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Mit dem E-Bike durch Norditalien

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Das Meer ist das Ziel  

Mit dem E-Bike durch Norditalien

06.10.2014, 11:04 Uhr | Armin Herb, srt

Mit dem E-Bike durch Norditalien. Das Ziel dieser Route ist die Adria. (Quelle: SRT /Armin Herb )

Das Ziel dieser Route ist die Adria. (Quelle: Armin Herb /SRT )

Von den Alpen an die Adria - diese Reise mit dem Elektrorad führt durch die Kulturgeschichte Norditaliens und bietet viele attraktive Stopps, bei denen sich "La dolce vita" entspannt genießen lässt. Sehen Sie die E-Bike-Tour auch in unserer Foto-Show.

Erst zwanzig Minuten im Fahrradsattel und schon wieder gemütlich in der Sonne sitzen, vor einem ein Cappuccino mit Kakao-Herz im Milchschaum, rundherum viele gut gelaunte Menschen. Muss man dabei als E-Bike-Reisender ein schlechtes Gewissen haben? Warum eigentlich? Wer beim Reisestart in Trento diese geschichtsschwangere Altstadt auslässt, ist selbst schuld. Unser persönlicher Modus-Schalter steht schon auf "Italien". Frei nach dem Motto: Das Schöne genießen auf dem E-Bike und bei vielen attraktiven Stopps auf Tour.

Das pulsierende Leben in Trento

Vor dem Caffè Italia am Domplatz kreuzen sich in lustigem Durcheinander die Routen der Fußgänger und Radler. Am Neptunbrunnen knutschen Verliebte und fotografieren sich kichernde koreanische Touristen. Aus der Via Belenzani stöckeln hochhackig Signoras mit mattgoldenen Einkaufstüten. Das ist unterhaltsames Open-Air-Kino am Vormittag. Der Reiseführer schreibt Trento ein österreichisch geprägtes Stadtbild mit vielen freskenverzierten Renaissancepalästen zu - mag sein. Die Atmosphäre in Trentos Altstadt ist auf jeden Fall italienisch - laut und lebendig. In den autofreien Gassen so lebendig, dass das E-Bike fast zu stark schiebt für den Slalom im Menschengewusel. Deshalb lieber den Motor aus und nur mit Muskelkraft treten.

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Auf dem Weg vom Etschtal steil hinauf ins Val Sugana freut man sich dann wieder über die kräftige Unterstützung aus dem Motor. Fernab der Schnellstraße windet sich unsere 250-Kilometer-Route zum Meer durch die besseren Viertel von Trento. Im Hintergrund ragen die ersten Zweitausender in den Himmel. Zum Glück haben wir einen GPS-Track fürs Navigationsgerät. Einen beschilderten Radweg sucht man auf den ersten Kilometern nämlich vergebens.

Neue Wege zwischen Lago di Caldonazzo und Lago di Levico

Sicherlich wäre es einfacher gewesen, entlang der Etsch via Verona nach Venedig zu rollen - auf dem klassischen, gut ausgebauten, ordentlich beschilderten Fernradweg. Aber neue Wege sucht der E-Biker gerne. Und so kurven wir nun Richtung Südosten zum Lago di Caldonazzo und Lago di Levico, mittendrin in einem beliebten Erholungsgebiet zwischen den hügeligen Ausläufern der Dolomiten. Ein dicht bewaldeter Bergrücken trennt die beiden Seen, von denen der Lago di Levico schöner, der Caldonazzo aber besser zum Baden geeignet ist. Strände und Campingplätze wechseln sich ab. Das lässt schon ein wenig Adria-Feeling aufkommen.

Kurz darauf überwiegt wieder das Alpine. Der noch junge Val-Sugana-Radweg führt uns langsam aus den Bergen hinaus. Auf Stahlgittern in der Felswand hangelt sich die Trasse abenteuerlich durch die Brenta-Schlucht. Wir sind nicht allein auf der Route. Die Italiener haben offenbar das Radfahren neu entdeckt. Ganz schön viel Verkehr herrscht entlang des Flusses. Und es kommen uns bei weitem nicht nur Rennradler entgegen. Um die Verpflegung muss man sich auf dem Weg nach Bassano del Grappa keine Sorgen machen. Mehrere Bici-Grills - das italienische Pendant zum Radler-Biergarten - bieten ihre Dienste an. Allerdings sind nicht alle so gut ausgestattet, wie der "Cornale", wo Münchner Augustiner Bier ausgeschenkt wird und sogar kleine Reparaturen am Rad gemacht werden.

