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Ein Hauch von Sommer im Winter

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Nizza erleben  

Ein Hauch von Sommer im Winter

10.12.2014, 11:49 Uhr | Simone F. Lucas, srt

Ein Hauch von Sommer im Winter . Nizza: Blick zum Schlossberg. (Quelle: Simone F. Lucas)

Nizza: Blick zum Schlossberg. (Quelle: Simone F. Lucas)

Das einstige Winterziel reicher Engländer hat auch den Urlaubern von heute viel zu bieten - nicht nur ein kühles Bad im Mittelmeer. Schauen Sie sich Nizza auch in unserer Foto-Show an.

Früh beginnt das Leben auf der Promenade Anglais in Nizza. Schon im Morgengrauen werfen die Fischer ihre Angeln aus. Und wie sie da stehen, in Reih' und Glied, bekommt man glatt Sorge ums Überleben der Fische. Wenn die Angler ihre Fanggeräte einpacken und die Sonne erste wärmende Strahlen über den Strand ergießt, treffen sich die Jogger in bunten Grüppchen, um in Richtung Schlossberg loszulaufen. Abgelöst werden sie von noch bunteren Gruppen, den Radfahrern. Und noch etwas später, wenn die Temperatur über die 15-Grad-Marke geklettert ist, sieht man die ersten Schwimmer durch die blauen Wogen pflügen und weiter draußen ein paar Standup-Paddler.

Eine acht Kilometer lange Promenade

Hier, an der mittlerweile acht Kilometer langen Promenade, kann man sich vorstellen, dass Nizza einst ein Winterziel reicher Engländer war. Sie kamen zuhauf schon Ende des vorletzten Jahrhunderts, angeführt von Queen Victoria, die standesgemäß im majestätischen Hotel Regina am exklusiven Boulevard Cimiez mit den schönen Belle-Epoque-Palästen residierte. Heute ist das von einer Krone gekrönte Palais Regina mit seinem Wintergarten und dem Tenniscourt als Residenz reichen Privatleuten vorbehalten, die bereit sind, mindestens eine Million für den exklusiven Wohnsitz auszugeben. Auch der Maler Henri Matisse hatte sich hier eingenistet. 16 Jahre, bis zu seinem Tod 1954, bewohnte er zwei Appartements in dem ehemaligen Hotel. Das Matisse-Museum aber, das die Entwicklung des großen Malers zeigt, befindet sich inmitten der Gärten von Cimiez, in einer genuesischen Villa.

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1916, erzählt Kunstführerin Nathalie, eine Frau mit wilden Locken und roten Lippen, sei der Maler erstmals nach Nizza gekommen, "bei einem solch stürmischen Regen, wie wir ihn letzte Woche auch wieder erlebten". Das Gemälde "Tempête à Nice" gibt diesen Eindruck wieder. Doch als nach dem Regenwetter die Sonne durch die Wolken brach, wusste Matisse, dass er sein Malerglück gefunden hatte. Das sprichwörtliche "magische Licht der Côte d'Azur" hatte ihn verzaubert. 1919 kam er wieder, 1924 verlegte er den Wohnsitz nach Nizza. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof des Franziskanerkonvents.

Chagall war begeistert

Auch Marc Chagall war dem magischen Licht der Riviera erlegen. Er lebte zwar nicht in Nizza, sondern in Saint-Jean-Cap-Ferrat und später in St. Paul de Vence, aber er hat das Museum in Cimiez, das sich auf seine Werke zu den Themen des Alten Testaments konzentriert, zusammen mit dem Architekten entworfen. Besucher können hier die Entstehungsgeschichte von Chagalls "Biblische Botschaft" in 17 farbenfrohen, heiteren Gemälden besichtigen. Und sie können in Cimiez auf Zeitreise gehen, von den Ausgrabungen der Thermenanlage aus römischer Zeit, über das Kloster und die Kirche Notre-Dame-de-Cimiez aus dem späten Mittelalter mit den schönen Gärten bis hin zu den prächtigen Bauten der Belle Epoque wie dem schneeweißen Winterpalast, das im maurischen Stil gestaltete L'Alhambra oder Le Grand Palais, das Anfang des 19. Jahrhunderts mit sensationellen neun Stockwerken aufwartete.


