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Winterexpedition auf den Nanga Parbat: David Göttler im Interview

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"Jede Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben"

03.02.2014, 11:43 Uhr | Ein Interview von Johanna Stöckl, trax.de

Winterexpedition auf den Nanga Parbat: David Göttler im Interview. Simone Moro am Nanga Parbat. (Quelle: The North Face/David Göttler)

Nach bislang recht guten Bedingungen warten Simone Moro (Bild) und David Göttler am Nanga Parbat derzeit auf ein neues Schönwetterfenster. (Quelle: The North Face/David Göttler)

Der Münchner Bergsteiger David Göttler (35) und der Italiener Simone Moro (45) versuchen gerade den Nanga Parbat zu besteigen. Gelingt die gefährliche Expedition, winkt ein historischer Erfolg. Im Winter stand noch kein Mensch auf dem 8125 Meter hohen Achttausender. Vor ein paar Tagen mussten die beiden Bergsteiger in einer Höhe von 7000 Metern umkehren. Göttler und Moro befinden sich wieder im Basislager, wo sie auf ein Schönwetterfenster für einen erneuten Versuch warten. Unsere Autorin hat über Skype mit David Göttler gesprochen. Sehen Sie aktuelle Bilder der Winterexpedition auf den Nanga Parbat in unserer Foto-Show.

Johanna Stöckl: David, ihr seid nun seit über vier Wochen in Pakistan und habt kürzlich am Mazeno Ridge schon eine Höhe von circa 7000 Metern am Nanga Parbat erreicht. Nun, da Schlechtwetter prognostiziert war, seid ihr wieder ins Basecamp abgestiegen. Wie waren die Bedingungen am Berg beziehungsweise wie geht es euch jetzt?

David Göttler: Danke, es geht uns gut. Für mich persönlich ist es ein geniales Gefühl, an diesem Berg alleine - zusammen mit den Polen natürlich - unterwegs zu sein. (Anm. d. Red.: Ebenfalls am Nanga Parbat versucht sich das polnische Zweimann-Team Marek Klonowski und Tomek Mackiewicz) Simone und ich konnten erfolgreich Lager III einrichten, dort übernachten und am nächsten Morgen noch weiter bis auf 7000 Meter aufsteigen. Die Verhältnisse waren gut: Harter Schnee oder Eis. Was sehr angenehm ist, weil wir nicht im tiefem Schnee spuren mussten. Allerdings verlangt das wirklich allergrößte Konzentration, weil in der Höhe, in diesem Gelände jede Unachtsamkeit fatale Folgen haben kann.

Euer Basecamp liegt auf gerade einmal 3600 Metern. Heißt, ihr hattet schon ganze 3400 Höhenmeter im Aufstieg geschafft. Vom Gipfel trennen euch ab dem Mazeno Ridge immer noch über 1000 Höhenmeter. Sind diese Dimensionen am Nanga Parbat nicht auch frustrierend? Beziehungsweise wie hält man die Motivation hoch, jetzt, wieder unten auf 3600 Metern?

Die Dimensionen sind in der Tat gewaltig. Wie gesagt, wir haben viele Höhenmeter geschafft. Alleine darauf bin ich irgendwie schon stolz. Klar ist auch: Bis zum Gipfel ist es ein langer, sehr weiter Weg. Wir werden sehen, was uns noch erwartet, sind aber weiterhin hoch motiviert. Ich freue mich auf ein brauchbares Wetterfenster. Dann legen wir erneut los.

Gab es schon Momente, an denen du den Versuch einer Winterbesteigung des Nanga Parbat angezweifelt hast. Schon mal ans Aufgeben und Heimfliegen gedacht?

Ganz klar: Nein! Bis jetzt noch nicht.

