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St. Moritz: Aktivurlaub im Engadin

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St. Moritz: Entspannung und Adrenalin im Engadin

02.01.2014, 13:38 Uhr | Johanna Stöckl, trax.de

St. Moritz: Aktivurlaub im Engadin. Ski Yoga in St. Moritz, Oberengadin, Graubünden, Schweiz. (Quelle: Johanna Stöckl)

Yoga auf der Piste: Wer nur nach St. Moritz kommt, um Champagner zu schlürfen und gesehen zu werden, verpasst einiges. (Quelle: Johanna Stöckl)

Was man spontan mit St. Moritz verbindet, ist klar: Luxus, Jetset, Champagner, Kaviar, High Society, Polo, Party und Berge. Was ein Normalsterblicher und vor allem sportiver Gast im eleganten Dorf auf 1800 Metern Höhe im Schweizer Oberengadin alles erleben kann, hat Autorin Johanna Stöckl kürzlich für uns getestet. Das Angebot für Aktivurlauber in St. Moritz reicht dabei vom legendären Cresta Run über Yoga auf der Piste und Eisklettern für Anfänger bis zum Skifahren in der Nacht unter Flutlicht. Sehen Sie mehr in unserer Foto-Show: Aktivurlaub in St. Moritz.

St. Moritz heißt Urlauber auch in Sport-Bekleidung willkommen

Ich bin weder reich noch schön, habe aber mein Zimmer im noblen und geschichtsträchtigen Fünfsternehotel Kulm bezogen. An den Service gewöhne ich mich rasch. Es wird einem wörtlich alles abgenommen. Meine Ski trage ich beispielsweise nie selbst in den oder aus dem Keller. Türen werden mir geöffnet, Taschen abgenommen, ständig Hilfe angeboten. Ach, ist das wunderbar!

Natürlich habe ich meine beste Garderobe eingepackt, stelle aber fest, dass es bei aller Form und Etikette auch ziemlich leger zugeht im Nobelhotel. Und erstaunlich sportiv. In Bergschuhen und dicker Daunenjacke ist man ebenso willkommen wie auf High-Heels im kleinen Schwarzen. Das Hotel Kulm und das Grand Hotel Kronenhof im nur acht Kilometer entfernten Pontresina, beide unter gleicher Führung, lockten mich mit einem vielversprechenden Sportpackage für ein Wochenende nach St. Moritz.

Cresta Run: Nur für Männer mit starken Nerven

In St. Moritz ist der Pioniergeist zu Hause. Hier wurde der Wintersport und -tourismus einst erfunden. Im Hotel Kulm wurde sogar erstmals in der Schweiz elektrisches Licht gezündet. Nicht zu vergessen: 1928 und 1948 fanden in St. Moritz die Olympischen Winterspiele statt. Außerdem gibt es hier eine Sportstätte, die weltweit einzigartig ist: den Cresta Run.

Keine fünf Minuten dauert der Fußmarsch von meiner Nobelherberge bis zum Natureiskanal, der Jahr für Jahr in reiner Handarbeit entsteht. Wer den 1,2 Kilometer langen Cresta Run mit einer Bobbahn vergleicht, irrt gewaltig. Hier gibt es keine künstlich angelegten Banden oder ausgebaute, später vereiste Kurven aus Beton, die einen vor dem Abflug schützen. Wer beim Cresta Run stürzt, wird aus der Bahn katapultiert und zieht sich mit ziemlicher Sicherheit Knochenbrüche oder zumindest schmerzhafte Prellungen zu.

Der Cresta Run blickt auf eine lange Tradition zurück

Ähnlich wie beim heutigen Skeleton liegt man bäuchlings auf dem Schlitten, einem luftigen Hightech-Sportgerät aus Stahl und Kevlar. Mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern rauscht man von Cresta, einem Ortsteil von St. Moritz, ins benachbarte Celerina. Erste Crestarennen wurden in der Wintersaison 1884/85 ausgetragen. Initiiert wurde diese Rennen von einer Gruppe Briten um Major W. H. Bulpetts. Noch heute wird auf der Bahn traditionell Englisch gesprochen.

Beim Besichtigungstermin empfängt uns Club Secretary David Payne im Clubhaus. Der humorvolle Brite ist der Chef von 1400 eingetragenen Mitgliedern, die hauptsächlich aus England und der Schweiz stammen. Aber auch Nicht-Mitgliedern und Anfängern ist es möglich, sich auf dem Kurs zu versuchen. Für knapp fünfhundert Euro kann man, sofern man 18 Jahre alt ist, einen Crashkurs und fünf Fahrten inklusive buchen. Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Frauen sind seit 1929 bedauerlicherweise nicht mehr zugelassen. Stollenschuhe, Sturzhelme, Protektoren und Schutzanzüge können im Clubhaus ausgeliehen werden.

