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Mount Kenya-Besteigung: Auf den zweithöchsten Berg Afrikas

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Mount Kenya-Besteigung: Scheitern inklusive

10.12.2013, 12:28 Uhr | Florian Sanktjohanser, dpa-tmn

Mount Kenya-Besteigung: Auf den zweithöchsten Berg Afrikas. Bergführer und Tourteilnehmerin bei der Mount Kenya-Besteigung. (Quelle: dpa/tmn/Florian Sanktjohanser)

Die Besteigung des Mount Kenya, des zweithöchsten Berg Afrikas, ist kein Leichtes. (Quelle: Florian Sanktjohanser/dpa/tmn)

Ist eine Mount-Kenya-Besteigung weniger anstrengend als auf den berühmten Kilimandscharo? Der "Berg der Heiligkeit" in Kenia reiht sich als Zweiter hinter dem höchsten Berg Afrikas ein, dennoch ragt er weit über 5000 Meter in die Höhe. Eine Expedition ist also mitnichten einfach so mal aus dem Ärmel zu schütteln. Spektakulär ist die Tour ebenso wie die auf den Kilimandscharo - und mit den gleichen Risiken verbunden. Entsprechend kann eine schnelle Tour auf den heiligen Berg der Kikuyu auch schnell enden. Sehen Sie Bilder der Mount Kenya-Besteigung in der Foto-Show.

Höhenkrankheit auf Afrikas zweithöchstem Berg

Um 2.20 Uhr ruft einer der Träger durch die Zeltwand: "Aufstehen. Wir steigen auf den Gipfel." Es hat minus 15 Grad, der heiße Schädel pulsiert, der Schmerz krallt sich in den Hinterkopf. Mein Begleiter hat sich nachts mehrmals übergeben, wir haben keine Minute geschlafen. Die Höhenkrankheit hat uns voll erwischt auf 4200 Metern, im Shipton's Camp am Fuß der Schneefelder des Mount Kenya. Dabei hat zwei Tage zuvor alles so entspannt angefangen.

"Jambo", hat der Fahrer vor dem Hotel in Nairobi gerufen, "willkommen in Kenia." Vier Stunden lang ist er nach Nordosten gefahren, durch das tägliche Verkehrsinferno der Hauptstadt, vorbei an privaten Universitäten, bunt angepinselten Läden und Betonkirchen am Stadtrand, dann durch Maisfelder und ärmliche Dörfer, bis am Horizont der große Berg erschien.

Mount Kenya: der Berg der Heiligkeit

5199 Meter hoch, überbreite, dunkelgrüne Schultern. Kirinyaga nennen die Kikuyu, Embu und Meru den vor Millionen Jahren erloschenen Vulkan, Berg der Heiligkeit. Auf seinem Gipfel wohnt der Gott Ngai, glauben sie. Deshalb haben die Kikuyu, die größte Ethnie Kenias, ihre Hütten traditionell so gebaut, dass der Eingang auf den heiligen Berg zeigt.

Reuben Gathaara Maina, 28 Jahre alt, lacht über die alten Legenden. "In meinem Heimatdorf glauben manche Leute immer noch, dass keiner den Berg besteigen kann", erzählt er im Büro von Keeigee Mountain Expeditions in Naro Moru. Die Firma ist eine von vielen, die in der Kleinstadt Bergtouren anbieten. Ihr Hauptsitz ist eine windschiefe Holzhütte an einer staubigen Gasse. Das Einzige, was hier Vertrauen erweckt, ist Reuben.

Mount-Kenya-Besteigung auf mehrere Gipfel möglich

Seit fünf Jahren ist er Bergführer, er wurde in den USA ausgebildet und hat alle Gipfel des Mount Kenya bestiegen. Den Batian, der zwar rund 700 Meter niedriger ist als der Gipfel des Kilimandscharo, aber nur von technisch versierten Kletterern erklommen werden kann. Den 5188 Meter hohen Nelion. Und Point Lenana, den Gipfel für das gemeine Wandervolk, nur 4985 Meter hoch und einfach zu schaffen. Kein Problem, denken wir und sagt auch Reuben, nachdem er unsere Schlafsäcke und Kleidung inspiziert hat.

