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Hochgefühl im "Verlorenen Loch"

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Schweizer Alpen  

Hochgefühl im "Verlorenen Loch"

03.09.2014, 13:08 Uhr | Armin Herb , srt

Hochgefühl im "Verlorenen Loch". Eine ganz besondere Reise für Radfahrer. (Quelle: Armin Herb)

Eine ganz besondere Reise für Radfahrer. (Quelle: Armin Herb)

Radeln liegt voll im Trend und wer vom Bodensee zum Lago Maggiore fährt, erlebt eine Alpenüberquerung der ganz besonderen Art. Schauen Sie sich die spannende Reise auch in unserer Foto-Show an.

"Wo wellet se denn alle no?" schwäbelt die betagte Besucherin vom Nordufer. Am Bodensee ist mal wieder die Hölle los. Fast im Sekundentakt passieren Radfahrer das Seerestaurant Salzmann beim schweizerischen Fußach. So schön er ist, so beliebt ist der Radweg um den Drei-Länder-See. Da ziehen wir uns lieber für ein Päuschen ins nahe Rheindelta zurück. Ein wahres Naturjuwel und erster Höhepunkt unserer Transalp-Reise durch die Schweiz. Statt Radlerpalaver umgibt uns im Schilf Vogelgezwitscher und Fröschequaken als Geräuschkulisse. 

Der Rhein als Begleiter

Im Süden leuchten die ersten Alpengipfel. Dort wollen wir hin und drüber hinweg ins Tessin. Übrigens nicht mit dem Mountainbike, sondern mit dem Tourenrad. Der Rhein wird uns dabei lange begleiten hinein ins Hochgebirge - zu historischen Orten durch herrliche Landschaften. Allerdings radeln wir gegen den Strom, gegen den Radlerstrom, denn fast alle wollen rheinabwärts Richtung Deutschland und weiter. 

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Die kleinste Stadt der Schweiz ist mit zwei Gassen und nicht einmal hundert Einwohnern so klein, dass wir fast durchgerauscht wären. Dabei verwöhnt Werdenberg seine Gäste mit einem Ambiente wie aus dem Geschichtsbuch: Auf einem Weinberg thront ein Schloss aus dem 13. Jahrhundert, zu seinen Füßen liegen ein großer Ententeich und der urige Ortskern mit reich verzierten Holzhäusern. 

Eigentlich kann man anfangs viele Kilometer auf dem Rheindamm zurücklegen, aber die beschilderte Radroute verläuft abwechslungsreicher leicht hügelig durch Dörfer und Weingärten. Ab und zu wechseln wir das Ufer. So geht es ohne Grenzkontrolle durchs Fürstentum Liechtenstein nach Vaduz und Triesen, vorbei an Weiden voller Kühe mit gestutzten Hörnern. Bemitleidenswert sehen sie aus. Aber zum Glück ist das bei den Eidgenossen nicht die Regel. 

Übernachten in Bad Ragaz

Das altehrwürdige Bad Ragaz drängt sich förmlich als Übernachtungsort auf. Nicht wegen der noblen Hotels oder der dunkel-kühlen Taminaschlucht, sondern hier lassen sich im modernen Thermalbad nach einer langen Tagestour so schön die müden Beine lockern. Im nahen Maienfeld soll sie gelebt haben, die berühmte Heidi, die Romanfigur von Johanna Spyri. Wir machen einen Bogen drum durch die Weinberge. Denn "Heidiland" ist schon etwas zur Massenabfertigung verkommen. Schade! Denn gerade in der Weinstube Graubündens zeigt sich das Alpenvorland wie ein gigantisches Gemälde. Allerdings fordern die knackigen Steigungen erstmals die Kondition heraus.

Schloss Marschlins am Eingang des Landquarttales wirkt wie ein mächtiger Wächter an der Pforte der Bergriesenwelt. Dabei patrouillieren rund ums ehemalige Wasserschloss heute keine Ritter mehr, sondern werkeln Ökobauern und suhlen glückliche Bioschweine. 

