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Segeln auf dem Ijsselmeer: Eine spannende Reise durchs Watt

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Segeln auf dem Ijsselmeer  

Eine spannende Reise durchs Watt

09.09.2015, 10:33 Uhr | Christian Haas/srt

Segeln auf dem Ijsselmeer: Eine spannende Reise durchs Watt. Die Gezeiten machen's möglich Wanderung auf dem  offenen Meer. (Quelle: Christian Haas)

Die Gezeiten machen's möglich Wanderung auf dem offenen Meer. (Quelle: Christian Haas)

Segeln ist für viele Urlauber ein Traum. Wer gerne an Bord auch mal Hand anlegen möchte, sollte eine Tour wagen. Wer sich für ein Plattbodenschiff entscheidet, kann Watt und Ijsselmeer noch intensiver erleben. Schauen Sie sich Impressionen der Reise auch in unserer Foto-Show an.

Auf einem Segelschiff haben Rituale einen hohen Stellenwert. So auch der regelmäßig nach dem Abendessen von Skipper und Eigner Len Pool vorgetragene Wetterausblick. Bislang hatte die überwiegend aus Segel-Novizen bestehende Crew schon einiges erlebt: von bis sechs Beaufort starke Winde über Regenschauer, bis hin zu für den Spätsommer ungewöhnlich warmen Temperaturen inklusive Sonnenbrand. Jetzt aber sagt Len mit Grabesstimme: "Ein heftiges Tief über Norwegen ..."

Ob das Wetter mitspielt?

Die 16 Mitsegler ahnen nichts Gutes. Doch Len, dessen holländischer Akzent und schelmische Art unweigerlich an Rudi Carrell denken lassen, löst mit einem Grinsen auf: "... tangiert uns nicht im geringsten. Wir haben Sonne pur und dennoch genug Wind, um immer wieder die Segel zu setzen." Und darum geht es schließlich: Segeln. Und da das klassische Jachtensegeln für viele Neulinge zu heftig erscheint, bietet sich die Fahrt mit dem Plattbodenschiff als sanfter Einstieg an. Die Kajüten sind nicht viel geräumiger als auf anderen Jachten, aber die lange, bauchige Form der ehemaligen Transportschiffe sorgt für Stabilität und ruhige Lagen. Seekrankheit kommt da deutlich seltener vor.

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Außerdem kann man sich während der Fahrt unter Deck aufhalten. Die 23-jährige Reiseleiterin Pia sorgt für unaufdringliche Beschäftigung für die neun Kinder zwischen sechs und 17 Jahren. Da werden stundenlang Armbänder geflochten, knifflige Denkrätsel in der Gruppe gespielt und Piratentücher gebastelt. Und an Deck können die Youngster ebenfalls Hand anlegen, wenn die großen Segel gehisst oder alles klar zur Wende gemacht werden muss.

"Schlingerkurs ist ein echtes Understatement"

Elke Kühnemann, Lens Lebens- und Schiffspartnerin seit rund 25 Jahren, zeigt, wie die ehrwürdige, 1893 gebaute und 2007 mit superleisem und energieeffizientem Motor upgegradete "Nooit Volmaeckt" bedient wird. Wie das große Rad zum Großsegelsetzen betätigt, die Fender an der Seite befestigt, Karten gelesen werden, Knoten funktionieren. Lens Platz befindet sich achtern am großen Steuerrad, das er Freiwillige gerne übernehmen lässt. Wow: So ein 25,40 Meter langes und 5,20 Meter breites Schiff zu manövrieren, ist schwerer als gedacht! Da heißt es, immer den großen Standkompass, die Segelfähnchen im Wind sowie parallel kreuzende Schiffe im Auge behalten. Doch so recht gelingt es mir nicht, den vorgegebenen "Hart am Wind"-Kurs zu halten. "Schlingerkurs ist da ein echtes Understatement", grinst Len und übernimmt. Doch das Selbst-mit-Anpacken macht enorm Spaß und schweißt in kürzester Zeit zusammen. Außerdem gilt das Motto "Man kann mitmachen, muss aber nicht".

