02.08.2013, 10:37 Uhr | Jutta Lemcke, srt
Mit einer traditionellen Barke durchs Land der tausend Tempel zu reisen, ist die stilvollste Art, Thailand zu entdecken. So erleben Gäste Kultur indem sie beispielsweise die Königsstadt und Tempelanlagen besichtigen und können trotzdem bei einem kühlen Bier und den seichten Wellen relaxen. Wie das aussieht, sehen Sie auch in unserer Foto-Show.
"Niederknien." Der heilige Mann weist freundlich nach unten, und wir beugen die Knie, ein Bund gelber Orchideen und Räucherstäbchen zwischen den gefalteten Händen. Verstohlene Blicke nach links und rechts. Aha, so geht das. Die Augen niederschlagen, dann die zuvor für 100 Baht, knapp 2,50 Euro, erstandenen Opfergaben an den ganz in Orange gekleideten Mönch übergeben und warten, bis dieser sein gemurmeltes Gebet beendet hat. Zum Schluss folgt eine Dusche - der heilige Mann sprengt eine Ladung Wasser auf uns und grinst freundlich über die überraschten Gesichter. Doch in Thailand ist es kein Problem, wenn man als ausländischer Gast die Rituale nicht perfekt beherrscht. Im Land des Lächelns nehmen die Einheimischen das mit buddhistischem Gleichmut hin.
Wir sind auf dem Fluss zum Tempel Wat Bot gekommen - mit einer hölzernen Barke über den Chao Phraya direkt aus der Mega-City Bangkok. Dort liegt die "Anantara Dream" vor Anker, eine rund hundert Jahre alte, 18 Meter lange ehemalige Reisbarke, gebaut aus Teak und Mahagoni. Drei Tage geht es von der Hauptstadt über den mächtigen Strom gen Norden bis zur alten Königsstadt Ayutthaya. Auf dem gelblich schimmernden Wasser tanzen Sonnenstrahlen, die Barke zieht an Tempeln und riesigen, goldglänzenden Buddhas vorbei. Wir sehen prächtige Villen mit viktorianischen Säulen, dann wieder einfache Hütten auf Holzstelzen, gegen die das Wasser platscht. Orchideen schmücken die Veranden, Wäsche flattert im Wind.
Die Barke tuckert gemächlich den Fluss stromaufwärts und gleitet durch Teppiche aus Wasserhyazinthen. Die Gäste - nur vier für zwei Kabinen - versammeln sich in der schwülen Hitze im Schatten des Bambusdaches, dösen auf dem Sofa und lassen sich von Chef-Stewart Truly frischen Mangosaft oder eisgekühltes Singha-Bier servieren. Die langsame Art des Reisens. Lastkähne fahren vorbei - manchmal drei oder vier zusammengekettet, gezogen von bunt bemalten Schleppern. Sie transportieren Sand, Baumaterial oder Reis nach Bangkok. Die Familien leben auf den Kähnen, die oft so tief im Wasser liegen, dass die Wellen über Bord schwappen. Frauen putzen Gemüse, Männer ruhen im Schatten, Hunde schnuppern auf dem Boot herum.
Der Tag zieht vorbei. Wir füttern Fische, lesen, plaudern mit Kapitän Leky und steuern auf das Highlight unserer Reise zu: Ayutthaya, die Hauptstadt des einstigen Siam. Im 18. Jahrhundert war sie das Zentrum Südostasiens, bis die Burmesen die Stadt 1767 fast vollständig zerstörten. Die alte Pracht lässt sich noch erahnen. Ekachani, unser Guide, führt uns zur sagenumwobenen und einst unermesslich reichen Tempelanlage Wat Mahathat und zum Wat Chaiwattanaram, der wie eine verkleinerte Ausgabe von Angkor Wat in Kambodscha erscheint. Eine Sinfonie aus Stein mit Chedis, Heiligtümern, Statuen und unzähligen Verzierungen, die sich die Natur unaufhaltsam zurückerobert. Verzaubert von dem himmlischen Erbe der Könige Siams bringt uns Ekachani zum ältesten Tempel Ayutthayas, der vor vielen hundert Jahren als heiliges Haus für eine riesige sitzende Buddha-Statue errichtet wurde.
