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Aktivurlaub in Portugal: Radfahren im Alentejo

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Aktivurlaub in Portugal: Radfahren im Alentejo

11.04.2014, 11:19 Uhr | Armin Herb, srt

Aktivurlaub in Portugal: Radfahren im Alentejo. Portugal: Radtour im Alentejo. (Quelle: SRT /Armin Herb)

Massentourismus ist hier ein Fremdwort. Ein Grund mehr, die Vielfalt des Alentejo zu erkunden - am besten mit dem Rad. (Quelle: Armin Herb/SRT )

Der Alentejo erstreckt sich über knapp ein Drittel der Fläche Portugals. Trotz ihrer Größe wirkt die Region irgendwie "vergessen", fast ausschließlich prägt Landwirtschaft die Landschaft, Industrie gedeiht hier kaum und selbst der Tourismus bleibt ein zartes Pflänzchen. Dabei betört das Land die Sinne gerade in der Gegend zwischen Lissabon und der Algarve mit einer enormen Vielfalt. Und obwohl es hier Radwege im Prinzip nicht gibt, ist der Alentejo ein ausgezeichnetes Urlaubsziel für Radtouren. Sehen Sie mehr zum Radfahren im Alentejo in unserer Foto-Show.

Im Hinterland der Costa Azul

Rund geschliffene Hügel ziehen sich bis zum Horizont. Eukalyptusbäume wachsen darauf, der Duft von Macchia liegt in der Luft. Fast wirkt das Ganze wie eine überdimensionale Modelleisenbahn-Landschaft, und mittendurch verläuft irgendwo die unsichtbare Grenze zwischen den Regionen Alentejo und Algarve. Das Hinterland der Costa Azul ist ländlich still - bäuerliches Portugal ohne Kulturschätze und Touristenrummel, aber mit viel Lokalkolorit.

Umso mehr sind wir erstaunt, dass einen der Patron im einzigen Restaurant in Nave Redonda in kernigem Schwyzerdütsch begrüßt. Bis zu seiner Pensionierung hat Felipe nämlich am Jungfraujoch gekellnert und nun seine gastronomischen Erfahrungen in einem Agroturismo-Ferienhof umgesetzt. Seine Dorfbar blieb, wie sie war: Dort gibt es wie eh und je gegrillte Lammkoteletts und gebackene Schweinsohren. Danach braucht man als Digestif einen "Medronho", den Schnaps vom Erdbeerbaum.

Radwege sind im Alentejo gar nicht nötig

Wir starten unsere Tour durch den Baixo Alentejo am Staudamm von Santa Clara-a-Velha. Kein Wölkchen ist am Himmel, aber das Thermometer zeigt minus zwei Grad. Ja, ab und zu gibt es auch Frost in Südportugal. Wir hatten uns schon gewundert, warum sich die alten Männer in Santa Clara an der weißen Wand ihrer Kirche aufgereiht hatten. Sie nutzten nur die Morgensonne zum Aufwärmen.

Radwege kennt man im Alentejo (noch) nicht. Das ist auch nicht nötig, denn die Landsträßchen leiden selten unter Verkehrsüberlastung. Auf unserem Weg Richtung Atlantik begegnen uns mehr Traktoren als Autos. Allerdings sind wir heilfroh über den Routentipp von Rudolfo, einem begeisterten Radler aus der Region. Die Orientierung nur an Hand von Karte und Schildern hätte viel Zeit und Spürsinn erfordert.

Radtour mit ungeahnter Abwechslung

So zeigt uns das Navi am Lenker den Weg, und wir schwelgen in der stillen Landschaft: hier die lichten Korkeichenwälder, dort die einsamen Gehöfte mit ihren Ziegen und den schwarzen, langbeinigen Schweinen. Den Soundtrack machen der Wind und alle paar Kilometer bellende Hunde an abgelegenen Bauernhöfen.

Städtisch lebendig wird es erst in Odemira. Aber hinter der knallroten Eisenbahnbrücke tauchen wir gleich wieder in die üppige Natur am Rio Mira entlang. Die letzten Kilometer zum Atlantik gestalten sich flach und uniform: zuerst Gewächshäuser voller Salat und Küchenkräuter, dann Orangen- und Zitronenplantagen und schließlich Kuhweiden bis zum Horizont.