Ralf Dujmovits wollte ebenfalls eine Winterbesteigung des Nanga Parbat versuchen. Allerdings über die Diamir-Seite. Er ist mittlerweile wieder zu Hause. Das Unternehmen erschien ihm aussichtslos beziehungsweise zu gefährlich. Wie schätzt du die Gefahren und Chancen für euch auf der Rupal-Seite ein?

Uns erwarten, soweit ich das jetzt einschätzen kann, weniger Séracs (Anm. d. Red.: Eis-/Schnneeauftürmungen, die abzubrechen drohen) auf unserer Seite. Dafür ist unser Aufstieg länger und technisch anspruchsvoller. Die Chancen sind also ähnlich wie auf der Diamir-Seite. Es hängt so viel vom Wetter ab! Du brauchst ein paar Tage am Stück brauchbare Bedingungen. Nur dann kannst du dein Glück versuchen.

Auf der gerade stattgefundenen Sportmesse ISPO in München gab es am Stand von The North Face einen Live Chat, einen Stream zu eurem Teamkollegen Emilio Previtali im Basecamp, der euch medial begleitet. Man kann, sofern man Emilio auf diversen Social-Media-Kanälen folgt, relativ nah an eurer Expedition dran sein. Wie nahe seid ihr an der Welt, an der Zivilisation?

Ich genieße die Nabelschnur namens Satellitenverbindung. Ab und zu lese ich im Internet die Nachrichten aus aller Welt. Aber natürlich freut es mich am meisten, mit meiner Familie, meinen Freunden und vor allem meiner Freundin daheim kommunizieren zu können.

Schenkt euch die Satellitenverbindung ein Stück "Geborgenheit" oder ist man trotz dieser theoretischen Verbindung auf einer "Insel", einem anderen Planeten? Alleine, dass ich jetzt mit dir sprechen kann - ich in München, ganz gemütlich am Schreibtisch, du im Basecamp des Nanga Parbat - ist das nicht verrückt? Erzeugt das mitunter auch Heimweh oder ist das Gegenteil der Fall? Fühlt man sich dadurch weniger isoliert?

Beides stimmt. Gerade wenn ich nach einem Skype-Anruf realisiere, wie weit ich von daheim weg bin, kommt gelegentlich ein wenig Sehnsucht auf. Aber ich möchte es trotzdem nicht missen. Das Satellitentelefon hilft mir auch ein wenig, das "Alltagsgeschehen" daheim mitzuerleben. Das hilft mir.

Hast du schon Gewicht verloren? Noch reichlich Reserven?

Ob ich bereits abgenommen habe, kann ich nicht genau sagen. Ein wenig vielleicht, aber nicht dramatisch. Kräftemäßig fühle ich mich gut. Eigentlich gleich gut wie zu Beginn der Expedition. Am Berg geht es uns jetzt sogar besser, weil wir uns ja immer mehr an die Höhe anpassen. Ich fühle mich gut und habe noch Reserven.

Gibt es eine langfristige Wetterprognose? Wann könntet ihr in etwa wieder Richtung Gipfel starten?

Nein, die gibt es leider nicht. Wir müssen warten und hoffen.

Wie läuft es eigentlich mit der polnischen Expedition, die den gleichen Plan wie ihr verfolgt? Arbeitet ihr im Team?

Sehr gut läuft es. Wir unterstützen uns und sind ständig in Kontakt. Allerdings sind wir am Berg mit unterschiedlichen Taktiken unterwegs. Wir besuchen uns gegenseitig und essen auch mal abends zusammen. Jeder ist froh, dass die anderen auch da sind.

Gesetzt den Fall, ich könnte dir in diesem Augenblick etwas aus meiner Wohnung ins Basecamp rüberbeamen. Was wär’s?

Ein schönes Bett, eine Dusche vielleicht? Oder eine Butterbreze! Auch ein schönes Glas Rotwein hätte ich gerne. Wenn du mir jetzt aber meine Freundin kurz rüberbeamen könntest, dann wäre das wirklich klasse.

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