"Da vorne, ein Schweinswal!" Len reicht das Fernglas weiter. Und löst vor allem bei den Kindern verzückte Rufe aus. Auf einer Sandbank tummeln sich jede Menge Seehunde, der knuffige Bordhund namens Kumpel lässt sich sogar streicheln. Die Teenager gehen währenddessen am liebsten ins Netz, aber in diesem Fall nicht ins virtuelle, sondern ins Klüvernetz am Bug. Herrlich, in rund zwei Meter Höhe über den tanzenden Wellen zu baumeln, Gitarre zu spielen, zu chillen. Bei der Einfahrt in den Hafen der Nordseeinsel Terschelling muss das Klüvernetz jedoch eingeholt werden. Wir sind recht früh am Nachmittag dran, deshalb ergattern wir einen Liegeplatz direkt am Steg. Nachdem alles vertäut ist, schwärmen wir aus. Zum Eis essen. Zum Schiffe gucken.

Richtig Muscheln sammeln

Elke zeigt uns, wie das geht. "Einfach mit beiden Händen im Schlick buddeln und nach harten Muscheln fühlen. Aber nur die geschlossen kommen in den Eimer." In Gemüsebrühe gekocht und mit zwei Saucen serviert schmecken sie köstlich! Selbst die Kinder können gar nicht genug davon bekommen. Ruckzuck ist die riesige Schüssel leer. Gut, dass es noch Spaghetti mit Tomatensauce und Pudding gibt. Schließlich macht ein Tag auf See und im Wind ordentlich hungrig. Gekocht wird in der kleinen Kombüse und ausschließlich von den Teilnehmern.

Am nächsten Tag gehen wir es gemütlich an, leihen Tandems aus und cruisen durch Kiefernwälder zu kilometerlangen Sandstränden. Die Mutigen wagen sich sogar in die beachtlichen Wellen. Doch all zu lang dürfen wir uns in der coolen Strandbar "Zandzeebar" rund zehn Kilometer von unserem Hafen in West-Terschelling nicht aufhalten - um 15 Uhr wollen wir ablegen. Zwar liegt die nächste Insel Vlieland nicht weit, aber rund zweieinhalb Stunden Fahrt sollten wir dennoch einplanen. Dort erwartet uns eine herrliche Hafendusche und ein noch herrlicherer Sonnenuntergang. Doch das Beste kommt am nächsten Tag: das Trockenfallen. Das bedeutet, dass sich das Wasser vom Land zurückzieht.

Das geht nicht überall

Das gibt es nur im Wattenmeer. Und nur mit Schiffen, die keinen Kiel haben. Wie eben die hier zu Hunderten herumfahrenden Plattbodenschiffe. Und im Gegensatz zu Tagen, an denen man sich Wind wünscht, ist die heutige Flaute sogar willkommen. Len und Elke suchen sich dazu eine geeignete Stelle mitten im Meer, Vlieland, Texel und der Deich, der Ijssel- und Wattenmeer trennt, sind nur in der Ferne auszumachen. Elke schmeißt den Anker und misst mit dem Enterhaken den Wasserstand: 1,80 Meter. Jetzt heißt es warten.

Alles bräunt sich, liest, spielt, knabbert Kekse. Müßiggang in Reinkultur. Dabei kann man dem Wasser förmlich zusehen, wie es durch den Priel (Wasserlauf im Watt) wegströmt. Len warnt, nicht hineinzuspringen, man würde abgetrieben werden, so stark ist die Strömung. Eine Stunde später gibt er aber seinen Segen. Schließlich kann man in dem rund 19 Grad warmen Wasser mittlerweile stehen. Dann verschwindet das Wasser und das Schiff steht komplett auf der Sandbank. Wir machen einen Spaziergang über den Sand, die Kinder spielen in den Pfützen, die Muschelsammler werden wieder aktiv. Mehr als 500 Meter soll man sich nicht entfernen. Denn das Wasser kommt auch wieder, manchmal an unerwarteter Stelle.

Am nächsten Tag erwartet uns nochmal ein langer Schlag quer übers nur wenige Meter tiefe Ijsselmeer. Doch soll keiner sagen, dass hier nicht ordentlich Wind blasen kann. Mit dessen Hilfe und all unseren zehn Segeln, die eine Fläche von rund 310 Quadratmetern ergeben, geht es nach Medemblik schneller als erwartet. So kommen wir auch schneller als gedacht zu einem Pannekoeken und zur Abschiedspizza, die wir zur Feier des Tages an Land einnehmen.

Segeltouren auf dem Ijsselmeer und der Nordsee werden von diversen Dienstleistern angeboten. Weitere Informationen finden Sie unter: www.holland.com

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