Yoga on Snow: auf der Piste zur inneren Mitte

Om! Tags darauf der krasse Gegensatz. Wir definieren uns nicht über Geschwindigkeit, sondern wollen Entschleunigung erzielen. Es geht zum Ski-Yoga. Bitte was? Ja, richtig gehört: Yoga on Snow! Auf einer eigens dafür eingerichteten Yoga-Piste mit vier Stationen, die man alleine oder unter fachkundiger Anleitung befahren kann, versuchen wir in einer kleinen Gruppe unsere Mitte zu finden, uns zu entspannen und unsere Aufmerksamkeit auf die Schönheit der Natur zu lenken. Und zwar unter der Anleitung von Sabrina Nussbaum. Sie ist Bewegungspädagogin, Skilehrerin und mehr oder weniger die Erfinderin von Yoga on Snow.

Die 47-jährige Schweizerin zeigt uns insgesamt acht Übungen, die wir mal auf Ski, mal ohne ausführen. Das Spektakel findet auf der Paradiso-Piste statt, einem relativ sanften Hügel mit einladend breiten Pisten im Skigebiet Corviglia. Während ich beim Sonnengruß versuche, Atem und Bewegung in Einklang zu bringen, Wärme in meinem Körper zu spüren, rauscht Maria Höfl-Riesch zeitgleich nur ein paar Lifte von uns entfernt, im Highspeed beim Skiweltcup der Damen durch die Tore des Riesenslaloms. Ich hingegen bin gerade das Gegenteil einer Pistensau und liege später sogar mit geschlossenen Augen auf dem Rücken im Schnee und übergebe bei der Übung Savasna meine Last dem Berg.

Was mir Yoga on Snow neben einem ausgekühlten Hintern gebracht hat? Erstaunlich viel, obwohl ich mir vorher wenig darunter vorstellen konnte. Yoga on Snow macht in jedem Fall Spaß, bringt tatsächlich Ruhe auf der Piste, schärft den Blick für die wunderschöne Kulisse und hat mir gewaltige Gleichgewichtsdefizite (was hoffentlich nur an den schweren Skischuhen lag) bewusst gemacht.

Heiß auf Eis: Eisklettern für Anfänger

Bergführer Gian Luck spricht uns Mut zu, als wir uns im Laden der Bergsteigerschule Pontresina die nötige Ausrüstung borgen. Eiskletterschuhe, Steigeisen, Klettergurte, Eisgeräte und Kletterhelme werden einzeln angepasst. Keiner aus unserer zehnköpfigen Gruppe war je zuvor beim Eisklettern. Noch sind wir Eisnovizen zu Scherzen aufgelegt und freuen uns auf den bevorstehenden Schnupperkurs. Doch als wir nach einem kurzen Spaziergang durch Pontresina an der Brücke und der darunterliegenden Schlucht ankommen, sind wir sprachlos.

Um Gottes Willen! Wir haben unsere vertikalen Fähigkeiten massiv über- und das Unternehmen ganz offensichtlich unterschätzt. Von der Brücke geht es erst mal über einen richtig steil abfallenden Zustieg nach unten. Dort erwarten uns gleich mehrere senkrecht stehende Eissäulen. Kunstwerke der Natur. Eine schöner als die andere. Es dämmert. Die Schlucht ist beleuchtet und sieht spektakulär aus. Oben auf der Brücke finden sich schnell ein paar Passanten ein, die uns Anfängern zuschauen, was den Druck erhöht...

Als ich an der Reihe bin, schießt mir Ines Papert durch den Kopf. Regelmäßig berichte ich über die viermalige Eiskletter-Weltmeisterin und ihre alpinen Abenteuer. Ein Glück, dass sie mich jetzt nicht sehen kann. Wie macht sie das bloß? Die Eissäule, die Gian für uns ausgesucht hat, ist gerade einmal fünfzehn Meter von unserem Standplatz entfernt und ragt senkrecht in den Himmel. Doch: Wie komme ich überhaupt da hin? Mich trennt nämlich eine Traverse in stark geneigtem Gelände von der Säule. Spiegelglattes Eis. Soll ich aufgeben, bevor ich anfange?

Anfänger gehen zum Eisklettern besser in leichtes Gelände

Da ich von oben gesichert bin, wage ich einen Anfang. Ich haue die Frontzacken meiner Steigeisen ins Eis, so fest es geht. Immerhin: Ich finde Halt. Im Kriechgang geht es weiter. Meter für Meter. Die Eisgeräte in die Glasur zu schlagen, ist richtig schwierig. Entweder man rutscht ab - oder hat derart fest hingepickelt, dass sich die Hauen nicht mehr aus dem Eis lösen wollen.

