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Transcontinental Race: mit dem Fahrrad von London nach Istanbul nonstop

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Transcontinental Race: mit dem Fahrrad von London nach Istanbul nonstop

27.03.2014, 17:55 Uhr | SP, KGK

Transcontinental Race: mit dem Fahrrad von London nach Istanbul nonstop. Transcontinental Race: Erik Nohlin und Recep Yesil. (Quelle: e r t z u i ° film)

Zwei ganz unterschiedliche Typen, die das Transcontinental Race eng zusammengeschweißt hat: Erik Nohlin und Recep Yesil vom Team AWOL. (Quelle: e r t z u i ° film)

Das Transcontinental Race ist das längste Nonstop-Radrennen Europas ohne Begleitfahrzeug. Mindestens 3200 Kilometer muss man vom Start in London bis ins Ziel in Istanbul zurücklegen. Das 2er-Team "AWOL" mit dem Schweden Erik Nohlin und dem Deutsch-Türken Recep Yesil präsentiert nun eine extrem spannende wie unterhaltsame Dokumentation ihrer Erlebnisse: 14 Tage gemeinsam im Sattel und dabei nicht nur Europa, sondern auch sich selbst "erfahren". Wir haben mit Recep über das Rennen, über Radbegeisterung - und über Sitz- und Zahnfleisch gesprochen. Bilder der Tour sehen Sie in unserer Foto-Show.

SP: Recep, wie immer die erste Frage bei einer solchen Unternehmung: Wie kam’s dazu?

Recep Yesil: Völlig spontan und aus dem Bauch heraus - und kein bisschen anders. Erik und ich sind bei Specialized als Designer und Produktmanager verantwortlich für das AWOL - ein besonderes Rad. Über die "normale" Verantwortlichkeit hinaus ist es für uns beide aber auch eines dieser Räder, zu denen man einen persönlichen Bezug aufbaut und sie dann die eigenen "Babys" nennt. Irgendwie willst du dein Rad dann auch bei der Markteinführung begleiten.

Dann kam Erik eines Tages ins Büro und erzählte vom Transcontinental Race. Ich sagte sofort: "Ja, das ist es, genau das machen wir!" - ohne auch nur einen Moment darüber nachgedacht zu haben. Eine Bauchentscheidung, die noch Konsequenzen haben sollte.

Und die Grundregeln des Rennens sind?

Innerhalb von zwei Wochen von London nach Istanbul radeln - und zwar aus eigener Kraft, bei freier Streckenwahl und ohne jegliche Unterstützung von außen. Dabei muss man vorgegebene Checkpoints passieren: Kapelmuur in Geraardsbergen/Belgien und das Stilfser Joch (und zwar den Nordanstieg mit 1900 Höhenmetern und 48 Spitzkehren).

Wie viele Kilometer musstet Ihr damit am Tag zurücklegen?

Wir haben bei unserer Routenplanung das Augenmerk auf möglichst wenig Höhenmeter gelegt und hatten am Ende eine Strecke von knapp 3200 Kilometer mit etwa 30.000 Höhenmetern. Das waren rechnerische 228 Kilometer pro Tag. Unsere Route ging relativ direkt quer durch Europa. Wir haben insgesamt 12 Länder gesehen und 14 Grenzen passiert.

Da sitzt man am Tag dann wie viele Stunden im Sattel?

Nie weniger als 12 Stunden, einige Tage auch 15 bis 16 Stunden. Das Tagesziel muss erreicht werden, egal wie lange es dauert. Das längste Stück war die letzte Etappe kurz nach Sofia. Das waren etwa 450 Kilometer am Stück mit nur drei Stunden Schlaf.

Wie hält man das durch?

Ganz ehrlich? Ich habe schon seit 20 Jahren den Traum, nach Istanbul zu radeln und dort den ersten Fahrradkurierladen der Türkei aufzumachen. Letzteres habe ich mir zwar nicht erfüllt, aber als Erik von dem Rennen erzählte, war es mein Ziel - regelrecht vorgekaut und auf dem Silbertablett serviert. Das willst du dann natürlich auch erreichen. Gleichzeitig ging es darum, "unser" Fahrrad einzuweihen und der Welt zu zeigen. Das ist schon eine gute Motivation.

Habt Ihr wirklich nicht des Öfteren gedacht, dass Ihr es nicht schaffen werdet? Man spürt viele Zweifel in der Filmdokumentation - und doch habt Ihr durchgehalten.

Klar hat man währenddessen immer wieder seine Momente, aber die vergehen auch wieder. Und es gibt genauso die anderen Momente, in denen man sich wie Superman fühlt (die vergehen übrigens auch wieder). Das Ziel war von Anfang an klar definiert und das galt es zu erreichen. Ich bin ein Sturkopf - und Erik hätte auch nicht aufgegeben.