Doch Nizza ist nicht nur Belle Epoque und Art déco, es gibt auch das alte Nizza rund um den Blumenmarkt, wo auch das frühere Matisse-Haus steht. Hier sind die Häuser kleiner und stehen dichter beieinander. Dazwischen aber drängen sich immer wieder imposante Paläste wie das Palais Lascaris, ein Adelspalast aus dem 17. Jahrhundert, heute Museum. Oder das mächtige Palais de la Préfecture, einst Sitz der Könige von Savoyen, heute schnödes Verwaltungszentrum. Vieles in Nizza ist noch, wie es vielleicht auch Matisse kannte: der Blumenmarkt etwa, der von Möwen umkreiste Fischmarkt, die Metzger, wo sich die Hausfrauen um die Würste drängen, die Confisérien mit ihrem verlockenden Angebot an Torten, Pralinen und kandierten Leckereien. Doch Nizza ist nicht stehen geblieben in der "guten alten Zeit". Die Stadt leistet sich auch moderne Architektur wie den Ausstellungskomplex Acropolis, der sich über dem überbauten Fluss Paillon erhebt - am Ende einer Achse, die mit dem Musée d'Art Moderne et d'Art Contemporain (MAMAC) beginnt und über die Bibliothek mit der Tête Carrée von Sacha Sosno führt. In dem Quadratschädel hat übrigens die Bibliotheksverwaltung ihren Sitz.

Kunst ist überall präsent

Auf Kunst stößt man allerorten in der Stadt. Auf klassische, wie den schneeweißen Brunnen-Apoll, der an der Place Masséna über Mars, Venus, Merkur und Saturn wacht, und auf moderne, wie Jaume Plensas "Conversation à Nice". Das sind sieben sitzende Figuren, die - nachts beleuchtet - auf neun Meter hohen Masten über der Verkehrsachse thronen. Hier im Zentrum, das Alt- und Neustadt trennt, das Kleinteilige vom Großzügigen, die moderne Shopping-Mall von den engen Gassen mit ihren Boutiquen und Lädchen, erfindet sich Nizza gerade neu, als "grünste Stadt des Mittelmeers". Wo früher ein Busbahnhof den Blick auf die schönen Fassaden versperrte, lädt heute eine langgestreckte Allee mit Grünflächen und Wasserspiegeln zum Flanieren ein und zu einer botanischen Reise durch Bäume und Blumen aller Jahreszeiten. 


Nachmittag in Nizza. Auf der Promenade zeigen Skater ihre Kunststücke, Hunde werden ausgeführt, Liebespaare schmusen auf den Bänken, zwei Mönche wandeln in ein Gespräch vertieft, ein Hochzeitspaar posiert vor dem Opernhaus, das nach einem verheerenden Brand im Stil der Pariser Oper neu erstand und vor dem heute eine Mini-Freiheitsstatue steht. Man schaut und staunt. Auf der Promenade sind Pelzmantel und Stiefel angesagt, am Strand auch Badehose und Bikini. Vielleicht ist auch Nathalie unter den Badenden. Ein "Jungbrunnen" sei das Schwimmen im Meer für sie, hat die rundliche Führerin gesagt und dass sie am liebsten jeden Tag baden gehe - selbst im Winter. Nizza schafft auch diesen Spagat: Sommertourismus im Winter. 

Weitere Informationen: 
Anreise: Der Flughafen Nizza ist mit elf Millionen Passagieren pro Jahr nach Paris der zweitwichtigste Airport in Frankreich. Unter anderen fliegt Lufthansa ab München und Frankfurt nach Nizza, Easyjet ab Berlin, Germanwings ab Hamburg. Aktuelle Preise im Reisebüro oder im Internet. Ins nahe Zentrum gibt es einen Shuttle-Bus. 2017 soll eine neue Straßenbahnlinie Flughafen und Stadtzentrum verbinden. 
Märkte: Sehenswert sind Gemüse- und Blumenmarkt in Alt-Nizza am Cours Saleya, immer vormittags außer an Montagen und Feiertagen. Jeden Montag von 7 bis 18 Uhr ist hier Flohmarkt. Ein großer Flohmarkt findet an jedem dritten Samstag im Monat auf der Place Garibaldi statt. Den Fischmarkt findet man außer montags jeden Morgen von sechs bis 13 Uhr auf der Place Saint-Francois. Am 1. und 3. Samstag jedes Monats kann man auf dem Büchermarkt auf dem Vorplatz vor dem Justizpalast in alten Büchern stöbern. 
Informieren: www.nicetourisme.de 

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