Chur, die sympathische Metropole Graubündens, ist die letzte städtische Bastion, bevor es hinauf geht ins Hinterrheintal. Der richtige Ort, um vor den Bergetappen nochmals im Straßencafé zu sitzen und unter wehenden Schweizer Fahnen in die Sonne zu blinzeln. Manch einer wird zudem gerne einen Abstecher in eines der vielen Museen zu Geschichte, Natur oder Weinbau machen. 

Die berühmte Via Mala

Hinter Thusis wird es plötzlich eng und dunkel. Wir müssen durch die berühmt-berüchtigte Via Mala hindurch. Schaurige Sagen ranken sich um die düstere Schlucht des Hinterrheins - von Transporttragödien und Berggeistern. "Ihr müsst unbedingt die Treppen hinunter steigen ins "Verlorene Loch"- es lohnt sich, " rät uns die Wirtin des Weissen Kreuzes in Thusis. Sie hat Recht. Ein tosendes Naturschauspiel erwartet den Besucher: 300 Meter hoch ragen links und rechts die Kalkfelsen empor und lassen nur wenig Licht in den kalten, feuchten Canyon mit seinen Windungen und gluckernden Strudeltöpfen. Welche Dramen sich wohl seit der Römerzeit an dieser gefährlichen Engstelle abgespielt haben? Autofahrer sehen heute im Tunnel gar nichts mehr von dieser Naturgewalt. 

Leicht fröstelnd schrauben wir uns nach diesem Erlebnis weiter in die Höhe. Hinauf ins Val Schons oder Schamsertal, in die Welt der Dreitausender mit den ganzjährig weißen Schneehauben, zu den kitschig-schönen Bergdörfern mit den sonnengegerbten Holzhäusern und uralten romanischen Kirchen. Splügen ist solch ein Prachtdorf wie aus dem Bilderbuch. Von dort sind es noch rund 20 Kilometer und 600 Höhenmeter bis zum höchsten Punkt unserer Alpenüberquerung. Das holländische Pärchen, das uns einige Kilometer begleitet hat, verabschiedet sich Richtung Splügenpass. Die beiden rüstigen Rentner wollen immerhin noch bis Rom - immer mit einem Lächeln im Gesicht.

Und wir keuchen kurz darauf die Serpentinen zum San Bernardino hinauf. Landschaft und Straße rauben uns den Atem. Auch weil ab und zu die Leitplanke fehlt am steilen Abhang. Zum Glück scheint die Sonne, denn oben auf 2066 Meter Höhe liegt noch eine geschlossene Schneedecke. Das Albergo am Pass hat schon bessere Zeiten gesehen und ist wohl nur noch bei schönstem Sommerwetter geöffnet. Aber Leben ist trotzdem hier oben. Im Passsee plätschert einsam ein Entenpaar. 

Das südliche Flair lockt

Dick eingepackt rollen wir hinunter in den italienisch geprägten Teil der Schweiz. Eine ganz andere Welt tut sich auf, auch wenn hier noch alpine Umgebung vorherrscht und von steilen Bergflanken hohe Wasserfälle herabstürzen. Das südliche Flair erzeugt Ferienstimmung, zumal alle großen Steigungen hinter uns liegen. In Bellinzona, der Metropole des Tessins mit ihren drei markanten Burgen, fühlt man sich schon wie mitten in Italien, bei Cappuccino auf der Piazza. Und am nahen Lago Maggiore ist fast so viel los wie am Bodensee. Allerdings flanieren hier vor allem die Spaziergänger und noch nicht die Radler. 

Weitere Informationen: 

Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt am Main, Tel. 00800/100 200 29 (kostenfrei), www.myswitzerland.com, www.graubuenden.ch, www.ticino.ch, gute Radreise- und Touren-Tipps unter www.veloland.ch
Die Radroute: Knapp 300 Kilometer und 2100 Höhenmeter misst die Transalproute vom Rheindelta am Schweizer Bodenseeufer bis nach Locarno am Lago Maggiore. Man fährt überwiegend auf asphaltierten Radwegen und Nebenstraßen. Bis Bad Ragaz sind kaum Steigungen zu befürchten, danach wird es hügelig. Das Val Sons und die Serpentinen zum San Bernardino-Pass erfordern eine gute Grundkondition und die entsprechende Übersetzung am Rad. 

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