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Philippinen: Calauit - Klein-Afrika in Südostasien

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Klein-Afrika in Südostasien

28.11.2011, 09:27 Uhr | AFP

Philippinen: Calauit - Klein-Afrika in Südostasien. Falscher Ort: Giraffen-Safari auf den Philippinen (Quelle: AFP)

Falscher Ort: Giraffen-Safari auf den Philippinen (Quelle: AFP)

Eine Giraffenherde, Zebras und Antilopen auf einer Mini-Insel im Westpazifik: Das ist das skurrile Erbe des einstigen philippinischen Diktators Ferdinand Marcos. Die Vierbeiner sind Nachkommen einer Bootsladung kenianischer Wildtiere, die Marcos in den 1970er Jahren auf die Philippinen-Insel Calauit verschiffen ließ - dem Mythos nach als Arche-Noah-ähnliches Projekt, um die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. Heute werden die Savannen-Tiere als Touristenattraktion beworben: ein Stück Afrika vor südostasiatischer Kulisse. Doch die Einheimischen wären die gefräßigen Vierbeiner am liebsten wieder los. Sehen Sie die Insel auch in unserer Foto-Show.

Bewohner wurden für die Tiere vertrieben

Auf Calauit mussten die Bewohner auf Anordnung Marcos ihre Häuser räumen, um Platz für die Neuankömmlinge aus Kenia zu machen. Die heimischen Bambuswälder ließ Marcos roden, um die Inselvegetation zumindest stellenweise in eine Art ostafrikanische Savanne zu verwandeln. Etwa hundert afrikanische Tiere wurden in den 1970ern ausgesetzt, und bis heute hat sich etwa die gleiche Zahl an Nachkommen dieser Vierbeiner auf der Insel gehalten. Besucher, die auf das kleine Eiland etwa 300 Kilometer südöstlich von Manila kommen, können unter Baldachinen übernachten und schon beim Aufwachen nur wenige Meter entfernt Giraffen und Zebras äsen sehen. "Das ist ein besonderes Erlebenis, wir haben noch nie Giraffen gesehen", sagt die 25-jährige Gleng Buele, eine Krankenschwester aus Manila, die mit drei Freunden die Insel besucht. Den Tourismus ankurbeln, das war auch Marcos wahres Motiv für das Umsiedelungsprojekt - die Rettungsaktion für bedrohte Tierarten dagegen Legende. So berichtet es zumindest der Brite Tony Parkinson, der die Wildtierfracht organisierte. Keine der Tierarten sei damals vom Aussterben bedroht gewesen, diese Behauptung sei "wirklich Quatsch", sagt der 75-Jährige: "Wir hätten die Tiere nie auf eine Insel gebracht, wenn sie gefährdet gewesen wären."

Inzucht ist eines der größten Probleme

Heute ist die Insel alles andere als ein tropisches Refugium für bedrohte Tiere, sondern eine Art Großtierpark mit jeder Menge Schwierigkeiten: Weil die wenigen Tiere sich nur untereinander paaren können, ist Inzucht eines der größten Probleme. Drei der Antilopen-Arten, die hier einst freigelassen wurden, sind schon wieder ausgestorben. Und weil der Bambus nicht mehr so beharrlich gerodet wird wie zu Beginn des Projekts, ziehen sich vor allem die Giraffen Verletzungen an den spitzen Trieben zu. Durch den Sparkurs der Regierung in Manila arbeiten derzeit nur noch 34 Frauen und Männer in dem Park, etwa ein Zehntel der einstigen Mannschaft. Derweil sind die unter Marcos vertriebenen Einheimischen zurückgekehrt und machen Parkmanager Froilan Sariego zufolge den Wildtieren das Leben schwer: Sie töteten die Tiere, um ihr Fleisch zu verkaufen oder selbst zu essen - oder um die Tiere daran zu hindern, die Ernte wegzufressen. Der einst größte Giraffenbulle der Insel, Binoy, wurde Sariego zufolge vor einigen Jahren tödlich verletzt mit einem Speer in der Seite aufgefunden. Auch daran, dass es auf Calauit keine Impala-Antilopen mehr gebe, seien die Einheimischen Schuld, sagt Sariego.

Einwohner ärgern sich über Wildtiere

Die Inselbewohner räumen ein, dass sie sich über die gefräßigen Wildtiere ärgern: "Die Giraffen richten so viel Schaden an", sagt beispielsweise Dante Dabuit: "Sobald sie an Bananen rankommen, bleibt für uns nichts mehr übrig." Bei Cashew-Blättern und Papayas sei das nicht anders. Auch Zäune hielten die Giraffen mit ihren langen Hälsen nicht fern - "manchmal zerstören sie die Zäune auch einfach". Dennoch machten die Einheimischen keine Jagd auf die Tiere, versichert Dabuit: "Wenn die Leute sie ausrotten wollten, könnten sie sie alle binnen einer Woche erlegen - so viele gibt es hier nicht."

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