Die "Grande Tour del Veneto"

Am Fuße des Monte Grappa liegt quasi das Tor zu den Alpen - oder, in die andere Richtung gesehen, das Tor nach Venetien. Hinter Bassano öffnet sich die breite venezianische Ebene. Die Herausforderung sind hier sicher nicht die Auf- und Abfahrten durch Kirschenhaine und Weingärten, sondern wie man sich mit dem Rad stressfrei von Kulturstadt zu Kulturstadt fädelt. Mittlerweile verbindet viele dieser Kulturmetropolen sogar ein Fernradweg, die "Grande Tour del Veneto". Nicht perfekt beschildert, aber mit vielen autofreien Abschnitten.

Am Fuße des Monte Pausolino rollen wir nach Marostica. Ein schnuckeliger alter Ort mit Arkaden und Laubengängen, gänzlich umgeben von wuchtigen Mauern aus der Skaligerzeit, die sich den ganzen Hügel hinaufziehen. Hinter dem Stadttor öffnet sich die Piazza Marostica mit einem überdimensionalen Schachbrett. Alle zwei Jahre findet in geraden Jahren am zweiten Sonntag im September das historische Schachspiel mit lebenden Figuren in mittelalterlichen Kostümen statt. Auch an dieser Piazza sitzt man aussichtsreich in der Sonne und bekommt einen guten Cappuccino.

In Vicenza müssen Autos draußen bleiben

Die "Grande Tour" leitet den Radtouristen mitten durch Vicenza. Nach dem ernüchternden Abschnitt durch die Industriezone in der Peripherie folgt im Zentrum die Verzückung. Eine Innenstadt wie ein Kunstmuseum, seit 1994 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes - und zudem fahrradfreundlich, da Autos draußen bleiben müssen. Andrea Palladio, der Star-Architekt des 16. Jahrhunderts, hat in Vicenza wahre Schmuckstücke geschaffen, vom Teatro Olympico über die Basilica Palladiana bis hin zur Villa Rotonda. Zur Erholung von dieser geballten Ladung Kultur findet man am Flüsschen Retrone südlich des Zentrums hübsche Ecken mit Cafés. Denn ein weiterer großer Kulturspot liegt ja noch auf unserer Route beziehungsweise fast an der Route. Padua verlangt zwar einen kleinen Abstecher, aber der lohnt sich.

Irgendwann ertappt man sich sicherlich beim heimlichen Ausspruch: "Ich kann keine Villen und Palazzos mehr sehen!" Und dann dreht man mit dem E-Bike Runde um Runde auf dem Prato della Valle, dem größten Innenstadtplatz Europas, und es bricht aus einem heraus: "Wow! Gut, dass wir uns das auch noch angesehen haben!"

Thermen und Fango-Becken

Aber hinter Padua stehen Landschaft und Erholung im Fokus. Schnurstracks geht's am Battaglia-Kanal entlang auf die Euganeischen Hügel zu, dort wo schon die alten Römer und die reichen Venezianer kurten, in den Thermen rund um Abano und Montegrotto. Ehrlich gesagt sind die berühmten Kurorte etwas gesichtslos. Dafür liegen viele der altehrwürdigen Hotels in majestätischen Parks und haben eigene Thermen und Fangobecken.

Hier leisten wir uns zur Abwechslung einen Radguide. Paola erklärt uns, was viele Kurgäste verpassen, etwa die Klöster von San Daniele in Monte und Praglia. Hinter hohen Mauern werden Wein und Biokräuter angebaut und im Klostershop verkauft. Wir kurven durch Eichen- und Kastanienwälder zu kleinen Orten und - auch hier - zu prachtvollen Villen inmitten riesiger Gärten.

Endstation: Adria-Strand

Südlich der Thermenorte lässt sich das Meer schon erahnen. Kilometerweit zuckeln wir auf dem Dammweg des Bacchiglione-Kanales durch weite Felder, bis schließlich die Lagune auftaucht. Noch schnell über eine Brücke und wir rollen hinein in die Altstadt von Chioggia. Ein quicklebendiger Hafenort, durchzogen von Kanälen. Links und rechts flitzen ständig E-Bikes an uns vorbei. Wir haben unser Ziel erreicht. Zwischen Altstadt und Adria-Strand liegen nur noch der obligatorische Kaffeestopp und eine Brücke über die Laguna del Lusenzo.

Weitere Informationen:

Karten & Literatur: Marco Polo Karten "Südtirol, Trentino" und "Venetien, Friaul" im Maßstab 1:200.000. Zur Planung und zum Schmökern: Reisehandbuch "Venetien" aus dem Michael Müller Verlag, 384 Seiten.
Auskunft: Italienisches Fremdenverkehrsamt ENIT in Frankfurt, Tel. 069/237434, www.enit.de; Regione del Veneto, www.veneto.to; Trentino Tourismus, www.visittrentino.it/de

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