Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reisemagazin > Aktivurlaub >

Frankreichs wilde Landschaft erkunden

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Ardèche  

Frankreichs wilde Landschaft erkunden

09.09.2015, 10:27 Uhr | Norbert Eisele-Hein/srt

Frankreichs wilde Landschaft erkunden. 66 Meter hoch spannt sich der von Natur geschaffene, steinerne Triumphbogen über die Ardèche. (Quelle: N. Eisele-Hein)

66 Meter hoch spannt sich der von Natur geschaffene, steinerne Triumphbogen über die Ardèche. (Quelle: N. Eisele-Hein)

66 Meter hoch spannt sich der von Natur geschaffene, steinerne Triumphbogen über die Ardèche. Das kleine Flüsslein hat im Laufe von Jahrmillionen ganze Arbeit geleistet, sich geduldig durch die massive Felswand gefräst und eine spektakuläre Canyon-Landschaft hinterlassen. Das steinerne Tor bei Vallon Pont d'Arc ist zum Synonym für die gesamte Region geworden, Bilder davon gehören wie der Eiffelturm in jedes französische Schulbuch. Schauen Sie sich Eindrücke der Region auch in unserer Foto-Show an.

Für Kanuten ist die Ardèche das höchste der Gefühle. Selbst wenn man im August an manchen Tagen vor lauter Booten fast kein Wasser mehr sieht - die Tour bleibt ein echtes Abenteuer. Aber auch Wanderer sollten es nicht versäumen, einen Extratag für eine Kanutour von Vallon-Pont-d'Arc bis St.-Martin-d'Ardèche einzuplanen. Die Karstlandschaft ist obendrein berühmt für ihre zahlreichen Höhlensysteme. In der Unterwelt der Aven d'Orgnac, einer gigantischen, drei Hektar großen Tropfsteinhöhle, warten bizarre Säle mit bis zu 50 Metern Höhe. Ein Muss ist auch der Besuch des Chauvet Museums. In der erst 1994 bei Vallon entdeckten Chauvet-Grotte verewigte der Cro-Magnon-Mensch schon vor 35.000 Jahren seine Erlebnisse an den Höhlenwänden. Die Grotte wird als "Sixtinische Kapelle der Urzeit" zu Recht gelobt.

Andere Teile kommen zu kurz

Kein Wunder also, dass der Rest der Ardèche häufig etwas zu kurz kommt. Darum aufgepasst: Die Ardèche ist eines der acht Departements der Region Rhône-Alpes. Ein einsamer Landstrich, hart an der Grenze zu den Cevennen, sozusagen das Bindeglied vom kontinentalen Norden zur mediterranen Provence.

Im dünn besiedelten Norden, der sogenannten "L'Ardèche Verte", scheint die Landschaft tatsächlich einem Gedichtband mit sattgrünem Umschlag entsprungen. Steinbrücken aus der Römerzeit führen über wilde Bachläufe. Opas und Enkel stehen seelenruhig mit ihren Angeln an der Brüstung und stellen zahlreichen Forellen nach. Die romanische Kirche bei Veyrines stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Wanderung von dort hoch zum 1146 Meter hohen Chiret Blanc wird von Wildschwein-, Reh- und Fuchsspuren begleitet. Oben genießt man ein 360-Grad-Panorama und ziemlich außer Atem die Erkenntnis, dass die grüne Ardèche ein hinterlistiges Relief birgt. Das werden auch die jährlich 15.000 Teilnehmer der "L'Ardechois", einem der größten Radrennen der Welt, spüren. Dabei durchqueren Hobbyfahrer und Profis je nach Leistungs- und Leidensbereitschaft in drei Tagen die gesamte Ardèche.

Entspannte Alternative

Wer es weniger anstrengend angehen möchte, der kann im malerischen Lamastre unter schattigen Platanen eine kräftige Dosis Savoir-vivre genießen. Das geht so: Aus der Epicérie Baguette, Oliven, Ziegenkäse und Wildpastete holen und die alten Männer beim Petanque beobachten. Das ist nicht nur so eine holprige Kugelschubserei, wie man es mal aus Langeweile im Urlaub am Strand spielt. Das ist Passion und Präzision. Meist wirkt das Spiel meditativ, aber wehe, die Entscheidung, welche Kugel dem "cochonnet", dem Schweinchen, am nächsten kommt, ist umstritten - dann entsteht ein filmreifes Palaver mit gestenreichen Emotionen, dann werden die Maßbänder gezückt. Es geht um Millimeter.