Nationalpark Mount-Kenya-Massiv: Schutz für Elefantenherden

Über eine rote Buckelpiste rumpelt der Geländewagen zum Sirimon Gate, dem Tor zum Nationalpark. Er schützt das gesamte Gebiet, das höher als 3200 Meter liegt. Der Bergwald darunter aber ist durch illegale Holzfäller gefährdet. 1997 ernannte die Unesco das Mount-Kenya-Massiv zum Weltnaturerbe, im Juni 2013 nahm sie auch das angrenzende Lewa-Schutzgebiet in ihre Liste auf. Das 20.000 Hektar große Savannen-Reservat liege auf der traditionellen Wanderroute der Elefantenherden des Mount Kenya, schrieb die Unesco in ihrer Begründung. Und der Nationalpark habe eine enorme Bedeutung für den Schutz von Affen, Nashörnern und Leoparden. Sie alle wandern also gemeinsam mit uns durch den Bergwald.

Nach drei Stunden gemütlichen Aufstiegs über eine Forststraße sehen wir das erste Mal ihre Spuren. Ein Haufen Elefantendung türmt sich am Wegesrand. Was wir wohl machen würden, wenn plötzlich ein Elefant vor uns stünde? "Weglaufen, im Zickzack", sagt Reuben. "Und wenn euch ein Büffel jagt, rennt immer weiter um einen großen Baum." Irgendwann werde der Büffel entnervt davon trotten. Beruhigend zu wissen.

Kenias Sternenhimmel leuchtet bis zum Horizont

Abrupt endet der Wald und macht Platz für die Heide. Und zum ersten Mal ist in der Ferne die steinerne Gabel des Gipfels zu sehen. Einst soll der Vulkan viel höher gewesen sein, vielleicht 7000 Meter, bevor ihn Regen, Wind und Eis geschliffen haben.

Nicholas und Peter, die beiden Träger, haben schon das Zelt aufgebaut, und Ifrihim hat wunderbar gekocht. Die Nacht im Old Moses Camp auf 3300 Metern Höhe ist kalt und bringt die einzige Begegnung mit einem Wildtier. Zwei Augen reflektieren kurz das Licht der Stirnlampe und verschwinden wieder. Über uns spannt sich ein unfassbarer Sternenhimmel, bis zum Horizont hinab glitzert es tausendfach.

Afrikas Lobelien sind viel höher als in Europa

Am nächsten Morgen führt uns Reuben durch Büschel von gelbem Tussockgras, Felsen und riesige Lobelien und Senezien zum Tal des Likii hinauf. Weit unter uns liegt im Morgendunst die ostafrikanische Hochebene. In Europa werden Lobelien kaum kniehoch, hier lassen sie bis zu 3800 Millimeter Regen pro Jahr und die intensive UV-Strahlung meterhoch wachsen. Manche sollen mehr als 100 Jahre alt sein. Gegen die Kälte sondern sie eine Art Frostschutzmittel ab. Abends schließen sich die Rosetten. Manche Riesenblumen erinnern an Mikrofonpuschel, andere an Urzeitpalmen.

Erster unverhüllter Blick auf den Gipfel des Mount Kenya

Steil geht es weiter bergauf, bis wir einen Grat erreichen und Reuben ruft: "Schaut, der Gipfel!" Von keiner Wolke verhüllt, ragt die Doppelspitze nun vor uns auf, hoch über dem weiten Mackinder Valley. Das Tal und der Fluss darin tragen den Namen jenes Mannes, der 1899 als Erster auf den Batian geklettert ist: Sir Halford Mackinder. Genau 50 Jahre zuvor hatte Johann Ludwig Krapf den zweithöchsten Gipfel Afrikas als erster Europäer aus der Ferne gesehen. Doch als der deutsche Missionar zu Hause von dem schneebedeckten Berg am Äquator erzählte, wollte ihm keiner glauben.