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"Ich werde euch etwas Besonderes zeigen", verspricht unser Guide und schleust uns ins Gebäude. Unzählige betende Menschen sitzen unterhalb der 20 Meter hohen Buddha-Gestalt, die über und über mit Gold überzogen ist. Sie haben als Opfergabe orangefarbene Roben mitgebracht, die von Helfern im Sekundentakt auf eine Empore zu Füßen des Buddhas geschleudert werden und am Ende der Zeremonie zusammengeknotet die gigantische goldschimmernde Statue umhüllen.
Am Abend sitzen wir wieder an Deck unserer Barke. Die untergehende Sonne taucht den Chao Phraya und die heiligen Gebäude am Ufer in ein rosa schimmerndes Licht. Ein passender Abschluss für einen Tag voller fremder Impressionen. Nach dem Dinner unterm Sternenhimmel klettern alle nach und nach in den Rumpf des Schiffes in ihre komfortablen, mit Teakholz ausgestatteten Kabinen mit Dusche und Klimaanlage und gleiten beim Schunkeln der Wellen sanft in den Schlaf.
Am nächsten Morgen legt die Barke am königlichen Sommerpalast Bang Pa-In an. Wasserschlösschen, Pavillons und Residenzen überraschen mit kolonialem Design und einer unerwarteten Innenausstattung mit schweren Brokatvorhängen, Kristalllüstern und Meissner Porzellan. Das letzte Mal war der aktuelle König Rama IX, Bhumibol Adulyadej, vor 18 Jahren hier, um Queen Elisabeth II. würdig zu empfangen. Ein außergewöhnliches Zusammentreffen, denn König Bhumibol ist vor der Queen das älteste regierende Staatsoberhaupt der Welt.
Könige werden in Thailand wie Heilige verehrt - dazu erzählt ein Grabmal in Bang Pa-In eine traurige Geschichte. König Rama V. verlor deshalb seine ganze Familie, Frau und drei kleine Kinder. Sie waren mit einer königlichen Barke unterwegs, die in den Wellen umkippte. Keiner der Bediensteten kam den Unglücklichen zur Hilfe - denn es war aufs Strengste verboten, Mitglieder der Königsfamilie zu berühren. Diese Regeln gelten heute nicht mehr. Doch ein Konterfei des geliebten Königs findet sich bald überall - an offiziellen Plätzen ebenso wie in der kleinsten Holzhütte. Auch die königlichen Barken werden weiterhin für Prozessionen vorgehalten. Auf unserem Weg zurück nach Bangkok sehen wir die prächtigen, reich verzierten und vergoldeten Gefährten im Royal Barges National Museum. Mehr als 2000 Ruderer kommen zum Einsatz, wenn sich die 52 Barken zu wichtigen religiösen oder kulturellen Feierlichkeiten nach einer festgelegten Choreographie über den Chao Phraya aus dem Zentrum Bangkoks bis zum Tempel der Morgenröte bewegen.
Dann hat uns die moderne Welt wieder. Der mächtige Fluss wird breiter und belebter. Die Häuser am Ufer stehen dicht an dicht und schon schimmert in der Ferne die Skyline der Millionenmetropole Bangkok. Die alte Barke gleitet zwischen Lastkähnen, Taxibooten und Yachten hindurch, wird bestaunt und fotografiert - diesmal sind wir mit unserem Traditionsboot die Sensation, ein romantischer Gruß aus einer lange vergangenen Zeit.
Auskünfte zu Thailand: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt, Tel. 069/1381390, info@thailandtourismus.de, www.thailandtourismus.de.
Anreise: Thai Airways International bietet pro Woche 19 Nonstop-Flüge ab Deutschland nach Bangkok an. Auf dem täglichen Flug TG921 ab Frankfurt setzt die Fluggesellschaft eine A380 ein. Auskünfte und Buchungen unter www.thaiair.de oder unter Tel. 069/92874444.
Anantara River Cruise: Der River Cruise mit den Schiffen "Anantara Dream" (vier Gäste) und "Anantara Song" (acht Gäste) wird von der thailändischen Hotelgruppe "Anantara Hotels, Resorts & Spa" angeboten (www.cruises.anantara.com). Die Gruppe unterhält insgesamt zehn Resorts in Thailand, davon drei in Bangkok. Die Anantara Schiffe liegen vor dem Hotel "Anantara Riverside" am Chao Phraya vor Anker.
Reiselektüre: Empfehlenswert sind die Reiseführer aus dem Reise Know-How Verlag: Thailand Handbuch (900 Seiten, 24,90 Euro) und City/Trip Bangkok (144 Seiten, 9,80 Euro). www.reise-know-how.de.
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02.08.2013, 10:37 Uhr | Jutta Lemcke, srt
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