Nach ein paar Minuten ist mir warm. Immerhin: Ich schaffe es sturzfrei an die Säule. Jetzt wird es happig. Rechte Haue ins Eis schlagen. Ich finde keinen Halt. Links schaffe ich es schließlich, das Eisgerät so zu platzieren, dass es sich im Eis verankert. Mit dem rechten Arm klappt es erst nach ein paar Anläufen. Und jetzt die Beine. Oh mein Gott, ich will den Boden eigentlich nicht verlassen! Hilfe! Ines! Meine Güte! Die Frontzacken der Steigeisen halten aber gut im Eis. Jetzt hänge ich an der Säule wie ein Sack. Mich weiter in der Senkrechten zu bewegen, erscheint mir unmöglich. Schlappe zwei Meter schaffe ich es unter der Anfeuerung des Bergführers nach oben. Dann ist Schluss. Meine Arme zittern. Der Nacken tut mir weh. Ich schwitze. Bitte abseilen!

Mein Fazit: Kläglich gescheitert und trotzdem riesengroßen Spaß gehabt. Später erklärt uns Gian, dass die Bedingungen suboptimal waren. Denn normalerweise übt man mit Anfängern in etwas leichterem Gelände, also Eisfällen, die sich treppenartig, und nicht senkrecht auftürmen. Doch das hatte die Natur so früh in der Saison noch nicht für uns bereitgestellt...

Skifahren in der Nacht: Privat Corvatsch Night

Im Schnee und auf zwei Brettern fühle ich mich deutlich wohler als im Eis. Umso mehr freue ich mich auf den bisher exklusivsten Ski-Event meiner Pistenkarriere. Das Hotel Kulm und Grand Hotel Kronenhof machen es möglich. Erstmalig in dieser Saison wird Hausgästen an drei Terminen Nachtskifahren der Extraklasse angeboten. Dafür wird eine 4,2 Kilometer lange Abfahrt am Corvatsch exklusiv für die Hotelgäste beider Häuser bestens präpariert.

Um 19 Uhr schweben wir in der Dunkelheit mit der ersten Gondel nach oben. Verheißungsvoll der Blick nach draußen. Die Piste ist beleuchtet und menschenleer. Nur für uns! Ich fass’ es nicht. Oben angekommen schnallen wir die Ski an. Los geht’s! Wie auf Watte gleiten wir auf dem bestens präparierten weißen Teppich dahin. Es ist still. Ich höre nur das Knarren meiner Kanten im Schnee. Meine etwa fünfzig Mitstreiter verliere ich schnell aus den Augen. Einige sind schneller, manche langsamer als ich. Die weiße Pracht gehört bald mir allein. Ich habe Platz ohne Ende und kann Carven wie sonst nie. Ich schwebe, fliege, juchze, jauchze. Vergnüglicher kann Pistenskifahren nicht sein.

Magisch auch das Spiel mit Licht und Schatten auf der beleuchteten Piste. Einmal, als sich die Hangneigung drastisch ändert, überhole ich mich sogar selbst. Mein Körper zeichnet vor mir einen langen Schatten auf dem Boden. Obwohl die Hossa-Bar, eine gemütliche Ski-Hütte eigens für uns geöffnet hat und ein Käsefondue für jedermann kredenzt, gehöre ich zu den etwa zehn unermüdlichen Skifahrern, die bis zum bitteren Ende durchfahren. Es ist zu gut um aufzuhören. Wir sind total im Flow.

Am 15. Februar und 5. April 2014 findet von 19.30 bis 22.30 Uhr die Privat Corvatsch Night für Gäste des Hotel Kulm und Grand Hotel Pontresina erneut statt.

Weitere Informationen:

Übernachtung und Sportpakete: Hotel Kulm St. Moritz, 7500 St. Moritz, Schweiz, Telefon +41 81 836 80 00, Fax +41 81 836 80 01, Email: info@kulm.com, www.kulm.com.Grand Hotel Kronenhof, 7504 Pontresina, St. Moritz, Schweiz, Telefon +41 81 830 30 30, Email: info@kronenhof.com, www.kronenhof.com.

Cresta Run: Allgemeine Informationen unter www.cresta-run.com. Worauf man sich einlässt, verdeutlicht ein Videoclip unter http://vimeo.com/10862216.

Yoga on Snow: www.suvrettasnowsports.ch

Eisklettern: www.bergsteiger-pontresina.ch

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