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Saudi-Arabien: Leben hinter dem Schleier

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Einblicke in eine fremde Welt  

Saudi-Arabien - Leben hinter dem Schleier

28.10.2013, 13:51 Uhr | Brigitte von Imhof, srt

Saudi-Arabien: Leben hinter dem Schleier. Saudi-Arabien. So weit weg und auch so fremd. (Quelle: Reuters)

Saudi-Arabien. So weit weg und auch so fremd. (Quelle: Reuters)

Immer öfter demonstrieren Frauen in Saudi-Arabien gegen das Fahrverbot. Doch nicht nur der Straßenverkehr ist in ausschließlich männlicher Hand. Besuch in einer unbekannten, befremdlichen Welt, zu der Touristen nur schwer oder gar keinen Zutritt bekommen. Schauen Sie sich daher mit uns bequem Saudi-Arabien in unserer Foto-Show an.

Typisch Frau am Steuer! Während Frauen hierzulande diese Bemerkung als Beleidigung empfinden, wären Frauen in Saudi-Arabien glücklich über eine solche Äußerung. Denn wie kann ihr Fahrstil kritisiert werden, wenn sie nie Gelegenheit bekommen, sich hinters Lenkrad eines Autos zu setzen? Doch das Fahrverbot ist nur eine von zahllosen Merkwürdigkeiten, die einer westlichen Besucherin in Saudi-Arabien auffallen.

Fliegende Gebetsteppiche

Bei der Zwischenlandung der Lufthansa-Maschine in Riad macht sich in der Kabine Unruhe breit. Es ist kurz vor Sonnenuntergang, Zeit für das Gebet. Der Chefsteward macht eine Durchsage in Englisch: Wegen der Betankung der Maschine sei es nicht erlaubt den Sitzplatz zu verlassen und den Gebetsteppich auf dem Boden auszurollen, das Gebet müsse am Platz vollzogen werden, der Teppich könne auf den ausklappbaren Esstisch gelegt werden. Im Übrigen stehe die Maschine in Richtung Mekka. Die Flugbegleiterinnen versuchen der Überschwemmung in den Toiletten Herr zu werden, das die Pilger bei der vorschriftsmäßig rituellen Waschung angerichtet haben.

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Frauen (fast) ohne Freiheiten

Sammar heißt unsere Begleiterin auf der Stadttour durch Jeddah. Sie arbeitet in der Marketingabteilung eines internationalen Kettenhotels. Was in unseren Ohren unspektakulär klingt, ist in Saudi-Arabien ungewöhnlich. Denn im Land arbeiten nur rund fünf Prozent der Frauen, überwiegend in sozialen, pädagogischen Berufen. Woran das liegt? Was Frauen tun und lassen dürfen, darüber entscheidet der männliche Vorgesetzte der Frau, also Vater, Bruder, Onkel oder Ehemann. Und wie sollen die Frauen ohne Auto zu ihrem Arbeitsplatz kommen? Sammar teilt sich mit zwei Freundinnen einen Chauffeur – eine Lösung, die nur bei gutem Verdienst realisierbar ist. Aus dem Bus erhaschen wir einen Blick auf das Strandleben der Einheimischen. Kinder toben im Wasser, Teenager spielen Fußball, die Männer sitzen diskutierend zusammen und die Frauen in ihren schwarzen Abayas mit Schleier haben auf Decken das Picknick ausgebreitet. Das ist ihr Zuständigkeitsbereich.

Gänsehaut auf dem Windturm

Wir befinden uns auf der offenen Terrasse eines Windturms inmitten der Altstadt von Jeddah. Der Steinboden ist mit Teppichen und roten Sitzkissen gepflastert, es gibt Tee und Gebäck. Die Brise fühlt sich herrlich an, ein verführerisches Gewürzgemisch-Aroma liegt in der Luft. Plötzlich zerreißt der Ruf des Muezzin die Stille. "Allahu akbar", Gott ist größer, tönte es aus dem Lautsprecher. Es ist der Auftakt eines rund 20-minütigen Muezzin-Kanons, in den alle 37 Moscheen im Altstadt-Karree einstimmen. Eine Szene mit Ganzkörper-Gänsehaut-Garantie, die sich jeden Tag fünfmal wiederholt.

Shopping ohne 1001-Nacht-Zauber

Altstadt oder Shopping Mall? Natürlich entscheiden wir uns für Erste. Die Auswahl taugt eher für den saudischen Alltag als für Souvenir-Schnäppchen. Doch es gibt schöne bunte Teppiche und Tücher, Weihrauch-Brenner in allen Varianten und Wecker mit „Allah-Akbar“-Weckruf. Es stellt sich aber später heraus, der Wecker sich nicht zum Deppen machen lässt: Der Ruf ertönt nur zu den realen Gebetszeiten und lässt sich nicht zu irgendeiner beliebigen Weckzeit aktivieren. Es gibt Berge von Nüssen und Datteln – eine gute Nasch-Alternative zu den Bergen zuckertriefender Süßigkeiten. Die Verkäufer – nur Männer natürlich – sind zurückhaltend, preisen zaghaft ihre Ware an und fordern mit schüchternen Handbewegungen zum Nähertreten auf.