Dann bricht das Land spektakulär über Felsklippen ab ins Meer. Ganz schön viel Abwechslung für einen Tourentag, den wir bei Ana Maria direkt am Atlantik ausklingen lassen. Ana Maria betreibt ein urig-spartanisches Fischlokal mit lehnenlosen Holzbänken und Plastiktischdecken. Irgendwie erinnert mich das Ambiente an eine Interrail-Reise, die mich vor gefühlten 50 Jahren in diese Ecke brachte. Der Fisch war auf jeden Fall ein Gedicht.

Wilde Küste und weite Strände am Atlantik

Die nächste Etappe führt uns nur am Atlantik entlang auf der Rota Vicentina, einer für Radler offenen Wanderroute im Naturpark Alentejo Sudoeste. Die Rüttelroute auf Sand und Schotter fordert Fitness und Fahrtechnik und manchmal sogar eine Schiebeminute. Macht nichts. Dafür fahren wir durch ein Dauernaturschauspiel. Wuchtige Wellen brechen sich mit Getöse an den Klippen und haben in Millionen von Jahren faszinierende Felsformationen geschliffen. In diese Klippen basteln beim Cabo Sardao Störche ihre Nester.

Nördlich von Kap Sardao wird die Küste sanfter. Weite, breite Sandstrände tun sich auf. Im Sommer versammeln sich hier die portugiesischen Städter zum Sonnenbad. Und wenn dazu ein bisschen was los sein soll, trifft man sich in Milfontes, wo der Rio Mira ins Meer mündet.

Wir übernachten in der engen Altstadt in der Casa do Adro. Die Sieben-Zimmer-Pension aus dem 17. Jahrhundert offenbart sich als Kleinod für Nippes-Fans, mit unzähligen Porzellanfigürchen und Häkeldecken. Gefrühstückt wird im Familienwohnzimmer in einem Ambiente wie zu Urgroßmutters Zeiten.

Senhora Costa José umsorgt alle Gäste persönlich. Und wie! Deshalb besteht sie auch auf einen Shuttle zur Hochebene bei Cercal. Die Anfahrt sei viel zu anstrengend mit dem Fahrrad. So bauen Senhor Costa José und der Schwager geschwind die Rückbank aus ihren alten Japaner-Limousinen und chauffieren uns mitsamt Gepäck auf die Anhöhe. Die Steigung wäre eigentlich halb so schlimm gewesen, aber wer will schon unhöflich ablehnen?

Von Milfontes zur Templerburg von Santiago do Cacem

Hinter Cercal tauchen wir wieder ein in das typische Alentejo-Ambiente: dünn besiedeltes Hügelland mit Korkeichenwäldern und einsamen Bauernhöfen. Rudolfos Route windet sich zu abgelegenen Klosterruinen und Korkhöfen und ab und zu auch zu einer kleinen Dorfkaschemme, wo ein kräftiger Cafe con leite wieder Schub für die Weiterfahrt bringt.

Unser Reiseziel Santiago do Cacem kündigt sich bereits von weitem durch seine mittelalterliche Templerburg auf einem Hügel an. Eine breite Allee mit Orangenbäumen voller reifer Früchte führt uns mitten ins Zentrum des 7000-Seelen-Städtchens. Hier endet unsere Entdeckungsreise. Aber Rudolfo erkundet schon einige weitere Radrouten durch den Alentejo. Damit wir wieder kommen - und viele andere Reiseradler auch.

Weitere Informationen

Reisezeit: Am angenehmsten radelt es sich im südlichen Alentejo von Februar (Mandelblüte und Zitronenernte) bis Anfang Juni und von Mitte September bis Mitte November.
Literatur und Karten: Zur Einstimmung und zum Schmökern das DuMont Reise-Handbuch "Portugal", 416 Seiten. Für den Überblick und die Orientierung die Marco-Polo-Karte "Portugal Süd" 1:200.000.
Allgemeine Auskünfte: Turismo de Portugal, Tel. 030/254106-0, edt.berlin@turismodeportugal.pt, www.visitportugal.com, www.visitalentejo.pt, www.casasbrancas.pt

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