Dass Ihr ganz unterschiedliche Typen seid, das zeigt sich auch sehr deutlich. Der schwedische Racer und der badische Spaßradler?

Ja, für mich stand der Rennaspekt schon immer an allerletzter Stelle. Was nicht bedeutet, dass man nicht auch ohne Renngedanken die adäquate Leistung erbringen kann. Genau den Beweis habe ich ja letzten Endes erbracht. Spaßradeln geht zwar anders, aber was soll’s. Erik hingegen gehört zu der Gattung Radfahrer, die Ihre Kraft aus Siegen holt. Während ich mich bemühen musste, an ihm dran zu bleiben, war seine Herausforderung, seinen Renngeist zurückzuhalten und somit im Prinzip auf seine Kraftquelle zu verzichten. Wir hatten also beide unsere Herausforderung und auch Opfer zu bringen - das war "Team AWOL".

Du musstest recht schnell abreißen lassen, weil Du Eriks Tempo nicht halten konntest. Aber der Stelvio-Pass hat Euch wieder zusammengeführt. Hier kämpft sich Erik im Regen bergauf mit zu wenig Schlaf, zu wenig Essen - und erlebt seine größte Radkrise. Und es scheint so, als könntet Ihr all die Zweifel nur als Team bewältigen?

Erik dachte nach meiner langen Pause am dritten Tag, dass ich ausgestiegen sei. Das war ein reines Missverständnis. So hat er sich ganz seiner nächsten Grenzerfahrung gewidmet und war die Nacht zuvor durchgefahren. Mir ging es zwar nicht wesentlich besser, aber ausgeruhter war ich beim Stelvio in jedem Fall. Wir haben ihn beide bezwungen, jeder auf seine Art, aber Erik ist dabei gebrochen.

Aber das war der Wendepunkt und das Rennen wurde zum Abenteuer?

So ist es. Ich denke heute, dass es ein Geschenk war, dass wir so früh auf diese Art, mit diesem Ereignis "gemeinsam" beschließen konnten, dass wir ab sofort kein Rennen mehr fahren. Wir hatten uns einander angenähert. Ich konnte nach dem Stelvio viel souveräner pedalieren, und Erik hatte nicht mehr den Drang, Gas zu geben. Beim Stelvio fing für uns der eigentliche und auch gemeinsame Spaß an.

Ein harmonisches Miteinander? Unterschiedliche Charaktere seid Ihr aber immer geblieben.

Wir haben dann tatsächlich im selben Rhythmus funktioniert. Ich beflügelt vom Gedanken der Erfüllung meines 20-jährigen Traums, Erik in seiner Gelassenheit, nicht mehr ein Rennen zu fahren, sondern ein Abenteuer zu erleben. Ganz ohne Drang oder Druck. Aber sein Dämon hat ihn doch noch einmal eingeholt. Etwa 250 Kilometer vor dem Ziel musste er einfach nochmal Gas geben und an seine Grenzen kommen. Er hatte sich zu lange zurückgehalten und musste dem Wind trotzen, der uns steil bergab nicht schneller als 14 km/h rollen ließ. Das war auch etwa der Zeitpunkt wo mich furchtbare Zahnschmerzen plagten und ich im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Zahnfleisch ging. Kurz vor Schluss hat Erik sich also zu seinem Wesen zurückbekannt - und mir hat mein Körper gesagt, dass die Party nun vorbei ist. Er hat mich daran erinnert, dass es bei aller Liebe zu psychischer Kraft gewisse physische Grenzen gibt, die man nicht überschreiten kann.

Aber Ihr habt es geschafft, und die Erfahrung hat Dich sicher auch geformt?

Jede Tief- und jede Hochphase... Man muss weitertreten oder aussteigen, so einfach ist das. Wenn man sich in so einer Lebenssituation befindet, wo es nur Null und Eins gibt, fällt die Entscheidung relativ schnell und einfach. Seitdem versuche ich auch im Alltag, schwierige Situationen auf diese zwei wesentlichen Optionen herunter zu brechen. Und dann geht es meist schnell und einfach wieder weiter.

Hast Du in die Richtung wieder eine Aktion geplant?

Ich bin infiziert und habe Blut geleckt. Etwas konkret geplant habe ich nicht, aber ich werde ganz bestimmt wieder mal eine Tour solchen Kalibers machen. Allerdings ganz gewiss nicht mehr im Kontext eines Rennens. Die "Entschleunigung" ist das Wesentliche, was auf einer Radreise und beim Outdoor-Erlebnis mit einem passiert. Da reicht schon ein Overnighter im zwei Stunden entfernten Wald - das kann ich jedem nur empfehlen.

Mehr zu dem Projekt unter:

www.wearegoingawol.tumblr.com

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