Tourismus ja, (westliche) Touristen nein

Treffen mit Mohammed Al-Amri, dem Chef der staatlichen Kommission "Tourism & Antiques". Seine Exzellenz ist ein Scheich par excellence: die Armbanduhr ein Vermögen wert, der Blick scharf wie der eines Jagdfalken, die Attitüde selbstsicher, das Englisch geschliffen. Es geht um Tourismus. Attraktionen gebe es genug, etwa die spektakuläre Ausgrabungsstätte Mada'in Salih, ein Unesco-Weltkulturerbe. Sie ist bekannt für ihre über 100 aus dem Fels gemeißelten  prähistorischen Monumentalgräber. Westliche Besucher bleiben jedoch ausgeschlossen.

Stadt der unbekannten Superlative

Die Drei-Millionen-Hafenmetropole Jeddah hat durchaus Sightseeing-Potential. Da wären zum Beispiel die zum Teil meterhohen, spektakulären Skulpturen entlang der Stadtautobahnen und an Kreisverkehrsinseln, darunter sollen auch auch Original-Picassos sein. Da ist der mit 250 Metern höchste, palmenförmige Fernsehturm des Landes. Da ist die King Fahd's Fountain, der dem mit 321 Meter höchste Springbrunnen der Welt. Kürzlich wurde mit dem Bau des (wieder einmal) höchsten Gebäudes der Welt begonnen werden: Der Kingdom Tower wird 1600 Meter hoch in den Himmel ragen. Entlang der Uferstraße, der Corniche, passieren wir unzählige Moscheen, futuristisch aussehende Wolkenkratzer und prunkvolle Paläste, hinter deren Mauern man nur zu gerne mal einen Blick werfen möchte. Den einst so wunderschönen, aus Korallen, Marmor, Stein und Holz gefertigten Häusern in der Altstadt dagegen droht der Verfall. Die Stadtverwaltung will die Besitzer nur zur Sanierung ermutigen.

Leben im Stau

Jeddahs Straßen sind Tag und Nacht verstopft. Das mag unter anderem daran liegen, dass die Saudis wie die Henker fahren, zu ständigem Spurwechsel, exzessiven Beschleunigungen, gefolgt von Vollbremsungen neigen. Das führt zu zahllosen Unfällen. Meist sind es Blechschäden, aber die teilweise Sperrung von ein oder zwei Spuren bringen den Verkehrsfluss gleich zum Erliegen. Außerdem halten viele Autofahrer, auch Taxifahrer, zu den Gebetszeiten einfach mal an, verlassen ihr Fahrzeug und richten ihren Gebetsteppich gen Mekka aus.

Girls just wanna have fun!

Im 11. Stock des Sheraton Hotels sind zwei Säle für eine Verlobungsfeier festlich eingedeckt. Die ersten Frauen treffen in der Hotelhalle ein. Alle haben ihr Handy am Ohr. Aus den Augenschlitzen klimpern künstliche Wimpern, unter dem Saum der Abayas ragen edle, teilweise mit Edelsteinen verzierte High Heels. Die Abayas werden sie in wenigen Minuten ablegen und ihren Freundinnen ihre Designer-Outfits präsentieren. Gelegenheiten dazu sind selten genug. Die jungen Frauen nützen Verlobungs- und Hochzeitsfeiern gerne dazu, sich potentiellen Schwiegermüttern zu empfehlen. Sie werden tanzen, ein DJ wird für sie auflegen, doch ein Vorhang wird die Sicht auf ihn verhindern. Und was ist nebenan bei den Männern los? Sterbenslangweilig, versichern Eingeweihte. Der Verlobte wird auf ein Sofa gesetzt, ausgiebig begutachtet und beglückwünscht. Dann wird gegessen, und das war's dann. Die Männergesellschaft löst sich bald auf, während es die Mädels die halbe Nacht krachen lassen.

Weitere Informationen
• Saudi-Arabien ist 6 x so groß wie Deutschland. Einwohnerzahl: 27 Mio.
• Die größten Städte (alle über 1 Million Einwohner) sind Riad (Hauptstadt), Jeddah, Mekka und Medina.
• Saudi-Arabien ist eine absolutistische Monarchie. Staatsoberhaupt ist König Abdullah.
• Der Islam ist Staatsreligion. Mit Mekka und Medina beherbergt das Land die heiligsten Stätten des Islam mit Mio. von Pilgern aus aller Welt
• Besitz und Konsum von Alkohol ist strengstens verboten.
• Frauen stellen die Mehrheit der Universitätsstudenten, jedoch arbeiten nur 5 Prozent der Frauen
• Saudi-Arabien ist zweitgrößter Ölproduzent der Welt, pro Tag werden circa 10 Millionen Barrel Rohöl gefördert.

Reiseinfo: Lufthansa fliegt von Frankfurt und München aus täglich nach Riad und Jeddah. Der Einreise unterliegen strenge Visabestimmungen. Touristenvisa für westliche Besucher werden nur in Ausnahmefällen ausgestellt.

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