Spektakulärer Weg, leichte Steigung, aber dünne Luft

Mit dem Mackinder Valley beginnt der spektakulärste Teil des Wegs. Zur Rechten hat sich der Fluss tief eingeschnitten, links ragt eine Wand aus Vulkangestein auf, in die sich Lobelien und Senezien krallen. Die Riesenblumen wachsen immer zahlreicher und höher, je näher wir dem Gipfel kommen, fünf oder sechs Meter schießen sie empor. Ganze Wälder überziehen die Hänge, über die schwarze Felsbrocken herabgekullert sind. Was aussieht wie Baumstämme, sind ihre toten Blätter, erklärt Reuben.

Sanft steigt der Weg nun an, es wäre ein Spaziergang, würde nicht die Luft immer dünner werden. Wie hoch sind wir? "3700 Meter", sagt Reuben. Wolken ziehen auf, ein kalter Wind pfeift durchs Tal, Regen prasselt. Schön langsam, wie Reuben immer wieder empfohlen hat, laufen wir die letzten 500 Höhenmeter zum Shipton's Camp hinauf. Der Schmerz im Hinterkopf, den ich erst für Einbildung hielt, meldet sich immer vernehmlicher. Die Träger überholen uns, jeder 20 Kilo oder mehr auf dem Rücken, aufgetürmte Rucksäcke und darauf Daunenjacken geschnallt. Wir schämen uns ein bisschen, erschöpft wie wir sind mit unserem 30-Liter-Rucksack, darin nur Kamera und Trinkflasche.

Camp unter dem Gipfel des Mount Kenya: Besteigung abbrechen?

Das Camp unter den schwindenden Gletschern besteht aus ein paar zugigen Holzhütten, keine ist beheizt. Wir ziehen alles an, was wir dabei haben, und frieren trotzdem beim Abendessen. Dann die schlaflose Nacht, der Weckruf und eine fürchterlich schwere Entscheidung. Sollen wir aufgeben, wie es alle Bergbücher raten? Jetzt, wo der Gipfel vor dem Zelteingang liegt, nur drei Stunden Aufstieg durch die sternenklare Nacht entfernt? Die Aussicht bei Sonnenaufgang muss überwältigend sein. Es ist ein kurzer Kampf, Vernunft gegen Ehrgeiz und Stolz.

Der Stachel des Scheiterns bohrt

Die Vernunft siegt. Wir steigen ab. Das Hochmoor ist noch gefroren, endlich kriecht die Sonne über den Bergkamm und wärmt uns. Stumm wandern wir talwärts. Der Stachel des Scheiterns bohrt. Reuben erzählt vom schönsten Tal des gesamten Massivs, das wir beim Abstieg über die Chogoria-Route auf der anderen Seite des Gipfels durchwandert hätten. Und von der Mondlandschaft und den Seen unterhalb des Gipfels. Egal, der Schmerz lässt nach.

Weitere Informationen: Mount Kenya in Kenia

Anreise: Mehrere Airlines fliegen aus Deutschland nach Nairobi, Tickets gibt es ab rund 550 Euro. Die Veranstalter der Bergtouren holen Touristen in der Regel in ihrem Hotel in Nairobi ab. Wer sich ein paar Tage akklimatisieren möchte, kann den Minibus zu seinem Startort oder den Inlandsflug nach Nanyuki nehmen.

Klima und beste Reisezeit: Für die Mount-Kenya-Besteigung werden die Monate Januar und Februar sowie August und September empfohlen, wenn am wenigsten Regen fällt. Am meisten regnet es zwischen Ende März und Mitte Mai sowie zwischen Ende Oktober und Mitte Dezember. Aber auch in den trockenen Monaten kann es immer regnen und in größerer Höhe schneien.

Kosten der Mount-Kenya-Besteigung: Für Wandertouren im Nationalpark werden Gebühren fällig. Sie reichen von 55 US-Dollar (rund 41 Euro) für eine Tageswanderung über 220 Dollar für eine viertägige, 270 Dollar für eine fünftägige bis 320 Dollar für eine sechstägige Tour (jeweils inklusive Camping). Die meisten Touristen buchen eine geführte Tour mit Führer und Trägern. In Kenia sind sie oft deutlich billiger als in Deutschland. Mit zähem Verhandeln ist eine Tour für weniger als 700 Dollar pro Person zu haben.

Informationen: Kenya Tourism Board, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann bei Düsseldorf (Tel.: 02104/83 29 19, E-Mail: kenia@travelmarketing.de).

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