Weiter südlich in der zentralen Ardèche tauchen markantere Berge auf. Die Straße windet sich wie ein glühendes metallenes Band gen Himmel. Endstation knapp unter dem Mt. Mezenc, dem mit 1753 m höchsten Berg der Region. Die Gegend ist berühmt für ihre "Sucs", kleine massive Felsgipfel vulkanischen Ursprungs, die unvermittelt aus der grünen Decke hervorplatzen. "Le Gerbier de Jonc", direkt an der D 378, ist mit seinen 1551 Metern Höhe ein besonders plakativer Zuckerhut. Der Berg markiert nicht nur die Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer. In seinem Innern entspringt auch die Loire. Somit herrscht hier auch etwas touristischer Rummel. Allerdings nicht zum Nachteil für hungrige Touristen. In den zahlreichen Marktbuden locken luftgetrocknete Würste, Steinpilze und leckere Käsesorten. Zudem gibt es sämtliche aus Esskastanien herstellbare Produkte, u.a. Gebäck, Mousse und sogar Kastanienbier - die Ardèche ist einer der größten Verarbeiter von Kastanienprodukten.

Das Tanargue-Gebirge entdecken

Südwestlich schließt sich das Tanargue-Gebirge an, an Wildheit und Einsamkeit kaum zu überbieten. Und auch hier sind die Gîtes d'Etappe erstklassige Anlaufstationen. Strukturell eine Mischung aus Alpenvereinshütte und Jugendherberge sind dies häufig liebevoll renovierte Gehöfte. Viele Alt-68er-Kommunarden haben sich damit einen grünen Lebenstraum verwirklicht. Meist lässt es sich dort auch schlemmen: Obst, Gemüse und Fleisch stammen fast immer aus dem eigenen biologischen Anbau oder Aufzucht.

Von der Gîte in Le Jal führt eine stramme Tour auf den höchsten Berg des Tanargue-Gebirges, den 1458 m hohen Sommet de Méjan. An den Hängen weiden riesige Schafherden. Oben wird es alpin, richtig felsig. Weit reicht der Blick in die grünen Hügelketten über Burgen und Klöster. Mit einer strammen Tagesetappe gelingt sogar eine Überschreitung in Richtung Loubaresse. Wenn man dann nach mehr als 20 Kilometer Fußmarsch den Turm von Loubaresse im Sonnenuntergang erblickt, qualmen zwar die Socken, aber die Erlebnisse und Ausblicke sind jede Strapaze wert.

Eine ganz besonders schöne Tour

Nicht weit davon entfernt können Wanderer mit dem "Sentier des Lauzes" sogar eine ganz besonders schöne Tour mit dem gewissen Extra in Angriff nehmen. Im "Vallée de la Drobie" inmitten des "Parc Naturel Régional des Monts d'Ardèche" haben Einwohner und Künstler gemeinsam einen Wanderpfad geschaffen, der zum sportlichen Anspruch zu Reflexionen über die Landschaft und deren Zukunft anregt. Die Bewusstseinsschleife führt von St. Melany über Dompnac und erhöht den Wert der wilden Landschaft anhand zahlreicher Exponate aus Stein, Holz und Metall.

Weitere Informationen:
www.ardeche-guide.com, www.ardeche.com, www.ardecheinfo.de;
Anreise: Mit dem Auto Rhônetal-Autobahn, BAB 5 Karlsruhe-Freiburg, Mühlhouse, Besancon, Lyon, diverse Abfahrten: Valence, Montelimar oder über Lindau, Zürich, Bern, Lausanne, Genf, Annecy, Chambéry, Grenoble nach Valence oder Montelimar.
Mit der Bahn Eurocity/Regionalexpress über Straßburg, Lyon nach Valence, Montelimar, weiter mit Bussen zu den Zielorten.
Reisezeit: Am besten zwischen Mitte Mai bis Ende Juni und von Mitte September bis Mitte Oktober.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Passant entlarvt angeblichen Beinamputierten

Misstrauisch werden die vermeintlichen Beinstümpfe befühlt. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal