungen distanzieren. Und Druck ob der Leistung anderer Alpinisten und Kletterer empfinde ich nicht. Ich kenne keinen Neid – im Gegenteil, ich bewundere die Leistungen und sie inspirieren mich. 

Muss man inzwischen auch als Alpinist Superlative abliefern?

Ich bin Profi und da wird natürlich von mir erwartet, dass ich von meinen Abenteuern berichte. Das sehe ich als Teil meiner Arbeit. Bei der Wahl meiner Ziele beeinflusst mich das nicht! Auch meine Sponsoren geben mir sehr viel Spielraum, und das schätze ich ungemein. Medial gesehen wäre es sicher für mich vorteilhafter, ich würde mich an namhaften Bergen oder an 8000ern versuchen. Aber die sind leider schon alle bestiegen.

Klettern auf höchstem Niveau ist das eine. Bei der Wahl der Ziele kreativ zu sein – ohne dabei seine Ideale zu verlieren – ist das andere. Mich persönlich interessieren viele dieser Superlativen nicht. Speed-Begehungen zum Beispiel. Aber Erstbegehungen, neue Routen sind für mich das große, spannende Abenteuer. Ist es möglich? Das Ungewisse reizt mich. Jeder hat hier einen anderen Zugang. Unbestiegene Berge gibt es noch genügend.

Aber der Anspruch an den Athleten ist schon gewachsen. Die Webseiten müssen gepflegt werden und die Vorträge sind keine Diashows mehr? 

Es ist ein Job wie jeder andere. So verbringe ich viel Zeit vor dem Computer. Aber ich habe ein kleines, sehr gut funktionierendes Team und kann Aufgaben – wie die Betreuung meiner Facebook- und Web-Seite – abgeben. Ich will ja auch noch Zeit für meinen Sohn und fürs Klettern haben...

Die Vorträge gestalten wir auf sehr hohem Niveau, mit professionellem Filmmaterial et cetera (Trailer zum neuen Vortrag "Neuland"). Ich finde, das ist man auch dem Publikum schuldig. Es ist schon auch jedes Mal schwierig, finanzielle Mittel für eine Expedition zu generieren. Es wird erwartet, dass man mit einem professionellen Team unterwegs ist. Und so bin ich sehr auf das Verständnis meiner Sponsoren angewiesen.

Wie ist dein physischer Zustand – wirst du von deinen Erfrierungen dauerhafte Schäden mitnehmen?

An meinen Fingern löst sich die nekrotische Haut. Thomas hat es ähnlich an den Zehen erwischt. Deshalb heißt es jetzt abwarten, bis alles verheilt ist. Doch sie werden empfindlich bleiben. Wir sind aber wie immer zuversichtlich... 

Weiterführender Link:www.ines-papert.de 

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