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Luxuszug "Eastern & Oriental Express" von Thailand nach Singapur

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2. Teil: Ein Widerspruch, der in Asien zum Alltag gehört

05.04.2011, 10:38 Uhr | Karl-Ludwig Günsche, Spiegel Online

Luxuszug "Eastern & Oriental Express" von Thailand nach Singapur. Der Luxuszug "Eastern & Oriental Express" entführt Passagiere in eine goldene Scheinwelt. (Foto: Orient Express)

Der Luxuszug "Eastern & Oriental Express" entführt Passagiere in eine goldene Scheinwelt. (Foto: Orient Express)

Thanasin hat inzwischen die Betten hergerichtet. Eine Blumenkette, thailändisches Zeichen der Gastfreundschaft, liegt auf jedem Kopfkissen. In der ersten Nacht rüttelt und rappelt der Express, schüttelt und schaukelt, doch irgendwann wiegt das Rattern in den Schlaf. Als der Morgen graut, gehören die bedrückenden Bilder Bangkoks schon der Vergangenheit an. Vor den Fenstern zieht eine friedliche Landschaft vorbei: Reisfelder, Zuckerrohr- und Bananenplantagen, Palmwälder, Papaya-Bäumchen, kleine Dörfchen, hin und wieder ein Tempel. Dann die spektakuläre Brücke am Kwai, die ein Film berühmt gemacht hat. Ohne dieses noch immer unvergessene Heldenepos aus den fünfziger Jahren und die Filmmusik würden sich heute wohl eher selten Touristen in diese Ecke an der thailändisch-birmanischen Grenze verirren. Ein riesiges Gräberfeld und ein bedrückendes Museum erinnern an die Leiden der zu Zehntausenden gestorbenen Kriegsgefangenen, die einst die berühmte Brücke bauen mussten. Die Inschriften auf den Grabsteinen machen nachdenklich: Die meisten Toten waren nicht einmal 25 Jahre alt geworden.

Luxus im Zug, Armut vor dem Fenster

Es ist nur ein kurzes Innehalten. Der Zug wartet schon: Lunch, Siesta. Gemächlich streckt sich der Tag dahin. Tempel und Menschen, Tiere und Landschaft, flüchtige Eindrücke im Vorübergleiten. Im offenen Aussichtswagen am Ende des Zuges spürt man die seidig weiche Luft, riecht man den Duft der üppigen Landschaft Asiens. Die Muße des Reisens erreicht nun auch die Seele. Am nächsten Morgen ist Hatjai erreicht, die letzte Station in Thailand. Am Bahndamm stehen sie wieder, die armseligen Hütten und die abgerissenen Kinder, die zu jeder größeren Stadt in Südost-Asien gehören, das Leben auf dem Müll. Es ist erneut einer der zwiespältigen Eindrücke dieser Reise: Thanasin hat gerade das Frühstück serviert. Es ist alles da, frische Croissants, Brötchen, Butter, Joghurt, Obst, Saft, Kaffee. Tee. Im Anblick der bitteren Armut vor dem doppelt verglasten Fenster könnte einem der Bissen im Halse stecken bleiben - für den, der in Asien lebt, ist es ein Widerspruch, der zum Lebensalltag gehört und nie gelöst wird.

Eastern & Oriental Express: Endstation Singapur

Der Express rollt über die Grenze nach Malaysia, und schon ist der letzte Abend an Bord angebrochen. Im Barwaggon schwankt die Stimmung zwischen ausgelassen und wehmütig. Peter, der Mann am Klavier, läuft zu großer Form auf: Jede Nation wird mit einem besonderen Gruß bedacht. Kaiserwalzer für das österreichische Paar, "La Vie en Rose" für die Franzosen, eine Elvis-Version von "Muss I denn.." für die Deutschen. Die ratternden Räder sind in dieser Nacht schon längst Gewohnheit. Kuala Lumpur wird verschlafen. Dann ist die Endstation dieser Reise erreicht, Singapur, der strenge Stadtstaat, der nicht nur die Einfuhr von Alkohol, sondern auch von Kaugummi verbietet. Schnüffelhunde und martialische Polizisten durchsuchen den Zug. Die "Keppel Railway Station" ist sauber und unspektakulär, und der Abschied muss schnell gehen. Auf dem Flughafen wird geschubst und gedrängelt - statt Gast, dem alles abgenommen wird, ist man hier eine Art menschliches Frachtgut. Größer könnte der Kontrast nicht sein. Der Alltag ist zurück, aber die Erinnerung an eine Zeitreise wird bleiben - an eine nostalgische Scheinwelt aus dem goldenen Zeitalter der Eisenbahn.

1. Teil: Goldene Scheinwelt

2. Teil: Ein Widerspruch, der in Asien zum Alltag gehört

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